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Das Evangelium nach Matthäus.

Der Stammbaum Jesu.

1Chr 1,34; 2,1-15; 3,5.10-19; Lk 3,23-38.

Kapitel 1

1,1 Buch des Geschlechts Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams.

1,2 Abraham zeugte Isaak; Isaak aber zeugte Jakob, Jakob aber zeugte Juda und seine Brüder; 1,3 Juda

aber zeugte Perez und Serah von der Thamar; Perez aber zeugte Hezron, Hezron aber zeugte Ram, 1,4

Ram aber zeugte Amminadab, Amminadab aber zeugte Nahesson, Nahesson aber zeugte Salma, 1,5

Salma aber zeugte Boas von der Rahab; Boas aber zeugte Obed von der Ruth; Obed aber zeugte Jesse,

1,6 Jesse aber zeugte David, den König. David aber zeugte Salomo von der [Frau] des Uria; 1,7

Salomo aber zeugte Rehabeam, Rehabeam aber zeugte Abia, Abia aber zeugte Asa, 1,8 Asa aber

zeugte Josaphat, Josaphat aber zeugte Joram, Joram aber zeugte Usia, 1,9 Usia aber zeugte Jotham,

Jotham aber zeugte Ahas, Ahas aber zeugte Hiskia, 1,10 Hiskia aber zeugte Manasse, Manasse aber

zeugte Amon, Amon aber zeugte Josia, 1,11 Josia aber zeugte Jojachin und seine Brüder um die Zeit

der Wegführung nach Babylon. 1,12 Nach der Wegführung nach Babylon aber zeugte Jojachin

Schealthiel, Schealthiel aber zeugte Serubabbel, 1,13 Serubbabel aber zeugte Abiud, Abiud aber

zeugte Eljakim, Eljakim aber zeugte Asor, 1,14 Asor aber zeugte Zadok, Zadok aber zeugte Achim,

Achim aber zeugte Eliud, 1,15 Eliud aber zeugte Eleasar, Eleasar aber zeugte Matthan, Matthan aber

zeugte Jakob, 1,16 Jakob aber zeugte Joseph, den Mann Marias, von welcher Jesus geboren wurde, der

Christus genannt wird.

1,17 So sind nun alle Geschlechter von Abraham bis auf David vierzehn Geschlechter und von David

bis zur Wegführung nach Babylon vierzehn Geschlechter und von der Wegführung nach Babylon bis

auf den Christus vierzehn Geschlechter.

Die Geburt Jesu.

Lk 2,1-7.

1,18 Mit der Geburt Jesu Christi verhielt es sich aber so: Als nämlich Maria, seine Mutter, dem Joseph

verlobt war, wurde sie, ehe sie zusammengekommen waren, schwanger erfunden von dem Heiligen

Geist. 1,19 Joseph aber, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht öffentlich bloßstellen wollte, gedachte

sie heimlich zu entlassen. 1,20 Während er dies aber bei sich überlegte, siehe, da erschien ihm ein

Engel des Herrn im Traum und sprach: Joseph, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu

dir zu nehmen; denn das in ihr Gezeugte ist von dem Heiligen Geist. 1,21 Und sie wird einen Sohn

gebären, und du sollst seinen Namen Jesus nennen; denn er wird sein Volk erretten von seinen Sünden.

1,22 Dies alles geschah aber, damit erfüllt würde, was von dem Herrn geredet ist durch den Propheten,

der spricht: 1,23 "Siehe, die Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden

seinen Namen Emmanuel nennen", was übersetzt ist: Gott mit uns. 1,24 Joseph aber, vom Schlaf

erwacht, tat, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich; 1,25 und er

erkannte sie nicht, bis sie ihren erstgeborenen Sohn geboren hatte; und er nannte seinen Namen Jesus.

Die Magier aus dem Osten.

Kapitel 2

2,1 Als aber Jesus zu Bethlehem in Judäa geboren war, in den Tagen des Königs Herodes, siehe, da

kamen Weise vom Morgenland nach Jerusalem, die sprachen: 2,2 Wo ist der König der Juden, der

geboren worden ist? Denn wir haben seinen Stern im Morgenland gesehen und sind gekommen, ihm

zu huldigen.

2,3 Als aber der König Herodes es hörte, wurde er bestürzt und ganz Jerusalem mit ihm; 2,4 und er

versammelte alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erkundigte sich bei ihnen, wo der

Christus geboren werden solle. 2,5 Sie aber sagten ihm: Zu Bethlehem in Judäa; denn so steht durch

den Propheten geschrieben: 2,6 "Und du, Bethlehem, Land Juda, bist keineswegs die geringste unter

den Fürsten Judas; denn aus dir wird ein Führer hervorkommen, der mein Volk Israel hüten wird."

2,7 Dann berief Herodes die Weisen heimlich und erforschte genau von ihnen die Zeit der Erscheinung

des Sternes; 2,8 und er sandte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht genau nach dem

Kindlein; wenn ihr es aber gefunden habt, so berichtet es mir, damit auch ich komme und ihm huldige.

2,9 Sie aber zogen hin, als sie den König gehört hatten. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland

gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er kam und oben über [dem Ort] stand, wo das Kindlein war.

2,10 Als sie aber den Stern sahen, freuten sie sich mit sehr großer Freude. 2,11 Und als sie in das Haus

gekommen waren, sahen sie das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und sie fielen nieder und huldigten

ihm; und sie taten ihre Schätze auf und opferten ihm Gaben: Gold und Weihrauch und Myrrhe. 2,12

Und als sie im Traum eine göttliche Weisung empfangen hatten, nicht wieder zu Herodes

zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg hin in ihr Land.

Flucht nach Ägypten - Kindermord zu

Bethlehem.

2,13 Als sie aber hingezogen waren, siehe, da erscheint ein Engel des Herrn dem Joseph im Traum und

spricht: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir und fliehe nach Ägypten, und bleibe dort,

bis ich es dir sage; denn Herodes wird das Kindlein suchen, um es umzubringen. 2,14 Er aber stand

auf, nahm das Kindlein und seine Mutter des Nachts zu sich und zog hin nach Ägypten. 2,15 Und er

war dort bis zum Tod des Herodes, damit erfüllt würde, was von dem Herrn geredet ist durch den

Propheten, der spricht: "Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen."

2,16 Da ergrimmte Herodes sehr, als er sah, daß er von den Weisen hintergangen worden war; und er

sandte hin und ließ alle Knaben töten, die in Bethlehem und in seinem ganzen Gebiet waren, von zwei

Jahren und darunter, nach der Zeit, die er von den Weisen genau erforscht hatte. 2,17 Da wurde erfüllt,

was durch den Propheten Jeremia geredet ist, der spricht: 2,18 "Eine Stimme ist in Rama gehört

worden, Weinen und viel Wehklagen: Rahel beweint ihre Kinder, und sie wollte sich nicht trösten

lassen, weil sie nicht [mehr] sind."

Rückkehr aus Ägypten.

2,19 Als aber Herodes gestorben war, siehe, da erscheint ein Engel des Herrn dem Joseph in Ägypten

im Traum 2,20 und spricht: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir und zieh in das Land

Israel; denn sie sind gestorben, die dem Kindlein nach dem Leben trachteten. 2,21 Und er stand auf

und nahm das Kindlein und seine Mutter zu sich, und er kam in das Land Israel. 2,22 Als er aber hörte,

daß Archelaus über Judäa herrsche anstatt seines Vaters Herodes, fürchtete er sich, dahin zu gehen;

und als er im Traum eine göttliche Weisung empfangen hatte, zog er hin in die Gegenden von Galiläa

2,23 und kam und wohnte in einer Stadt, genannt Nazareth; damit erfüllt würde, was durch die

Propheten geredet ist: "Er wird Nazoräer genannt werden."

Johannes der Täufer.

Mk 1,1-8; Lk 3,1-18; (Joh 1,19-28).

Kapitel 3

3,1 In jenen Tagen aber kommt Johannes der Täufer und predigt in der Wüste von Judäa 3,2 und

spricht: Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe gekommen. 3,3 Denn dieser ist der, von dem

durch den Propheten Jesaja geredet ist, der spricht: "Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet den

Weg des Herrn, macht gerade seine Pfade!" 3,4 Er aber, Johannes, hatte seine Kleidung von

Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Lenden; seine Speise aber waren Heuschrecken und

wilder Honig.

3,5 Da ging zu ihm hinaus Jerusalem und ganz Judäa und die ganze Umgegend des Jordan; 3,6 und sie

wurden von ihm im Jordan getauft, indem sie ihre Sünden bekannten.

3,7 Als er aber viele der Pharisäer und Sadduzäer zu seiner Taufe kommen sah, sprach er zu ihnen:

Otternbrut! Wer hat euch gewiesen, dem kommenden Zorn zu entfliehen? 3,8 Bringt nun der Buße

würdige Frucht; 3,9 und denkt nicht, bei euch selbst zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater; denn

ich sage euch, daß Gott dem Abraham aus diesen Steinen Kinder zu erwecken vermag. 3,10 Schon ist

aber die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum nun, der nicht gute Frucht bringt, wird

abgehauen und ins Feuer geworfen. 3,11 Ich zwar taufe euch mit Wasser zur Buße; der aber nach mir

kommt, ist stärker als ich, dessen Sandalen zu tragen ich nicht würdig bin; er wird euch mit Heiligem

Geist und Feuer taufen; 3,12 seine Worfschaufel ist in seiner Hand, und er wird seine Tenne durch und

durch reinigen und seinen Weizen in die Scheune sammeln, die Spreu aber wird er mit

unauslöschlichem Feuer verbrennen.

Die Taufe Jesu.

Mk 1,9-11; Lk 3,21-22; (Joh 1,29-34).

3,13 Dann kommt Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. 3,14

Johannes aber wehrte ihm und sprach: Ich habe nötig, von dir getauft zu werden. Und du kommst zu

mir? 3,15 Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Laß es jetzt [so sein]; denn so gebührt es uns, alle

Gerechtigkeit zu erfüllen. Dann läßt er es ihm zu. 3,16 Und als Jesus getauft war, stieg er sogleich aus

dem Wasser herauf; und siehe, die Himmel wurden [ihm] aufgetan, und er sah den Geist Gottes wie

eine Taube herabfahren und auf ihn kommen. 3,17 Und siehe, eine Stimme [kommt] aus den Himmeln,

welche spricht: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.

Die Versuchung Jesu.

Mk 1,12-13; Lk 4,1-13.

Kapitel 4

4,1 Dann wurde Jesus von dem Geist in die Wüste hinaufgeführt, um von dem Teufel versucht zu

werden; 4,2 und als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn schließlich. 4,3

Und der Versucher trat zu ihm hin und sprach: Wenn du Gottes Sohn bist, so sprich, daß diese Steine

Brote werden. 4,4 Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben: "Nicht von Brot allein soll der

Mensch leben, sondern von jedem Wort, das durch den Mund Gottes ausgeht."

4,5 Darauf nimmt der Teufel ihn mit in die heilige Stadt und stellt ihn auf die Zinne des Tempels 4,6

und spricht zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben: "Er wird

seinen Engeln über dir befehlen, und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du nicht etwa

deinen Fuß an einen Stein stößt." 4,7 Jesus sprach zu ihm: Wiederum steht geschrieben: "Du sollst den

Herrn, deinen Gott, nicht versuchen."

4,8 Wiederum nimmt der Teufel ihn mit auf einen sehr hohen Berg und zeigt ihm alle Reiche der Welt

und ihre Herrlichkeit 4,9 und spricht zu ihm: Dies alles will ich dir geben, wenn du niederfallen und

mich anbeten willst. 4,10 Da spricht Jesus zu ihm: Geh hinweg, Satan! Denn es steht geschrieben: "Du

sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen."

4,11 Dann verläßt ihn der Teufel, und siehe, Engel kamen herbei und dienten ihm.

Bußpredigt in Galiläa.

Mk 1,14.15; Lk 4,14.15.

4,12 Als er aber gehört hatte, daß Johannes überliefert worden war, entwich er nach Galiläa; 4,13 und

er verließ Nazareth und kam und wohnte in Kapernaum, das am See liegt, in dem Gebiet von Sebulon

und Naftali; 4,14 damit erfüllt würde, was durch den Propheten Jesaja geredet ist, der spricht: 4,15

"Land Sebulon und Land Naftali, gegen den See hin, jenseits des Jordan, Galiläa der Nationen: 4,16

Das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen, und denen, die im Land und Schatten

des Todes saßen, ist Licht aufgegangen." 4,17 Von da an begann Jesus zu predigen und zu sagen: Tut

Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe gekommen!

Die ersten Jünger.

Mk 1,16-20; Lk 5,1-11.

4,18 Als er aber am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder: Simon, genannt Petrus, und

Andreas, seinen Bruder, die ein Netz in den See warfen, denn sie waren Fischer. 4,19 Und er spricht zu

ihnen: Kommt mir nach, und ich werde euch zu Menschenfischern machen. 4,20 Sie aber verließen

sogleich die Netze und folgten ihm nach. 4,21 Und als er von dort weiterging, sah er zwei andere

Brüder: Jakobus, den [Sohn] des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, im Schiff mit ihrem Vater

Zebedäus, wie sie ihre Netze ausbesserten; und er rief sie. 4,22 Sie aber verließen sogleich das Schiff

und ihren Vater und folgten ihm nach.

Predigt und Heilungen.

Mk 1,32-39; Lk 4,40-44.

4,23 Und Jesus zog in ganz Galiläa umher, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium des

Reiches und heilte jede Krankheit und jedes Gebrechen unter dem Volk. 4,24 Und sein Ruf ging aus in

das ganze Syrien; und sie brachten zu ihm alle Leidenden, die mit mancherlei Krankheiten und Qualen

behaftet waren, und Besessene und Mondsüchtige und Gelähmte; und er heilte sie. 4,25 Und es folgten

ihm große Volksmengen von Galiläa und dem Zehnstädtegebiet und Jerusalem und Judäa und von

jenseits des Jordan.

Seligpreisungen.

Lk 6,20-23.

Kapitel 5

5,1 Als er aber die Volksmengen sah, stieg er auf den Berg; und als er sich gesetzt hatte, traten seine

Jünger zu ihm. 5,2 Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach: 5,3 Glückselig die Armen im

Geist, denn ihrer ist das Reich der Himmel. 5,4 Glückselig die Trauernden, denn sie werden getröstet

werden. 5,5 Glückselig die Sanftmütigen, denn sie werden das Land erben. 5,6 Glückselig, die nach

der Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie werden gesättigt werden. 5,7 Glückselig die

Barmherzigen, denn ihnen wird Barmherzigkeit widerfahren. 5,8 Glückselig, die reinen Herzens sind,

denn sie werden Gott schauen. 5,9 Glückselig die Friedensstifter, denn sie werden Söhne Gottes

heißen. 5,10 Glückselig die um Gerechtigkeit willen Verfolgten, denn ihrer ist das Reich der Himmel.

5,11 Glückselig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und alles Böse lügnerisch gegen euch

reden werden um meinetwillen. 5,12 Freut euch und frohlockt, denn euer Lohn ist groß in den

Himmeln; denn ebenso haben sie die Propheten verfolgt, die vor euch waren.

Die Jünger als Salz und Licht.

5,13 Ihr seid das Salz der Erde; wenn aber das Salz kraftlos geworden ist, womit soll es gesalzen

werden? Es taugt zu nichts mehr, als hinausgeworfen und von den Menschen zertreten zu werden.

5,14 Ihr seid das Licht der Welt; eine Stadt, die oben auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen sein.

5,15 Man zündet auch nicht eine Lampe an und setzt sie unter den Scheffel, sondern auf das

Lampengestell, und sie leuchtet allen, die im Hause sind. 5,16 So soll euer Licht leuchten vor den

Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen.

Gesetz, Propheten und Reich der

Himmel.

5,17 Meint nicht, daß ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht

gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen. 5,18 Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und

die Erde vergehen, soll auch nicht ein Jota oder ein Strichlein von dem Gesetz vergehen, bis alles

geschehen ist. 5,19 Wer nun eins dieser geringsten Gebote auflöst und so die Menschen lehrt, wird der

Geringste heißen im Reich der Himmel; wer sie aber tut und lehrt, dieser wird groß heißen im Reich

der Himmel. 5,20 Denn ich sage euch: Wenn nicht eure Gerechtigkeit vorzüglicher ist als die der

Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Reich der Himmel eingehen.

Erfüllung des Gesetzes: Was ist Töten?

5,21 Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht töten; wer aber töten wird, der wird

dem Gericht verfallen sein. 5,22 Ich aber sage euch, daß jeder, der seinem Bruder zürnt, dem Gericht

verfallen sein wird; wer aber zu seinem Bruder sagt: Raka! dem Hohen Rat verfallen sein wird; wer

aber sagt: Du Narr! der Hölle des Feuers verfallen sein wird. 5,23 Wenn du nun deine Gabe darbringst

zu dem Altar und dich dort erinnerst, daß dein Bruder etwas gegen dich hat, 5,24 so laß deine Gabe

dort vor dem Altar und geh zuvor hin, versöhne dich mit deinem Bruder; und dann komm und bring

deine Gabe dar. 5,25 Komme deinem Gegner schnell entgegen, während du mit ihm auf dem Weg bist;

damit nicht etwa der Gegner dich dem Richter überliefert und der Richter dich dem Diener überliefert

und du ins Gefängnis geworfen wirst. 5,26 Wahrlich, ich sage dir: Du wirst nicht von dort

herauskommen, bis du auch den letzten Pfennig bezahlt hast.

Erfüllung des Gesetzes: Was ist

Ehebruch?

5,27 Ihr habt gehört, daß gesagt ist: Du sollst nicht ehebrechen. 5,28 Ich aber sage euch, daß jeder, der

eine Frau ansieht, sie zu begehren, schon Ehebruch mit ihr begangen hat in seinem Herzen. 5,29 Wenn

aber dein rechtes Auge dir Anlaß zur Sünde gibt, so reiß es aus und wirf es von dir; denn es ist dir

besser, daß eins deiner Glieder umkommt und nicht dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. 5,30

Und wenn deine rechte Hand dir Anlaß zur Sünde gibt, so hau sie ab und wirf sie von dir; denn es ist

dir besser, daß eins deiner Glieder umkommt und nicht dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird.

5,31 Es ist aber weiter gesagt: Wer seine Frau entlassen will, gebe ihr einen Scheidebrief. 5,32 Ich aber

sage euch: Wer seine Frau entlassen wird, außer aufgrund von Hurerei, macht, daß sie Ehebruch

begeht; und wer eine Entlassene heiratet, begeht Ehebruch.

Erfüllung des Gesetzes: Was ist

falsches Schwören?

5,33 Wiederum habt ihr gehört, daß zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht falsch schwören, du sollst

aber dem Herrn deine Eide erfüllen. 5,34 Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht; weder bei dem

Himmel, denn er ist Gottes Thron; 5,35 noch bei der Erde, denn sie ist seiner Füße Schemel; noch bei

Jerusalem, denn sie ist des großen Königs Stadt; 5,36 noch sollst du bei deinem Haupt schwören, denn

du kannst nicht ein Haar weiß oder schwarz machen. 5,37 Es sei aber eure Rede: Ja, ja! Nein, nein!

Was aber mehr ist als dieses, ist vom Bösen.

Erfüllung des Gesetzes: Was ist

Vergelten?

Lk 6,27-36.

5,38 Ihr habt gehört, daß gesagt ist: Auge um Auge und Zahn um Zahn. 5,39 Ich aber sage euch:

Widersteht nicht dem Bösen, sondern wenn jemand dich auf deine rechte Backe schlagen wird, dem

biete auch die andere dar; 5,40 und dem, der mit dir vor Gericht gehen und dein Unterkleid nehmen

will, dem laß auch den Mantel. 5,41 Und wenn jemand dich zwingen wird, eine Meile zu gehen, mit

dem geh zwei. 5,42 Gib dem, der dich bittet, und weise den nicht ab, der von dir borgen will.

5,43 Ihr habt gehört, daß gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. 5,44

Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, und betet für die, die euch verfolgen, 5,45 damit ihr Söhne eures

Vaters seid, der in den Himmeln ist; denn er läßt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und läßt

regnen über Gerechte und Ungerechte. 5,46 Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt

ihr? Tun nicht auch die Zöllner dasselbe? 5,47 Und wenn ihr allein eure Brüder grüßt, was tut ihr

Besonderes? Tun nicht auch die von den Nationen dasselbe? 5,48 Ihr nun sollt vollkommen sein, wie

euer himmlischer Vater vollkommen ist.

Erfüllung des Gesetzes: Rechtes

Almosengeben.

Kapitel 6

6,1 Habt acht, daß ihr eure Gerechtigkeit nicht übt vor den Menschen, um von ihnen gesehen zu

werden; sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater, der in den Himmeln ist. 6,2 Wenn du nun

Almosen gibst, sollst du nicht vor dir her posaunen lassen, wie die Heuchler tun in den Synagogen und

auf den Straßen, damit sie von den Menschen geehrt werden. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren

Lohn dahin. 6,3 Wenn du aber Almosen gibst, so soll deine Linke nicht wissen, was deine Rechte tut;

6,4 damit dein Almosen im Verborgenen sei, und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir

vergelten.

Erfüllung des Gesetzes: Rechtes Beten.

vgl. Lk 11,1-4.

6,5 Und wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler; denn sie lieben es, in den Synagogen

und an den Ecken der Straßen stehend zu beten, damit sie von den Menschen gesehen werden.

Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin. 6,6 Wenn du aber betest, so geh in deine

Kammer, und nachdem du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist,

und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten. 6,7 Wenn ihr aber betet, sollt ihr nicht

plappern wie die von den Nationen; denn sie meinen, daß sie um ihres vielen Redens willen erhört

werden. 6,8 Seid ihnen nun nicht gleich; denn euer Vater weiß, was ihr benötigt, ehe ihr ihn bittet. 6,9

Betet ihr nun so: Unser Vater, der [du bist] in den Himmeln, geheiligt werde dein Name; 6,10 dein

Reich komme; dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf Erden. 6,11 Unser tägliches Brot gib

uns heute; 6,12 und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben; 6,13 und

führe uns nicht in Versuchung, sondern errette uns von dem Bösen. - 6,14 Denn wenn ihr den

Menschen ihre Vergehungen vergebt, so wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben; 6,15 wenn

ihr aber den Menschen ihre Vergehungen nicht vergebt, so wird euer Vater auch eure Vergehungen

nicht vergeben.

Erfüllung des Gesetzes: Rechtes

Fasten.

6,16 Wenn ihr aber fastet, so seht nicht düster aus wie die Heuchler; denn sie verstellen ihre Gesichter,

damit sie den Menschen als Fastende erscheinen. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin.

6,17 Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, 6,18 damit du nicht den

Menschen als ein Fastender erscheinst, sondern deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater,

der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten.

Warnung vor Habsucht und irdischen

Sorgen.

vgl. Lk 12,33.34.

6,19 Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde, wo Motte und Rost zerstören und wo Diebe

durchgraben und stehlen; 6,20 sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Rost

zerstören und wo Diebe nicht durchgraben noch stehlen; 6,21 denn wo dein Schatz ist, da wird auch

dein Herz sein.

Lk 11,34-36.

6,22 Die Lampe des Leibes ist das Auge; wenn nun dein Auge klar ist, so wird dein ganzer Leib licht

sein; 6,23 wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht,

das in dir ist, Finsternis ist, wie groß die Finsternis!

vgl. Lk 12,22-31.

6,24 Niemand kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen

lieben, oder er wird einem anhängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem

Mammon. 6,25 Deshalb sage ich euch: Seid nicht besorgt für euer Leben, was ihr essen und was ihr

trinken sollt, noch für euren Leib, was ihr anziehen sollt. Ist nicht das Leben mehr als die Speise und

der Leib mehr als die Kleidung? 6,26 Seht hin auf die Vögel des Himmels, daß sie nicht säen noch

ernten, noch in Scheunen sammeln, und euer himmlischer Vater ernährt sie [doch]. Seid ihr nicht viel

vorzüglicher als sie? 6,27 Wer aber unter euch kann mit Sorgen seiner Lebenslänge eine Elle zusetzen?

6,28 Und warum seid ihr um Kleidung besorgt? Betrachtet die Lilien des Feldes, wie sie wachsen: sie

mühen sich nicht, auch spinnen sie nicht. 6,29 Ich sage euch aber, daß selbst nicht Salomo in all seiner

Herrlichkeit bekleidet war wie eine von diesen. 6,30 Wenn aber Gott das Gras des Feldes, das heute

steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, [wird er das] nicht vielmehr euch [tun], ihr

Kleingläubigen? 6,31 So seid nun nicht besorgt, indem ihr sagt: Was sollen wir essen? Oder: Was

sollen wir trinken? Oder: Was sollen wir anziehen? 6,32 Denn nach diesem allen trachten die

Nationen; denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr dies alles benötigt. 6,33 Trachtet aber zuerst

nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, und dies alles wird euch hinzugefügt werden.

6,34 So seid nun nicht besorgt um den morgigen Tag, denn der morgige Tag wird für sich selbst

sorgen. Jeder Tag hat an seinem Übel genug.

Warnung vor dem Richten und dem

Entweihen des Heiligen.

Lk 6,37.38.41.42.

Kapitel 7

7,1 Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! 7,2 Denn mit welchem Gericht ihr richtet, werdet

ihr gerichtet werden, und mit welchem Maß ihr meßt, wird euch zugemessen werden. 7,3 Was aber

siehst du den Splitter, der in deines Bruders Auge ist, den Balken aber in deinem Auge nimmst du

nicht wahr? 7,4 Oder wie wirst du zu deinem Bruder sagen: Erlaube, ich will den Splitter aus deinem

Auge ziehen; und siehe, der Balken ist in deinem Auge? 7,5 Heuchler, zieh zuerst den Balken aus

deinem Auge, und dann wirst du klar sehen, um den Splitter aus deines Bruders Auge zu ziehen.

7,6 Gebt nicht das Heilige den Hunden; werft auch nicht eure Perlen vor die Schweine, damit sie diese

nicht etwa mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen.

Zuversichtliches Beten.

vgl. Lk 11,5-13.

7,7 Bittet, und es wird euch gegeben werden; sucht, und ihr werdet finden; klopft an, und es wird euch

aufgetan werden. 7,8 Denn jeder Bittende empfängt, und der Suchende findet, und dem Anklopfenden

wird aufgetan werden. 7,9 Oder welcher Mensch ist unter euch, der, wenn sein Sohn ihn um ein Brot

bittet, ihm einen Stein geben wird? 7,10 Und wenn er um einen Fisch bittet, wird er ihm eine Schlange

geben? 7,11 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wißt, wieviel mehr

wird euer Vater, der in den Himmeln ist, Gutes geben denen, die ihn bitten!

Verhalten gegen andere - Die enge

Pforte.

7,12 Alles nun, was ihr wollt, daß euch die Menschen tun sollen, das tut ihr ihnen auch! Denn darin

besteht das Gesetz und die Propheten.

7,13 Geht ein durch die enge Pforte; denn weit ist die Pforte und breit der Weg, der zum Verderben

führt, und viele sind, die auf ihm hineingehen. 7,14 Denn eng ist die Pforte und schmal der Weg, der

zum Leben führt, und wenige sind, die ihn finden.

Warnung vor falschen Propheten.

Lk 6,43-45.

7,15 Hütet euch aber vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig

aber sind sie reißende Wölfe. 7,16 An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Liest man etwa von

Dornen eine Traube oder von Disteln Feigen? 7,17 So bringt jeder gute Baum gute Früchte, aber der

faule Baum bringt schlechte Früchte. 7,18 Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen, noch

ein fauler Baum gute Früchte. 7,19 Jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins

Feuer geworfen. 7,20 Deshalb, an ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.

V. 21-29: Lk 6,46-49.

7,21 Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den

Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist. 7,22 Viele werden an jenem Tage zu mir sagen:

Herr, Herr! Haben wir nicht durch deinen Namen geweissagt und durch deinen Namen Dämonen

ausgetrieben und durch deinen Namen viele Wunderwerke getan? 7,23 Und dann werde ich ihnen

bekennen: Ich habe euch niemals gekannt. Weicht von mir, ihr Übeltäter!

Gleichnis vom Haus auf Felsen und

Sand - Wirkung der Predigt.

7,24 Jeder nun, der diese meine Worte hört und sie tut, den werde ich einem klugen Mann vergleichen,

der sein Haus auf den Felsen baute; 7,25 und der Platzregen fiel hernieder, und die Ströme kamen, und

die Winde wehten und stürmten gegen jenes Haus; und es fiel nicht, denn es war auf den Felsen

gegründet. 7,26 Und jeder, der diese meine Worte hört und sie nicht tut, der wird einem törichten

Mann verglichen werden, der sein Haus auf den Sand baute; 7,27 und der Platzregen fiel hernieder,

und die Ströme kamen, und die Winde wehten und stießen an jenes Haus; und es fiel, und sein Fall war

groß.

7,28 Und es geschah, als Jesus diese Worte vollendet hatte, da erstaunten die Volksmengen sehr über

seine Lehre; 7,29 denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie ihre Schriftgelehrten.

Heilung eines Aussätzigen.

Mk 1,40-45; Lk 5,12-16.

Kapitel 8

8,1 Als er aber von dem Berg herabgestiegen war, folgten ihm große Volksmengen. 8,2 Und siehe, ein

Aussätziger kam heran und warf sich vor ihm nieder und sprach: Herr, wenn du willst, kannst du mich

reinigen. 8,3 Und er streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach: Ich will. Sei gereinigt! Und

sogleich wurde sein Aussatz gereinigt. 8,4 Und Jesus spricht zu ihm: Siehe, sage es niemand; sondern

geh hin, zeige dich dem Priester, und bring die Gabe dar, die Mose angeordnet hat, ihnen zum Zeugnis.

Heilung des Dieners eines Hauptmanns.

Lk 7,1-10; vgl. Joh 4,43-54.

8,5 Als er aber nach Kapernaum hineinkam, trat ein Hauptmann zu ihm, der ihn bat 8,6 und sprach:

Herr, mein Diener liegt zu Hause gelähmt und wird schrecklich gequält. 8,7 Und Jesus spricht zu ihm:

Ich will kommen und ihn heilen. 8,8 Der Hauptmann aber antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht

würdig, daß du unter mein Dach trittst; sondern sprich nur ein Wort, und mein Diener wird gesund

werden. 8,9 Denn auch ich bin ein Mensch unter Befehlsgewalt und habe Soldaten unter mir; und ich

sage zu diesem: Geh hin! und er geht; und zu einem anderen: Komm! und er kommt; und zu meinem

Knecht: Tue dies! und er tut's. 8,10 Als aber Jesus es hörte, wunderte er sich und sprach zu denen, die

nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch, selbst in Israel habe ich nicht so großen Glauben gefunden. 8,11

Ich sage euch aber, daß viele von Osten und Westen kommen und mit Abraham und Isaak und Jakob

zu Tisch liegen werden in dem Reich der Himmel, 8,12 aber die Söhne des Reiches werden

hinausgeworfen werden in die äußere Finsternis: da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.

8,13 Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Geh hin, und dir geschehe, wie du geglaubt hast. Und der

Diener wurde gesund in jener Stunde.

Heilung der Schwiegermutter des Petrus

und anderer Kranker.

Mk 1,29-34; Lk 4,38-41.

8,14 Und als Jesus in das Haus des Petrus gekommen war, sah er dessen Schwiegermutter fieberkrank

darniederliegen. 8,15 Und er rührte ihre Hand an, und das Fieber verließ sie; und sie stand auf und

diente ihm.

8,16 Als es aber Abend geworden war, brachten sie viele Besessene zu ihm; und er trieb die Geister

aus mit einem Wort, und er heilte alle Leidenden, 8,17 damit erfüllt würde, was durch den Propheten

Jesaja geredet ist, der spricht: "Er selbst nahm unsere Schwachheiten und trug unsere Krankheiten."

Rechte Nachfolge.

Lk 9,57-62.

8,18 Als aber Jesus eine große Volksmenge um sich sah, befahl er, an das jenseitige Ufer wegzufahren.

8,19 Und ein Schriftgelehrter kam heran und sprach zu ihm: Lehrer, ich will dir nachfolgen, wohin du

auch gehst. 8,20 Und Jesus spricht zu ihm: Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels

Nester, aber der Sohn des Menschen hat nicht, wo er das Haupt hinlege. 8,21 Ein anderer aber von

seinen Jüngern sprach zu ihm: Herr, erlaube mir, zuvor hinzugehen und meinen Vater zu begraben.

8,22 Jesus aber sprach zu ihm: Folge mir nach, und laß die Toten ihre Toten begraben.

Stillung des Sturmes.

Mk 4,35-41; Lk 8,22-25.

8,23 Und als er in das Schiff gestiegen war, folgten ihm seine Jünger. 8,24 Und siehe, es erhob sich ein

heftiger Sturm auf dem See, so daß das Schiff von den Wellen bedeckt wurde; er aber schlief. 8,25

Und die Jünger traten hinzu, weckten ihn auf und sprachen: Herr, rette [uns], wir kommen um! 8,26

Und er spricht zu ihnen: Was seid ihr furchtsam, Kleingläubige? Dann stand er auf und bedrohte die

Winde und den See; und es entstand eine große Stille. 8,27 Die Menschen aber wunderten sich und

sprachen: Was für einer ist dieser, daß auch die Winde und der See ihm gehorchen?

Heilung zweier Besessener.

Mk 5,1-20; Lk 8,26-39.

8,28 Und als er an das jenseitige Ufer gekommen war, in das Land der Gadarener, begegneten ihm

zwei Besessene, die aus den Grüften hervorkamen. [Sie waren] sehr bösartig, so daß niemand auf

jenem Weg vorbeigehen konnte. 8,29 Und siehe, sie schrien und sprachen: Was haben wir mit dir zu

schaffen, Sohn Gottes? Bist du hierher gekommen, uns vor der Zeit zu quälen? 8,30 Es war aber fern

von ihnen eine große Herde Schweine, die da weideten. 8,31 Die Dämonen aber baten ihn und

sprachen: Wenn du uns austreibst, so sende uns in die Herde Schweine. 8,32 Und er sprach zu ihnen:

Geht hin! Sie aber fuhren aus und fuhren in die Schweine. Und siehe, die ganze Herde stürzte sich den

Abhang hinab in den See, und sie kamen um in dem Gewässer. 8,33 Die Hüter aber flohen und gingen

in die Stadt und verkündeten alles und das von den Besessenen. 8,34 Und siehe, die ganze Stadt ging

hinaus, Jesus entgegen, und als sie ihn sahen, baten sie, daß er aus ihrem Gebiet weggehen möchte.

Heilung eines Gelähmten.

Mk 2,1-12; Lk 5,17-26.

Kapitel 9

9,1 Und er stieg in das Schiff, setzte über und kam in seine eigene Stadt. 9,2 Und siehe, sie brachten

einen Gelähmten zu ihm, der auf einem Bett lag; und als Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem

Gelähmten: Sei guten Mutes, mein Sohn, deine Sünden sind vergeben. 9,3 Und siehe, einige von den

Schriftgelehrten sprachen bei sich selbst: Dieser lästert. 9,4 Und als Jesus ihre Gedanken sah, sprach

er: Warum denkt ihr Arges in euren Herzen? 9,5 Denn was ist leichter zu sagen: Deine Sünden sind

vergeben, oder zu sagen: Steh auf und geh umher? 9,6 Damit ihr aber wißt, daß der Sohn des

Menschen Vollmacht hat, auf der Erde Sünden zu vergeben . . . Dann sagt er zu dem Gelähmten: Steh

auf, nimm dein Bett auf, und geh in dein Haus! 9,7 Und er stand auf und ging in sein Haus. 9,8 Als

aber die Volksmengen es sahen, fürchteten sie sich und verherrlichten Gott, der solche Vollmacht den

Menschen gegeben hat.

Berufung des Matthäus.

Mk 2,13-17; Lk 5,27-32.

9,9 Und als Jesus von dort weiterging, sah er einen Menschen mit Namen Matthäus am Zollhaus

sitzen, und er spricht zu ihm: Folge mir nach! Und er stand auf und folgte ihm nach. 9,10 Und es

geschah, als er in dem Haus zu Tisch lag, siehe, da kamen viele Zöllner und Sünder und lagen zu Tisch

mit Jesus und seinen Jüngern. 9,11 Und als die Pharisäer es sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern:

Warum ißt euer Lehrer mit den Zöllnern und Sündern? 9,12 Als aber er es hörte, sprach er: Nicht die

Starken brauchen einen Arzt, sondern die Kranken. 9,13 Geht aber hin und lernt, was das ist: "Ich will

Barmherzigkeit und nicht Schlachtopfer". Denn ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern

Sünder."

Die Frage nach dem Fasten.

Mk 2,18-22; Lk 5,33-39.

9,14 Dann kommen die Jünger des Johannes zu ihm und sagen: Warum fasten wir und die Pharisäer

oft, deine Jünger aber fasten nicht? 9,15 Und Jesus sprach zu ihnen: Können etwa die Hochzeitsgäste

trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von

ihnen weggenommen sein wird, und dann werden sie fasten. 9,16 Niemand aber setzt einen Flicken

von neuem Tuch auf ein altes Kleid; denn das Eingesetzte reißt von dem Kleid ab, und der Riß wird

schlimmer. 9,17 Auch füllt man nicht neuen Wein in alte Schläuche; sonst zerreißen die Schläuche,

und der Wein wird verschüttet, und die Schläuche verderben; sondern man füllt neuen Wein in neue

Schläuche, und beide bleiben zusammen erhalten.

Heilung der blutflüssigen Frau -

Auferweckung der Tochter des Jairus.

Mk 5,21-43; Lk 8,40-56.

9,18 Während er dies zu ihnen redete, siehe, da kam ein Vorsteher herein und warf sich vor ihm nieder

und sprach: Meine Tochter ist eben jetzt verschieden; aber komm und lege deine Hand auf sie, so wird

sie leben. 9,19 Und Jesus stand auf und folgte ihm, und seine Jünger. 9,20 Und siehe, eine Frau, die

zwölf Jahre blutflüssig war, trat von hinten heran und rührte die Quaste seines Kleides an; 9,21 denn

sie sprach bei sich selbst: Wenn ich nur sein Kleid anrühre, so werde ich geheilt werden. 9,22 Jesus

aber wandte sich um, und als er sie sah, sprach er: Sei guten Mutes, Tochter; dein Glaube hat dich

geheilt. Und die Frau war geheilt von jener Stunde an. 9,23 Und als Jesus in das Haus des Vorstehers

kam und die Pfeifer und die lärmende Volksmenge sah, 9,24 sprach er: Geht fort, denn das Mädchen

ist nicht gestorben, sondern es schläft. Und sie lachten ihn aus. 9,25 Als aber die Volksmenge

hinausgetrieben war, ging er hinein und ergriff sie bei der Hand; und das Mädchen stand auf. 9,26 Und

das Gerücht hiervon ging aus in jene ganze Gegend.

Heilung zweier Blinder.

vgl. Kap. 20,29-34; Mk 8,22-26; 10,46-52; Lk 18,35-43.

9,27 Und als Jesus von dort weiterging, folgten ihm zwei Blinde, die schrien und sprachen: Erbarme

dich unser, Sohn Davids! 9,28 Als er aber in das Haus gekommen war, traten die Blinden zu ihm; und

Jesus spricht zu ihnen: Glaubt ihr, daß ich dies tun kann? Sie sagen zu ihm: Ja, Herr. 9,29 Dann rührte

er ihre Augen an und sprach: Euch geschehe nach eurem Glauben! 9,30 Und ihre Augen wurden

aufgetan; und Jesus bedrohte sie und sprach: Seht zu, niemand erfahre es! 9,31 Sie aber gingen aus und

machten ihn bekannt in jener ganzen Gegend.

Heilung eines stummen Besessenen.

9,32 Als sie aber weggingen, siehe, da brachten sie einen stummen Menschen zu ihm, der besessen

war. 9,33 Und als der Dämon ausgetrieben war, redete der Stumme. Und die Volksmengen wunderten

sich und sprachen: Niemals wurde so etwas in Israel gesehen. 9,34 Die Pharisäer aber sagten: Er treibt

die Dämonen aus durch den Obersten der Dämonen.

Aussendung der zwölf Apostel.

9,35 Und Jesus zog umher durch alle Städte und Dörfer und lehrte in ihren Synagogen und predigte

das Evangelium des Reiches und heilte jede Krankheit und jedes Gebrechen.

9,36 Als er aber die Volksmenge sah, wurde er innerlich bewegt über sie, weil sie erschöpft und

verschmachtet waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. 9,37 Dann spricht er zu seinen Jüngern: Die

Ernte zwar ist groß, der Arbeiter aber sind wenige. 9,38 Bittet nun den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter

aussende in seine Ernte!

Mk 3,13-19; Lk 6,12-16; (Apg 1,13).

Kapitel 10

10,1 Und als er seine zwölf Jünger herangerufen hatte, gab er ihnen Vollmacht über unreine Geister,

sie auszutreiben und jede Krankheit und jedes Gebrechen zu heilen. 10,2 Die Namen der zwölf Apostel

aber sind diese: Der erste Simon, der Petrus genannt wird, und Andreas, sein Bruder; Jakobus, der

[Sohn] des Zebedäus, und Johannes, sein Bruder; 10,3 Philippus und Bartholomäus; Thomas und

Matthäus, der Zöllner; Jakobus, der [Sohn] des Alphäus, und Thaddäus; 10,4 Simon, der Kananäer,

und Judas, der Iskariot, der ihn auch überlieferte.

Mk 6,7-13; Lk 9,1-6; vgl. Lk 10,1-12.

10,5 Diese zwölf sandte Jesus aus und befahl ihnen und sprach: Geht nicht auf einen Weg der

Nationen, und geht nicht in eine Stadt der Samariter; 10,6 geht aber vielmehr zu den verlorenen

Schafen des Hauses Israel. 10,7 Wenn ihr aber hingeht, predigt und sprecht: Das Reich der Himmel ist

nahe gekommen. 10,8 Heilt Kranke, weckt Tote auf, reinigt Aussätzige, treibt Dämonen aus! Umsonst

habt ihr empfangen, umsonst gebt. 10,9 Verschafft euch nicht Gold noch Silber noch Kupfer in eure

Gürtel, 10,10 keine Tasche auf den Weg, noch zwei Unterkleider, noch Sandalen, noch einen Stab;

denn der Arbeiter ist seiner Nahrung wert. 10,11 Wenn ihr aber in eine Stadt oder in ein Dorf einkehrt,

so forscht, wer darin würdig ist; und dort bleibt, bis ihr weggeht. 10,12 Wenn ihr aber in das Haus

eintretet, so grüßt es. 10,13 Und wenn nun das Haus würdig ist, so komme euer Friede darauf; wenn es

aber nicht würdig ist, so wende sich euer Friede zu euch zurück. 10,14 Und wenn jemand euch nicht

aufnehmen noch eure Worte hören wird - geht hinaus aus jenem Haus oder jener Stadt, und schüttelt

den Staub von euren Füßen. 10,15 Wahrlich, ich sage euch, es wird dem Land von Sodom und

Gomorra erträglicher ergehen am Tag des Gerichts als jener Stadt.

Ermutigung zum Bekenntnis in

Verfolgungen.

V. 16-22: vgl. Kap. 24,9-13; Mk 13,9-13;.

Lk 12,11-12; 21,12-17; V. 26-33: vgl. Lk 12,2-9.

10,16 Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter Wölfe; so seid nun klug wie die Schlangen und

einfältig wie die Tauben. 10,17 Hütet euch aber vor den Menschen; denn sie werden euch an Gerichte

überliefern und in ihren Synagogen euch geißeln; 10,18 und auch vor Statthalter und Könige werdet

ihr geführt werden um meinetwillen, ihnen und den Nationen zum Zeugnis. 10,19 Wenn sie euch aber

überliefern, so seid nicht besorgt, wie oder was ihr reden sollt; denn es wird euch in jener Stunde

gegeben werden, was ihr reden sollt. 10,20 Denn nicht ihr seid die Redenden, sondern der Geist eures

Vaters, der in euch redet. 10,21 Es wird aber der Bruder den Bruder zum Tode überliefern, und der

Vater das Kind; und Kinder werden sich erheben gegen die Eltern und sie zu Tode bringen. 10,22 Und

ihr werdet von allen gehaßt werden um meines Namens willen. Wer aber ausharrt bis ans Ende, der

wird errettet werden. 10,23 Wenn sie euch aber verfolgen in dieser Stadt, so flieht in die andere; denn

wahrlich, ich sage euch, ihr werdet mit den Städten Israels nicht zu Ende sein, bis der Sohn des

Menschen gekommen sein wird. 10,24 Ein Jünger ist nicht über dem Lehrer, und ein Sklave nicht über

seinem Herrn. 10,25 Es ist dem Jünger genug, daß er sei wie sein Lehrer und der Sklave wie sein Herr.

Wenn sie den Hausherrn Beelzebul genannt haben, wieviel mehr seine Hausgenossen!

10,26 Fürchtet euch nun nicht vor ihnen. Denn es ist nichts verdeckt, was nicht aufgedeckt, und nichts

verborgen, was nicht erkannt werden wird. 10,27 Was ich euch sage in der Finsternis, redet im Licht,

und was ihr ins Ohr [geflüstert] hört, ruft aus auf den Dächern. 10,28 Und fürchtet euch nicht vor

denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht zu töten vermögen; fürchtet aber vielmehr den, der

sowohl Seele als Leib zu verderben vermag in der Hölle. 10,29 Werden nicht zwei Sperlinge für ein

paar Pfennige verkauft? Und nicht einer von ihnen wird auf die Erde fallen ohne euren Vater. 10,30

Bei euch aber sind selbst die Haare des Hauptes alle gezählt. 10,31 Fürchtet euch nun nicht; ihr seid

vorzüglicher als viele Sperlinge. 10,32 Jeder nun, der mich vor den Menschen bekennen wird, den

werde auch ich bekennen vor meinem Vater, der in den Himmeln ist. 10,33 Wer aber mich vor den

Menschen verleugnen wird, den werde auch ich verleugnen vor meinem Vater, der in den Himmeln ist.

10,34 Meint nicht, daß ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen; ich bin nicht gekommen,

Frieden zu bringen, sondern das Schwert. 10,35 Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien

mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer

Schwiegermutter; 10,36 und des Menschen Feinde [werden] seine eigenen Hausgenossen [sein]. 10,37

Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig; und wer Sohn oder Tochter mehr

liebt als mich, ist meiner nicht würdig; 10,38 und wer nicht sein Kreuz aufnimmt und mir nachfolgt, ist

meiner nicht würdig. 10,39 Wer sein Leben findet, wird es verlieren, und wer sein Leben verliert um

meinetwillen, wird es finden.

Belohnung für jeden Dienst um Jesu

willen.

vgl. Kap. 25,34-40.

10,40 Wer euch aufnimmt, nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt

hat. 10,41 Wer einen Propheten aufnimmt in eines Propheten Namen, wird eines Propheten Lohn

empfangen; und wer einen Gerechten aufnimmt in eines Gerechten Namen, wird eines Gerechten Lohn

empfangen. 10,42 Und wenn jemand einem dieser Geringen nur einen Becher kalten Wassers zu

trinken gibt in eines Jüngers Namen, wahrlich, ich sage euch, er wird seinen Lohn nicht verlieren.

Kapitel 11

11,1 Und es geschah, als Jesus seine Befehle an seine zwölf Jünger vollendet hatte, ging er von dort

weg, um in ihren Städten zu lehren und zu predigen.

Die Frage des Täufers - Jesu Antwort

und Zeugnis über ihn.

Lk 7,18-35.

11,2 Als aber Johannes im Gefängnis die Werke des Christus hörte, sandte er durch seine Jünger 11,3

und ließ ihm sagen: Bist du der Kommende, oder sollen wir auf einen anderen warten? 11,4 Und Jesus

antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und verkündet Johannes, was ihr hört und seht: 11,5 Blinde

werden sehend, und Lahme gehen, Aussätzige werden gereinigt, und Taube hören, und Tote werden

auferweckt, und Armen wird gute Botschaft verkündigt. 11,6 Und glückselig ist, wer sich nicht an mir

ärgern wird!

11,7 Als die aber hingingen, fing Jesus an, zu den Volksmengen zu reden über Johannes: Was seid ihr

in die Wüste hinausgegangen zu sehen? Ein Rohr, vom Wind hin und her bewegt? 11,8 Oder was seid

ihr hinausgegangen zu sehen? Einen Menschen, mit weichen [Kleidern] bekleidet? Siehe, die weiche

[Kleider] tragen, sind in den Häusern der Könige. 11,9 Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen?

Einen Propheten? Ja, sage ich euch, und mehr als einen Propheten. 11,10 Denn dieser ist es, von dem

geschrieben steht: "Siehe, ich sende meinen Boten vor deinem Angesicht her, der deinen Weg vor dir

bereiten wird." 11,11 Wahrlich, ich sage euch, unter den von Frauen Geborenen ist kein Größerer

aufgestanden als Johannes der Täufer; der Kleinste aber im Reich der Himmel ist größer als er. 11,12

Aber von den Tagen Johannes des Täufers an bis jetzt wird dem Reich der Himmel Gewalt angetan,

und Gewalttuende reißen es an sich. 11,13 Denn alle Propheten und das Gesetz haben geweissagt bis

auf Johannes. 11,14 Und wenn ihr es annehmen wollt: er ist Elia, der kommen soll. 11,15 Wer Ohren

hat, der höre! 11,16 Wem aber soll ich dieses Geschlecht vergleichen? Es ist Kindern gleich, die auf

den Märkten sitzen und ihren Gespielen zurufen 11,17 und sagen: Wir haben euch gepfiffen, und ihr

habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen, und ihr habt nicht gewehklagt. 11,18 Denn

Johannes ist gekommen, der weder aß noch trank, und sie sagen: Er hat einen Dämon. 11,19 Der Sohn

des Menschen ist gekommen, der da ißt und trinkt, und sie sagen: Siehe, ein Fresser und Weinsäufer,

ein Freund der Zöllner und Sünder; - und die Weisheit ist gerechtfertigt worden aus ihren Werken.

Weheruf über unbußfertige Städte -

Jesus als Heiland der Unmündigen und

Bedrückten.

Lk 10,13-16.

11,20 Dann fing er an, die Städte zu schelten, in denen seine meisten Wunderwerke geschehen waren,

weil sie nicht Buße getan hatten: 11,21 Wehe dir, Chorazin! Wehe dir, Bethsaida! Denn wenn zu Tyrus

und Sidon die Wunderwerke geschehen wären, die unter euch geschehen sind, längst hätten sie in Sack

und Asche Buße getan. 11,22 Doch ich sage euch: Tyrus und Sidon wird es erträglicher ergehen am

Tag des Gerichts als euch. 11,23 Und du, Kapernaum, die du bis zum Himmel erhöht worden bist, bis

zum Hades wirst du hinabgestoßen werden; denn wenn in Sodom die Wunderwerke geschehen wären,

die in dir geschehen sind, es wäre geblieben bis auf den heutigen Tag. 11,24 Doch ich sage euch: Dem

Sodomer Land wird es erträglicher ergehen am Tag des Gerichts als dir.

Lk 10,21.22.

11,25 Zu jener Zeit begann Jesus und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde,

daß du dies vor Weisen und Verständigen verborgen hast, und hast es Unmündigen geoffenbart. 11,26

Ja, Vater, denn so war es wohlgefällig vor dir. 11,27 Alles ist mir übergeben von meinem Vater; und

niemand erkennt den Sohn als nur der Vater, noch erkennt jemand den Vater als nur der Sohn, und

wem der Sohn ihn offenbaren will. 11,28 Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und

ich werde euch Ruhe geben. 11,29 Nehmt auf euch mein Joch, und lernt von mir, denn ich bin

sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen; 11,30 denn mein

Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Die Sabbatfrage.

Mk 2,23-3,6; Lk 6,1-11.

Kapitel 12

12,1 Zu jener Zeit ging Jesus am Sabbat durch die Saaten; es hungerte aber seine Jünger, und sie

fingen an, Ähren abzupflücken und zu essen. 12,2 Als aber die Pharisäer es sahen, sprachen sie zu ihm:

Siehe, deine Jünger tun, was am Sabbat zu tun nicht erlaubt ist. 12,3 Er aber sprach zu ihnen: Habt ihr

nicht gelesen, was David tat, als ihn und die bei ihm waren hungerte? 12,4 Wie er in das Haus Gottes

ging und die Schaubrote aß, die er nicht essen durfte, noch die bei ihm waren, sondern allein die

Priester? 12,5 Oder habt ihr nicht in dem Gesetz gelesen, daß am Sabbat die Priester in dem Tempel

den Sabbat entheiligen und [doch] schuldlos sind? 12,6 Ich sage euch aber: Größeres als der Tempel ist

hier. 12,7 Wenn ihr aber erkannt hättet, was das heißt: "Ich will Barmherzigkeit und nicht

Schlachtopfer", so würdet ihr die Schuldlosen nicht verurteilt haben. 12,8 Denn der Sohn des

Menschen ist Herr des Sabbats.

12,9 Und als er von dort weiterging, kam er in ihre Synagoge. 12,10 Und siehe, da war ein Mensch,

der eine verdorrte Hand hatte. Und sie fragten ihn und sprachen: Ist es erlaubt, am Sabbat zu heilen?

damit sie ihn anklagen könnten. 12,11 Er aber sprach zu ihnen: Welcher Mensch ist wohl unter euch,

der ein Schaf hat und, wenn dieses am Sabbat in eine Grube fällt, es nicht ergreift und herauszieht?

12,12 Wieviel vorzüglicher ist nun ein Mensch als ein Schaf! Also ist es erlaubt, am Sabbat Gutes zu

tun. 12,13 Dann spricht er zu dem Menschen: Strecke deine Hand aus! Und er streckte sie aus, und sie

wurde wiederhergestellt, gesund wie die andere.

12,14 Die Pharisäer aber gingen hinaus und hielten Rat gegen ihn, wie sie ihn umbrächten.

Heilungen und die Erfüllung des

Prophetenwortes.

Mk 3,7-12; Lk 6,17-19.

12,15 Als aber Jesus es erkannte, entwich er von dort; und es folgte ihm eine große Volksmenge, und

er heilte sie alle. 12,16 Und er bedrohte sie, daß sie ihn nicht offenbar machten, 12,17 damit erfüllt

würde, was durch den Propheten Jesaja geredet ist, der spricht: 12,18 "Siehe, mein Knecht, den ich

erwählt habe, mein Geliebter, an dem meine Seele Wohlgefallen gefunden hat; ich werde meinen Geist

auf ihn legen, und er wird den Nationen Gericht ankündigen. 12,19 Er wird nicht streiten noch

schreien, noch wird jemand seine Stimme auf den Straßen hören; 12,20 ein geknicktes Rohr wird er

nicht zerbrechen, und einen glimmenden Docht wird er nicht auslöschen, bis er das Gericht

hinausführe zum Sieg; 12,21 und auf seinen Namen werden die Nationen hoffen".

Heilung eines Besessenen - Lästerung

des Geistes.

Mk 3,20-30; Lk 11,14-23; 12,10.

12,22 Dann wurde ein Besessener zu ihm gebracht, blind und stumm; und er heilte ihn, so daß der

Stumme redete und sah. 12,23 Und es erstaunten die ganzen Volksmengen und sagten: Dieser ist doch

nicht etwa der Sohn Davids? 12,24 Die Pharisäer aber sagten, als sie es hörten: Dieser treibt die

Dämonen nicht anders aus als durch den Beelzebul, den Obersten der Dämonen. 12,25 Da er aber ihre

Gedanken wußte, sprach er zu ihnen: Jedes Reich, das mit sich selbst entzweit ist, wird verwüstet; und

jede Stadt oder jedes Haus, die mit sich selbst entzweit sind, werden nicht bestehen. 12,26 Und wenn

der Satan den Satan austreibt, so ist er mit sich selbst entzweit. Wie wird denn sein Reich bestehen?

12,27 Und wenn ich durch Beelzebul die Dämonen austreibe, durch wen treiben eure Söhne sie aus?

Darum werden sie eure Richter sein. 12,28 Wenn ich aber durch den Geist Gottes die Dämonen

austreibe, so ist also das Reich Gottes zu euch gekommen. 12,29 Oder wie kann jemand in das Haus

des Starken eindringen und seinen Hausrat rauben, wenn er nicht zuvor den Starken bindet? Und dann

wird er sein Haus berauben. 12,30 Wer nicht mit mir ist, ist gegen mich, und wer nicht mit mir

sammelt, zerstreut. 12,31 Deshalb sage ich euch: Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen

vergeben werden; aber die Lästerung des Geistes wird den Menschen nicht vergeben werden. 12,32

Und wenn jemand ein Wort reden wird gegen den Sohn des Menschen, dem wird vergeben werden;

wenn aber jemand gegen den Heiligen Geist reden wird, dem wird nicht vergeben werden, weder in

diesem Zeitalter noch in dem zukünftigen. 12,33 Entweder macht den Baum gut, dann ist seine Frucht

gut, oder macht den Baum faul, dann ist seine Frucht faul; denn an der Frucht wird der Baum erkannt.

12,34 Otternbrut! Wie könnt ihr Gutes reden, da ihr böse seid? Denn aus der Fülle des Herzens redet

der Mund. 12,35 Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz Gutes hervor, und der böse Mensch

bringt aus dem bösen Schatz Böses hervor. 12,36 Ich sage euch aber, daß die Menschen von jedem

unnützen Wort, das sie reden, Rechenschaft geben müssen am Tag des Gerichts; 12,37 denn aus

deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten wirst du verdammt werden.

Das Zeichen Jonas.

Lk 11,29-32.

12,38 Dann antworteten ihm einige der Schriftgelehrten und Pharisäer und sprachen: Lehrer, wir

möchten ein Zeichen von dir sehen. 12,39 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Ein böses und

ehebrecherisches Geschlecht begehrt ein Zeichen, und kein Zeichen wird ihm gegeben werden als nur

das Zeichen Jonas, des Propheten. 12,40 Denn gleichwie Jona drei Tage und drei Nächte in dem Bauch

des großen Fisches war, so wird der Sohn des Menschen drei Tage und drei Nächte im Herzen der

Erde sein. 12,41 Männer von Ninive werden aufstehen im Gericht mit diesem Geschlecht und werden

es verdammen, denn sie taten Buße auf die Predigt Jonas; und siehe, mehr als Jona ist hier. 12,42 Eine

Königin des Südens wird auftreten im Gericht mit diesem Geschlecht und wird es verdammen, denn

sie kam von den Enden der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören; und siehe, mehr als Salomo ist

hier.

Von der Rückkehr unreiner Geister.

Lk 11,24-26.

12,43 Wenn aber der unreine Geist von dem Menschen ausgefahren ist, so durchwandert er dürre Orte,

sucht Ruhe und findet sie nicht. 12,44 Dann spricht er: Ich will in mein Haus zurückkehren, von dem

ich ausgegangen bin; und wenn er kommt, findet er es leer, gekehrt und geschmückt. 12,45 Dann geht

er hin und nimmt sieben andere Geister mit sich, schlimmer als er selbst, und sie gehen hinein und

wohnen dort; und das Ende jenes Menschen wird schlimmer als der Anfang. So wird es auch diesem

bösen Geschlecht ergehen.

Die wahren Verwandten Jesu.

Mk 3,31-35; Lk 8,19-21.

12,46 Als er aber noch zu den Volksmengen redete, siehe, da standen seine Mutter und seine Brüder

draußen und suchten ihn zu sprechen. 12,47 Und es sprach einer zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine

Brüder stehen draußen und suchen dich zu sprechen. 12,48 Er aber antwortete und sprach zu dem, der

es ihm sagte: Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder? 12,49 Und er streckte seine Hand aus

über seine Jünger und sprach: Siehe da, meine Mutter und meine Brüder! 12,50 Denn wer den Willen

meines Vaters tun wird, der in den Himmeln ist, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine

Mutter.

Gleichnis vom Sämann.

Mk 4,1-20; Lk 8,4-15.

Kapitel 13

13,1 An jenem Tag aber ging Jesus aus dem Haus hinaus und setzte sich an den See. 13,2 Und es

versammelten sich große Volksmengen um ihn, so daß er in ein Schiff stieg und sich setzte; und die

ganze Volksmenge stand am Ufer. 13,3 Und er redete vieles in Gleichnissen zu ihnen und sprach:

Siehe, der Sämann ging aus zu säen; 13,4 und indem er säte, fiel einiges an den Weg, und die Vögel

kamen und fraßen es auf. 13,5 Anderes aber fiel auf das Steinige, wo es nicht viel Erde hatte; und

sogleich ging es auf, weil es nicht tiefe Erde hatte. 13,6 Als aber die Sonne aufging, wurde es

verbrannt, und weil es keine Wurzel hatte, verdorrte es. 13,7 Anderes aber fiel unter die Dornen; und

die Dornen schossen auf und erstickten es. 13,8 Anderes aber fiel auf die gute Erde und gab Frucht:

das eine hundert-, das andere sechzig-, das andere dreißig[fach]. 13,9 Wer Ohren hat, der höre!

13,10 Und die Jünger traten hinzu und sprachen zu ihm: Warum redest du in Gleichnissen zu ihnen?

13,11 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Weil euch gegeben ist, die Geheimnisse des Reiches der

Himmel zu wissen, jenen aber ist es nicht gegeben; 13,12 denn wer da hat, dem wird gegeben werden,

und er wird Überfluß haben; wer aber nicht hat, von dem wird selbst, was er hat, genommen werden.

13,13 Darum rede ich in Gleichnissen zu ihnen, weil sie sehend nicht sehen und hörend nicht hören,

noch verstehen; 13,14 und es wird an ihnen die Weissagung Jesajas erfüllt, die lautet: "Mit Gehör

werdet ihr hören und doch nicht verstehen, und sehend werdet ihr sehen und doch nicht wahrnehmen";

13,15 denn das Herz dieses Volkes ist dick geworden, und mit den Ohren haben sie schwer gehört, und

ihre Augen haben sie geschlossen, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit den Ohren hören

und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren und ich sie heile. 13,16 Glückselig aber eure Augen,

daß sie sehen, und eure Ohren, daß sie hören; 13,17 denn wahrlich, ich sage euch: Viele Propheten und

Gerechte haben begehrt zu sehen, was ihr anschaut, und haben es nicht gesehen; und zu hören, was ihr

hört, und haben es nicht gehört.

13,18 Hört ihr nun das Gleichnis vom Sämann: 13,19 So oft jemand das Wort vom Reich hört und

nicht versteht, kommt der Böse und reißt weg, was in sein Herz gesät war; dieser ist es, bei dem an den

Weg gesät ist. 13,20 Wo aber auf das Steinige gesät ist, dieser ist es, der das Wort hört und es sogleich

mit Freuden aufnimmt; 13,21 er hat aber keine Wurzel in sich, sondern ist nur [ein Mensch] des

Augenblicks; und wenn Drangsal entsteht oder Verfolgung um des Wortes willen, nimmt er sogleich

Anstoß. 13,22 Wo aber unter die Dornen gesät ist, dieser ist es, der das Wort hört, und die Sorge der

Zeit und der Betrug des Reichtums ersticken das Wort, und er bringt keine Frucht. 13,23 Wo aber auf

die gute Erde gesät ist, dieser ist es, der das Wort hört und versteht, der wirklich Frucht bringt; und der

eine trägt hundert-, der andere sechzig-, der andere dreißig[fach].

Gleichnis vom Unkraut des Ackers.

vgl. V. 36-43.

13,24 Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor und sprach: Mit dem Reich der Himmel ist es wie mit

einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte. 13,25 Während aber die Menschen

schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut mitten unter den Weizen und ging weg. 13,26 Als aber die

Saat aufsproßte und Frucht brachte, da erschien auch das Unkraut. 13,27 Es kamen aber die Knechte

des Hausherrn hinzu und sprachen zu ihm: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät?

Woher hat er denn Unkraut? 13,28 Er aber sprach zu ihnen: Ein feindseliger Mensch hat dies getan.

Die Knechte aber sprachen zu ihm: Willst du denn, daß wir hingehen und es zusammenlesen? 13,29 Er

aber sprach: Nein, damit ihr nicht etwa beim Zusammenlesen des Unkrauts zugleich mit ihm den

Weizen ausrauft. 13,30 Laßt beides zusammen wachsen bis zur Ernte, und zur Zeit der Ernte werde ich

den Schnittern sagen: Lest zuerst das Unkraut zusammen, und bindet es in Bündel, um es zu

verbrennen; den Weizen aber sammelt in meine Scheune!

Gleichnis vom Senfkorn und Sauerteig.

Mk 4,30-34; Lk 13,18-21.

13,31 Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor und sprach: Das Reich der Himmel gleicht einem

Senfkorn, das ein Mensch nahm und auf seinen Acker säte; 13,32 es ist zwar kleiner als alle [Arten

von] Samen, wenn es aber gewachsen ist, so ist es größer als die Kräuter und wird ein Baum, so daß

die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten.

13,33 Ein anderes Gleichnis redete er zu ihnen: Das Reich der Himmel gleicht einem Sauerteig, den

eine Frau nahm und unter drei Maß Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert war.

13,34 Dies alles redete Jesus in Gleichnissen zu den Volksmengen, und ohne Gleichnis redete er nicht

zu ihnen, 13,35 damit erfüllt würde, was durch den Propheten geredet ist, der spricht: "Ich werde

meinen Mund auftun in Gleichnissen; ich werde aussprechen, was von Grundlegung der Welt an

verborgen war."

Deutung des Gleichnisses vom Unkraut

des Ackers.

vgl. V. 24-30.

13,36 Dann entließ er die Volksmengen und kam in das Haus; und seine Jünger traten zu ihm und

sprachen: Deute uns das Gleichnis vom Unkraut des Ackers. 13,37 Er aber antwortete und sprach: Der

den guten Samen sät, ist der Sohn des Menschen, 13,38 der Acker aber ist die Welt; der gute Same

aber sind die Söhne des Reiches, das Unkraut aber sind die Söhne des Bösen; 13,39 der Feind aber, der

es gesät hat, ist der Teufel; die Ernte aber ist die Vollendung des Zeitalters, die Schnitter aber sind

Engel. 13,40 Wie nun das Unkraut zusammengelesen und im Feuer verbrannt wird, so wird es in der

Vollendung des Zeitalters sein. 13,41 Der Sohn des Menschen wird seine Engel aussenden, und sie

werden aus seinem Reich alle Ärgernisse zusammenlesen und die, die Gesetzloses tun; 13,42 und sie

werfen sie in den Feuerofen werden: da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein. 13,43 Dann

werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in dem Reich ihres Vaters. Wer Ohren hat, der höre!

Gleichnisse vom Schatz im Acker, von

der kostbaren Perle und vom Fischnetz.

13,44 Das Reich der Himmel gleicht einem im Acker verborgenen Schatz, den ein Mensch fand und

verbarg; und vor Freude darüber geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft jenen Acker.

13,45 Wiederum gleicht das Reich der Himmel einem Kaufmann, der schöne Perlen sucht; 13,46 als er

aber eine sehr kostbare Perle gefunden hatte, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte

sie.

13,47 Wiederum gleicht das Reich der Himmel einem Netz, das ins Meer geworfen wurde und von

jeder Gattung zusammenbrachte, 13,48 das sie dann, als es voll war, ans Ufer heraufgezogen hatten;

und sie setzten sich nieder und lasen die Guten in Gefäße zusammen, aber die Faulen warfen sie aus.

13,49 So wird es in der Vollendung des Zeitalters sein: die Engel werden ausgehen und die Bösen aus

der Mitte der Gerechten aussondern 13,50 und sie in den Feuerofen werfen: da wird das Weinen und

das Zähneknirschen sein.

13,51 Habt ihr dies alles verstanden? Sie sagen zu ihm: Ja. 13,52 Er aber sprach zu ihnen: Darum ist

jeder Schriftgelehrte, der vom Reich der Himmel unterrichtet ist, gleich einem Hausherrn, der aus

seinem Schatz Neues und Altes hervorbringt.

Unglauben in Nazareth.

Mk 6,1-6; vgl. Lk 4,16-30

13,53 Und es geschah, als Jesus diese Gleichnisse vollendet hatte, ging er von dort weg. 13,54 Und er

kam in seine Vaterstadt und lehrte sie in ihrer Synagoge, so daß sie sehr erstaunten und sprachen:

Woher hat er diese Weisheit und die Wunderwerke? 13,55 Ist er nicht der Sohn des Zimmermanns?

Heißt nicht seine Mutter Maria, und seine Brüder Jakobus und Joseph und Simon und Judas? 13,56

Und seine Schwestern, sind sie nicht alle bei uns? Woher hat er nun dies alles? 13,57 Und sie ärgerten

sich an ihm. Jesus aber sprach zu ihnen: Ein Prophet ist nicht ohne Ehre, außer in seiner Vaterstadt und

in seinem Haus. 13,58 Und er tat dort nicht viele Wunderwerke wegen ihres Unglaubens.

Der Tod des Täufers.

Mk 6,14-29; Lk 3,19.20; 9,7-9.

Kapitel 14

14,1 Zu jener Zeit hörte Herodes, der Vierfürst, das Gerücht von Jesus 14,2 und sprach zu seinen

Dienern: Dieser ist Johannes der Täufer; er ist von den Toten auferstanden, und darum wirken solche

[Wunder-]Kräfte in ihm. 14,3 Denn Herodes hatte Johannes gegriffen, ihn gebunden und ins Gefängnis

gesetzt um der Herodias willen, der Frau seines Bruders Philippus. 14,4 Denn Johannes hatte ihm

gesagt: Es ist dir nicht erlaubt, sie zu haben. 14,5 Und als er ihn töten wollte, fürchtete er die

Volksmenge, weil sie ihn für einen Propheten hielten. 14,6 Als aber der Geburtstag des Herodes

begangen wurde, tanzte die Tochter der Herodias vor ihnen, und sie gefiel dem Herodes. 14,7 Deshalb

sagte er mit einem Eide zu, ihr zu geben, um was sie auch bitten würde. 14,8 Sie aber, von ihrer Mutter

angewiesen, sagt: Gib mir hier auf einer Schüssel das Haupt Johannes' des Täufers. 14,9 Und der

König wurde traurig; aber um der Eide und um derer willen, die mit zu Tisch lagen, befahl er, es zu

geben. 14,10 Und er sandte hin und ließ den Johannes im Gefängnis enthaupten. 14,11 Und sein Haupt

wurde auf einer Schüssel gebracht und dem Mädchen gegeben, und sie brachte es ihrer Mutter. 14,12

Und seine Jünger kamen herbei, hoben den Leib auf und begruben ihn. Und sie kamen und

verkündeten es Jesus. 14,13 Und als Jesus es hörte, zog er sich von dort in einem Schiff abseits an

einen öden Ort zurück.

Speisung der Fünftausend.

Mk 6,30-44; Lk 9,10-17; Joh 6,1-14; vgl. Kap. 15,32-39; Mk 8,1-9.

Und als die Volksmengen es hörten, folgten sie ihm zu Fuß aus den Städten. 14,14 Und als er ausstieg,

sah er eine große Volksmenge, und er wurde innerlich bewegt über sie und heilte ihre Kranken. 14,15

Als es aber Abend geworden war, traten seine Jünger zu ihm und sprachen: Der Ort ist öde, und die

Zeit ist schon vergangen; entlaß die Volksmengen, daß sie hingehen in die Dörfer und sich Speise

kaufen. 14,16 Jesus aber sprach zu ihnen: Sie haben nicht nötig wegzugehen; gebt ihr ihnen zu essen.

14,17 Sie aber sagen zu ihm: Wir haben nichts hier als nur fünf Brote und zwei Fische. 14,18 Er aber

sprach: Bringt sie mir her! 14,19 Und er befahl den Volksmengen, sich auf das Gras zu lagern, nahm

die fünf Brote und die zwei Fische, blickte auf zum Himmel und dankte; und er brach die Brote und

gab sie den Jüngern, die Jünger aber [gaben sie] den Volksmengen. 14,20 Und sie aßen alle und

wurden gesättigt. Und sie hoben auf, was an Brocken übrigblieb: zwölf Handkörbe voll. 14,21 Die

aber aßen, waren ungefähr fünftausend Männer, ohne Frauen und Kinder.

Jesus geht auf dem See - Hilfe für den

sinkenden Petrus.

Mk 6,45-52; Joh 6,15-21.

14,22 Und sogleich nötigte er die Jünger, in das Schiff zu steigen und ihm an das jenseitige Ufer

vorauszufahren, bis er die Volksmengen entlassen habe. 14,23 Und als er die Volksmengen entlassen

hatte, stieg er für sich allein auf den Berg, um zu beten. Als es aber Abend geworden, war er dort

allein. 14,24 Das Schiff aber war schon mitten auf dem See und litt Not von den Wellen, denn der

Wind war [ihnen] entgegen. 14,25 Aber in der vierten Nachtwache kam er zu ihnen, indem er auf dem

See einherging. 14,26 Und als die Jünger ihn auf dem See einhergehen sahen, wurden sie bestürzt und

sprachen: Es ist ein Gespenst! Und sie schrien vor Furcht. 14,27 Sogleich aber redete Jesus zu ihnen

und sprach: Seid guten Mutes! Ich bin's. Fürchtet euch nicht! 14,28 Petrus aber antwortete ihm und

sprach: Herr, wenn du es bist, so befiehl mir, auf dem Wasser zu dir zu kommen. 14,29 Er aber sprach:

Komm! Und Petrus stieg aus dem Schiff und ging auf dem Wasser, um zu Jesus zu kommen. 14,30 Als

er aber den starken Wind sah, fürchtete er sich; und als er anfing zu sinken, schrie er und sprach: Herr,

rette mich! 14,31 Sogleich aber streckte Jesus die Hand aus, ergriff ihn und spricht zu ihm:

Kleingläubiger, warum zweifeltest du? 14,32 Und als sie in das Schiff gestiegen waren, legte sich der

Wind. 14,33 Die aber in dem Schiff waren, kamen und warfen sich vor ihm nieder und sprachen:

Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn!

Heilung vieler Kranker.

Mk 6,53-56.

14,34 Und als sie hinübergefahren waren, kamen sie in das Land Genezareth. 14,35 Und als die

Männer jenes Ortes ihn erkannten, schickten sie in jene ganze Umgegend und brachten alle Leidenden

zu ihm; 14,36 und sie baten ihn, daß sie nur die Quaste seines Kleides anrühren dürften, und alle, die

ihn anrührten, wurden völlig geheilt.

Gottes Gebot steht höher als

menschliche Überlieferung -

Verunreinigung des Menschen.

Mk 7,1-23.

Kapitel 15

15,1 Dann kommen die Schriftgelehrten und Pharisäer von Jerusalem zu Jesus und sagen: 15,2 Warum

übertreten deine Jünger die Überlieferung der Ältesten? Denn sie waschen ihre Hände nicht, wenn sie

Brot essen. 15,3 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Warum übertretet auch ihr das Gebot Gottes

um eurer Überlieferung willen? 15,4 Denn Gott hat geboten und gesagt: "Ehre den Vater und die

Mutter!" und: "Wer Vater und Mutter flucht, soll des Todes sterben." 15,5 Ihr aber sagt: Wenn jemand

zum Vater oder zur Mutter spricht: Eine Opfergabe [sei das], was dir von mir zunutze kommen könnte,

der braucht seinen Vater oder seine Mutter nicht zu ehren; 15,6 und ihr habt [so] das Gebot Gottes

ungültig gemacht um eurer Überlieferung willen. 15,7 Heuchler! Trefflich hat Jesaja über euch

geweissagt, indem er spricht: 15,8 "Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit

entfernt von mir. 15,9 Vergeblich aber verehren sie mich, indem sie als Lehren Menschengebote

lehren."

15,10 Und er rief die Volksmenge herbei und sprach zu ihnen: Hört und versteht! 15,11 Nicht was in

den Mund eingeht, verunreinigt den Menschen, sondern was aus dem Mund ausgeht, das verunreinigt

den Menschen. 15,12 Dann traten seine Jünger hinzu und sprachen zu ihm: Weißt du, daß die Pharisäer

sich ärgerten, als sie das Wort hörten? 15,13 Er aber antwortete und sprach: Jede Pflanze, die mein

himmlischer Vater nicht gepflanzt hat, wird ausgerottet werden. 15,14 Laßt sie! Sie sind blinde Leiter

der Blinden. Wenn aber ein Blinder einen Blinden leitet, so werden beide in eine Grube fallen. 15,15

Petrus aber antwortete und sprach zu ihm: Deute uns dieses Gleichnis. 15,16 Er aber sprach: Seid auch

ihr noch unverständig? 15,17 Begreift ihr noch nicht, daß alles, was in den Mund eingeht, in den

Bauch geht und in den Abort ausgeworfen wird? 15,18 Was aber aus dem Mund ausgeht, kommt aus

dem Herzen hervor, und das verunreinigt den Menschen. 15,19 Denn aus dem Herzen kommen hervor

böse Gedanken: Mord, Ehebruch, Unzucht, Dieberei, falsche Zeugnisse, Lästerungen; 15,20 diese

Dinge sind es, die den Menschen verunreinigen, aber mit ungewaschenen Händen zu essen,

verunreinigt den Menschen nicht.

Heilung der Tochter der kanaanäischen

Frau.

Mk 7,24-30.

15,21 Und Jesus ging von dort weg und zog sich in die Gegenden von Tyrus und Sidon zurück; 15,22

und siehe, eine kanaanäische Frau, die aus jenem Gebiet herkam, schrie und sprach: Erbarme dich

meiner, Herr, Sohn Davids! Meine Tochter ist schlimm besessen. 15,23 Er aber antwortete ihr nicht ein

Wort. Und seine Jünger traten hinzu und baten ihn und sprachen: Entlaß sie, denn sie schreit hinter uns

her. 15,24 Er aber antwortete und sprach: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses

Israel. 15,25 Sie aber kam und warf sich vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir! 15,26 Er antwortete

und sprach: Es ist nicht schön, das Brot der Kinder zu nehmen und den Hunden hinzuwerfen. 15,27 Sie

aber sprach: Ja, Herr; doch es essen ja auch die Hunde von den Krumen, die von dem Tisch ihrer

Herren fallen. 15,28 Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: O Frau, dein Glaube ist groß. Dir

geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter war geheilt von jener Stunde an.

Krankenheilungen - Speisung der

Viertausend.

Mk 8,1-9; vgl. Kap. 14,13-21; Mk 6,30-44; Lk 9,10-17; Joh 6,1-14.

15,29 Und Jesus ging von dort weg und kam an den See von Galiläa; und als er auf den Berg gestiegen

war, setzte er sich dort. 15,30 Und große Volksmengen kamen zu ihm, die Lahme, Blinde, Stumme,

Krüppel und viele andere bei sich hatten, und sie warfen sie ihm zu Füßen; und er heilte sie, 15,31 so

daß die Volksmenge sich wunderte, als sie sahen, daß Stumme redeten, Krüppel gesund wurden,

Lahme gingen und Blinde sahen; und sie verherrlichten den Gott Israels. 15,32 Als Jesus aber seine

Jünger herangerufen hatte, sprach er: Ich bin innerlich bewegt über die Volksmenge, denn schon drei

Tage harren sie bei mir aus und haben nichts zu essen; und ich will sie nicht hungrig entlassen, damit

sie nicht etwa auf dem Weg verschmachten. 15,33 Und seine Jünger sagen zu ihm: Woher nehmen wir

in der Einöde so viele Brote, um eine so große Volksmenge zu sättigen? 15,34 Und Jesus spricht zu

ihnen: Wie viele Brote habt ihr? Sie aber sagen: Sieben, und wenige kleine Fische. 15,35 Und er gebot

den Volksmengen, sich auf die Erde zu lagern. 15,36 Und er nahm die sieben Brote und die Fische,

dankte und brach und gab sie seinen Jüngern, die Jünger aber [gaben sie] den Volksmengen. 15,37

Und sie aßen alle und wurden gesättigt; und sie hoben auf, was an Brocken übrigblieb, sieben Körbe

voll. 15,38 Die aber aßen, waren viertausend Männer, ohne Frauen und Kinder. 15,39 Und als er die

Volksmengen entlassen hatte, stieg er in das Schiff und kam in das Gebiet von Magadan.

Zeichenforderung der Pharisäer und

Sadduzäer - Warnung vor ihnen.

Mk 8,11-21.

Kapitel 16

16,1 Und die Pharisäer und Sadduzäer kamen herbei, und um ihn zu versuchen, baten sie ihn, er möge

ihnen ein Zeichen aus dem Himmel zeigen. 16,2 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Wenn es

Abend geworden ist, so sagt ihr: Heiteres Wetter, denn der Himmel ist feuerrot; 16,3 und frühmorgens:

Heute stürmisches Wetter, denn der Himmel ist feuerrot [und] trübe; das Aussehen des Himmels wißt

ihr zwar zu beurteilen, aber die Zeichen der Zeiten könnt ihr nicht [beurteilen]. 16,4 Ein böses und

ehebrecherisches Geschlecht verlangt nach einem Zeichen, und kein Zeichen wird ihm gegeben

werden als nur das Zeichen Jonas. Und er verließ sie und ging weg.

16,5 Und als seine Jünger an das jenseitige Ufer gekommen waren, hatten sie vergessen, Brote

mitzunehmen. 16,6 Jesus aber sprach zu ihnen: Seht zu und hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer

und Sadduzäer. 16,7 Sie aber überlegten bei sich selbst und sagten: Weil wir keine Brote

mitgenommen haben. 16,8 Als aber Jesus es erkannte, sprach er: Was überlegt ihr bei euch selbst,

Kleingläubige, weil ihr keine Brote mitgenommen habt? 16,9 Versteht ihr noch nicht, erinnert ihr euch

auch nicht an die fünf Brote der Fünftausend, und wie viele Handkörbe ihr aufhobt? 16,10 Noch an die

sieben Brote der Viertausend, und wie viele Körbe ihr aufhobt? 16,11 Wie, versteht ihr nicht, daß ich

nicht von Broten zu euch sprach? Hütet euch aber vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer!

16,12 Da verstanden sie, daß er nicht gesagt hatte, sich zu hüten vor dem Sauerteig des Brotes, sondern

vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer.

Das Bekenntnis des Petrus.

Mk 8,27-30; Lk 9,18-21.

16,13 Als aber Jesus in die Gegenden von Cäsarea Philippi gekommen war, fragte er seine Jünger und

sprach: Was sagen die Menschen, wer der Sohn des Menschen ist? 16,14 Sie aber sagten: Einige:

Johannes der Täufer; andere aber: Elia; und andere wieder: Jeremia oder einer der Propheten. 16,15 Er

spricht zu ihnen: Ihr aber, was sagt ihr, wer ich bin? 16,16 Simon Petrus aber antwortete und sprach:

Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. 16,17 Und Jesus antwortete und sprach zu ihm:

Glückselig bist du, Simon, Bar Jona; denn Fleisch und Blut haben es dir nicht geoffenbart, sondern

mein Vater, der in den Himmeln ist. 16,18 Aber auch ich sage dir, daß du bist Petrus, und auf diesem

Felsen werde ich meine Gemeinde bauen, und des Hades Pforten werden sie nicht überwältigen. 16,19

Und ich werde dir die Schlüssel des Reiches der Himmel geben; und was immer du auf der Erde

binden wirst, wird in den Himmeln gebunden sein, und was immer du auf der Erde lösen wirst, wird in

den Himmeln gelöst sein. 16,20 Dann gab er seinen Jüngern strenge Weisung, daß sie niemand sagten,

daß er der Christus sei.

Erste Leidensankündigung -

Bedingungen der Nachfolge.

Mk 8,31-9,1; Lk 9,22-27.

16,21 Von der Zeit an begann Jesus seinen Jüngern zu zeigen, daß er nach Jerusalem hingehen müsse

und von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten vieles leiden und getötet und am dritten

Tag auferweckt werden müsse. 16,22 Und Petrus nahm ihn beiseite und fing an, ihn zu tadeln, indem

er sagte: [Gott] behüte dich, Herr! Dies wird dir nicht widerfahren. 16,23 Er aber wandte sich um und

sprach zu Petrus: Geh hinter mich, Satan! Du bist mir ein Ärgernis, denn du sinnst nicht auf das, was

Gottes, sondern auf das, was der Menschen ist.

16,24 Dann sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn jemand mir nachkommen will, der verleugne sich

selbst und nehme sein Kreuz auf und folge mir nach. 16,25 Denn wenn jemand sein Leben erretten

will, wird er es verlieren; wenn aber jemand sein Leben verliert um meinetwillen, wird er es finden.

16,26 Denn was wird es einem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewönne, aber sein Leben

einbüßte? Oder was wird ein Mensch als Lösegeld geben für sein Leben? 16,27 Denn der Sohn des

Menschen wird kommen in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln, und dann wird er einem

jeden vergelten nach seinem Tun. 16,28 Wahrlich, ich sage euch: Es sind einige von denen, die hier

stehen, die werden den Tod nicht schmecken, bis sie den Sohn des Menschen haben kommen sehen in

seinem Reich.

Die Verklärung Jesu.

Mk 9,2-13; Lk 9,28-36; 2Petr 1,16-18.

Kapitel 17

17,1 Und nach sechs Tagen nimmt Jesus den Petrus und Jakobus und Johannes, seinen Bruder, mit und

führt sie abseits auf einen hohen Berg. 17,2 Und er wurde vor ihnen umgestaltet. Und sein Angesicht

leuchtete wie die Sonne, seine Kleider aber wurden weiß wie das Licht; 17,3 und siehe, Mose und Elia

erschienen ihnen und unterredeten sich mit ihm. 17,4 Petrus aber begann und sprach zu Jesus: Herr, es

ist gut, daß wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten machen, dir eine und Mose eine

und Elia eine. 17,5 Während er noch redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke, und siehe,

eine Stimme [kam] aus der Wolke, welche sprach: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich

Wohlgefallen gefunden habe. Ihn hört! 17,6 Und als die Jünger es hörten, fielen sie auf ihr Angesicht

und fürchteten sich sehr. 17,7 Und Jesus trat herbei, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet

euch nicht! 17,8 Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein. 17,9 Und als sie

von dem Berg herabstiegen, gebot ihnen Jesus und sprach: Sagt niemandem die Erscheinung [weiter],

bis der Sohn des Menschen aus den Toten auferstanden ist.

17,10 Und die Jünger fragten ihn und sprachen: Was sagen denn die Schriftgelehrten, daß Elia zuerst

kommen müsse? 17,11 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Elia kommt zwar und wird alle Dinge

wiederherstellen. 17,12 Ich sage euch aber, daß Elia schon gekommen ist, und sie haben ihn nicht

erkannt, sondern an ihm getan, was sie wollten. Ebenso wird auch der Sohn des Menschen von ihnen

leiden. 17,13 Da verstanden die Jünger, daß er von Johannes dem Täufer zu ihnen sprach.

Heilung eines Fallsüchtigen.

Mk 9,14-29; Lk 9,37-43.

17,14 Und als sie zu der Volksmenge kamen, trat ein Mensch zu ihm und fiel vor ihm auf die Knie

17,15 und sprach: Herr, erbarme dich meines Sohnes, denn er ist mondsüchtig und leidet arg; denn oft

fällt er ins Feuer und oft ins Wasser. 17,16 Und ich brachte ihn zu deinen Jüngern, doch sie konnten

ihn nicht heilen. 17,17 Jesus aber antwortete und sprach: O ungläubiges und verkehrtes Geschlecht!

Bis wann soll ich bei euch sein? Bis wann soll ich euch ertragen? Bringt ihn mir her!

17,18 Und Jesus bedrohte ihn, und der Dämon fuhr von ihm aus; und von jener Stunde an war der

Knabe geheilt. 17,19 Da traten die Jünger für sich allein zu Jesus und sprachen: Warum haben wir ihn

nicht austreiben können? 17,20 Er aber spricht zu ihnen: Wegen eures Kleinglaubens; denn wahrlich,

ich sage euch, wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so werdet ihr zu diesem Berg sagen: Hebe

dich weg von hier dorthin! und er wird sich hinwegheben. Und nichts wird euch unmöglich sein. 17,21

Diese Art aber fährt nicht aus außer durch Gebet und Fasten.

Zweite Leidensankündigung.

Mk 9,30-32; Lk 9,43-45.

17,22 Als sie sich aber in Galiläa aufhielten, sprach Jesus zu ihnen: Der Sohn des Menschen wird

überliefert werden in der Menschen Hände, 17,23 und sie werden ihn töten, und am dritten Tag wird er

auferweckt werden. Und sie wurden sehr betrübt.

Die Tempelsteuer.

17,24 Als sie aber nach Kapernaum kamen, traten die Einnehmer der Doppeldrachmen zu Petrus und

sprachen: Zahlt euer Lehrer nicht die Doppeldrachmen? 17,25 Er sagt: Doch. Und als er in das Haus

eintrat, kam Jesus ihm zuvor und sprach: Was meinst du, Simon? Von wem erheben die Könige der

Erde Zoll oder Steuer, von ihren Söhnen oder von den Fremden? 17,26 Da er aber sagte: Von den

Fremden, sprach Jesus zu ihm: Demnach sind die Söhne frei. 17,27 Damit wir ihnen aber kein

Ärgernis geben, geh an den See, wirf eine Angel aus und nimm den ersten Fisch, der heraufkommt,

öffne sein Maul, und du wirst einen Stater finden; den nimm und gib ihnen für mich und dich.

Wahre Größe im Reich der Himmel -

Warnung vor Verführung zur Sünde -

Gleichnis vom verlorenen Schaf.

V. 1-9; Mk 9,33-37.42-48; Lk 9,46-48.

Kapitel 18

18,1 In jener Stunde traten die Jünger zu Jesus und sprachen: Wer ist denn der Größte im Reich der

Himmel? 18,2 Und als Jesus ein Kind herbeigerufen hatte, stellte er es in ihre Mitte 18,3 und sprach:

Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das

Reich der Himmel eingehen. 18,4 Darum, wenn jemand sich selbst erniedrigen wird wie dieses Kind,

der ist der Größte im Reich der Himmel; 18,5 und wenn jemand ein solches Kind aufnehmen wird in

meinem Namen, nimmt er mich auf.

18,6 Wenn aber jemand einem dieser Kleinen, die an mich glauben, Anlaß zur Sünde gibt, für den

wäre es besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt

würde. 18,7 Wehe der Welt der Verführungen wegen! Denn es ist notwendig, daß Verführungen

kommen. Doch wehe dem Menschen, durch den die Verführung kommt! 18,8 Wenn aber deine Hand

oder dein Fuß dir Anlaß zur Sünde gibt, so hau ihn ab und wirf ihn von dir! Es ist besser für dich, lahm

oder als Krüppel in das Leben einzugehen, als mit zwei Händen oder mit zwei Füßen in das ewige

Feuer geworfen zu werden. 18,9 Und wenn dein Auge dir Anlaß zur Sünde gibt, so reiß es aus und

wirf es von dir! Es ist besser für dich, einäugig in das Leben einzugehen, als mit zwei Augen in die

Hölle des Feuers geworfen zu werden. 18,10 Seht zu, daß ihr nicht eines dieser Kleinen verachtet;

denn ich sage euch, daß ihre Engel in den Himmeln allezeit das Angesicht meines Vaters schauen, der

in den Himmeln ist. 18,11 Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, das Verlorene zu retten.

V. 12.13: Vgl. Lk 15,4-7.

18,12 Was meint ihr? Wenn ein Mensch hundert Schafe hätte und eins von ihnen sich verirrte, läßt er

nicht die neunundneunzig auf den Bergen und geht hin und sucht das irrende? 18,13 Und wenn es

geschieht, daß er es findet, wahrlich, ich sage euch, er freut sich mehr über dieses als über die

neunundneunzig, die nicht verirrt sind. 18,14 So ist es nicht der Wille eures Vaters, der in den

Himmeln ist, daß eines dieser Kleinen verloren gehe.

Verhalten gegen sündigende Brüder -

Gemeinschaft in Jesu Namen.

18,15 Wenn aber dein Bruder sündigt, so geh hin, überführe ihn zwischen dir und ihm allein. Wenn er

auf dich hört, so hast du deinen Bruder gewonnen. 18,16 Wenn er aber nicht hört, so nimm noch einen

oder zwei mit dir, damit aus zweier oder dreier Zeugen Mund jede Sache bestätigt werde. 18,17 Wenn

er aber nicht auf sie hören wird, so sage es der Gemeinde; wenn er aber auch auf die Gemeinde nicht

hören wird, so sei er dir wie der Heide und der Zöllner. 18,18 Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr etwas

auf der Erde binden werdet, wird es im Himmel gebunden sein, und wenn ihr etwas auf der Erde lösen

werdet, wird es im Himmel gelöst sein.

18,19 Wiederum sage ich euch: Wenn zwei von euch auf der Erde übereinkommen werden, irgendeine

Sache zu erbitten, so wird sie ihnen werden von meinem Vater, der in den Himmeln ist. 18,20 Denn

wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte.

Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht.

18,21 Dann trat Petrus zu ihm und sprach: Herr, wie oft soll ich meinem Bruder, der gegen mich

sündigt, vergeben? Bis siebenmal? 18,22 Jesus spricht zu ihm: Ich sage dir: Nicht bis siebenmal,

sondern bis siebzigmal sieben. 18,23 Deswegen ist es mit dem Reich der Himmel wie mit einem

König, der mit seinen Knechten abrechnen wollte. 18,24 Als er aber anfing, abzurechnen, wurde einer

zu ihm gebracht, der zehntausend Talente schuldete. 18,25 Da er aber nicht zahlen konnte, befahl der

Herr, ihn und seine Frau und die Kinder und alles, was er hatte, zu verkaufen und [damit] zu bezahlen.

18,26 Der Knecht nun fiel nieder, bat ihn kniefällig und sprach: Herr, habe Geduld mit mir, und ich

will dir alles bezahlen. 18,27 Der Herr jenes Knechtes aber wurde innerlich bewegt, gab ihn los und

erließ ihm das Darlehen. 18,28 Jener Knecht aber ging hinaus und fand einen seiner Mitknechte, der

ihm hundert Denare schuldig war. Und er ergriff und würgte ihn und sprach: Bezahle, wenn du etwas

schuldig bist! 18,29 Sein Mitknecht nun fiel nieder und bat ihn und sprach: Habe Geduld mit mir, und

ich will dir bezahlen. 18,30 Er aber wollte nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis er

die Schuld bezahlt habe. 18,31 Als aber seine Mitknechte sahen, was geschehen war, wurden sie sehr

betrübt und gingen und berichteten ihrem Herrn alles, was geschehen war. 18,32 Da rief ihn sein Herr

herbei und spricht zu ihm: Böser Knecht! Jene ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich batest.

18,33 Solltest nicht auch du dich deines Mitknechtes erbarmt haben, wie auch ich mich deiner erbarmt

habe? 18,34 Und sein Herr wurde zornig und überlieferte ihn den Folterknechten, bis er alles bezahlt

habe, was er ihm schuldig war. 18,35 So wird auch mein himmlischer Vater euch tun, wenn ihr nicht

ein jeder seinem Bruder von Herzen vergebt.

Ehescheidung und Eheverzicht.

Mk 10,1-12.

Kapitel 19

19,1 Und es geschah, als Jesus diese Reden beendet hatte, begab er sich von Galiläa hinweg und kam

in das Gebiet von Judäa, jenseits des Jordan. 19,2 Und es folgten ihm große Volksmengen, und er

heilte sie dort.

19,3 Und die Pharisäer kamen zu ihm, versuchten ihn und sprachen: Ist es einem Mann erlaubt, aus

jeder [beliebigen] Ursache seine Frau zu entlassen? 19,4 Er aber antwortete und sprach: Habt ihr nicht

gelesen, daß der, welcher sie schuf, sie von Anfang an [als] Mann und Weib schuf 19,5 und sprach:

"Darum wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und es werden die

zwei ein Fleisch sein", - 19,6 so daß sie nicht mehr zwei sind, sondern ein Fleisch? Was nun Gott

zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden. 19,7 Sie sagen zu ihm: Warum hat denn Mose

geboten, einen Scheidebrief zu geben und zu entlassen? 19,8 Er spricht zu ihnen: Mose hat wegen

eurer Herzenshärtigkeit euch gestattet, eure Frauen zu entlassen; von Anfang an aber ist es nicht so

gewesen. 19,9 Ich sage euch aber, daß, wer immer seine Frau entlassen wird, außer wegen Hurerei,

und eine andere heiraten wird, Ehebruch begeht; und wer eine Entlassene heiratet, begeht Ehebruch.

19,10 Seine Jünger sagen zu ihm: Wenn die Sache des Mannes mit der Frau so steht, so ist es nicht

ratsam zu heiraten. 19,11 Er aber sprach zu ihnen: Nicht alle fassen dieses Wort, sondern denen es

gegeben ist; 19,12 denn es gibt Verschnittene, die von Mutterleib so geboren sind; und es gibt

Verschnittene, die von den Menschen verschnitten worden sind; und es gibt Verschnittene, die sich

selbst verschnitten haben um des Reiches der Himmel willen. Wer es fassen kann, der fasse es.

Jesus und die Kinder.

Mk 10,13-16; Lk 18,15-17.

19,13 Dann wurden Kinder zu ihm gebracht, damit er ihnen die Hände auflege und bete; die Jünger

aber fuhren sie an. 19,14 Jesus aber sprach: Laßt die Kinder, und wehrt ihnen nicht, zu mir zu

kommen, denn solcher ist das Reich der Himmel. 19,15 Und er legte ihnen die Hände auf und ging von

dort weg.

Frage eines Reichen nach dem ewigen

Leben - Lohn der Nachfolge.

Mk 10,17-31; Lk 18,18-30.

19,16 Und siehe, einer trat herbei und sprach zu ihm: Lehrer, was soll ich Gutes tun, damit ich ewiges

Leben habe? 19,17 Er aber sprach zu ihm: Was fragst du mich über das Gute? Einer ist der Gute.

Wenn du aber ins Leben eingehen willst, so halte die Gebote. 19,18 Er spricht zu ihm: Welche? Jesus

aber sprach: Diese: Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst

nicht falsches Zeugnis geben; 19,19 ehre den Vater und die Mutter; und: du sollst deinen Nächsten

lieben wie dich selbst. 19,20 Der Jüngling spricht zu ihm: Alles dies habe ich befolgt. Was fehlt mir

noch? 19,21 Jesus sprach zu ihm: Wenn du vollkommen sein willst, so geh hin, verkaufe deine Habe

und gib den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben. Und komm, folge mir nach! 19,22

Als aber der Jüngling das Wort hörte, ging er betrübt weg, denn er hatte viele Güter. 19,23 Jesus aber

sprach zu seinen Jüngern: Wahrlich, ich sage euch: Schwerlich wird ein Reicher in das Reich der

Himmel eingehen. 19,24 Wiederum aber sage ich euch: Es ist leichter, daß ein Kamel durch ein

Nadelöhr eingehe als ein Reicher in das Reich Gottes. 19,25 Als aber die Jünger es hörten, gerieten sie

ganz außer sich und sagten: Wer kann dann errettet werden? 19,26 Jesus aber sah sie an und sprach zu

ihnen: Bei Menschen ist dies unmöglich, bei Gott aber sind alle Dinge möglich. 19,27 Da antwortete

Petrus und sprach zu ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Was wird uns nun

werden? 19,28 Jesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid,

auch ihr werdet in der Wiedergeburt, wenn der Sohn des Menschen auf seinem Thron der Herrlichkeit

sitzen wird, auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten. 19,29 Und ein jeder, der

Häuser oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Frau oder Kinder oder Äcker um

meines Namens willen verlassen hat, wird hundertfach empfangen und ewiges Leben erben. 19,30

Aber viele Erste werden Letzte und Letzte Erste sein.

Gleichnis von den Arbeitern im

Weinberg.

Kapitel 20

20,1 Denn mit dem Reich der Himmel ist es wie mit einem Hausherrn, der frühmorgens ausging, um

Arbeiter in seinen Weinberg einzustellen. 20,2 Nachdem er aber mit den Arbeitern um einen Denar

den Tag übereingekommen war, sandte er sie in seinen Weinberg. 20,3 Und als er um die dritte Stunde

ausging, sah er andere auf dem Markt müßig stehen; 20,4 und zu diesen sprach er: Geht auch ihr hin in

den Weinberg, und was recht ist, werde ich euch geben. 20,5 Sie aber gingen hin. Wiederum aber ging

er aus um die sechste und neunte Stunde und tat ebenso. 20,6 Als er aber um die elfte [Stunde]

ausging, fand er andere stehen und spricht zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag müßig? 20,7

Sie sagen zu ihm: Weil niemand uns eingestellt hat. Er spricht zu ihnen: Geht auch ihr hin in den

Weinberg. 20,8 Als es aber Abend geworden war, spricht der Herr des Weinbergs zu seinem

Verwalter: Rufe die Arbeiter und zahle den Lohn, angefangen von den letzten bis zu den ersten. 20,9

Und als die um die elfte Stunde [Eingestellten] kamen, empfingen sie je einen Denar. 20,10 Als aber

die ersten kamen, meinten sie, daß sie mehr empfangen würden; und auch sie empfingen je einen

Denar. 20,11 Als sie den aber empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn 20,12 und sprachen: Diese

letzten haben eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleich gemacht, die wir die Last des Tages

und die Hitze getragen haben. 20,13 Er aber antwortete und sprach zu einem von ihnen: Freund, ich

tue dir nicht unrecht. Bist du nicht um einen Denar mit mir übereingekommen? 20,14 Nimm das Deine

und geh hin! Ich will aber diesem letzten geben wie auch dir. 20,15 Ist es mir nicht erlaubt, mit dem

Meinen zu tun, was ich will? Blickt dein Auge neidisch, weil ich gütig bin? 20,16 So werden die

Letzten Erste und die Ersten Letzte sein; denn viele sind Berufene, wenige aber Auserwählte.

Dritte Leidensankündigung.

Mk 10,32-34; Lk 18,31-34.

20,17 Und als Jesus nach Jerusalem hinaufging, nahm er die zwölf Jünger auf dem Weg allein zu sich

und sprach zu ihnen: 20,18 Siehe, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und der Sohn des Menschen wird

den Hohenpriestern und Schriftgelehrten überliefert werden, und sie werden ihn zum Tode verurteilen;

20,19 und sie werden ihn den Nationen überliefern, um ihn zu verspotten und zu geißeln und zu

kreuzigen; und am dritten Tag wird er auferstehen.

Wahre Größe im Reich Gottes.

Mk 10,35-45.

20,20 Dann trat die Mutter der Söhne des Zebedäus mit ihren Söhnen zu ihm und warf sich nieder und

wollte etwas von ihm erbitten. 20,21 Er aber sprach zu ihr: Was willst du? Sie sagt zu ihm: Bestimme,

daß diese meine zwei Söhne einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken sitzen mögen in

deinem Reich. 20,22 Jesus aber antwortete und sprach: Ihr wißt nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den

Kelch trinken, den ich trinken werde? Sie sagen zu ihm: Wir können es. 20,23 Er spricht zu ihnen:

Meinen Kelch werdet ihr zwar trinken, aber das Sitzen zu meiner Rechten und zu [meiner] Linken zu

vergeben, steht nicht bei mir, sondern [ist für die], denen es von meinem Vater bereitet ist. 20,24 Und

als die Zehn es hörten, wurden sie unwillig über die zwei Brüder. 20,25 Jesus aber rief sie heran und

sprach: Ihr wißt, daß die Regenten der Nationen sie beherrschen und die Großen Gewalt gegen sie

üben. 20,26 Unter euch wird es nicht so sein; sondern wenn jemand unter euch groß werden will, wird

er euer Diener sein, 20,27 und wenn jemand unter euch der Erste sein will, wird er euer Sklave sein;

20,28 gleichwie der Sohn des Menschen nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu

dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele.

Heilung zweier Blinder.

Mk 10,46-52; Lk 18,35-43; vgl. Kap. 9,27-31; Mk 8,22-26.

20,29 Und als sie von Jericho auszogen, folgte ihm eine große Volksmenge. 20,30 Und siehe, zwei

Blinde, die am Weg saßen und hörten, daß Jesus vorübergehe, schrien und sprachen: Erbarme dich

unser, Herr, Sohn Davids! 20,31 Die Volksmenge aber bedrohte sie, daß sie schweigen sollten. Sie

aber schrien noch mehr und sprachen: Erbarme dich unser, Herr, Sohn Davids! 20,32 Und Jesus blieb

stehen und rief sie und sprach: Was wollt ihr, daß ich euch tun soll? 20,33 Sie sagen zu ihm: Herr, daß

unsere Augen aufgetan werden. 20,34 Jesus aber, innerlich bewegt, rührte ihre Augen an; und sogleich

wurden sie sehend, und sie folgten ihm nach.

Einzug in Jerusalem.

Mk 11,1-11; Lk 19,28-40; Joh 12,12-19.

Kapitel 21

21,1 Und als sie Jerusalem nahten und nach Bethphage kamen, an den Ölberg, da sandte Jesus zwei

Jünger 21,2 und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das euch gegenüberliegt; und sogleich werdet

ihr eine Eselin angebunden finden und ein Fohlen bei ihr. Bindet sie los und führt sie zu mir! 21,3 Und

wenn jemand etwas zu euch sagt, so sollt ihr sprechen: Der Herr braucht sie, und sogleich wird er sie

senden. 21,4 Dies alles aber ist geschehen, damit erfüllt würde, was durch den Propheten geredet ist,

der spricht: 21,5 "Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir, sanftmütig und auf einer

Eselin reitend, und [zwar] auf einem Fohlen, des Lasttiers Jungen." 21,6 Als aber die Jünger

hingegangen waren und getan hatten, wie Jesus ihnen aufgetragen, 21,7 brachten sie die Eselin und das

Fohlen und legten ihre Kleider auf sie, und er setzte sich darauf. 21,8 Und eine sehr große Volksmenge

breitete ihre Kleider aus auf den Weg; andere aber hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie

auf den Weg. 21,9 Die Volksmengen aber, die vor ihm hergingen und nachfolgten, riefen und

sprachen: Hosanna dem Sohn Davids! Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in

der Höhe! 21,10 Und als er in Jerusalem einzog, kam die ganze Stadt in Bewegung und sprach: Wer ist

dieser? 21,11 Die Volksmengen aber sagten: Dieser ist Jesus, der Prophet, der von Nazareth in Galiläa.

Tempelreinigung.

Mk 11,15-19; Lk 19,45-48; vgl. Joh 2,13-17.

21,12 Und Jesus trat in den Tempel Gottes ein und trieb alle hinaus, die im Tempel verkauften und

kauften, und die Tische der Wechsler und die Sitze der Taubenverkäufer stieß er um. 21,13 Und er

spricht zu ihnen: Es steht geschrieben: "Mein Haus wird ein Bethaus genannt werden;" ihr aber habt es

zu einer Räuberhöhle gemacht. 21,14 Und es traten Blinde und Lahme in dem Tempel zu ihm, und er

heilte sie. 21,15 Als aber die Hohenpriester und die Schriftgelehrten die Wunder sahen, die er tat, und

die Kinder, die im Tempel schrien und sagten: Hosanna dem Sohn Davids! wurden sie unwillig 21,16

und sprachen zu ihm: Hörst du, was diese sagen? Jesus aber sprach zu ihnen: Ja, habt ihr nie gelesen:

"Aus dem Mund der Unmündigen und Säuglinge hast du dir Lob bereitet?" 21,17 Und er verließ sie

und ging zur Stadt hinaus nach Bethanien und übernachtete dort.

Der verdorrende Feigenbaum und das

Glaubensgebet.

Mk 11,12-14.20-24.

21,18 Des Morgens früh aber, als er in die Stadt zurückkehrte, hungerte ihn. 21,19 Und als er einen

Feigenbaum an dem Weg sah, ging er auf ihn zu und fand nichts an ihm als nur Blätter. Und er spricht

zu ihm: Nimmermehr komme Frucht von dir in Ewigkeit! Und sogleich verdorrte der Feigenbaum.

21,20 Und als die Jünger es sahen, verwunderten sie sich und sprachen: Wie ist der Feigenbaum

sogleich verdorrt? 21,21 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr

Glauben habt und nicht zweifelt, so werdet ihr nicht allein das mit dem Feigenbaum Geschehene tun,

sondern wenn ihr auch zu diesem Berg sagen werdet: Hebe dich empor und wirf dich ins Meer! so

wird es geschehen. 21,22 Und alles, was immer ihr im Gebet glaubend begehrt, werdet ihr empfangen.

Die Frage nach der Vollmacht Jesu.

Mk 11,27-33; Lk 20,1-8.

21,23 Und als er in den Tempel kam, traten, als er lehrte, die Hohenpriester und die Ältesten des

Volkes zu ihm und sprachen: In welcher Vollmacht tust du diese Dinge? Und wer hat dir diese

Vollmacht gegeben? 21,24 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Auch ich will euch ein Wort

fragen, und wenn ihr es mir sagt, so werde auch ich euch sagen, in welcher Vollmacht ich diese Dinge

tue. 21,25 Woher war die Taufe des Johannes? Vom Himmel oder von Menschen? Sie aber überlegten

bei sich selbst und sprachen: Wenn wir sagen: vom Himmel, so wird er zu uns sagen: Warum habt ihr

ihm denn nicht geglaubt? 21,26 Wenn wir aber sagen: von Menschen, so haben wir die Volksmenge zu

fürchten, denn alle halten Johannes für einen Propheten. 21,27 Und sie antworteten Jesus und

sprachen: Wir wissen es nicht. Da sagte auch er zu ihnen: So sage auch ich euch nicht, in welcher

Vollmacht ich diese Dinge tue.

Gleichnis von den ungleichen Söhnen.

21,28 Was meint ihr aber [hierzu]? Ein Mensch hatte zwei Söhne, und er trat hin zu dem ersten und

sprach: Mein Sohn, geh heute hin, arbeite im Weinberg! 21,29 Der aber antwortete und sprach: Ich

will nicht. Danach aber gereute es ihn, und er ging hin. 21,30 Und er trat hin zu dem zweiten und

sprach ebenso. Der aber antwortete und sprach: Ich [gehe], Herr; und er ging nicht. 21,31 Wer von den

beiden hat den Willen des Vaters getan? Sie sagen: Der erste. Jesus spricht zu ihnen: Wahrlich, ich

sage euch, daß die Zöllner und die Huren euch vorangehen in das Reich Gottes. 21,32 Denn Johannes

kam zu euch im Weg der Gerechtigkeit, und ihr glaubtet ihm nicht; die Zöllner aber und die Huren

glaubten ihm; euch aber, als ihr es saht, gereute es auch danach nicht, um ihm zu glauben.

Gleichnis von den Weingärtnern.

Mk 12,1-12; Lk 20,9-19.

21,33 Hört ein anderes Gleichnis: Es war ein Hausherr, der einen Weinberg pflanzte und einen Zaun

darum setzte und eine Kelter darin grub und einen Turm baute; und er verpachtete ihn an Weingärtner

und reiste außer Landes. 21,34 Als aber die Zeit der Früchte nahte, sandte er seine Knechte zu den

Weingärtnern, um seine Früchte zu empfangen. 21,35 Und die Weingärtner nahmen seine Knechte,

einen schlugen sie, einen anderen töteten sie, einen anderen steinigten sie. 21,36 Wiederum sandte er

andere Knechte, mehr als die ersten; und sie taten ihnen ebenso. 21,37 Zuletzt aber sandte er seinen

Sohn zu ihnen, indem er sagte: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen! 21,38 Als aber die

Weingärtner den Sohn sahen, sprachen sie untereinander: Dieser ist der Erbe. Kommt, laßt uns ihn

töten und sein Erbe in Besitz nehmen! 21,39 Und sie nahmen ihn, warfen ihn zum Weinberg hinaus

und töteten ihn. 21,40 Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt, was wird er jenen Weingärtnern tun?

21,41 Sie sagen zu ihm: Er wird jene Übeltäter übel umbringen, und den Weinberg wird er an andere

Weingärtner verpachten, die ihm die Früchte abgeben werden zu ihrer Zeit. 21,42 Jesus spricht zu

ihnen: Habt ihr nie in den Schriften gelesen: "Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist

zum Eckstein geworden; von dem Herrn her ist er dies geworden, und er ist wunderbar in unseren

Augen?" 21,43 Deswegen sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch weggenommen und einer

Nation gegeben werden, die seine Früchte bringen wird. 21,44 Und wer auf diesen Stein fällt, wird

zerschmettert werden; aber auf wen er fallen wird, den wird er zermalmen. 21,45 Und als die

Hohenpriester und die Pharisäer seine Gleichnisse gehört hatten, erkannten sie, daß er von ihnen

redete. 21,46 Und als sie ihn zu greifen suchten, fürchteten sie die Volksmengen, denn sie hielten ihn

für einen Propheten.

Gleichnis vom Hochzeitsmahl.

vgl. Lk 14,16-24.

Kapitel 22

22,1 Und Jesus begann und redete wieder in Gleichnissen zu ihnen und sprach: 22,2 Mit dem Reich

der Himmel ist es wie mit einem König, der seinem Sohn Hochzeit machte. 22,3 Und er sandte seine

Knechte aus, um die Geladenen zur Hochzeit zu rufen; und sie wollten nicht kommen. 22,4 Wiederum

sandte er andere Knechte aus und sprach: Sagt den Geladenen: Siehe, mein Mahl habe ich bereitet,

meine Ochsen und mein Mastvieh sind geschlachtet, und alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit! 22,5

Sie aber achteten es nicht und gingen hin, der eine auf seinen Acker, der andere an seinen Handel. 22,6

Die übrigen aber ergriffen seine Knechte, mißhandelten und töteten sie. 22,7 Der König aber wurde

zornig und sandte seine Truppen aus, brachte jene Mörder um und steckte ihre Stadt in Brand. 22,8

Dann sagt er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereit, aber die Geladenen waren nicht

würdig; 22,9 so geht nun hin auf die Kreuzwege der Landstraßen, und so viele immer ihr finden

werdet, ladet zur Hochzeit. 22,10 Und jene Knechte gingen aus auf die Landstraßen und brachten alle

zusammen, so viele sie fanden, Böse wie Gute. Und der Hochzeitssaal wurde voll von Gästen. 22,11

Als aber der König hereinkam, die Gäste zu besehen, sah er dort einen Menschen, der nicht mit einem

Hochzeitskleid bekleidet war. 22,12 Und er spricht zu ihm: Freund, wie bist du hier hereingekommen,

da du kein Hochzeitskleid hast? Er aber verstummte. 22,13 Da sprach der König zu den Dienern:

Bindet ihm Füße und Hände, und werft ihn hinaus in die äußere Finsternis: da wird das Weinen und

das Zähneknirschen sein. 22,14 Denn viele sind Berufene, wenige aber Auserwählte.

Die Frage nach der Steuer.

Mk 12,13-17; Lk 20,20-26.

22,15 Dann gingen die Pharisäer hin und hielten Rat, wie sie ihn bei einem Ausspruch fangen könnten.

22,16 Und sie senden ihre Jünger mit den Herodianern zu ihm und sagen: Lehrer, wir wissen, daß du

wahrhaftig bist und den Weg Gottes in Wahrheit lehrst und dich um niemand kümmerst, denn du siehst

nicht auf die Person der Menschen. 22,17 Sage uns nun, was denkst du: Ist es erlaubt, dem Kaiser

Steuer zu geben, oder nicht? 22,18 Da aber Jesus ihre Bosheit erkannte, sprach er: Was versucht ihr

mich, Heuchler? 22,19 Zeigt mir die Steuermünze! Sie aber überreichten ihm einen Denar. 22,20 Und

er spricht zu ihnen: Wessen Bild und Aufschrift ist das? 22,21 Sie sagen zu ihm: Des Kaisers. Da

spricht er zu ihnen: Gebt denn dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. 22,22 Und als

sie [das] hörten, wunderten sie sich und ließen ihn und gingen weg.

Die Frage nach der Auferstehung.

Mk 12,18-27; Lk 20,27-40.

22,23 An jenem Tag kamen Sadduzäer zu ihm, die da sagen, es gebe keine Auferstehung; und sie

fragten ihn 22,24 und sprachen: Lehrer, Mose hat gesagt: Wenn jemand stirbt und keine Kinder hat, so

soll sein Bruder seine Frau heiraten und soll seinem Bruder Nachkommenschaft erwecken. 22,25 Es

waren aber bei uns sieben Brüder. Und der erste verheiratete sich und starb; und weil er keinen

Nachkommen hatte, hinterließ er seine Frau seinem Bruder. 22,26 Ebenso auch der zweite und der

dritte, bis auf den siebten. 22,27 Zuletzt aber von allen starb auch die Frau. 22,28 Wessen Frau von den

sieben wird sie nun in der Auferstehung sein? Denn alle hatten sie. 22,29 Jesus aber antwortete und

sprach zu ihnen: Ihr irrt, weil ihr die Schriften nicht kennt, noch die Kraft Gottes; 22,30 denn in der

Auferstehung heiraten sie nicht, noch werden sie verheiratet, sondern sie sind wie Engel Gottes im

Himmel. 22,31 Was aber die Auferstehung der Toten betrifft: Habt ihr nicht gelesen, was zu euch

geredet ist von Gott, der da spricht: 22,32 "Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott

Jakobs? Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden." 22,33 Und als die Volksmengen es

hörten, erstaunten sie über seine Lehre.

Die Frage nach dem größten Gebot.

Mk 12,28-34; vgl. Lk 10,25-28.

22,34 Als aber die Pharisäer hörten, daß er die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte,

versammelten sie sich miteinander. 22,35 Und es fragte einer von ihnen, ein Gesetzesgelehrter, und

versuchte ihn und sprach: 22,36 Lehrer, welches ist das größte Gebot in dem Gesetz? 22,37 Er aber

sprach zu ihm: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner

ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand." 22,38 Dies ist das größte und erste Gebot. 22,39 Das

zweite aber ist ihm gleich: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." 22,40 An diesen zwei

Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.

Die Frage nach dem Christus.

Mk 12,35-37; Lk 20,41-44.

22,41 Als aber die Pharisäer versammelt waren, fragte Jesus sie 22,42 und sagte: Was haltet ihr von

dem Christus? Wessen Sohn ist er? Sie sagen zu ihm: Davids. 22,43 Er spricht zu ihnen: Wie nennt

David ihn denn im Geist Herr, indem er sagt: 22,44 "Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu

meiner Rechten, bis ich deine Feinde lege unter deine Füße?" 22,45 Wenn nun David ihn Herr nennt,

wie ist er sein Sohn? 22,46 Und niemand konnte ihm ein Wort antworten, noch wagte jemand von dem

Tag an, ihn weiter zu befragen.

Warnung vor den Schriftgelehrten und

Pharisäern.

Mk 12,38-40; Lk 20,45-47.

Kapitel 23

23,1 Dann redete Jesus zu den Volksmengen und zu seinen Jüngern 23,2 und sprach: Auf Moses

Lehrstuhl haben sich die Schriftgelehrten und die Pharisäer gesetzt. 23,3 Alles nun, was sie euch

sagen, tut und haltet; aber handelt nicht nach ihren Werken, denn sie sagen es und tun es nicht. 23,4

Sie binden aber schwere Lasten und legen sie auf die Schultern der Menschen, sie selbst aber wollen

sie nicht mit ihrem Finger bewegen. 23,5 Alle ihre Werke aber tun sie, um sich vor den Menschen

sehen zu lassen; denn sie machen ihre Gebetsriemen breit und die Quasten groß. 23,6 Sie lieben aber

den ersten Platz bei den Gastmählern und die ersten Sitze in den Synagogen 23,7 und die Begrüßungen

auf den Märkten und von den Menschen Rabbi genannt zu werden. 23,8 Ihr aber, laßt ihr euch nicht

Rabbi nennen; denn einer ist euer Lehrer, ihr alle aber seid Brüder. 23,9 Ihr sollt auch nicht [jemanden]

auf der Erde euren Vater nennen; denn einer ist euer Vater, [nämlich] der im Himmel. 23,10 Laßt euch

auch nicht Meister nennen; denn einer ist euer Meister, der Christus. 23,11 Der Größte aber unter euch

soll euer Diener sein. 23,12 Wer sich aber selbst erhöhen wird, wird erniedrigt werden; und wer sich

selbst erniedrigen wird, wird erhöht werden.

Weherufe gegen die Schriftgelehrten

und Pharisäer.

vgl. Lk 11,38-52.

23,13 Wehe aber euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verschließt das Reich der

Himmel vor den Menschen; denn ihr geht nicht hinein, noch laßt ihr die, welche hineingehen wollen,

hineingehen.(23,14)

23,15 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr durchzieht das Meer und das

trockene [Land], um einen Proselyten zu machen; und wenn er es geworden ist, so macht ihr ihn zu

einem Sohn der Hölle, doppelt so schlimm wie ihr.

23,16 Wehe euch, ihr blinden Führer! Die ihr sagt: Wenn jemand bei dem Tempel schwören wird, das

ist nichts; wenn aber jemand bei dem Gold des Tempels schwören wird, ist er gebunden. 23,17 Narren

und Blinde! Was ist denn größer, das Gold oder der Tempel, der das Gold heiligt? 23,18 Und: Wenn

jemand bei dem Altar schwören wird, das ist nichts; wenn aber jemand bei der Gabe schwören wird,

die auf ihm ist, so ist er gebunden. 23,19 Blinde! Was ist denn größer, die Gabe oder der Altar, der die

Gabe heiligt? 23,20 Wer nun bei dem Altar schwört, schwört bei ihm und bei allem, was auf ihm ist.

23,21 Und wer bei dem Tempel schwört, schwört bei ihm und bei dem, der ihn bewohnt. 23,22 Und

wer bei dem Himmel schwört, schwört bei dem Thron Gottes und bei dem, der darauf sitzt.

23,23 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verzehntet die Minze und den

Anis und den Kümmel und habt die wichtigeren Dinge des Gesetzes beiseite gelassen: das Gericht und

die Barmherzigkeit und den Glauben; diese hättet ihr tun und jene nicht lassen sollen. 23,24 Ihr

blinden Führer, die ihr die Mücke seiht, das Kamel aber verschluckt! 23,25 Wehe euch, Schriftgelehrte

und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr reinigt das Äußere des Bechers und der Schüssel, inwendig aber

sind sie voller Raub und Unenthaltsamkeit. 23,26 Blinder Pharisäer! Reinige zuerst das Inwendige des

Bechers, damit auch sein Auswendiges rein werde.

23,27 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr gleicht übertünchten Gräbern, die

von außen zwar schön scheinen, inwendig aber voll von Totengebeinen und aller Unreinigkeit sind.

23,28 So scheint auch ihr von außen zwar gerecht vor den Menschen, von innen aber seid ihr voller

Heuchelei und Gesetzlosigkeit.

23,29 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr baut die Gräber der Propheten

und schmückt die Grabmäler der Gerechten 23,30 und sagt: Wären wir in den Tagen unserer Väter

gewesen, so würden wir uns nicht an dem Blut der Propheten schuldig gemacht haben. 23,31 So gebt

ihr euch selbst Zeugnis, daß ihr Söhne derer seid, welche die Propheten ermordet haben. 23,32 Und

ihr, macht [nur] das Maß eurer Väter voll! 23,33 Schlangen! Otternbrut! Wie solltet ihr dem Gericht

der Hölle entfliehen? 23,34 Deswegen siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise und

Schriftgelehrte; und einige von ihnen werdet ihr töten und kreuzigen, und einige von ihnen werdet ihr

in euren Synagogen geißeln und werdet sie verfolgen von Stadt zu Stadt; 23,35 damit über euch

komme alles gerechte Blut, das auf der Erde vergossen wurde, von dem Blut Abels, des Gerechten, bis

zu dem Blut Zacharias', des Sohnes Barachjas, den ihr zwischen dem Tempel und dem Altar ermordet

habt. 23,36 Wahrlich, ich sage euch, dies alles wird über dieses Geschlecht kommen.

Klage über Jerusalem.

vgl. Lk 14,34.35.

23,37 Jerusalem, Jerusalem, die da tötet die Propheten und steinigt, die zu ihr gesandt sind! Wie oft

habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre Flügel,

und ihr habt nicht gewollt! 23,38 Siehe, euer Haus wird euch öde gelassen; 23,39 denn ich sage euch:

Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sprecht: "Gepriesen sei, der da kommt im Namen des

Herrn!"

Endzeitrede: Tempelzerstörung und

Drangsale der Endzeit.

Mk 13,1-23; V. 1-19: Lk 21,5-12.16-23.

Kapitel 24

24,1 Und Jesus trat hinaus und ging von dem Tempel weg; und seine Jünger traten zu [ihm], um ihn

auf die Gebäude des Tempels aufmerksam zu machen. 24,2 Er aber antwortete und sprach zu ihnen:

Seht ihr dies alles? Wahrlich, ich sage euch: Hier wird nicht ein Stein auf dem anderen gelassen

werden, der nicht abgebrochen werden wird. 24,3 Als er aber auf dem Ölberg saß, traten seine Jünger

für sich allein zu ihm und sprachen: Sage uns, wann wird das sein, und was ist das Zeichen deiner

Ankunft und der Vollendung des Zeitalters? 24,4 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Seht zu,

daß euch niemand verführe! 24,5 Denn viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin

der Christus! Und sie werden viele verführen. 24,6 Ihr werdet aber von Kriegen und Kriegsgerüchten

hören. Seht zu, erschreckt nicht; denn [dies] alles muß geschehen, aber es ist noch nicht das Ende. 24,7

Denn es wird sich Nation gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich, und es werden

Hungersnöte und Seuchen sein und Erdbeben da und dort. 24,8 Alles dies aber ist der Anfang der

Wehen. 24,9 Dann werden sie euch in Drangsal überliefern und euch töten; und ihr werdet von allen

Nationen gehaßt werden um meines Namens willen. 24,10 Und dann werden viele verleitet werden

und werden einander überliefern und einander hassen; 24,11 und viele falsche Propheten werden

aufstehen und werden viele verführen; 24,12 und weil die Gesetzlosigkeit überhand nimmt, wird die

Liebe der meisten erkalten; 24,13 wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird errettet werden. 24,14 Und

dieses Evangelium des Reiches wird gepredigt werden auf dem ganzen Erdkreis, allen Nationen zu

einem Zeugnis, und dann wird das Ende kommen.

24,15 Wenn ihr nun den Greuel der Verwüstung, von dem durch Daniel, dem Propheten, geredet ist, an

heiliger Stätte stehen seht - wer es liest, der merke auf! -, 24,16 dann sollen die in Judäa auf die Berge

fliehen; 24,17 wer auf dem Dach ist, soll nicht hinabsteigen, um etwas aus seinem Haus zu holen;

24,18 und wer auf dem Feld ist, soll nicht zurückkehren, um seinen Mantel zu holen. 24,19 Wehe aber

den Schwangeren und den Stillenden in jenen Tagen! 24,20 Betet aber, daß eure Flucht nicht im

Winter geschehe noch am Sabbat; 24,21 denn dann wird große Drangsal sein, wie sie von Anfang der

Welt bis jetzt nicht gewesen ist noch je sein wird. 24,22 Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so

würde kein Fleisch gerettet werden; aber um der Auserwählten willen werden jene Tage verkürzt

werden. 24,23 Wenn dann jemand zu euch sagt: Siehe, hier ist der Christus, oder dort! so glaubt es

nicht. 24,24 Denn es werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen und werden große

Zeichen und Wunder tun, um so, wenn möglich, auch die Auserwählten zu verführen. 24,25 Siehe, ich

habe es euch vorhergesagt. 24,26 Wenn sie nun zu euch sagen: Siehe, er

ist in der Wüste! so geht nicht hinaus. Siehe, in den Gemächern! so glaubt es nicht. 24,27 Denn wie der

Blitz ausfährt von Osten und bis nach Westen leuchtet, so wird die Ankunft des Sohnes des Menschen

sein. 24,28 Wo das Aas ist, da werden sich die Adler versammeln.

Endzeitrede: Ankunft des

Menschensohnes.

Mk 13,24-27; Lk 21,25-27.

24,29 Aber gleich nach der Drangsal jener Tage wird die Sonne verfinstert werden und der Mond

seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel

werden erschüttert werden. 24,30 Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen am Himmel

erscheinen; und dann werden wehklagen alle Stämme des Landes, und sie werden den Sohn des

Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit. 24,31 Und

er wird seine Engel aussenden mit starkem Posaunenschall, und sie werden seine Auserwählten

versammeln von den vier Winden her, von dem einen Ende der Himmel bis zu ihrem anderen Ende.

Endzeitrede: Ermahnung zur

Wachsamkeit.

Mk 13,28-37; V. 32-35: Lk 21,29-33; V. 37-41: Lk 17,26-35; V. 42-44: Lk 12,39.40.

24,32 Von dem Feigenbaum aber lernt das Gleichnis: Wenn sein Zweig schon weich geworden ist und

die Blätter hervortreibt, so erkennt ihr, daß der Sommer nahe ist. 24,33 So sollt auch ihr, wenn ihr dies

alles seht, erkennen, daß es nahe an der Tür ist. 24,34 Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird

nicht vergehen, bis dies alles geschehen ist. 24,35 Der Himmel und die Erde werden vergehen, meine

Worte aber sollen nicht vergehen. 24,36 Von jenem Tag aber und jener Stunde weiß niemand, auch

nicht die Engel in den Himmeln, sondern mein Vater allein. 24,37 Aber wie die Tage Noahs [waren],

so wird auch die Ankunft des Sohnes des Menschen sein. 24,38 Denn wie sie in den Tagen vor der Flut

waren: sie aßen und tranken, sie heirateten und verheirateten, bis zu dem Tag, da Noah in die Arche

ging, 24,39 und sie es nicht erkannten, bis die Flut kam und alle wegraffte, so wird auch die Ankunft

des Sohnes des Menschen sein. 24,40 Dann werden zwei auf dem Feld sein, einer wird genommen und

einer gelassen; 24,41 zwei [Frauen] werden an dem Mühlstein mahlen, eine wird genommen und eine

gelassen. 24,42 Wacht also, denn ihr wißt nicht, zu welcher Stunde euer Herr kommt. 24,43 Das aber

erkennt: Wenn der Hausherr gewußt hätte, in welcher Wache der Dieb komme, so hätte er wohl

gewacht und nicht zugelassen, daß in sein Haus eingebrochen würde. 24,44 Deshalb seid auch ihr

bereit; denn in der Stunde, in der ihr es nicht meint, kommt der Sohn des Menschen.

Endzeitrede: Gleichnis vom treuen und

untreuen Knecht.

Lk 12,41-46.

24,45 Wer ist nun der treue und kluge Knecht, den sein Herr über sein Gesinde gesetzt hat, um ihnen

die Speise zu geben zur rechten Zeit? 24,46 Glückselig jener Knecht, den sein Herr, wenn er kommt,

bei solchem Tun finden wird! 24,47 Wahrlich, ich sage euch, er wird ihn über seine ganze Habe

setzen. 24,48 Wenn aber jener als böser Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr läßt auf sich warten,

24,49 und anfängt, seine Mitknechte zu schlagen, und ißt und trinkt mit den Betrunkenen, 24,50 so

wird der Herr jenes Knechtes kommen an einem Tag, an dem er es nicht erwartet, und in einer Stunde,

die er nicht weiß, 24,51 und wird ihn entzweischneiden und ihm sein Teil setzen mit den Heuchlern: da

wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.

Endzeitrede: Gleichnis von den zehn

Jungfrauen.

Kapitel 25

25,1 Dann wird es mit dem Reich der Himmel sein wie mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen

und ausgingen, dem Bräutigam entgegen. 25,2 Fünf aber von ihnen waren klug und fünf töricht. 25,3

Die, welche töricht waren, nahmen ihre Lampen und nahmen kein Öl mit sich; 25,4 die Klugen aber

nahmen Öl in ihren Gefäßen samt ihren Lampen. 25,5 Als aber der Bräutigam auf sich warten ließ,

wurden sie alle schläfrig und schliefen ein. 25,6 Um Mitternacht aber entstand ein Geschrei: Siehe, der

Bräutigam! Geht aus, ihm entgegen! 25,7 Da standen alle jene Jungfrauen auf und schmückten ihre

Lampen. 25,8 Die Törichten aber sprachen zu den Klugen: Gebt uns von eurem Öl, denn unsere

Lampen erlöschen. 25,9 Die Klugen aber antworteten und sagten: Nein, damit es nicht etwa für uns

und euch nicht ausreiche; geht lieber hin zu den Verkäufern und kauft für euch selbst. 25,10 Als sie

aber hingingen, zu kaufen, kam der Bräutigam, und die bereit waren, gingen mit ihm ein zur Hochzeit;

und die Tür wurde verschlossen. 25,11 Später aber kommen auch die übrigen Jungfrauen und sagen:

Herr, Herr, tu uns auf! 25,12 Er aber antwortete und sprach: Wahrlich, ich sage euch, ich kenne euch

nicht. 25,13 So wacht nun, denn ihr wißt weder den Tag noch die Stunde.

Endzeitrede: Gleichnis von den

anvertrauten Talenten.

vgl. Lk 19,11-27.

25,14 Denn [es ist] wie [bei] einem Menschen, der außer Landes reiste, seine eigenen Knechte rief und

ihnen seine Habe übergab: 25,15 und einem gab er fünf Talente, einem anderen zwei, einem anderen

eins, einem jeden nach seiner eigenen Fähigkeit, und reiste außer Landes. 25,16 Sogleich aber ging

der, welcher die fünf Talente empfangen hatte, hin und handelte mit ihnen und gewann andere fünf

Talente. 25,17 So auch, der die zwei [empfangen hatte], auch er gewann andere zwei. 25,18 Der aber

das eine empfangen hatte, ging hin, grub [ein Loch] in die Erde und verbarg das Geld seines Herrn.

25,19 Nach langer Zeit aber kommt der Herr jener Knechte und rechnet mit ihnen ab. 25,20 Und es trat

herbei, der die fünf Talente empfangen hatte, und brachte andere fünf Talente und sagte: Herr, fünf

Talente hast du mir übergeben, siehe, andere fünf Talente habe ich dazugewonnen. 25,21 Sein Herr

sprach zu ihm: Recht so, du guter und treuer Knecht! Über weniges warst du treu, über vieles werde

ich dich setzen; geh ein in die Freude deines Herrn. 25,22 Es trat aber auch herbei, der die zwei

Talente empfangen hatte, und sprach: Herr, zwei Talente hast du mir übergeben; siehe, andere zwei

Talente habe ich dazugewonnen. 25,23 Sein Herr sprach zu ihm: Recht so, du guter und treuer Knecht!

Über weniges warst du treu, über vieles werde ich dich setzen; geh ein in die Freude deines Herrn.

25,24 Es trat aber auch herbei, der das eine Talent empfangen hatte, und sprach: Herr, ich kannte dich,

daß du ein harter Mann bist: du erntest, wo du nicht gesät, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast;

25,25 und ich fürchtete mich und ging hin und verbarg dein Talent in der Erde; siehe, da hast du das

Deine. 25,26 Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Böser und fauler Knecht! Du wußtest, daß

ich ernte, wo ich nicht gesät, und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe? 25,27 So solltest du nun

mein Geld den Wechslern gegeben haben, und wenn ich kam, hätte ich das Meine mit Zinsen erhalten.

25,28 Nehmt ihm nun das Talent weg, und gebt es dem, der die zehn Talente hat; 25,29 denn jedem,

der da hat, wird gegeben werden, und er wird Überfluß haben; von dem aber, der nicht hat, von dem

wird selbst, was er hat, weggenommen werden. 25,30 Und den unnützen Knecht werft hinaus in die

äußere Finsternis: da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.

Endzeitrede: Das Endgericht.

25,31 Wenn aber der Sohn des Menschen kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm,

dann wird er auf seinem Thron der Herrlichkeit sitzen; 25,32 und vor ihm werden versammelt werden

alle Nationen, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirte die Schafe von den Böcken

scheidet. 25,33 Und er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, die Böcke aber zur Linken. 25,34

Dann wird der König zu denen zu seiner Rechten sagen: Kommt her, Gesegnete meines Vaters, erbt

das Reich, das euch bereitet ist von Grundlegung der Welt an; 25,35 denn mich hungerte, und ihr gabt

mir zu essen; mich dürstete, und ihr gabt mir zu trinken; ich war Fremdling, und ihr nahmt mich auf;

25,36 nackt, und ihr bekleidetet mich; ich war krank, und ihr besuchtet mich; ich war im Gefängnis,

und ihr kamt zu mir. 25,37 Dann werden die Gerechten ihm antworten und sagen: Herr, wann sahen

wir dich hungrig und speisten dich? Oder durstig und gaben dir zu trinken? 25,38 Wann aber sahen wir

dich als Fremdling und nahmen dich auf? Oder nackt und bekleideten dich? 25,39 Wann aber sahen

wir dich krank oder im Gefängnis und kamen zu dir? 25,40 Und der König wird antworten und zu

ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr es einem der geringsten dieser meiner Brüder getan

habt, habt ihr es mir getan.

25,41 Dann wird er auch zu denen zur Linken sagen: Geht von mir, Verfluchte, in das ewige Feuer,

das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln! 25,42 Denn mich hungerte, und ihr gabt mir nicht zu

essen; mich dürstete, und ihr gabt mir nicht zu trinken; 25,43 ich war Fremdling, und ihr nahmt mich

nicht auf; nackt, und ihr bekleidetet mich nicht; krank und im Gefängnis, und ihr besuchtet mich nicht.

25,44 Dann werden auch sie antworten und sagen: Herr, wann sahen wir dich hungrig oder durstig

oder als Fremdling oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient? 25,45 Dann

wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr es einem dieser Geringsten nicht

getan habt, habt ihr es auch mir nicht getan. 25,46 Und diese werden hingehen in die ewige Pein, die

Gerechten aber in das ewige Leben. Anschlag der Hohenpriester und Verrat des Judas - Salbung Jesu

in Bethanien

Mk 14,1.2; Lk 22,1.2.

Kapitel 26

26,1 Und es geschah, als Jesus alle diese Reden beendet hatte, sprach er zu seinen Jüngern: 26,2 Ihr

wißt, daß nach zwei Tagen das Passah ist, und der Sohn des Menschen wird überliefert, um gekreuzigt

zu werden.

26,3 Dann versammelten sich die Hohenpriester und die Ältesten des Volkes in den Hof des

Hohenpriesters, der Kaiphas hieß, 26,4 und ratschlagten miteinander, um Jesus mit List zu greifen und

zu töten. 26,5 Sie sagten aber: Nicht an dem Fest, damit nicht ein Aufruhr unter dem Volk entstehe.

Mk 14,3-9; Joh 12,1-8.

26,6 Als aber Jesus in Bethanien war, im Hause Simons, des Aussätzigen, 26,7 kam eine Frau zu ihm,

die ein Alabasterfläschchen mit sehr kostbarem Salböl hatte, und goß es aus auf sein Haupt, als er zu

Tisch lag. 26,8 Als aber die Jünger es sahen, wurden sie unwillig und sprachen: Wozu diese

Verschwendung? 26,9 Denn dies hätte teuer verkauft und [der Erlös] den Armen gegeben werden

können. 26,10 Als aber Jesus es erkannte, sprach er zu ihnen: Was macht ihr der Frau Mühe? Sie hat

doch ein gutes Werk an mir getan; 26,11 denn die Armen habt ihr allezeit bei euch, mich aber habt ihr

nicht allezeit. 26,12 Denn als sie dieses Salböl über meinen Leib goß, tat sie es zu meinem Begräbnis.

26,13 Wahrlich, ich sage euch: Wo dieses Evangelium gepredigt werden wird in der ganzen Welt, wird

auch von dem geredet werden, was sie getan hat, zu ihrem Gedächtnis.

Mk 14,10.11; Lk 22,3-6.

26,14 Dann ging einer von den Zwölfen, Judas Iskariot mit Namen, zu den Hohenpriestern 26,15 und

sprach: Was wollt ihr mir geben, und ich werde ihn euch überliefern? Sie aber setzten ihm dreißig

Silberlinge fest. 26,16 Und von da an suchte er Gelegenheit, ihn zu überliefern.

Vorbereitung des Passahmahles.

Mk 14,12-16; Lk 22,7-13.

26,17 Am ersten [Tag] der ungesäuerten Brote aber traten die Jünger zu Jesus und sprachen: Wo willst

du, daß wir dir das Passah zu essen bereiten? 26,18 Er aber sprach: Geht in die Stadt zu dem und dem

und sprecht zu ihm: Der Lehrer sagt: Meine Zeit ist nahe; bei dir halte ich das Passah mit meinen

Jüngern. 26,19 Und die Jünger taten, wie Jesus ihnen befohlen hatte, und bereiteten das Passah.

Bezeichnung des Verräters.

Mk 14,17-21; Lk 22,14.21-23; Joh 13,18-30.

26,20 Als es aber Abend geworden war, legte er sich mit den Zwölfen zu Tisch. 26,21 Und während

sie aßen, sprach er: Wahrlich, ich sage euch: Einer von euch wird mich überliefern. 26,22 Und sie

wurden sehr betrübt, und jeder von ihnen fing an, zu ihm zu sagen: Ich bin es doch nicht, Herr? 26,23

Er aber antwortete und sprach: Der mit mir die Hand in die Schüssel eintaucht, der wird mich

überliefern. 26,24 Der Sohn des Menschen geht zwar dahin, wie über ihn geschrieben steht. Wehe aber

jenem Menschen, durch den der Sohn des Menschen überliefert wird! Es wäre jenem Menschen gut,

wenn er nicht geboren wäre. 26,25 Judas aber, der ihn überlieferte, antwortete und sprach: Ich bin es

doch nicht, Rabbi? Er spricht zu ihm: Du hast es gesagt.

Einsetzung des Herrenmahles.

Mk 14,22-26; Lk 22,15-20; 1Kor 11,23-25.

26,26 Während sie aber aßen, nahm Jesus Brot, segnete, brach und gab es den Jüngern und sprach:

Nehmt, eßt, dies ist mein Leib! 26,27 Und er nahm einen Kelch und dankte und gab ihnen [den] und

sprach: Trinkt alle daraus! 26,28 Denn dies ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur

Vergebung der Sünden. 26,29 Ich sage euch aber, daß ich von nun an nicht mehr von diesem Gewächs

des Weinstocks trinken werde bis zu jenem Tag, da ich es neu mit euch trinken werde in dem Reich

meines Vaters. 26,30 Und als sie ein Loblied gesungen hatten, gingen sie hinaus zum Ölberg.

Ankündigung der Verleugnung durch

Petrus.

Mk 14,27-31; Lk 22,31-34; Joh 13,36-38.

26,31 Darauf spricht Jesus zu ihnen: Ihr werdet euch alle in dieser Nacht an mir ärgern; denn es steht

geschrieben: "Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Herde werden zerstreut werden."

26,32 Nachdem ich aber auferweckt sein werde, werde ich vor euch hingehen nach Galiläa. 26,33

Petrus aber antwortete und sprach zu ihm: Wenn sich alle an dir ärgern werden, ich werde mich

niemals ärgern. 26,34 Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, daß du in dieser Nacht, ehe der

Hahn kräht, mich dreimal verleugnen wirst. 26,35 Petrus spricht zu ihm: Selbst wenn ich mit dir

sterben müßte, werde ich dich nicht verleugnen. Ebenso sprachen auch alle Jünger.

Gethsemane.

Mk 14,32-42; Lk 22,39-46.

26,36 Dann kommt Jesus mit ihnen an ein Gut, genannt Gethsemane, und er spricht zu den Jüngern:

Setzt euch hier, bis ich hingegangen bin und dort gebetet habe. 26,37 Und er nahm den Petrus und die

zwei Söhne des Zebedäus mit und fing an, betrübt und geängstigt zu werden. 26,38 Dann spricht er zu

ihnen: Meine Seele ist sehr betrübt, bis zum Tod. Bleibt hier und wacht mit mir! 26,39 Und er ging ein

wenig weiter und fiel auf sein Angesicht und betete und sprach: Mein Vater, wenn es möglich ist, so

gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst. 26,40 Und er kommt

zu den Jüngern und findet sie schlafend; und er spricht zu Petrus: Also nicht eine Stunde konntet ihr

mit mir wachen? 26,41 Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt; der Geist zwar ist

willig, das Fleisch aber schwach. 26,42 Wiederum, zum zweiten Mal, ging er hin und betete und

sprach: Mein Vater, wenn dieser [Kelch] nicht vorübergehen kann, ohne daß ich ihn trinke, so

geschehe dein Wille. 26,43 Und als er kam, fand er sie wieder schlafend, denn ihre Augen waren

beschwert. 26,44 Und er ließ sie, ging wieder hin, betete zum dritten Mal und sprach dasselbe Wort.

26,45 Dann kommt er zu den Jüngern und spricht zu ihnen: So schlaft denn fort und ruht aus. Siehe,

die Stunde ist nahe gekommen, und der Sohn des Menschen wird in Sünderhände überliefert. 26,46

Steht auf, laßt uns gehen! Siehe, nahe ist gekommen, der mich überliefert.

Gefangennahme.

Mk 14,43-50; Lk 22,47-53; Joh 18,2-12.

26,47 Und während er noch redete, siehe, da kam Judas, einer der Zwölf, und mit ihm eine große

Menge mit Schwertern und Stöcken, von den Hohenpriestern und Ältesten des Volkes. 26,48 Der ihn

aber überlieferte, hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: Wen ich küssen werde, der ist es, den

ergreift. 26,49 Und sogleich trat er zu Jesus und sprach: Sei gegrüßt, Rabbi! und küßte ihn. 26,50 Jesus

aber sprach zu ihm: Freund, wozu bist du gekommen! Dann traten sie heran und legten die Hände an

Jesus und ergriffen ihn. 26,51 Und siehe, einer von denen, die mit Jesus waren streckte die Hand aus,

zog sein Schwert und schlug den Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm das Ohr ab. 26,52 Da

spricht Jesus zu ihm: Stecke dein Schwert wieder an seinen Ort! Denn alle, die das Schwert nehmen,

werden durchs Schwert umkommen. 26,53 Oder meinst du, daß ich nicht jetzt meinen Vater bitten

könne und er mir mehr als zwölf Legionen Engel stellen werde? 26,54 Wie sollten denn die Schriften

erfüllt werden, daß es so geschehen muß?

26,55 In jener Stunde sprach Jesus zu den Volksmengen: Seid ihr ausgezogen wie gegen einen Räuber

mit Schwertern und Stöcken, mich zu fangen? Täglich saß ich bei euch im Tempel und lehrte, und ihr

habt mich nicht gegriffen. 26,56 Aber dies alles ist geschehen, damit die Schriften der Propheten

erfüllt werden. Da verließen ihn die Jünger alle und flohen.

Vor dem Hohen Rat.

Mk 14,53-65; Lk 22,54.55.63-71; Joh 18,13.14.19-24.

26,57 Die aber Jesus gegriffen hatten, führten ihn weg zu Kaiphas, dem Hohenpriester, wo die

Schriftgelehrten und die Ältesten versammelt waren. 26,58 Petrus aber folgte ihm von fern bis zu dem

Hof des Hohenpriesters und ging hinein und setzte sich zu den Dienern, um den Ausgang zu sehen.

26,59 Die Hohenpriester aber und der ganze Hohe Rat suchten falsches Zeugnis gegen Jesus, um ihn

zu Tode zu bringen; 26,60 und sie fanden keins, obwohl viele falsche Zeugen herzutraten. Zuletzt aber

traten zwei falsche Zeugen herbei 26,61 und sprachen: Dieser sagte: Ich kann den Tempel Gottes

abbrechen und in drei Tagen ihn wieder aufbauen. 26,62 Und der Hohepriester stand auf und sprach zu

ihm: Antwortest du nichts? Was zeugen diese gegen dich? 26,63 Jesus aber schwieg. Und der

Hohepriester sagte zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagst, ob du der

Christus bist, der Sohn Gottes! 26,64 Jesus spricht zu ihm: Du hast es gesagt. Doch ich sage euch: Von

nun an werdet ihr den Sohn des Menschen sitzen sehen zur Rechten der Macht und kommen auf den

Wolken des Himmels. 26,65 Da zerriß der Hohepriester seine Kleider und sprach: Er hat gelästert.

Was brauchen wir noch Zeugen? Siehe, jetzt habt ihr die Lästerung gehört. 26,66 Was meint ihr? Sie

aber antworteten und sprachen: Er ist des Todes schuldig. 26,67 Dann spien sie ihm ins Angesicht und

schlugen ihn mit Fäusten; einige aber schlugen [ihn ins Gesicht] 26,68 und sprachen: Weissage uns,

Christus, wer ist es, der dich schlug?

Verleugnung durch Petrus.

Mk 14,66-72; Lk 22,56-62; Joh 18,15-18.25-27.

26,69 Petrus aber saß draußen im Hof; und es trat eine Magd zu ihm und sprach: Auch du warst mit

Jesus, dem Galiläer. 26,70 Er aber leugnete vor allen und sprach: Ich weiß nicht, was du sagst. 26,71

Als er aber in das Torgebäude hinausgegangen war, sah ihn eine andere; und sie spricht zu denen, die

dort waren: Auch dieser war mit Jesus, dem Nazoräer. 26,72 Und wieder leugnete er mit einem Eid:

Ich kenne den Menschen nicht! 26,73 Kurz nachher aber traten die Umstehenden herbei und sprachen

zu Petrus: Wahrhaftig, auch du bist [einer] von ihnen, denn auch deine Sprache verrät dich. 26,74 Da

fing er an, sich zu verwünschen und zu schwören: Ich kenne den Menschen nicht! Und gleich darauf

krähte der Hahn. 26,75 Und Petrus gedachte des Wortes Jesu, der gesagt hatte: Ehe der Hahn kräht,

wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich.

Überlieferung an Pilatus.

Mk 15,1; Lk 22,66; 23,1; Joh 18,28.

Kapitel 27

27,1 Als es aber Morgen geworden war, hielten alle Hohenpriester und Ältesten des Volkes Rat gegen

Jesus, um ihn zu Tode zu bringen. 27,2 Und nachdem sie ihn gebunden hatten, führten sie ihn weg und

überlieferten ihn dem Statthalter Pontius Pilatus.

Ende des Judas.

Apg 1,16-19.

27,3 Als nun Judas, der ihn überliefert hatte, sah, daß er verurteilt wurde, reute es ihn, und er brachte

die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern und den Ältesten zurück 27,4 und sagte: Ich habe

gesündigt, denn ich habe schuldloses Blut überliefert. Sie aber sagten: Was geht das uns an? Sieh du

zu! 27,5 Und er warf die Silberlinge in den Tempel und machte sich davon und ging hin und erhängte

sich. 27,6 Die Hohenpriester aber nahmen die Silberlinge und sprachen: Es ist nicht erlaubt, sie in den

Tempelschatz zu werfen, weil es Blutgeld ist. 27,7 Sie hielten aber Rat und kauften dafür den Acker

des Töpfers zum Begräbnis für die Fremden. 27,8 Deswegen ist jener Acker Blutacker genannt worden

bis auf den heutigen Tag. 27,9 Da wurde erfüllt, was durch den Propheten Jeremia geredet ist, der

spricht: "Und sie nahmen die dreißig Silberlinge, den Preis des Geschätzten, den man geschätzt hatte

seitens der Söhne Israels, 27,10 und gaben sie für den Acker des Töpfers, wie mir der Herr befohlen

hat."

Anklage vor Pilatus.

Mk 15,2-5; Lk 23,2-5; Joh 18,29-38.

27,11 Jesus aber wurde dem Statthalter vorgeführt. Und der Statthalter fragte ihn und sprach: Bist du

der König der Juden? Jesus aber sprach zu ihm: Du sagst es. 27,12 Und als er von den Hohenpriestern

und den Ältesten angeklagt wurde, antwortete er nichts. 27,13 Da spricht Pilatus zu ihm: Hörst du

nicht, wie vieles sie gegen dich vorbringen? 27,14 Und er antwortete ihm auch nicht auf ein einziges

Wort, so daß der Statthalter sich sehr wunderte.

Freilassung für Barabbas - Todesurteil

für Jesus.

Mk 15,6-15; Lk 23,13-25; Joh 18,39.40; 19,1.16.

27,15 Zum Fest aber war der Statthalter gewohnt, der Volksmenge einen Gefangenen loszugeben, den

sie verlangten. 27,16 Sie hatten aber damals einen berüchtigten Gefangenen, mit Namen Barabbas.

27,17 Als sie nun versammelt waren, sprach Pilatus zu ihnen: Wen wollt ihr, daß ich euch losgeben

soll, Barabbas oder Jesus, der Christus genannt wird? 27,18 Denn er wußte, daß sie ihn aus Neid

überliefert hatten. 27,19 Während er aber auf dem Richterstuhl saß, sandte seine Frau zu ihm und ließ

[ihm] sagen: Habe du nichts zu schaffen mit jenem Gerechten! Denn im Traum habe ich heute um

seinetwillen viel gelitten. 27,20 Aber die Hohenpriester und die Ältesten überredeten die

Volksmengen, daß sie den Barabbas forderten, Jesus aber umbrächten. 27,21 Der Statthalter aber

antwortete und sprach zu ihnen: Welchen von den beiden wollt ihr, daß ich euch losgebe? Sie aber

sprachen: Barabbas. 27,22 Pilatus spricht zu ihnen: Was soll ich denn mit Jesus tun, der Christus

genannt wird? Sie sagen alle: Er werde gekreuzigt! 27,23 Der Statthalter aber sagte: Was hat er denn

Böses getan? Sie aber schrien übermäßig und sagten: Er werde gekreuzigt! 27,24 Als aber Pilatus sah,

daß er nichts ausrichtete, sondern vielmehr ein Tumult entstand, nahm er Wasser, wusch seine Hände

vor der Volksmenge und sprach: Ich bin schuldlos an dem Blut dieses Gerechten. Seht ihr zu! 27,25

Und das ganze Volk antwortete und sprach: Sein Blut [komme] über uns und über unsere Kinder!

27,26 Dann gab er ihnen den Barabbas los; Jesus aber ließ er geißeln und überlieferte ihn, damit er

gekreuzigt werde.

Verspottung durch die Soldaten.

Mk 15,16-20; Joh 19,2-5.

27,27 Dann nahmen die Soldaten des Statthalters Jesus mit in das Prätorium und versammelten um ihn

die ganze Schar; 27,28 und sie zogen ihn aus und legten ihm einen scharlachroten Mantel um. 27,29

Und sie flochten eine Krone aus Dornen und setzten sie auf sein Haupt und [gaben ihm] ein Rohr in

seine Rechte; und sie fielen vor ihm auf die Knie und verspotteten ihn und sagten: Sei gegrüßt, König

der Juden! 27,30 Und sie spien ihn an, nahmen das Rohr und schlugen ihn auf das Haupt. 27,31 Und

als sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Mantel aus und zogen ihm seine eigenen Kleider an;

und sie führten ihn ab, um ihn zu kreuzigen.

Golgatha: Kreuzigung.

Mk 15,21-32; Lk 23,26-43; Joh 19,16-27.

27,32 Als sie aber hinauszogen, trafen sie einen Mann von Kyrene, mit Namen Simon; den zwangen

sie, daß er sein Kreuz trage. 27,33 Und als sie an einen Ort gekommen waren, genannt Golgatha, das

heißt Schädelstätte, 27,34 gaben sie ihm mit Galle vermischten Wein zu trinken; und als er davon

gekostet hatte, wollte er nicht trinken. 27,35 Als sie ihn aber gekreuzigt hatten, verteilten sie seine

Kleider, indem sie das Los warfen. 27,36 Und sie saßen und bewachten ihn dort. 27,37 Und sie

befestigten oben über seinem Haupt seine Beschuldigungsschrift: Dies ist Jesus, der König der Juden.

27,38 Dann werden zwei Räuber mit ihm gekreuzigt, einer zur Rechten und einer zur Linken.

27,39 Die Vorübergehenden aber lästerten ihn, schüttelten ihre Köpfe 27,40 und sagten: Der du den

Tempel abbrichst und in drei Tagen aufbaust, rette dich selbst. Wenn du Gottes Sohn bist, so steige

herab vom Kreuz. 27,41 Ebenso aber spotteten auch die Hohenpriester mit den Schriftgelehrten und

Ältesten und sprachen: 27,42 Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht retten. Er ist Israels

König, so steige er jetzt vom Kreuz herab, und wir wollen an ihn glauben. 27,43 Er vertraute auf Gott,

der rette ihn jetzt, wenn er ihn liebt; denn er sagte: Ich bin Gottes Sohn. 27,44 Auf dieselbe Weise

schmähten ihn auch die Räuber, die mit ihm gekreuzigt waren.

Golgatha: Tod.

Mk 15,33-41; Lk 23,44-49; Joh 19,28-30.

27,45 Aber von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten

Stunde; 27,46 um die neunte Stunde aber schrie Jesus mit lauter Stimme auf und sagte: Eli, Eli, lema

sabachthani? Das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? 27,47 Als aber einige

von den Umstehenden es hörten, sagten sie: Der ruft den Elia. 27,48 Und sogleich lief einer von ihnen

und nahm einen Schwamm, füllte ihn mit Essig und steckte ihn auf ein Rohr und gab ihm zu trinken.

27,49 Die übrigen aber sagten: Halt, laßt uns sehen, ob Elia kommt, ihn zu retten! 27,50 Jesus aber

schrie wieder mit lauter Stimme und gab den Geist auf. 27,51 Und siehe, der Vorhang des Tempels

zerriß in zwei [Stücke],von oben bis unten; und die Erde erbebte, und die Felsen zerrissen, 27,52 und

die Grüfte taten sich auf, und viele Leiber der entschlafenen Heiligen wurden auferweckt; 27,53 und

sie gingen nach seiner Auferweckung aus den Grüften und gingen in die heilige Stadt und erschienen

vielen.

27,54 Als aber der Hauptmann und die, die mit ihm Jesus bewachten, das Erdbeben sahen und das, was

geschah, fürchteten sie sich sehr und sprachen: Wahrhaftig, dieser war Gottes Sohn!

27,55 Es sahen aber dort viele Frauen von fern zu, die Jesus von Galiläa nachgefolgt waren und ihm

gedient hatten; 27,56 unter ihnen waren Maria Magdalena und Maria, des Jakobus und Joses Mutter,

und die Mutter der Söhne des Zebedäus.

Grablegung.

Mk 15,42-47; Lk 23,50-56; Joh 19,38-42.

27,57 Als es aber Abend geworden war, kam ein reicher Mann von Arimathäa, mit Namen Joseph, der

auch selbst ein Jünger Jesu war. 27,58 Dieser ging hin zu Pilatus und bat um den Leib Jesu. Da befahl

Pilatus, [den Leib] zu übergeben. 27,59 Und Joseph nahm den Leib und wickelte ihn in ein reines

Leinentuch 27,60 und legte ihn in seine neue Gruft, die er in den Felsen ausgehauen hatte; und er

wälzte einen großen Stein an die Tür der Gruft und ging weg. 27,61 Es waren aber dort Maria

Magdalena und die andere Maria, die dem Grab gegenüber saßen.

Bewachung des Grabes.

27,62 Am nächsten Tag aber, der auf den Rüsttag folgt, versammelten sich die Hohenpriester und die

Pharisäer bei Pilatus 27,63 und sprachen: Herr, wir haben uns erinnert, daß jener Verführer sagte, als

er noch lebte: Nach drei Tagen stehe ich wieder auf. 27,64 So befiehl nun, daß das Grab gesichert

werde bis zum dritten Tag, damit nicht etwa seine Jünger kommen, ihn stehlen und dem Volk sagen:

Er ist von den Toten auferstanden. Und die letzte Verführung wird schlimmer sein als die erste. 27,65

Pilatus sprach zu ihnen: Ihr sollt eine Wache haben. Geht hin, sichert es, so gut ihr könnt! 27,66 Sie

aber gingen hin und sicherten, nachdem sie den Stein versiegelt hatten, das Grab mit der Wache.

Die Frauen am leeren Grab -

Erscheinung des Auferstandenen.

Mk 16,1-11; Lk 24,1-12; Joh 20,1-18.

Kapitel 28

28,1 Aber spät am Sabbat, in der Dämmerung des ersten Wochentages, kam Maria Magdalena und die

andere Maria, um das Grab zu besehen.

28,2 Und siehe, da geschah ein großes Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam aus dem Himmel

herab, trat hinzu, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. 28,3 Sein Ansehen aber war wie der

Blitz und sein Kleid weiß wie Schnee. 28,4 Aber aus Furcht vor ihm bebten die Wächter und wurden

wie Tote. 28,5 Der Engel aber begann und sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht, denn ich weiß,

daß ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. 28,6 Er ist nicht hier, denn er ist auferstanden, wie er gesagt

hat. Kommt her, seht die Stätte, wo der Herr gelegen hat, 28,7 und geht schnell hin und sagt seinen

Jüngern, daß er von den Toten auferstanden ist. Und siehe, er geht vor euch hin nach Galiläa, dort

werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt. 28,8 Und sie gingen schnell von der Gruft weg

mit Furcht und großer Freude und liefen, es seinen Jüngern zu verkünden. 28,9 Als sie aber hingingen,

es seinen Jüngern zu verkünden, siehe, da kam Jesus ihnen entgegen und sprach: Seid gegrüßt! Sie

aber traten zu [ihm], umfaßten seine Füße und warfen sich vor ihm nieder. 28,10 Da spricht Jesus zu

ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht hin, verkündet meinen Brüdern, daß sie hingehen nach Galiläa, und

dort werden sie mich sehen.

Bestechung der Grabwächter.

28,11 Während sie aber hingingen, siehe, da kamen einige von der Wache in die Stadt und

verkündeten den Hohenpriestern alles, was geschehen war. 28,12 Und sie versammelten sich mit den

Ältesten und hielten Rat; und sie gaben den Soldaten reichlich Geld 28,13 und sagten: Sprecht: Seine

Jünger kamen bei Nacht und stahlen ihn, während wir schliefen. 28,14 Und wenn dies dem Statthalter

zu Ohren kommen sollte, so werden wir ihn beschwichtigen und machen, daß ihr ohne Sorge seid.

28,15 Sie aber nahmen das Geld und taten, wie sie unterrichtet worden waren. Und diese Rede

verbreitete sich bei den Juden bis auf den heutigen Tag.

Erscheinung des Auferstandenen vor

den Jüngern - Missionsbefehl.

28,16 Die elf Jünger aber gingen nach Galiläa, an den Berg, wohin Jesus sie bestellt hatte. 28,17 Und

als sie ihn sahen, warfen sie sich vor ihm nieder; einige aber zweifelten. 28,18 Und Jesus trat zu

[ihnen] und redete mit ihnen und sprach: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. 28,19

Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, indem ihr diese tauft auf den Namen des Vaters und

des Sohnes und des Heiligen Geistes, 28,20 und sie lehrt alles zu bewahren, was ich euch geboten

habe! Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.

Das Evangelium nach Markus.

Johannes der Täufer.

Mt 3,1-12; Lk 3,1-18; (Joh 1,19-28).

Kapitel 1

1,1 Anfang des Evangeliums Jesu Christi; 1,2 wie in dem Propheten Jesaja geschrieben steht: `Siehe,

ich sende meinen Boten vor deinem Angesicht her, der deinen Weg bereiten wird. 1,3 `Stimme eines

Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Pfade gerade! 1,4 So trat Johannes

auf und taufte in der Wüste und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden. 1,5 Und es

ging zu ihm hinaus das ganze jüdische Land und alle Einwohner Jerusalems, und sie wurden im

Jordanfluß von ihm getauft, indem sie ihre Sünden bekannten. 1,6 Und Johannes war mit

Kamelhaaren und einem ledernen Gürtel um seine Lenden bekleidet; und er aß Heuschrecken und

wilden Honig. 1,7 Und er predigte und sagte: Nach mir kommt der, der stärker ist als ich; ich bin nicht

würdig, [ihm] gebückt den Riemen seiner Sandalen zu lösen. 1,8 Ich habe euch mit Wasser getauft, er

aber wird euch mit Heiligem Geist taufen.

Die Taufe und Versuchung Jesu.

Mt 3,13-17; Lk 3,21.22; (Joh 1,29-34).

1,9 Und es geschah in jenen Tagen: Jesus kam von Nazareth in Galiläa und wurde von Johannes im

Jordan getauft. 1,10 Und sobald er aus dem Wasser heraufstieg, sah er die Himmel sich teilen und den

Geist wie eine Taube auf ihn herabfahren. 1,11 Und eine Stimme kam aus den Himmeln: Du bist mein

geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.

Mt 4,1-11; Lk 4,1-13.

1,12 Und sogleich treibt ihn der Geist in die Wüste hinaus. 1,13 Und er war vierzig Tage in der Wüste

und wurde von dem Satan versucht; und er war unter den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm.

Bußpredigt in Galiläa - die ersten

Jünger.

Mt 4,12-22; Lk 4,14.15; 5,1-11.

1,14 Und nachdem Johannes überliefert war, kam Jesus nach Galiläa und predigte das Evangelium

Gottes 1,15 und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe gekommen. Tut Buße und

glaubt an das Evangelium.

1,16 Und als er am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, Simons Bruder, im See

die Netze auswerfen, denn sie waren Fischer. 1,17 Und Jesus sprach zu ihnen: Kommt mir nach, und

ich werde euch zu Menschenfischern machen; 1,18 und sogleich verließen sie die Netze und folgten

ihm nach. 1,19 Und als er ein wenig weiterging, sah er Jakobus, den [Sohn] des Zebedäus, und seinen

Bruder Johannes, auch sie im Schiff, wie sie die Netze ausbesserten; 1,20 und sogleich rief er sie. Und

sie ließen ihren Vater Zebedäus mit den Tagelöhnern im Schiff und gingen weg, ihm nach.

Heilung eines Besessenen.

Lk 4,31-37.

1,21 Und sie gehen nach Kapernaum hinein. Und sogleich ging er am Sabbat in die Synagoge und

lehrte. 1,22 Und sie erstaunten sehr über seine Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat,

und nicht wie die Schriftgelehrten. 1,23 Und sogleich war in ihrer Synagoge ein Mensch mit einem

unreinen Geist; und er schrie auf 1,24 und sagte: Was haben wir mit dir zu schaffen, Jesus,

Nazarener? Bist du gekommen, uns zu verderben? Ich kenne dich, wer du bist: der Heilige Gottes.

1,25 Und Jesus bedrohte ihn und sprach: Verstumme und fahre aus von ihm! 1,26 Und der unreine

Geist zerrte ihn und rief mit lauter Stimme und fuhr von ihm aus. 1,27 Und sie entsetzten sich alle, so

daß sie sich untereinander befragten und sagten: Was ist dies? Eine neue Lehre mit Vollmacht? Und

den unreinen Geistern gebietet er, und sie gehorchen ihm. 1,28 Und die Kunde von ihm ging sogleich

aus überall in der ganzen Umgebung Galiläas.

Heilung der Schwiegermutter des

Petrus.

Mt 8,14.15; Lk 4,38.39.

1,29 Und sobald sie aus der Synagoge hinausgingen, kamen sie mit Jakobus und Johannes in das Haus

Simons und Andreas'. 1,30 Die Schwiegermutter Simons aber lag fieberkrank danieder; und sofort

sagen sie ihm von ihr. 1,31 Und er trat hinzu, ergriff ihre Hand und richtete sie auf; und das Fieber

verließ sie, und sie diente ihnen.

Heilungen und Predigt.

Mt 4,23-25; 8,16.17; Lk 4,40-44.

1,32 Als es aber Abend geworden war und die Sonne unterging, brachten sie alle Leidenden und

Besessenen zu ihm; 1,33 und die ganze Stadt war an der Tür versammelt. 1,34 Und er heilte viele an

mancherlei Krankheiten Leidende, und er trieb viele Dämonen aus und ließ die Dämonen nicht reden,

weil sie ihn kannten.

1,35 Und frühmorgens, als es noch sehr dunkel war, stand er auf und ging hinaus und ging fort an

einen einsamen Ort und betete dort. 1,36 Und Simon und die mit ihm waren eilten ihm nach; 1,37 und

sie fanden ihn und sagen zu ihm: Alle suchen dich. 1,38 Und er spricht zu ihnen: Laßt uns

anderswohin in die benachbarten Marktflecken gehen, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich

ausgegangen. 1,39 Und er ging und predigte in ihren Synagogen in ganz Galiläa und trieb die

Dämonen aus.

Heilung eines Aussätzigen.

Mt 8,1-4; Lk 5,12-16.

1,40 Und es kommt ein Aussätziger zu ihm, bittet ihn und kniet nieder und spricht zu ihm: Wenn du

willst, kannst du mich reinigen. 1,41 Und er war innerlich bewegt und streckte seine Hand aus, rührte

[ihn] an und spricht zu ihm: Ich will. Sei gereinigt! 1,42 Und sogleich wich der Aussatz von ihm, und

er war gereinigt. 1,43 Und er bedrohte ihn und schickte ihn sogleich fort 1,44 und spricht zu ihm: Sieh

zu, sage niemand etwas! Sondern geh hin, zeige dich dem Priester, und opfere für deine Reinigung,

was Mose geboten hat, ihnen zu einem Zeugnis! 1,45 Der aber ging weg und fing an, die Sache eifrig

zu verkünden und auszubreiten, so daß er nicht mehr öffentlich in die Stadt gehen konnte; sondern er

war draußen an einsamen Orten, und sie kamen von allen Seiten zu ihm.

Heilung eines Gelähmten.

Mt 9,1-8; Lk 5,17-26.

Kapitel 2

2,1 Und nach einigen Tagen ging er wieder nach Kapernaum hinein, und es wurde bekannt, daß er im

Hause sei. 2,2 Und es versammelten sich viele, so daß sie keinen Platz mehr hatten, nicht einmal vor

der Tür; und er sagte ihnen das Wort. 2,3 Und sie kommen zu ihm und bringen einen Gelähmten, von

vieren getragen. 2,4 Und da sie wegen der Volksmenge nicht zu ihm hinkommen konnten, deckten sie

das Dach ab, wo er war; und als sie es aufgebrochen hatten, lassen sie das Bett hinab, auf dem der

Gelähmte lag. 2,5 Und als Jesus ihren Glauben sah, spricht er zu dem Gelähmten: Kind, deine Sünden

sind vergeben. 2,6 Es saßen dort aber einige von den Schriftgelehrten und überlegten in ihren Herzen:

2,7 Was redet dieser so? Er lästert. Wer kann Sünden vergeben außer einem, Gott? 2,8 Und sogleich

erkannte Jesus in seinem Geist, daß sie so bei sich überlegten, und sprach zu ihnen: Was überlegt ihr

dies in euren Herzen? 2,9 Was ist leichter? Zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind vergeben,

oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett auf und geh umher? 2,10 Damit ihr aber wißt, daß der Sohn

des Menschen Vollmacht hat, auf der Erde Sünden zu vergeben - spricht er zu dem Gelähmten: 2,11

Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett auf und geh in dein Haus! 2,12 Und er stand auf, nahm sogleich

das Bett auf und ging vor allen hinaus, so daß alle außer sich gerieten und Gott verherrlichten und

sagten: Niemals haben wir so etwas gesehen!

Berufung des Levi.

Mt 9,9-13; Lk 5,27-32.

2,13 Und er ging wieder hinaus an den See, und die ganze Volksmenge kam zu ihm, und er lehrte sie.

2,14 Und als er vorüberging, sah er Levi, den [Sohn] des Alphäus, am Zollhaus sitzen. Und er spricht

zu ihm: Folge mir nach! Und er stand auf und folgte ihm nach. 2,15 Und es geschieht, daß er in

seinem Hause zu Tisch lag, und viele Zöllner und Sünder lagen mit Jesus und seinen Jüngern zu

Tisch, denn es waren viele, und sie folgten ihm nach. 2,16 Und als die Schriftgelehrten der Pharisäer

ihn mit den Sündern und Zöllnern essen sahen, sagten sie zu seinen Jüngern: Mit den Zöllnern und

Sündern ißt er? 2,17 Und Jesus hörte es und spricht zu ihnen: Nicht die Starken brauchen einen Arzt,

sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.

Die Frage nach dem Fasten.

Mt 9,14-17; Lk 5,33-39.

2,18 Und die Jünger des Johannes und die Pharisäer fasteten; und sie kommen und sagen zu ihm:

Warum fasten die Jünger des Johannes und die Jünger der Pharisäer, deine Jünger aber fasten nicht?

2,19 Und Jesus sprach zu ihnen: Können etwa die Hochzeitsgäste fasten, während der Bräutigam bei

ihnen ist? Solange sie den Bräutigam bei sich haben, können sie nicht fasten. 2,20 Es werden aber

Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen weggenommen sein wird, und dann, an jenem Tag,

werden sie fasten. 2,21 Niemand näht einen Flicken von neuem Tuch auf ein altes Kleid; sonst reißt

das Eingesetzte von ihm ab, das neue vom alten, und der Riß wird schlimmer. 2,22 Auch füllt

niemand neuen Wein in alte Schläuche; sonst zerreißt der Wein die Schläuche, und der Wein und die

Schläuche verderben; sondern neuen Wein [füllt man] in neue Schläuche.

Die Sabbatfrage.

Mt 12,1-14; Lk 6,1-11.

2,23 Und es geschah, daß er am Sabbat durch die Saaten ging; und seine Jünger fingen an, im Gehen

die Ähren abzupflücken. 2,24 Und die Pharisäer sagten zu ihm: Sieh, was tun sie am Sabbat, das nicht

erlaubt ist? 2,25 Und er spricht zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, als er Mangel hatte, und

als ihn und die bei ihm waren, hungerte? 2,26 Wie er in das Haus Gottes ging zur Zeit Abjathars, des

Hohenpriesters, und die Schaubrote aß, die außer den Priestern niemand essen darf, und auch denen

gab, die bei ihm waren? 2,27 Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen

geschaffen worden und nicht der Mensch um des Sabbats willen; 2,28 somit ist der Sohn des

Menschen Herr auch des Sabbats.

Kapitel 3

3,1 Und er ging wieder in die Synagoge; und es war dort ein Mensch, der eine verdorrte Hand hatte.

3,2 Und sie lauerten auf ihn, ob er ihn am Sabbat heilen würde, damit sie ihn anklagen könnten. 3,3

Und er spricht zu dem Menschen, der die verdorrte Hand hatte: Steh auf [und tritt] in die Mitte! 3,4

Und er spricht zu ihnen: Ist es erlaubt, am Sabbat Gutes zu tun oder Böses zu tun, das Leben zu retten

oder zu töten? Sie aber schwiegen. 3,5 Und er blickte auf sie umher mit Zorn, betrübt über die

Verhärtung ihres Herzens, und spricht zu dem Menschen: Strecke deine Hand aus! Und er streckte sie

aus, und seine Hand wurde wiederhergestellt. 3,6 Und die Pharisäer gingen hinaus und hielten mit den

Herodianern sofort Rat gegen ihn, wie sie ihn umbrächten.

Krankenheilungen am See Genezareth.

Mt 12,15-21; Lk 6,17-19.

3,7 Und Jesus entwich mit seinen Jüngern an den See; und es folgte eine große Menge von Galiläa

und von Judäa 3,8 und von Jerusalem und von Idumäa und von jenseits des Jordan und [von der

Gegend] rings um Tyrus und Sidon, eine große Menge; da sie hörten, wieviel er tat, kamen sie zu ihm.

3,9 Und er sagte seinen Jüngern, daß ihm wegen der Volksmenge ein Boot bereitgehalten werden

sollte, damit sie ihn nicht drängten. 3,10 Denn er heilte viele, so daß alle, die Leiden hatten, sich auf

ihn stürzten, um ihn anzurühren. 3,11 Und wenn die unreinen Geister ihn sahen, fielen sie vor ihm

nieder und schrien und sprachen: Du bist der Sohn Gottes. 3,12 Und er bedrohte sie sehr, daß sie ihn

nicht offenbar machten.

Berufung der zwölf Apostel.

Mt 10,1-4; Lk 6,12-16; (Apg 1,13).

3,13 Und er steigt auf den Berg und ruft zu sich, die er wollte. Und sie kamen zu ihm; 3,14 und er

bestellte zwölf, damit sie bei ihm seien und damit er sie aussende, zu predigen 3,15 und Vollmacht zu

haben, die Dämonen auszutreiben. 3,16 Und er bestellte die Zwölf, und er gab dem Simon den

Beinamen Petrus; 3,17 und Jakobus, den [Sohn] des Zebedäus, und Johannes, den Bruder des

Jakobus, und er gab ihnen den Beinamen Boanerges, das ist Söhne des Donners; 3,18 und Andreas

und Philippus und Bartholomäus und Matthäus und Thomas und Jakobus, den [Sohn] des Alphäus,

und Thaddäus und Simon, den Kananäer, 3,19 und Judas Iskariot, der ihn auch überlieferte.

Lästerung des Geistes - Die wahren

Verwandten Jesu.

Mt 12,22-37; Lk 11,14-23.

3,20 Und er kommt in ein Haus. Und wieder kommt eine Volksmenge zusammen, so daß sie nicht

einmal Brot essen konnten. 3,21 Und als seine Angehörigen es hörten, gingen sie aus, um ihn zu

greifen; denn sie sagten: Er ist von Sinnen.

3,22 Und die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, sagten: Er hat den

Beelzebul, und: Durch den Obersten der Dämonen treibt er die Dämonen aus. 3,23 Und er rief sie zu

sich und sprach in Gleichnissen zu ihnen: Wie kann Satan den Satan austreiben? 3,24 Und wenn ein

Reich mit sich selbst entzweit ist, kann dieses Reich nicht bestehen. 3,25 Und wenn ein Haus mit sich

selbst entzweit ist, kann dieses Haus nicht bestehen. 3,26 Und wenn der Satan gegen sich selbst

aufgestanden und [mit sich] entzweit ist, kann er nicht bestehen, sondern er hat ein Ende. 3,27

Niemand aber kann in das Haus des Starken eindringen und seinen Hausrat rauben, wenn er nicht

zuvor den Starken gebunden hat, und dann wird er sein Haus berauben. 3,28 Wahrlich, ich sage euch:

Alle Sünden werden den Söhnen der Menschen vergeben werden, und die Lästerungen, mit denen sie

auch lästern mögen; 3,29 wer aber gegen den Heiligen Geist lästern wird, hat keine Vergebung in

Ewigkeit, sondern ist ewiger Sünde schuldig; - 3,30 weil sie sagten: Er hat einen unreinen Geist.

Mt 12,46-50; Lk 8,19-21.

3,31 Und es kommen seine Mutter und seine Brüder; und sie standen draußen, sandten zu ihm und

riefen ihn. 3,32 Und eine Volksmenge saß um ihn her; sie sagten aber zu ihm: Siehe, deine Mutter und

deine Brüder und deine Schwestern draußen suchen dich. 3,33 Und er antwortete ihnen und spricht:

Wer sind meine Mutter und meine Brüder? 3,34 Und er blickte umher auf die um ihn im Kreise

Sitzenden und spricht: Siehe, meine Mutter und meine Brüder! 3,35 Wer den Willen Gottes tut, der ist

mir Bruder und Schwester und Mutter.

Gleichnis vom Sämann.

Mt 13,1-23; Lk 8,4-15.

Kapitel 4

4,1 Und wiederum fing er an, am See zu lehren. Und es versammelte sich eine sehr große

Volksmenge zu ihm, so daß er in ein Schiff stieg und auf dem See saß; und die ganze Volksmenge

war am See auf dem Land. 4,2 Und er lehrte sie vieles in Gleichnissen; und er sprach zu ihnen in

seiner Lehre: 4,3 Hört! Siehe, der Sämann ging aus, um zu säen. 4,4 Und es geschah, indem er säte,

fiel das eine an den Weg, und die Vögel kamen und fraßen es auf. 4,5 Und anderes fiel auf das

Steinige, wo es nicht viel Erde hatte; und es ging sogleich auf, weil es nicht tiefe Erde hatte. 4,6 Und

als die Sonne aufging, wurde es verbrannt, und weil es keine Wurzel hatte, verdorrte es. 4,7 Und

anderes fiel unter die Dornen; und die Dornen schossen auf und erstickten es, und es gab keine Frucht.

4,8 Und anderes fiel in die gute Erde und gab Frucht, indem es aufging und wuchs; und es trug bis zu

dreißig- und sechzig- und hundert[fach]. 4,9 Und er sprach: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

4,10 Und als er allein war, fragten ihn, die um ihn waren, samt den Zwölfen nach den Gleichnissen.

4,11 Und er sprach zu ihnen: Euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes gegeben, jenen aber, die

draußen sind, wird alles in Gleichnissen zuteil, 4,12 `damit sie sehend sehen und nicht wahrnehmen

und hörend hören und nicht verstehen, damit sie sich nicht etwa bekehren und ihnen vergeben werde.

4,13 Und er spricht zu ihnen: Begreift ihr dieses Gleichnis nicht? Und wie wollt ihr all die Gleichnisse

verstehen? 4,14 Der Sämann sät das Wort. 4,15 Die an dem Weg aber sind die, bei denen das Wort

gesät wird und, wenn sie es hören, sogleich der Satan kommt und das Wort wegnimmt, das in sie

hineingesät worden ist. 4,16 Und ebenso sind die, die auf das Steinige gesät worden sind, die, wenn

sie das Wort hören, es sogleich mit Freuden aufnehmen, 4,17 und sie haben keine Wurzel in sich,

sondern sind [Menschen] des Augenblicks; wenn nachher Drangsal oder Verfolgung um des Wortes

willen entsteht, ärgern sie sich sogleich. 4,18 Und andere sind die unter die Dornen Gesäten, es sind

die, die das Wort gehört haben, 4,19 und die Sorgen der Zeit und der Betrug des Reichtums und die

Begierden nach den übrigen Dingen kommen hinein und ersticken das Wort, und es bringt keine

Frucht. 4,20 Und die auf die gute Erde Gesäten sind jene, die das Wort hören und aufnehmen und

Frucht bringen: dreißig- und sechzig- und hundert[fach].

Gleichnis von der Lampe.

Lk 8,16-18.

4,21 Und er sprach zu ihnen: Kommt etwa die Lampe, damit sie unter den Scheffel oder unter das Bett

gestellt wird? Nicht damit sie auf das Lampengestell gestellt wird? 4,22 Denn es ist nichts verborgen,

das nicht offenbar gemacht wird, auch ist nichts geheim geworden, das nicht ans Licht kommen wird.

4,23 Wenn jemand Ohren hat zu hören, der höre! 4,24 Und er sprach zu ihnen: Seht zu, was ihr hört;

mit welchem Maß ihr meßt, wird euch gemessen werden, und es wird euch hinzugefügt werden. 4,25

Denn wer hat, dem wird gegeben werden; und wer nicht hat, von dem wird auch, was er hat,

genommen werden.

Gleichnis vom Aufwachsen der Saat.

4,26 Und er sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch den Samen auf das Land

wirft 4,27 und schläft und aufsteht, Nacht und Tag, und der Same sprießt hervor und wächst, er weiß

selbst nicht, wie. 4,28 Die Erde bringt von selbst Frucht hervor, zuerst Gras, dann eine Ähre, dann

vollen Weizen in der Ähre. 4,29 Wenn aber die Frucht es zuläßt, so schickt er sogleich die Sichel,

denn die Ernte ist da.

Gleichnis vom Senfkorn.

Mt 13,31-35; Lk 13,18-21.

4,30 Und er sprach: Wie sollen wir das Reich Gottes vergleichen? Oder in welchem Gleichnis sollen

wir es darstellen? 4,31 Wie ein Senfkorn, das, wenn es auf die Erde gesät wird, kleiner ist als alle

[Arten von] Samen, die auf der Erde sind; 4,32 und wenn es gesät ist, geht es auf und wird größer als

alle Kräuter, und es treibt große Zweige, so daß unter seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten

können. 4,33 Und in vielen solchen Gleichnissen redete er zu ihnen das Wort, wie sie es zu hören

vermochten. 4,34 Ohne Gleichnis aber redete er nicht zu ihnen; aber seinen Jüngern erklärte er alles

besonders.

Stillung des Sturms.

Mt 8,23-27; Lk 8,22-25.

4,35 Und an jenem Tag sagt er zu ihnen, als es Abend geworden war: Laßt uns zum jenseitigen Ufer

übersetzen! 4,36 Und sie entließen die Volksmenge und nehmen ihn im Schiff mit, wie er war. Und

andere Schiffe waren bei ihm. 4,37 Und es erhebt sich ein heftiger Sturmwind, und die Wellen

schlugen in das Schiff, so daß das Schiff sich schon füllte. 4,38 Und er war hinten im Schiff und

schlief auf dem Kopfkissen; und sie wecken ihn auf und sprechen zu ihm: Lehrer, kümmert es dich

nicht, daß wir umkommen? 4,39 Und er wachte auf, bedrohte den Wind und sprach zu dem See:

Schweig, verstumme! Und der Wind legte sich, und es entstand eine große Stille. 4,40 Und er sprach

zu ihnen: Warum seid ihr so furchtsam? Wie, habt ihr keinen Glauben? 4,41 Und sie fürchteten sich

mit großer Furcht und sprachen zueinander: Wer ist denn dieser, daß auch der Wind und der See ihm

gehorchen?

Heilung eines besessenen Geraseners.

Mt 8,28-34; Lk 8,26-39.

Kapitel 5

5,1 Und sie kamen an das jenseitige Ufer des Sees in das Land der Gerasener. 5,2 Und als er aus dem

Schiff gestiegen war, begegnete ihm sogleich von den Grüften her ein Mensch mit einem unreinen

Geist, 5,3 der seine Wohnung in den Grabstätten hatte; und selbst mit Ketten konnte ihn keiner

binden, 5,4 da er oft mit Fußfesseln und mit Ketten gebunden worden war und die Ketten von ihm in

Stücke zerrissen und die Fußfesseln zerrieben worden waren; und niemand konnte ihn bändigen. 5,5

Und allezeit, Nacht und Tag, war er in den Grabstätten und auf den Bergen und schrie und zerschlug

sich mit Steinen. 5,6 Und als er Jesus von fern sah, lief er und warf sich vor ihm nieder; 5,7 und er

schrie mit lauter Stimme und sagte: Was habe ich mit dir zu schaffen, Jesus, Sohn Gottes, des

Höchsten? Ich beschwöre dich bei Gott, quäle mich nicht! 5,8 Denn er sagte zu ihm: Fahre aus, du

unreiner Geist, aus dem Menschen! 5,9 Und er fragte ihn: Was ist dein Name? Und er spricht zu ihm:

Legion ist mein Name, denn wir sind viele. 5,10 Und er bat ihn sehr, daß er sie nicht aus der Gegend

fortschicke. 5,11 Es war aber dort an dem Berg eine große Herde Schweine, die weidete. 5,12 Und sie

baten ihn und sagten: Schicke uns in die Schweine, damit wir in sie hineinfahren. 5,13 Und er erlaubte

es ihnen. Und die unreinen Geister fuhren aus und fuhren in die Schweine, und die Herde stürzte sich

den Abhang hinab in den See, etwa zweitausend, und sie ertranken in dem See. 5,14 Und ihre Hüter

flohen und verkündeten es in der Stadt und auf dem Land; und sie kamen, um zu sehen, was

geschehen war. 5,15 Und sie kommen zu Jesus und sehen den Besessenen, der die Legion gehabt

hatte, bekleidet und vernünftig sitzen, und sie fürchteten sich. 5,16 Und die es gesehen hatten,

erzählten ihnen, wie dem Besessenen geschehen war, und das von den Schweinen. 5,17 Und sie

fingen an, ihn zu bitten, daß er aus ihrem Gebiet weggehe. 5,18 Und als er in das Schiff stieg, bat ihn

der, der besessen gewesen war, daß er bei ihm sein dürfe. 5,19 Und er gestattete es ihm nicht, sondern

spricht zu ihm: Geh in dein Haus zu den Deinen und verkünde ihnen, wieviel der Herr an dir getan

und [wie er] sich deiner erbarmt hat. 5,20 Und er ging hin und fing an, im Zehnstädtegebiet

auszurufen, wieviel Jesus an ihm getan hatte; und alle wunderten sich.

Heilung der blutflüssigen Frau -

Auferweckung der Tochter des Jairus.

Mt 9,18-26; Lk 8,40-56.

5,21 Und als Jesus in dem Schiff wieder an das jenseitige Ufer hinübergefahren war, versammelte

sich eine große Volksmenge zu ihm; und er war am See. 5,22 Und es kommt einer der

Synagogenvorsteher, mit Namen Jairus, und als er ihn sieht, fällt er ihm zu Füßen 5,23 und bat ihn

sehr und sprach: Mein Töchterchen liegt in den letzten Zügen; komm, und lege ihr die Hände auf,

damit sie gerettet wird und lebt. 5,24 Und er ging mit ihm, und eine große Volksmenge folgte ihm,

und sie drängten ihn.

5,25 Und [es war] eine Frau, die zwölf Jahre mit einem Blutfluß behaftet war 5,26 und vieles erlitten

hatte von vielen Ärzten und alle ihre Habe aufgewendet und keinen Nutzen davon gehabt hatte; es war

vielmehr schlimmer mit ihr geworden. 5,27 Als sie von Jesus gehört hatte, kam sie in der Volksmenge

von hinten und rührte sein Kleid an; 5,28 denn sie sagte: Wenn ich nur seine Kleider anrühre, werde

ich geheilt werden. 5,29 Und sogleich vertrocknete die Quelle ihres Blutes, und sie merkte am Leib,

daß sie von der Plage geheilt war. 5,30 Und sogleich erkannte Jesus in sich selbst die Kraft, die von

ihm ausgegangen war, wandte sich um in der Volksmenge und sprach: Wer hat meine Kleider

angerührt? 5,31 Und seine Jünger sagten zu ihm: Du siehst, daß die Volksmenge dich drängt, und du

sprichst: Wer hat mich angerührt? 5,32 Und er blickte umher, um die zu sehen, die dies getan hatte.

5,33 Die Frau aber, voll Furcht und Zittern, da sie wußte, was ihr geschehen war, kam und fiel vor

ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit. 5,34 Er aber sprach zu ihr: Tochter, dein Glaube hat

dich geheilt; geh hin in Frieden und sei gesund von deiner Plage.

5,35 Während er noch redete, kommen sie von [dem Haus] des Synagogenvorstehers und sagen:

Deine Tochter ist gestorben, was bemühst du den Lehrer noch? 5,36 Jesus aber überhörte das Wort,

das geredet wurde, und spricht zu dem Synagogenvorsteher: Fürchte dich nicht; glaube nur! 5,37 Und

er erlaubte niemand, ihn zu begleiten, außer Petrus und Jakobus und Johannes, dem Bruder des

Jakobus. 5,38 Und sie kommen in das Haus des Synagogenvorstehers, und er sieht ein Getümmel und

Weinende und laut Heulende. 5,39 Und er geht hinein und sagt zu ihnen: Was lärmt und weint ihr?

Das Kind ist nicht gestorben, sondern es schläft. 5,40 Und sie lachten ihn aus. Als er aber alle

hinausgetrieben hatte, nimmt er den Vater des Kindes und die Mutter und die, die bei ihm waren, mit

und geht hinein, wo das Kind war. 5,41 Und er ergriff des Kindes Hand und spricht zu ihm: Talitha

kum! Das ist übersetzt: Mädchen, ich sage dir, steh auf! 5,42 Und sogleich stand das Mädchen auf und

ging umher; es war nämlich zwölf Jahre alt. Und sie erstaunten sogleich mit großem Erstaunen. 5,43

Und er gebot ihnen dringend, daß niemand dies erfahren solle, und er sagte, man solle ihr zu essen

geben.

Unglaube in Nazareth.

Mt 13,53-58; vgl. Lk 4,16-30.

Kapitel 6

6,1 Und er ging von dort weg und kam in seine Vaterstadt, und seine Jünger folgten ihm nach. 6,2

Und als es Sabbat geworden war, fing er an, in der Synagoge zu lehren; und viele, die zuhörten,

erstaunten und sagten: Woher [hat] der das? Und was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist,

und solche Wunderwerke geschehen durch seine Hände? 6,3 Ist dieser nicht der Zimmermann, der

Sohn der Maria und ein Bruder des Jakobus und Joses und Judas und Simon? Und sind nicht seine

Schwestern hier bei uns? Und sie ärgerten sich über ihn. 6,4 Und Jesus sprach zu ihnen: Ein Prophet

ist nicht ohne Ehre, außer in seiner Vaterstadt und unter seinen Verwandten und in seinem Haus. 6,5

Und er konnte dort kein Wunderwerk tun, außer daß er wenigen Schwachen die Hände auflegte und

sie heilte. 6,6 Und er wunderte sich über ihren Unglauben. Und er zog durch die Dörfer ringsum und

lehrte.

Aussendung der zwölf Apostel.

Mt 10,5-15; Lk 9,1-6; vgl. Lk 10,1-12.

6,7 Und er ruft die Zwölf herbei; und er fing an, sie zu zwei und zwei auszusenden, und gab ihnen

Vollmacht über die unreinen Geister. 6,8 Und er gebot ihnen, daß sie nichts mit auf den Weg nehmen

sollten als nur einen Stab; kein Brot, keine Tasche, keine Münze im Gürtel, 6,9 sondern Sandalen

untergebunden. Und zieht nicht zwei Unterkleider an! 6,10 Und er sprach zu ihnen: Wo ihr in ein

Haus eintretet, dort bleibt, bis ihr von dort weggeht. 6,11 Und welcher Ort euch nicht aufnehmen und

wo man euch nicht anhören wird, von dort geht hinaus und schüttelt den Staub ab, der unter euren

Füßen ist, ihnen zum Zeugnis. 6,12 Und sie zogen aus und predigten, daß sie Buße tun sollten; 6,13

und sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Schwache mit Öl und heilten sie.

Der Tod des Täufers.

Mt 14,1-12; Lk 3,19.20; 9,7-9.

6,14 Und der König Herodes hörte [von ihm] - denn sein Name war bekannt geworden - und sagte:

Johannes der Täufer ist aus den Toten auferstanden, und deswegen wirken die Wunderkräfte in ihm.

6,15 Andere aber sagten: Es ist Elia; andere aber sagten: [Es ist] ein Prophet wie einer der Propheten.

6,16 Als aber Herodes es hörte, sagte er: Johannes, den ich enthauptet habe, der ist auferweckt

worden. 6,17 Denn er, Herodes, hatte hingesandt und den Johannes greifen und ihn im Gefängnis

binden lassen, um der Herodias willen, der Frau seines Bruders Philippus, weil er sie geheiratet hatte.

6,18 Denn Johannes hatte dem Herodes gesagt: Es ist dir nicht erlaubt, die Frau deines Bruders zu

haben. 6,19 Die Herodias aber trug [es] ihm nach und wollte ihn töten, und sie konnte nicht; 6,20 denn

Herodes fürchtete den Johannes, da er wußte, daß er ein gerechter und heiliger Mann war, und er

beschützte ihn; und wenn er ihn gehört hatte, war er in großer Verlegenheit, und er hörte ihn gern.

6,21 Und als ein geeigneter Tag kam, als Herodes an seinem Geburtstag seinen Großen und den

Obersten und den Vornehmsten von Galiläa ein Gastmahl gab, 6,22 kam ihre, der Herodias, Tochter

herein und tanzte, und sie gefiel dem Herodes und denen, die mit zu Tisch lagen. Und der König

sprach zu dem Mädchen: Bitte mich, um was du willst, und ich werde es dir geben. 6,23 Und er

schwor ihr: Um was du mich auch bitten wirst, ich werde es dir geben bis zur Hälfte meines Reiches.

6,24 Und sie ging hinaus und sagte zu ihrer Mutter: Um was soll ich bitten? Die aber sprach: Um das

Haupt Johannes' des Täufers. 6,25 Und sie ging sogleich mit Eile zu dem König hinein und bat und

sagte: Ich will, daß du mir sofort auf einer Schüssel das Haupt Johannes' des Täufers gibst. 6,26 Und

der König wurde sehr betrübt; doch um der Eide und um derer willen, die mit zu Tisch lagen, wollte

er sie nicht zurückweisen. 6,27 Und sogleich schickte der König einen Henker und befahl, sein Haupt

zu bringen. Und der ging hin und enthauptete ihn im Gefängnis. 6,28 Und er brachte sein Haupt auf

einer Schüssel und gab es dem Mädchen, und das Mädchen gab es ihrer Mutter. 6,29 Und als seine

Jünger es hörten, kamen sie und nahmen seinen Leichnam und legten ihn in eine Gruft.

Speisung der Fünftausend.

Mt 14,13-21; Lk 9,10-17; Joh 6,1-15; vgl. Kap. 8,1-9; Mt 15,32-39.

6,30 Und die Apostel versammeln sich zu Jesus; und sie berichteten ihm alles, was sie getan und was

sie gelehrt hatten. 6,31 Und er sprach zu ihnen: Kommt, ihr selbst allein, an einen öden Ort und ruht

ein wenig aus! Denn derer, die kamen und gingen, waren viele, und sie fanden nicht einmal Zeit, um

zu essen. 6,32 Und sie fuhren in einem Schiff allein an einen öden Ort; 6,33 und viele sahen sie

wegfahren und erkannten sie und liefen zu Fuß von allen Städten dorthin zusammen und kamen ihnen

zuvor. 6,34 Und als Jesus aus [dem Schiff] trat, sah er eine große Volksmenge und wurde innerlich

bewegt über sie; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er fing an, sie vieles zu

lehren. 6,35 Und als es schon spät am Tag war, traten seine Jünger zu ihm und sagen: Der Ort ist öde,

und es ist schon spät am Tag; 6,36 entlaß sie, damit sie auf die umliegenden Höfe und in die Dörfer

gehen und sich etwas zu essen kaufen! 6,37 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu

essen! Und sie sagen zu ihm: Sollen wir hingehen und für zweihundert Denare Brot kaufen und ihnen

zu essen geben? 6,38 Er aber spricht zu ihnen: Wieviel Brote habt ihr? Geht hin, seht nach! Und als

sie es festgestellt hatten, sagen sie: Fünf, und zwei Fische.

6,39 Und er befahl ihnen, daß sie sich alle nach Tischgemeinschaften auf dem grünen Grase lagerten.

6,40 Und sie lagerten sich in Gruppen zu je hundert und je fünfzig. 6,41 Und er nahm die fünf Brote

und die zwei Fische, blickte auf zum Himmel, dankte und brach die Brote und gab sie den Jüngern,

damit sie ihnen vorlegten; und die zwei Fische teilte er unter alle. 6,42 Und sie aßen alle und wurden

gesättigt. 6,43 Und sie hoben auf an Brocken zwölf Handkörbe voll und von den Fischen. 6,44 Und es

waren derer, die die Brote gegessen hatten, fünftausend Männer.

Jesus geht auf dem See.

Mt 14,22-33; Joh 6,16-21.

6,45 Und sogleich nötigte er seine Jünger, in das Schiff zu steigen und an das jenseitige Ufer nach

Bethsaida vorauszufahren, während er selbst die Volksmenge entläßt. 6,46 Und nachdem er sie

verabschiedet hatte, ging er auf den Berg, um zu beten. 6,47 Und als es Abend geworden, war das

Schiff mitten auf dem See und er allein auf dem Land. 6,48 Und als er sie beim Rudern Not leiden

sah, denn der Wind war ihnen entgegen, kommt er um die vierte Nachtwache zu ihnen, indem er auf

dem See einherging; und er wollte an ihnen vorübergehen. 6,49 Sie aber sahen ihn auf dem See

einhergehen und meinten, es sei ein Gespenst und schrien auf; 6,50 denn alle sahen ihn und wurden

bestürzt. Er aber redet sogleich mit ihnen und spricht zu ihnen: Seid guten Mutes! Ich bin's. Fürchtet

euch nicht! 6,51 Und er stieg zu ihnen in das Schiff, und der Wind legte sich. Und sie entsetzten sich

sehr über die Massen; 6,52 denn sie waren durch die Brote nicht verständig geworden, sondern ihr

Herz war verhärtet.

Heilung vieler Kranker.

Mt 14,34-36.

6,53 Und als sie hinübergefahren waren, kamen sie in das Land Genezareth und legten an. 6,54 Und

als sie aus dem Schiff stiegen, erkannten sie ihn sogleich 6,55 und liefen in jener ganzen Gegend

umher und fingen an, die Kranken auf den Betten hierhin und dorthin zu tragen, [von] wo sie hörten,

daß er sei. 6,56 Und wo auch immer er in Dörfer oder Städte oder in Gehöfte hineinging, legten sie

die Kranken auf den Marktplätzen hin und baten ihn, daß sie nur die Quaste seines Kleides anrühren

dürften; und alle, die ihn anrührten, wurden geheilt.

Gottes Gebot steht höher als

menschliche Überlieferung.

Mt 15,1-20.

Kapitel 7

7,1 Und es versammeln sich zu ihm die Pharisäer und einige der Schriftgelehrten, die von Jerusalem

gekommen waren; 7,2 und als sie einige seiner Jünger mit unreinen, das ist ungewaschenen Händen

Brot essen sahen - 7,3 denn die Pharisäer und alle Juden essen nicht, wenn sie sich nicht sorgfältig die

Hände gewaschen haben, indem sie die Überlieferung der Ältesten festhalten; 7,4 und vom Markt

[kommend], essen sie nicht, wenn sie sich nicht gereinigt haben; und vieles andere gibt es, was sie zu

halten übernommen haben: Waschungen der Becher und Krüge und Kupfergefäße -, 7,5 fragen ihn die

Pharisäer und die Schriftgelehrten: Warum leben deine Jünger nicht nach der Überlieferung der

Ältesten, sondern essen das Brot mit unreinen Händen? 7,6 Er aber sprach zu ihnen: Trefflich hat

Jesaja über euch Heuchler geweissagt, wie geschrieben steht: `Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen,

aber ihr Herz ist weit entfernt von mir. 7,7 Vergeblich aber verehren sie mich, indem sie als Lehren

Menschengebote lehren. 7,8 Ihr gebt das Gebot Gottes preis und haltet die Überlieferung der

Menschen fest: Waschungen der Krüge und Becher, und vieles andere dergleichen Ähnliches tut ihr.

7,9 Und er sprach zu ihnen: Trefflich hebt ihr das Gebot Gottes auf, damit ihr eure Überlieferung

haltet. 7,10 Denn Mose hat gesagt: `Ehre deinen Vater und deine Mutter! und: `Wer Vater oder Mutter

flucht, soll des Todes sterben. 7,11 Ihr aber sagt: Wenn ein Mensch zum Vater oder zur Mutter

spricht: Korban - das ist eine Opfergabe - [sei das], was dir von mir zugute gekommen wäre, 7,12 laßt

ihr ihn nichts mehr für Vater oder Mutter tun, 7,13 indem ihr das Wort Gottes ungültig macht durch

eure Überlieferung, die ihr überliefert habt; und Ähnliches dergleichen tut ihr viel.

7,14 Und als er die Volksmenge wieder herbeigerufen hatte, sprach er zu ihnen: Hört mich alle und

versteht! 7,15 Da ist nichts, was von außerhalb des Menschen in ihn eingeht, das ihn verunreinigen

kann, sondern was von dem Menschen ausgeht, das ist es, was den Menschen verunreinigt.(7,16)

7,17 Und als er von der Volksmenge weg in ein Haus eintrat, befragten ihn seine Jünger über das

Gleichnis. 7,18 Und er spricht zu ihnen: Seid auch ihr so unverständig? Begreift ihr nicht, daß alles,

was von außen in den Menschen eingeht, ihn nicht verunreinigen kann? 7,19 Denn es geht nicht in

sein Herz hinein, sondern in den Bauch, und es geht heraus in den Abort. [Damit] erklärte er alle

Speisen für rein. 7,20 Er sagte aber: Was aus dem Menschen herauskommt, das verunreinigt den

Menschen. 7,21 Denn von innen aus dem Herzen der Menschen kommen die bösen Gedanken hervor:

Unzucht, Dieberei, Mord, 7,22 Ehebruch, Habsucht, Bosheit, Arglist, Ausschweifung, Neid,

Lästerung, Hochmut, Torheit; 7,23 alle diese bösen Dinge kommen von innen heraus und

verunreinigen den Menschen.

Heilung der Tochter der Syro-

Phönizierin.

Mt 15,21-28.

7,24 Von dort aber brach er auf und ging weg in das Gebiet von Tyrus; und er trat in ein Haus und

wollte, daß niemand es erfahre; und er konnte nicht verborgen sein. 7,25 Aber sogleich hörte eine

Frau von ihm, deren Töchterchen einen unreinen Geist hatte, kam und fiel nieder zu seinen Füßen;

7,26 die Frau aber war eine Griechin, eine Syro-Phönizierin von Geburt; und sie bat ihn, daß er den

Dämon von ihrer Tochter austreibe. 7,27 Und er sprach zu ihr: Laß zuerst die Kinder satt werden,

denn es ist nicht schön, das Brot der Kinder zu nehmen und den Hunden hinzuwerfen. 7,28 Sie aber

antwortete und spricht zu ihm: Ja, Herr; auch die Hunde essen unter dem Tisch von den Krumen der

Kinder. 7,29 Und er sprach zu ihr: Um dieses Wortes willen geh hin! Der Dämon ist aus deiner

Tochter ausgefahren. 7,30 Und sie ging weg in ihr Haus und fand das Kind auf dem Bett liegen und

den Dämon ausgefahren. Heilung eines Taubstummen

7,31 Und er verließ das Gebiet von Tyrus und kam über Sidon an den See von Galiläa, mitten in das

Zehnstädtegebiet. 7,32 Und sie bringen einen Tauben zu ihm, der mit Mühe redete, und bitten ihn, daß

er ihm die Hand auflege. 7,33 Und er nahm ihn von der Volksmenge beiseite, legte seine Finger in

seine Ohren und berührte mit Speichel seine Zunge; 7,34 und er blickte zum Himmel, seufzte und

spricht zu ihm: Ephata! Das ist: Werde aufgetan! 7,35 Und sogleich wurden seine Ohren aufgetan,

und die Fessel seiner Zunge wurde gelöst, und er redete richtig. 7,36 Und er gebot ihnen, daß sie es

niemand sagen sollten. Je mehr er es ihnen aber gebot, desto mehr machten sie es übermäßig kund;

7,37 und sie gerieten in höchstem Maß außer sich und sprachen: Er hat alles wohlgemacht; er macht

sowohl die Tauben hören als auch die Stummen reden.

Speisung der Viertausend.

Mt 15,32-39; vgl. Kap. 6,30-44; Mt 14,13-21; Lk 9,10-17; Joh 6,1-14.

Kapitel 8

8,1 Als in jenen Tagen wieder eine große Volksmenge da war und nichts zu essen hatte, rief er seine

Jünger zu sich und spricht zu ihnen: 8,2 Ich bin innerlich bewegt über die Volksmenge, denn schon

drei Tage harren sie bei mir aus und haben nichts zu essen; 8,3 und wenn ich sie hungrig nach Hause

entlasse, so werden sie auf dem Weg verschmachten; und einige von ihnen sind von weither. 8,4 Und

seine Jünger antworteten ihm: Woher wird jemand diese hier in der Einöde mit Brot sättigen können?

8,5 Und er fragte sie: Wie viele Brote habt ihr? Sie aber sagten: Sieben. 8,6 Und er gebietet der

Volksmenge, sich auf der Erde zu lagern. Und er nahm die sieben Brote, dankte, brach sie und gab sie

den Jüngern, damit sie vorlegten; und sie legten der Volksmenge vor. 8,7 Und sie hatten einige kleine

Fische; und er segnete sie und ließ auch sie vorlegen. 8,8 Und sie aßen und wurden gesättigt; und sie

hoben auf, was an Brocken übrigblieb, sieben Körbe. 8,9 Es waren aber etwa viertausend; und er

entließ sie.

Zeichenforderung - Warnung vor dem

Sauerteig der Pharisäer und des

Herodes.

Mt 16,1-12.

8,10 Und er stieg sogleich mit seinen Jüngern in das Schiff und kam in die Gegend von Dalmanutha.

8,11 Und die Pharisäer kamen heraus und fingen an, mit ihm zu streiten, indem sie von ihm ein

Zeichen vom Himmel begehrten, um ihn zu versuchen. 8,12 Und er seufzte auf in seinem Geist und

spricht: Was begehrt dieses Geschlecht ein Zeichen? Wahrlich, ich sage euch: Nimmermehr wird

diesem Geschlecht ein Zeichen gegeben werden! 8,13 Und er ließ sie [stehen], stieg wieder in das

Schiff und fuhr an das jenseitige Ufer.

8,14 Und sie vergaßen, Brote mitzunehmen, und außer einem Brot hatten sie nichts bei sich auf dem

Schiff. 8,15 Und er gebot ihnen und sprach: Sehet zu, hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und

dem Sauerteig des Herodes. 8,16 Und sie überlegten miteinander: Weil wir keine Brote haben. 8,17

Und er erkannte es und spricht zu ihnen: Was überlegt ihr, weil ihr keine Brote habt? Begreift ihr

noch nicht und versteht ihr nicht? Habt ihr euer Herz verhärtet? 8,18 Augen habt ihr und seht nicht?

Und Ohren habt ihr und hört nicht? Und erinnert ihr euch nicht, 8,19 als ich die fünf Brote unter die

Fünftausend brach, wie viele Handkörbe voll Brocken ihr aufgehoben habt? Sie sagen zu ihm: Zwölf.

8,20 Als [ich] die sieben unter die Viertausend [brach], wieviele Körbe voll Brocken habt ihr

aufgehoben? Und sie sagen: Sieben. 8,21 Und er sprach zu ihnen: Versteht ihr noch nicht?

Heilung eines Blinden.

vgl. Kap. 10,46-52; Mt 9,27-31; 20,29-34; Lk 18,35-43.

8,22 Und sie kommen nach Bethsaida; und sie bringen ihm einen Blinden und bitten ihn, daß er ihn

anrühre. 8,23 Und er faßte den Blinden bei der Hand und führte ihn aus dem Dorf hinaus; und als er in

seine Augen gespien [und] ihm die Hände aufgelegt hatte, fragte er ihn, ob er etwas sehe. 8,24 Und er

blickte auf und sagte: Ich sehe die Menschen, denn ich sehe sie wie Bäume umhergehen. 8,25 Dann

legte er wieder die Hände auf seine Augen, und er sah deutlich, und er war wiederhergestellt und sah

alles klar. 8,26 Und er schickte ihn nach seinem Haus und sprach: Auch nicht ins Dorf sollst du

gehen!

Das Bekenntnis des Petrus.

Mt 16,13-20; Lk 9,18-21.

8,27 Und Jesus und seine Jünger gingen hinaus in die Dörfer von Cäsarea Philippi. Und auf dem Weg

fragte er seine Jünger und sprach zu ihnen: Was sagen die Menschen, wer ich bin? 8,28 Sie aber

antworteten ihm und sagten: Johannes der Täufer; und andere: Elia; andere aber: einer der Propheten.

8,29 Und er fragte sie: Ihr aber, was sagt ihr, wer ich bin? Petrus aber antwortet und spricht zu ihm:

Du bist der Christus. 8,30 Und er redete ihnen ernstlich zu, daß sie mit niemandem über ihn reden

sollten.

Erste Leidensankündigung -

Bedingungen der Nachfolge.

Mt 16,21-28; Lk 9,22-27.

8,31 Und er fing an, sie zu lehren, daß der Sohn des Menschen vieles leiden und verworfen werden

müsse von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und daß er getötet werden und nach

drei Tagen auferstehen müsse. 8,32 Und er redete das Wort mit Offenheit. Und Petrus nahm ihn

beiseite und fing an, ihn zu tadeln. 8,33 Er aber wandte sich um und sah seine Jünger und tadelte

Petrus und sagte: Geh weg hinter mich, Satan! Denn du sinnst nicht auf das, was Gottes, sondern auf

das, was der Menschen ist. 8,34 Und als er die Volksmenge samt seinen Jüngern herzugerufen hatte,

sprach er zu ihnen: Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne er sich selbst und nehme sein

Kreuz auf und folge mir nach. 8,35 Denn wer sein Leben erretten will, der wird es verlieren; wer aber

sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird es erretten. 8,36 Denn

was nützt es einem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen und sein Leben einzubüßen? 8,37 Denn

was könnte ein Mensch als Lösegeld für sein Leben geben? 8,38 Denn wer sich meiner und meiner

Worte schämt unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der

Sohn des Menschen schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den

heiligen Engeln.

Kapitel 9

9,1 Und er sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Es sind einige von denen, die hier stehen, die

den Tod nicht schmecken werden, bis sie das Reich Gottes in Kraft haben kommen sehen.

Die Verklärung Jesu.

Mt 17,1-13; Lk 9,28-36; 2Petr 1,16-18.

9,2 Und nach sechs Tagen nimmt Jesus Petrus und Jakobus und Johannes mit und führt sie für sich

allein auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihnen umgestaltet; 9,3 und seine Kleider wurden

glänzend, sehr weiß, so wie kein Walker auf der Erde weiß machen kann. 9,4 Und es erschien ihnen

Elia mit Mose, und sie unterredeten sich mit Jesus. 9,5 Und Petrus begann und sagte zu Jesus: Rabbi,

es ist gut, daß wir hier sind; und wir wollen drei Hütten machen, dir eine und Mose eine und Elia eine.

9,6 Er wußte nämlich nicht, was er sagen sollte, denn sie waren voll Furcht. 9,7 Und es kam eine

Wolke, die sie überschattete; und eine Stimme kam aus der Wolke: Dieser ist mein geliebter Sohn, ihn

hört! 9,8 Und plötzlich, als sie sich umblickten, sahen sie niemand mehr bei sich außer Jesus allein.

9,9 Und als sie von dem Berg herabstiegen, gebot er ihnen, daß sie niemand erzählen sollten, was sie

gesehen hatten, ehe nicht der Sohn des Menschen aus den Toten auferstanden sei. 9,10 Und sie hielten

das Wort fest und besprachen sich untereinander: Was ist das: aus den Toten auferstehen? 9,11 Und

sie fragten ihn und sprachen: Warum sagen die Schriftgelehrten, daß Elia zuerst kommen müsse? 9,12

Er aber sprach zu ihnen: Elia kommt zwar zuerst und stellt alle Dinge wieder her. Und wie steht über

den Sohn des Menschen geschrieben? Daß er vieles leiden und für nichts geachtet werden soll. 9,13

Aber ich sage euch: Auch Elia ist gekommen, und sie haben ihm getan, was sie wollten, so wie über

ihn geschrieben steht.

Heilung eines Fallsüchtigen.

Mt 17,14-21; Lk 9,37-43.

9,14 Und als er zu den Jüngern kam, sah er eine große Volksmenge um sie her und Schriftgelehrte,

die mit ihnen stritten. 9,15 Und sobald die ganze Volksmenge ihn sah, erstaunte sie sehr; und sie

liefen herbei und begrüßten ihn. 9,16 Und er fragte sie: Worüber streitet ihr mit ihnen? 9,17 Und einer

aus der Volksmenge antwortete ihm: Lehrer, ich habe meinen Sohn zu dir gebracht, der einen

stummen Geist hat; 9,18 und wo er ihn auch ergreift, zerrt er ihn zu Boden, und er schäumt und

knirscht mit den Zähnen und wird starr. Und ich sagte deinen Jüngern, daß sie ihn austreiben

möchten, und sie konnten es nicht. 9,19 Er aber antwortete ihnen und spricht: O ungläubiges

Geschlecht! Bis wann soll ich bei euch sein? Bis wann soll ich euch ertragen? Bringt ihn zu mir! 9,20

Und sie brachten ihn zu ihm. Und als der Geist ihn sah, zerrte er ihn sogleich; und er fiel zur Erde,

wälzte sich und schäumte. 9,21 Und er fragte seinen Vater: Wie lange ist es her, daß ihm dies

geschehen ist? Er aber sagte: Von Kindheit an; 9,22 und oft hat er ihn bald ins Feuer, bald ins Wasser

geworfen, um ihn umzubringen, aber wenn du etwas kannst, so habe Erbarmen mit uns und hilf uns!

9,23 Jesus aber sprach zu ihm: `Wenn du das kannst? Dem Glaubenden ist alles möglich. 9,24

Sogleich schrie der Vater des Kindes und sagte: Ich glaube. Hilf meinem Unglauben! 9,25 Als aber

Jesus sah, daß eine Volksmenge zusammenläuft, bedrohte er den unreinen Geist und sprach zu ihm:

Du stummer und tauber Geist, ich gebiete dir: fahre von ihm aus, und fahre nicht mehr in ihn hinein!

9,26 Und er schrie und zerrte [ihn] heftig und fuhr aus; und er wurde wie tot, so daß die meisten

sagten: Er ist gestorben. 9,27 Jesus aber nahm ihn bei der Hand, richtete ihn auf, und er stand auf.

9,28 Und als er in ein Haus gegangen war, fragten ihn seine Jünger allein: Warum haben wir ihn nicht

austreiben können? 9,29 Und er sprach zu ihnen: Diese Art kann durch nichts ausfahren als nur durch

Gebet.

Zweite Leidensankündigung.

Mt 17,22.23; Lk 9,43-45.

9,30 Und sie gingen von dort weg und zogen durch Galiläa; und er wollte nicht, daß es jemand erfuhr.

9,31 Denn er lehrte seine Jünger und sprach zu ihnen: Der Sohn des Menschen wird überliefert in der

Menschen Hände, und sie werden ihn töten; und nachdem er getötet worden ist, wird er nach drei

Tagen auferstehen. 9,32 Sie aber verstanden die Rede nicht und fürchteten sich, ihn zu fragen.

Maßstäbe für wahre Größe und den

Dienst im Reich Gottes.

Mt 18,1-5; Lk 9,46-48.

9,33 Und sie kamen nach Kapernaum, und als er im Hause war, fragte er sie: Was habt ihr unterwegs

besprochen? 9,34 Sie aber schwiegen; denn sie hatten sich auf dem Weg untereinander besprochen,

wer der Größte sei. 9,35 Und er setzte sich, rief die Zwölf, und er spricht zu ihnen: Wenn jemand der

Erste sein will, soll er der Letzte von allen und aller Diener sein. 9,36 Und er nahm ein Kind und

stellte es in ihre Mitte; und er nahm es in seine Arme und sprach zu ihnen: 9,37 Wer eins von solchen

Kindern aufnehmen wird in meinem Namen, nimmt mich auf; und wer mich aufnehmen wird, nimmt

nicht mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.

Lk 9,49.50.

9,38 Johannes sagte zu ihm: Lehrer, wir sahen jemand, der uns nicht nachfolgt, Dämonen austreiben

in deinem Namen; und wir wehrten ihm, weil er uns nicht nachfolgt. 9,39 Jesus aber sprach: Wehrt

ihm nicht, denn es ist niemand, der ein Wunder in meinem Namen tun und bald darauf schlecht von

mir reden kann. 9,40 Denn wer nicht gegen uns ist, ist für uns. 9,41 Denn wer euch einen Becher

Wasser zu trinken geben wird in [meinem] Namen, weil ihr Christus angehört, wahrlich, ich sage

euch: er wird seinen Lohn nicht verlieren.

Warnung vor Verführung zur Sünde.

Mt 18,6-10.

9,42 Und wer einem der Kleinen, die glauben, Anlaß zur Sünde gibt, für den wäre es besser, wenn ein

Mühlstein um seinen Hals gelegt und er ins Meer geworfen würde. 9,43 Und wenn deine Hand dir

Anlaß zur Sünde gibt, so hau sie ab! Es ist besser für dich, als Krüppel in das Leben einzugehen, als

mit zwei Händen in die Hölle zu kommen, in das unauslöschliche Feuer.(9,44) 9,45 Und wenn dein

Fuß dir Anlaß zur Sünde gibt, so hau ihn ab! Es ist besser für dich, lahm in das Leben einzugehen, als

mit zwei Füßen in die Hölle geworfen zu werden.(9,46) 9,47 Und wenn dein Auge dir Anlaß zur

Sünde gibt, so wirf es weg! Es ist besser für dich, einäugig in das Reich Gottes einzugehen, als mit

zwei Augen in die Hölle des Feuers geworfen zu werden, 9,48 `wo ihr Wurm nicht stirbt und das

Feuer nicht erlischt. 9,49 Denn jeder wird mit Feuer gesalzen werden. 9,50 Das Salz ist gut; wenn

aber das Salz salzlos geworden ist, womit wollt ihr es würzen? Habt Salz in euch selbst, und haltet

Frieden untereinander!

Ehe und Ehescheidung.

Mt 19,1-12.

Kapitel 10

10,1 Und er brach von dort auf und kommt in das Gebiet von Judäa und jenseits des Jordan. Und

wieder kommen Volksmengen bei ihm zusammen, und wie er gewohnt war, lehrte er sie wieder. 10,2

Und es traten Pharisäer zu [ihm] und fragten ihn, um ihn zu versuchen: Ist es einem Mann erlaubt,

[seine] Frau zu entlassen? 10,3 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Was hat euch Mose geboten?

10,4 Sie aber sagten: Mose hat gestattet, einen Scheidebrief zu schreiben und zu entlassen. 10,5 Jesus

aber sprach zu ihnen: Wegen eurer Herzenshärtigkeit hat er euch dieses Gebot geschrieben; 10,6 von

Anfang der Schöpfung an aber hat er sie als Mann und Weib geschaffen. 10,7 `Darum wird ein

Mensch seinen Vater und seine Mutter verlassen, 10,8 und die zwei werden ein Fleisch sein; daher

sind sie nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. 10,9 Was nun Gott zusammengefügt hat, soll ein

Mensch nicht scheiden. 10,10 Und im Hause befragten ihn die Jünger deswegen noch einmal; 10,11

und er spricht zu ihnen: Wer seine Frau entläßt und eine andere heiratet, begeht Ehebruch gegen sie.

10,12 Und wenn sie ihren Mann entläßt und einen anderen heiratet, begeht sie Ehebruch.

Jesus und die Kinder.

Mt 19,13-15; Lk 18,15-17.

10,13 Und sie brachten Kinder zu ihm, damit er sie anrührte. Die Jünger aber fuhren sie an. 10,14 Als

aber Jesus es sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Laßt die Kinder zu mir kommen! Wehrt

ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes. 10,15 Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich

Gottes nicht aufnimmt wie ein Kind, wird dort nicht hineinkommen. 10,16 Und er nahm sie auf seine

Arme, legte die Hände auf sie und segnete sie.

Frage eines Reichen nach dem ewigen

Leben.

Mt 19,16-30; Lk 18,18-30.

10,17 Und als er auf den Weg hinausging, lief einer herbei, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn:

Guter Lehrer, was soll ich tun, damit ich ewiges Leben erbe? 10,18 Jesus aber sprach zu ihm: Was

nennst du mich gut? Niemand ist gut als nur einer, Gott. 10,19 Die Gebote weißt du: `Du sollst nicht

töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsches Zeugnis reden; du

sollst nichts vorenthalten; ehre deinen Vater und deine Mutter! 10,20 Er aber sagte zu ihm: Lehrer,

dies alles habe ich befolgt von meiner Jugend an. 10,21 Jesus aber blickte ihn an, gewann ihn lieb und

sprach zu ihm: Eins fehlt dir; geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen, und du wirst

einen Schatz im Himmel haben, und komm, folge mir nach! 10,22 Er aber ging, entsetzt über das

Wort, traurig weg, denn er hatte viele Güter. 10,23 Und Jesus blickte umher und spricht zu seinen

Jüngern: Wie schwer werden die, welche Güter haben, in das Reich Gottes hineinkommen! 10,24 Die

Jünger aber erschraken über seine Worte. Jesus aber antwortete wieder und spricht zu ihnen: Kinder,

wie schwer ist es, in das Reich Gottes hineinzukommen! 10,25 Es ist leichter, daß ein Kamel durch

das Öhr der Nadel geht, als daß ein Reicher in das Reich Gottes hineinkommt. 10,26 Sie aber gerieten

ganz außer sich und sprachen zueinander: Und wer kann [dann] errettet werden? 10,27 Jesus aber sah

sie an und spricht: Bei Menschen ist es unmöglich, aber nicht bei Gott; denn bei Gott sind alle Dinge

möglich. 10,28 Petrus begann und sagte zu ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir

nachgefolgt. 10,29 Jesus sprach: Wahrlich, ich sage euch: Da ist niemand, der Haus oder Brüder oder

Schwestern oder Mutter oder Vater oder Kinder oder Äcker verlassen hat um meinetwillen und um

des Evangeliums willen, 10,30 der nicht hundertfach empfängt, jetzt in dieser Zeit Häuser und Brüder

und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker unter Verfolgungen und in dem kommenden

Zeitalter ewiges Leben. 10,31 Aber viele Erste werden Letzte und Letzte Erste sein.

Dritte Leidensankündigung.

Mt 20,17-19; Lk 18,31-34.

10,32 Sie waren aber auf dem Weg und gingen hinauf nach Jerusalem, und Jesus ging vor ihnen her;

und sie erschraken. Die ihm aber nachfolgten, fürchteten sich. Und er nahm wieder die Zwölf zu sich

und fing an, ihnen zu sagen, was ihm widerfahren sollte: 10,33 Siehe, wir gehen hinauf nach

Jerusalem, und der Sohn des Menschen wird den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten überliefert

werden; und sie werden ihn zum Tod verurteilen und werden ihn den Nationen überliefern; 10,34 und

sie werden ihn verspotten und ihn anspeien und ihn geißeln und töten; und nach drei Tagen wird er

auferstehen.

Wahre Größe im Reich Gottes.

Mt 20,20-28.

10,35 Und es treten zu ihm Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, und sagen zu ihm:

Lehrer, wir wollen, daß du uns tust, um was wir dich bitten werden. 10,36 Er aber sprach zu ihnen:

Was wollt ihr, daß ich euch tun soll? 10,37 Sie aber sprachen zu ihm: Gib uns, daß wir einer zu deiner

Rechten und einer zu deiner Linken sitzen in deiner Herrlichkeit. 10,38 Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr

wißt nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder mit der Taufe getauft

werden, mit der ich getauft werde? 10,39 Sie aber sprachen zu ihm: Wir können es. Jesus aber sprach

zu ihnen: Den Kelch, den ich trinke, werdet ihr trinken, und mit der Taufe, mit der ich getauft werde,

werdet ihr getauft werden; 10,40 aber das Sitzen zu meiner Rechten oder Linken zu vergeben, steht

nicht bei mir, sondern [ist für die], denen es bereitet ist. 10,41 Und als die Zehn es hörten, fingen sie

an, unwillig zu werden über Jakobus und Johannes. 10,42 Und Jesus rief sie zu sich und spricht zu

ihnen: Ihr wißt, daß die, welche als Regenten der Nationen gelten, sie beherrschen und ihre Großen

Gewalt gegen sie üben. 10,43 So aber ist es nicht unter euch; sondern wer unter euch groß werden

will, soll euer Diener sein; 10,44 und wer von euch der Erste sein will, soll aller Sklave sein. 10,45

Denn auch der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen

und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele.

Heilung des blinden Bartimäus.

Mt 20,29-34; Lk 18,35-43; vgl. Kap. 8,22-26; Mt 9,27-31.

10,46 Und sie kommen nach Jericho. Und als er und seine Jünger und eine große Volksmenge aus

Jericho hinausgingen, saß der Sohn des Timäus, Bartimäus, ein blinder Bettler, am Weg. 10,47 Und

als er hörte, daß es Jesus, der Nazarener, sei, fing er an zu schreien und zu sagen: Sohn Davids, Jesus,

erbarme dich meiner! 10,48 Und viele bedrohten ihn, daß er schweigen sollte; er aber schrie um so

mehr: Sohn Davids, erbarme dich meiner! 10,49 Und Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn! Und sie

rufen den Blinden und sagen zu ihm: Sei guten Mutes! Steh auf, er ruft dich! 10,50 Er aber warf sein

Gewand ab, sprang auf und kam zu Jesus. 10,51 Und Jesus begann und spricht zu ihm: Was willst du,

daß ich dir tun soll? Der Blinde aber sprach zu ihm: Rabbuni, daß ich sehend werde. 10,52 Und Jesus

sprach zu ihm: Geh hin, dein Glaube hat dich geheilt! Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm

auf dem Weg nach.

Einzug in Jerusalem.

Mt 21,1-11; Lk 19,28-44; Joh 12,12-19.

Kapitel 11

11,1 Und als sie sich Jerusalem, Bethphage und Bethanien gegen den Ölberg hin nähern, sendet er

zwei seiner Jünger 11,2 und spricht zu ihnen: Geht in das Dorf, das euch gegenüberliegt; und

sogleich, wenn ihr dort hineinkommt, werdet ihr ein Fohlen angebunden finden, auf dem noch kein

Mensch gesessen hat. Bindet es los und führt es her! 11,3 Und wenn jemand zu euch sagt: Warum tut

ihr dies? so sagt: Der Herr braucht es und sendet es gleich wieder hierher. 11,4 Und sie gingen hin

und fanden ein Fohlen angebunden an der Tür draußen auf dem Weg, und sie binden es los. 11,5 Und

einige von denen, die dort standen, sagten zu ihnen: Was tut ihr, daß ihr das Fohlen losbindet? 11,6

Sie aber sprachen zu ihnen, wie Jesus gesagt hatte. Und sie ließen sie [gewähren]. 11,7 Und sie

führten das Fohlen zu Jesus und legten ihm ihre Kleider auf, und er setzte sich darauf. 11,8 Und viele

breiteten ihre Kleider auf dem Weg aus, andere aber Zweige, die sie auf den Feldern abschnitten; 11,9

und die Vorangehenden und die Nachfolgenden riefen: Hosanna! Gepriesen [sei], der da kommt im

Namen des Herrn! 11,10 Gepriesen sei das kommende Reich unseres Vaters David! Hosanna in der

Höhe! 11,11 Und er zog in Jerusalem ein, in den Tempel. Und als er über alles umhergeblickt hatte,

ging er, da es schon spät an der Zeit war, mit den Zwölfen nach Bethanien hinaus.

Verfluchung des Feigenbaumes.

Mt 21,18.19.

11,12 Und als sie am folgenden Tag von Bethanien weggegangen waren, hungerte ihn. 11,13 Und er

sah von weitem einen Feigenbaum, der Blätter hatte, und er ging hin, ob er wohl etwas an ihm fände,

und als er zu ihm kam, fand er nichts als Blätter, denn es war nicht die Zeit der Feigen. 11,14 Und er

begann und sprach zu ihm: Nimmermehr in Ewigkeit soll jemand Frucht von dir essen! Und seine

Jünger hörten es.

Tempelreinigung.

Mt 21,12-17; Lk 19,45-48; vgl. Joh 2,13-17.

11,15 Und sie kommen nach Jerusalem. Und er trat in den Tempel und begann die hinauszutreiben,

die im Tempel verkauften und kauften; und die Tische der Wechsler und die Sitze der

Taubenverkäufer stieß er um. 11,16 Und er erlaubte nicht, daß jemand ein Gerät durch den Tempel

trug. 11,17 Und er lehrte und sprach zu ihnen: Steht nicht geschrieben: `Mein Haus wird ein Bethaus

genannt werden für alle Nationen? Ihr aber habt es zu einer `Räuberhöhle gemacht. 11,18 Und die

Hohenpriester und die Schriftgelehrten hörten es und suchten, wie sie ihn umbringen könnten; sie

fürchteten ihn nämlich, denn die ganze Volksmenge geriet außer sich über seine Lehre. 11,19 Und

wenn es Abend wurde, gingen sie zur Stadt hinaus.

Das Gebet im Glauben und in

Vergebungsbereitschaft.

Mt 21,20-22.

11,20 Und als sie frühmorgens vorbeigingen, sahen sie den Feigenbaum verdorrt von den Wurzeln an.

11,21 Und Petrus erinnerte sich und spricht zu ihm: Rabbi, siehe, der Feigenbaum, den du verflucht

hast, ist verdorrt. 11,22 Und Jesus antwortete und spricht zu ihnen: Habt Glauben an Gott! 11,23

Wahrlich, ich sage euch: Wer zu diesem Berg sagen wird: Hebe dich empor und wirf dich ins Meer!

und nicht zweifeln wird in seinem Herzen, sondern glauben, daß geschieht, was er sagt, dem wird es

werden. 11,24 Darum sage ich euch: Alles, um was ihr auch betet und bittet, glaubt, daß ihr es

empfangen habt, und es wird euch werden. 11,25 Und wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr

etwas gegen jemand habt, damit auch euer Vater, der in den Himmeln ist, euch eure Übertretungen

vergebe. (11,26)

Die Frage nach der Vollmacht Jesu.

Mt 21,23-27; Lk 20,1-8.

11,27 Und sie kommen wieder nach Jerusalem. Und als er in dem Tempel umherging, kommen die

Hohenpriester und die Schriftgelehrten und die Ältesten zu ihm 11,28 und sagen zu ihm: In welcher

Vollmacht tust du diese Dinge? Oder wer hat dir diese Vollmacht gegeben, daß du diese Dinge tust?

11,29 Jesus aber sprach zu ihnen: Ich will euch ein Wort fragen. Antwortet mir! Und ich werde euch

sagen, in welcher Vollmacht ich diese Dinge tue: 11,30 War die Taufe des Johannes vom Himmel

oder von Menschen? Antwortet mir! 11,31 Und sie überlegten miteinander und sprachen: Wenn wir

sagen: vom Himmel, so wird er sagen: Warum habt ihr ihm denn nicht geglaubt? 11,32 Sollen wir

aber sagen: von Menschen? Sie fürchteten das Volk. Denn alle meinten, daß Johannes wirklich ein

Prophet sei. 11,33 Und sie antworten und sagen zu Jesus: Wir wissen es nicht. Und Jesus spricht zu

ihnen: So sage auch ich euch nicht, in welcher Vollmacht ich diese Dinge tue.

Gleichnis von den Weingärtnern.

Mt 21,33-46; Lk 20,9-19.

Kapitel 12

12,1 Und er fing an, in Gleichnissen zu ihnen zu reden: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und

setzte einen Zaun darum und grub einen Keltertrog und baute einen Turm; und er verpachtete ihn an

Weingärtner und reiste außer Landes. 12,2 Und er sandte zur bestimmten Zeit zu den Weingärtnern

einen Knecht, um von den Weingärtnern von der Frucht des Weinbergs zu empfangen. 12,3 Sie aber

nahmen ihn, schlugen ihn und sandten ihn leer fort. 12,4 Und wieder sandte er einen anderen Knecht

zu ihnen; und den verwundeten sie am Kopf und beschimpften ihn. 12,5 Und er sandte einen anderen,

und den töteten sie; und viele andere; die einen schlugen sie, die anderen töteten sie. 12,6 Noch einen

hatte er, einen geliebten Sohn, den sandte er als letzten zu ihnen, indem er sprach: Sie werden sich vor

meinem Sohn scheuen. 12,7 Jene Weingärtner aber sprachen zueinander: Dies ist der Erbe; kommt,

laßt uns ihn töten, und das Erbe wird unser sein. 12,8 Und sie nahmen und töteten ihn und warfen ihn

zum Weinberg hinaus. 12,9 Was wird der Herr des Weinbergs tun? Er wird kommen und die

Weingärtner umbringen und den Weinberg anderen geben. 12,10 Habt ihr nicht auch diese Schrift

gelesen: `Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden; 12,11 vom

Herrn her ist er dies geworden, und er ist wunderbar in unseren Augen? 12,12 Und sie suchten ihn zu

greifen und fürchteten die Volksmenge; denn sie erkannten, daß er das Gleichnis auf sie hin

gesprochen hatte. Und sie ließen ihn und gingen davon.

Die Frage nach der Steuer.

Mt 22,15-22; Lk 20,20-26.

12,13 Und sie senden einige der Pharisäer und der Herodianer zu ihm, um ihn in der Rede zu fangen.

12,14 Und sie kommen und sagen zu ihm: Lehrer, wir wissen, daß du wahrhaftig bist und dich um

niemand kümmerst; denn du siehst nicht auf die Person der Menschen, sondern lehrst den Weg Gottes

in Wahrheit. Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu geben oder nicht? Sollen wir sie geben oder nicht

geben? 12,15 Da er aber ihre Heuchelei kannte, sprach er zu ihnen: Was versucht ihr mich? Bringt mir

einen Denar, damit ich ihn sehe. 12,16 Sie aber brachten ihn. Und er spricht zu ihnen: Wessen ist

dieses Bild und die Aufschrift? Sie aber sagten zu ihm: Des Kaisers. 12,17 Jesus aber sprach zu ihnen:

Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Und sie verwunderten sich über ihn.

Die Frage nach der Auferstehung.

Mt 22,23-33; Lk 20,27-40.

12,18 Und es kommen Sadduzäer zu ihm, die sagen, es gebe keine Auferstehung; und sie fragten ihn

und sprachen: 12,19 Lehrer, Mose hat uns geschrieben: Wenn jemandes Bruder stirbt und läßt eine

Frau zurück und hinterläßt keine Kinder, daß sein Bruder seine Frau nehme und seinem Bruder

Nachkommenschaft erwecke. 12,20 Es waren sieben Brüder. Und der erste nahm eine Frau; und als er

starb, hinterließ er keine Nachkommenschaft; 12,21 und der zweite nahm sie und starb und ließ keine

Nachkommenschaft zurück; und der dritte ebenso. 12,22 Und die sieben hinterließen keine

Nachkommenschaft. Am letzten von allen starb auch die Frau. 12,23 Wessen Frau von allen wird sie

in der Auferstehung sein, wenn sie auferstehen werden? Denn die sieben haben sie zur Frau gehabt.

12,24 Jesus sprach zu ihnen: Irrt ihr nicht deshalb, weil ihr die Schriften nicht kennt und nicht die

Kraft Gottes? 12,25 Denn wenn sie aus den Toten auferstehen, heiraten sie nicht, noch werden sie

verheiratet, sondern sie sind wie Engel in den Himmeln. 12,26 Was aber die Toten betrifft, daß sie

auferweckt werden: Habt ihr nicht im Buch Moses gelesen, wie Gott beim Dornbusch zu ihm redete

und sprach: `Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs? 12,27 Er ist nicht

der Gott von Toten, sondern von Lebenden. Ihr irrt sehr.

Die Frage nach dem ersten Gebot.

Mt 22,34-40; vgl. Lk 10,25-28.

12,28 Und einer der Schriftgelehrten, der gehört hatte, wie sie miteinander stritten, trat hinzu, und da

er wußte, daß er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches Gebot ist das erste von allen?

12,29 Jesus antwortete ihm: Das erste ist: `Höre, Israel: Der Herr, unser Gott, ist allein Herr; 12,30

und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele

und aus deinem ganzen Verstand und aus deiner ganzen Kraft. 12,31 Das zweite ist dies: `Du sollst

deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Größer als diese ist kein anderes Gebot. 12,32 Und der

Schriftgelehrte sprach zu ihm: Recht, Lehrer, du hast nach der Wahrheit geredet; denn er ist einer, und

es ist kein anderer außer ihm; 12,33 und ihn zu lieben aus ganzem Herzen und aus ganzem

Verständnis und aus ganzer Seele und aus ganzer Kraft und den Nächsten zu lieben wie sich selbst, ist

viel mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer. 12,34 Und als Jesus sah, daß er verständig

geantwortet hatte, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und es wagte niemand

mehr, ihn zu befragen.

Die Frage nach dem Christus.

Mt 22,41-46; Lk 20,41-44.

12,35 Und Jesus begann und sprach, als er im Tempel lehrte: Wie sagen die Schriftgelehrten, daß der

Christus Davids Sohn sei? 12,36 David selbst hat im Heiligen Geist gesagt: `Der Herr sprach zu

meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde unter deine Füße lege. 12,37

David selbst nennt ihn Herr. Und woher ist er sein Sohn? Und die große Volksmenge hörte ihn gern.

Warnung vor den Schriftgelehrten.

Mt 23,5-7; Lk 20,45-47.

12,38 Und er sprach in seiner Lehre: Hütet euch vor den Schriftgelehrten, die in langen Gewändern

einhergehen wollen und die Begrüßungen auf den Märkten 12,39 und die ersten Sitze in den

Synagogen und die ersten Plätze bei den Gastmählern [lieben]; 12,40 die die Häuser der Witwen

verschlingen und zum Schein lange Gebete halten. Sie werden ein schwereres Gericht empfangen.

Die Gabe der armen Witwe.

Lk 21,1-4.

12,41 Und er setzte sich dem Schatzkasten gegenüber und sah, wie die Volksmenge Geld in den

Schatzkasten einlegte; und viele Reiche legten viel ein. 12,42 Und eine arme Witwe kam und legte

zwei Scherflein ein, das ist ein Pfennig. 12,43 Und er rief seine Jünger herbei und sprach zu ihnen:

Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr eingelegt als alle, die in den Schatzkasten

eingelegt haben. 12,44 Denn alle haben von ihrem Überfluß eingelegt; diese aber hat aus ihrem

Mangel alles, was sie hatte, eingelegt, ihren ganzen Lebensunterhalt.

Endzeitrede: Tempelzerstörung und

Drangsale der Endzeit.

Mt 24,1-14; Lk 21,5-19.

Kapitel 13

13,1 Und als er aus dem Tempel heraustrat, sagt einer seiner Jünger zu ihm: Lehrer, sieh, was für

Steine und was für Gebäude! 13,2 Und Jesus sprach zu ihm: Siehst du diese großen Gebäude? Es wird

nicht ein Stein auf dem anderen gelassen werden, der nicht abgebrochen werden wird. 13,3 Und als er

auf dem Ölberg dem Tempel gegenübersaß, fragten ihn Petrus und Jakobus und Johannes und

Andreas für sich allein: 13,4 Sage uns, wann wird das sein, und was ist das Zeichen, wann dies alles

vollendet werden soll? 13,5 Jesus aber begann zu ihnen zu sprechen: Seht zu, daß euch niemand

verführe! 13,6 Viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin's! Und sie werden

viele verführen. 13,7 Wenn ihr aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören werdet, so erschreckt

nicht! Es muß geschehen, aber es ist noch nicht das Ende. 13,8 Denn es wird sich Nation gegen

Nation und Königreich gegen Königreich erheben; und es werden Erdbeben sein an verschiedenen

Orten, und es werden Hungersnöte sein. Dies ist der Anfang der Wehen.

Mt 10,17-22.

13,9 Ihr aber, seht auf euch selbst, euch werden sie an Gerichte überliefern, und in den Synagogen

werdet ihr geschlagen werden, und ihr werdet vor Statthalter und Könige gestellt werden um

meinetwillen, ihnen zu einem Zeugnis; 13,10 und allen Nationen muß zuvor das Evangelium

gepredigt werden. 13,11 Und wenn sie euch hinführen, um euch zu überliefern, so sorgt euch vorher

nicht, was ihr reden sollt, sondern was euch in jener Stunde gegeben wird, das redet! Denn nicht ihr

seid die Redenden, sondern der Heilige Geist. 13,12 Und es wird der Bruder den Bruder zum Tod

überliefern, und der Vater das Kind; und Kinder werden sich gegen Eltern erheben und sie zu Tode

bringen. 13,13 Und ihr werdet von allen gehaßt werden um meines Namens willen; wer aber ausharrt

bis ans Ende, der wird errettet werden.

Mt 24,15-25; Lk 21,20-23.

13,14 Wenn ihr aber den Greuel der Verwüstung stehen seht, wo er nicht sollte - wer es liest, merke

auf! -, dann sollen die in Judäa auf die Berge fliehen, 13,15 wer auf dem Dach ist, soll nicht

hinabsteigen und nicht hineingehen, um etwas aus seinem Haus zu holen; 13,16 und wer auf dem Feld

ist, soll nicht zurückkehren, um seinen Mantel zu holen. 13,17 Wehe aber den Schwangeren und den

Stillenden in jenen Tagen! 13,18 Betet aber, daß es nicht im Winter geschehe! 13,19 Denn jene Tage

werden eine Drangsal sein, wie sie von Anfang der Schöpfung, die Gott geschaffen hat, bis jetzt nicht

gewesen ist und nicht sein wird. 13,20 Und wenn nicht der Herr die Tage verkürzt hätte, würde kein

Fleisch gerettet werden; aber um der Auserwählten willen, die er auserwählt hat, hat er die Tage

verkürzt. 13,21 Und wenn dann jemand zu euch sagt: Siehe, hier ist der Christus! Siehe dort! so glaubt

nicht! 13,22 Es werden aber falsche Christi und falsche Propheten aufstehen und werden Zeichen und

Wunder tun, um, wenn möglich, die Auserwählten zu verführen. 13,23 Ihr aber, seht zu! Siehe, ich

habe euch alles vorhergesagt.

Endzeitrede: Ankunft des

Menschensohnes.

Mt 24,29-31; Lk 21,25-28.

13,24 Aber in jenen Tagen, nach jener Drangsal, wird die Sonne verfinstert werden und der Mond

seinen Schein nicht geben; 13,25 und die Sterne werden vom Himmel herabfallen, und die Kräfte in

den Himmeln werden erschüttert werden. 13,26 Und dann werden sie den Sohn des Menschen

kommen sehen in Wolken mit großer Macht und Herrlichkeit. 13,27 Und dann wird er die Engel

aussenden und seine Auserwählten versammeln von den vier Winden her, vom Ende der Erde bis zum

Ende des Himmels.

Endzeitrede: Ermahnung zur

Wachsamkeit.

Mt 24,32-44; Lk 21,29-36.

13,28 Von dem Feigenbaum aber lernt das Gleichnis: Wenn sein Zweig schon weich geworden ist und

die Blätter hervortreibt, erkennt ihr, daß der Sommer nahe ist. 13,29 So sollt auch ihr, wenn ihr dies

geschehen seht, erkennen, daß es nahe vor der Tür ist. 13,30 Wahrlich, ich sage euch: Dieses

Geschlecht wird nicht vergehen, bis alles dies geschehen ist. 13,31 Der Himmel und die Erde werden

vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen. 13,32 Von jenem Tag aber oder der Stunde weiß

niemand, weder die Engel im Himmel noch der Sohn, sondern nur der Vater. 13,33 Seht zu, wacht!

Denn ihr wißt nicht, wann die Zeit ist. 13,34 Wie ein Mensch, der außer Landes reiste, sein Haus

verließ und seinen Knechten die Vollmacht gab, einem jeden sein Werk, und dem Türhüter

einschärfte, daß er wache, 13,35 so wacht nun! Denn ihr wißt nicht, wann der Herr des Hauses

kommt, ob des Abends oder um Mitternacht oder um den Hahnenschrei oder frühmorgens, 13,36

damit er nicht, wenn er plötzlich kommt, euch schlafend finde. 13,37 Was ich aber euch sage, sage ich

allen: Wacht!

Anschlag der Hohenpriester.

Mt 26,1-5; Lk 22,1.2.

Kapitel 14

14,1 Es war aber nach zwei Tagen das Passah und das Fest der ungesäuerten Brote. Und die

Hohenpriester und die Schriftgelehrten suchten, wie sie ihn mit List greifen und töten könnten; 14,2

denn sie sagten: Nicht an dem Fest, damit nicht etwa ein Aufruhr des Volkes entsteht.

Salbung Jesu in Bethanien.

Mt 26,6-13; Joh 12,1-8.

14,3 Und als er in Bethanien war, in dem Hause Simons des Aussätzigen, kam, während er zu Tisch

lag, eine Frau, die ein Alabasterfläschchen mit Salböl von echter, kostbarer Narde hatte; sie zerbrach

das Fläschchen und goß es aus auf sein Haupt. 14,4 Es waren aber einige bei sich selbst unwillig:

Wozu ist diese Verschwendung des Salböls geschehen? 14,5 Denn dieses Salböl hätte für mehr als

dreihundert Denare verkauft und den Armen gegeben werden können. Und sie fuhren sie an. 14,6

Jesus aber sprach: Laßt sie! Was macht ihr ihr Mühe? Sie hat ein gutes Werk an mir getan; 14,7 denn

die Armen habt ihr allezeit bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen wohltun; mich aber habt ihr

nicht allezeit. 14,8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat im voraus meinen Leib zum Begräbnis

gesalbt. 14,9 Aber wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt werden wird in der ganzen

Welt, wird auch von dem, was sie getan hat, geredet werden zu ihrem Gedächtnis.

Verrat des Judas.

Mt 26,14-16; Lk 22,3-6.

14,10 Und Judas Iskariot, einer von den Zwölfen, ging zu den Hohenpriestern hin, um ihn an sie zu

überliefern. 14,11 Sie aber freuten sich, als sie es hörten, und versprachen, ihm Geld zu geben; und er

suchte, wie er ihn zu gelegener Zeit überliefern könnte.

Vorbereitung des Passahmahles.

Mt 26,17-19; Lk 22,7-13.

14,12 Und am ersten Tag der ungesäuerten Brote, als man das Passah schlachtete, sagen seine Jünger

zu ihm: Wohin willst du, daß wir gehen und bereiten, damit du das Passah essen kannst? 14,13 Und er

sendet zwei seiner Jünger und spricht zu ihnen: Geht hin in die Stadt, und es wird euch ein Mensch

begegnen, der einen Krug Wasser trägt. Folgt ihm! 14,14 Und wo er hineingeht, sprecht zu dem

Hausherrn: Der Lehrer sagt: Wo ist mein Gastzimmer, wo ich mit meinen Jüngern das Passah essen

kann? 14,15 Und er wird euch einen großen Obersaal zeigen, mit Polstern belegt und fertig; und dort

bereitet es für uns. 14,16 Und die Jünger gingen aus und kamen in die Stadt und fanden es, wie er

ihnen gesagt hatte; und sie bereiteten das Passah.

Bezeichnung des Verräters.

Mt 26,20-25; Lk 22,14.21-23; Joh 13,18-30.

14,17 Und als es Abend geworden war, kommt er mit den Zwölfen. 14,18 Und während sie zu Tisch

lagen und aßen, sprach Jesus: Wahrlich, ich sage euch: Einer von euch wird mich überliefern, der,

welcher mit mir ißt. 14,19 Sie fingen an, betrübt zu werden und einer nach dem anderen zu ihm zu

sagen: Doch nicht ich? 14,20 Er aber sprach zu ihnen: Einer von den Zwölfen, der mit mir [das Brot]

in die Schüssel eintaucht. 14,21 Der Sohn des Menschen geht zwar dahin, wie über ihn geschrieben

steht. Wehe aber jenem Menschen, durch den der Sohn des Menschen überliefert wird! Es wäre jenem

Menschen gut, wenn er nicht geboren wäre.

Einsetzung des Herrenmahles.

Mt 26,26-30; Lk 22,15-20; 1Kor 11,23-25.

14,22 Und während sie aßen, nahm er Brot, segnete, brach und gab es ihnen und sprach: Nehmt, dies

ist mein Leib! 14,23 Und er nahm einen Kelch, dankte und gab ihnen [den]; und sie tranken alle

daraus. 14,24 Und er sprach zu ihnen: Dies ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.

14,25 Wahrlich, ich sage euch, daß ich nicht mehr von dem Gewächs des Weinstocks trinken werde

bis zu jenem Tag, da ich es neu trinken werde im Reich Gottes. 14,26 Und als sie ein Loblied

gesungen hatten, gingen sie hinaus zum Ölberg.

Ankündigung der Verleugnung durch

Petrus.

Mt 26,31-35; Lk 22,31-34; Joh 13,36-38.

14,27 Jesus spricht zu ihnen: Ihr werdet euch alle ärgern, denn es steht geschrieben: `Ich werde den

Hirten schlagen, und die Schafe werden zerstreut werden. 14,28 Nachdem ich aber auferweckt sein

werde, werde ich euch voran nach Galiläa gehen. 14,29 Petrus aber sprach zu ihm: Wenn sich auch

alle ärgern werden, ich aber nicht. 14,30 Und Jesus spricht zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, daß du

heute, in dieser Nacht, ehe der Hahn zweimal kräht, mich dreimal verleugnen wirst. 14,31 Er aber

sprach nachdrücklich: Wenn ich mit dir sterben müßte, werde ich dich nicht verleugnen. Ebenso aber

sprachen auch alle.

Gethsemane.

Mt 26,36-46; Lk 22,39-46.

14,32 Und sie kommen an ein Gut mit Namen Gethsemane, und er spricht zu seinen Jüngern: Setzt

euch hier, bis ich gebetet habe! 14,33 Und er nimmt den Petrus und Jakobus und Johannes mit sich

und fing an, sehr bestürzt und geängstigt zu werden. 14,34 Und er spricht zu ihnen: Meine Seele ist

sehr betrübt, bis zum Tod. Bleibt hier und wacht! 14,35 Und er ging ein wenig weiter und fiel auf die

Erde; und er betete, daß, wenn es möglich sei, die Stunde an ihm vorübergehe. 14,36 Und er sprach:

Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir weg! Doch nicht, was ich will,

sondern was du willst! 14,37 Und er kommt und findet sie schlafend, und er spricht zu Petrus: Simon,

schläfst du? Konntest du nicht eine Stunde wachen? 14,38 Wacht und betet, damit ihr nicht in

Versuchung kommt! Der Geist zwar ist willig, das Fleisch aber schwach. 14,39 Und er ging wieder

weg, betete und sprach dasselbe Wort. 14,40 Und als er zurückkam, fand er sie wieder schlafend,

denn ihre Augen waren beschwert; und sie wußten nicht, was sie ihm antworten sollten. 14,41 Und er

kommt zum dritten Mal und spricht zu ihnen: So schlaft denn fort und ruht aus! Es ist genug; die

Stunde ist gekommen, siehe, der Sohn des Menschen wird in die Hände der Sünder überliefert. 14,42

Steht auf, laßt uns gehen! Siehe, der mich überliefert, ist nahe.

Gefangennahme.

Mt 26,47-56; Lk 22,47-53; Joh 18,2-12.

14,43 Und sogleich, während er noch redet, kommt Judas, einer der Zwölf, heran und mit ihm eine

große Menge mit Schwertern und Stöcken, von den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten und den

Ältesten. 14,44 Der ihn überlieferte, hatte ihnen aber ein Zeichen gegeben und gesagt: Wen ich küssen

werde, der ist es. Den greift, und führt ihn sicher fort! 14,45 Und als er kam, trat er sogleich zu ihm

und spricht: Rabbi! und küßte ihn. 14,46 Sie aber legten ihre Hände an ihn und ergriffen ihn. 14,47

Einer der Dabeistehenden aber zog das Schwert, schlug den Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm

das Ohr ab. 14,48 Und Jesus begann und sprach zu ihnen: Seid ihr ausgezogen wie gegen einen

Räuber, mit Schwertern und Stöcken, mich zu fangen? 14,49 Täglich war ich bei euch, lehrte im

Tempel, und ihr habt mich nicht ergriffen; - aber damit die Schriften erfüllt werden! 14,50 Und es

verließen ihn alle und flohen. 14,51 Und ein junger Mann, der ein Leinen[hemd] um den bloßen

[Leib] geworfen hatte, folgte ihm, und sie ergriffen ihn. 14,52 Er aber ließ das Leinen[hemd] fahren

und floh nackt.

Vor dem Hohen Rat.

Mt 26,57-68; Lk 22,54.55.63-71; Joh 18,13.14.19-24.

14,53 Und sie führten Jesus weg zum Hohenpriester; und alle Hohenpriester und Ältesten und

Schriftgelehrten versammeln sich. 14,54 Und Petrus folgte ihm von fern bis hinein in den Hof des

Hohenpriesters; und er saß mit bei den Dienern und wärmte sich am Feuer.

14,55 Die Hohenpriester aber und der ganze Hohe Rat suchten Zeugnis gegen Jesus, um ihn zu Tode

zu bringen; und sie fanden keins. 14,56 Denn viele legten falsches Zeugnis gegen ihn ab, und die

Zeugnisse waren nicht übereinstimmend. 14,58 Und einige standen auf, legten gegen ihn falsches

Zeugnis ab und sprachen: 14,58 Wir hörten ihn sagen: Ich werde diesen Tempel, der mit Händen

gemacht ist, abbrechen, und in drei Tagen werde ich einen anderen aufbauen, der nicht mit Händen

gemacht ist. 14,59 Und auch so war ihr Zeugnis nicht übereinstimmend. 14,60 Und der Hohepriester

stand auf, [trat] in die Mitte und fragte Jesus und sprach: Antwortest du nichts? Was zeugen diese

gegen dich? 14,61 Er aber schwieg und antwortete nichts. Wieder fragte ihn der Hohepriester und

spricht zu ihm: Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten? 14,62 Jesus aber sprach: Ich bin es!

Und ihr werdet den Sohn des Menschen sitzen sehen zur Rechten der Macht und kommen mit den

Wolken des Himmels. 14,63 Der Hohepriester aber zerriß seine Kleider und spricht: Was brauchen

wir noch Zeugen? 14,64 Ihr habt die Lästerung gehört. Was meint ihr? Sie verurteilten ihn aber alle,

daß er des Todes schuldig sei. 14,65 Und einige fingen an, ihn anzuspeien und sein Angesicht zu

verhüllen und ihn mit Fäusten zu schlagen und zu ihm zu sagen: Weissage! Und die Diener schlugen

ihn ins Gesicht.

Verleugnung durch Petrus.

Mt 26,69-75; Lk 22,56-62; Joh 18,15-18.25-27.

14,66 Und als Petrus unten im Hof war, kommt eine von den Mägden des Hohenpriesters, 14,67 und

als sie den Petrus sich wärmen sah, blickte sie ihn an und spricht: Auch du warst mit dem Nazarener

Jesus. 14,68 Er aber leugnete und sprach: Ich weiß nicht, verstehe auch nicht, was du sagst. Und er

ging hinaus in den Vorhof. 14,69 Und als die Magd ihn sah, fing sie wieder an, zu den

Dabeistehenden zu sagen: Dieser ist einer von ihnen. 14,70 Er aber leugnete wieder. Und kurz

nachher sagten wieder die Dabeistehenden zu Petrus: Wahrhaftig, du bist einer von ihnen, denn du

bist auch ein Galiläer. 14,71 Er aber fing an, sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne diesen

Menschen nicht, von dem ihr redet. 14,72 Und sogleich krähte zum zweiten Mal der Hahn. Und

Petrus gedachte des Wortes, wie Jesus zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du

mich dreimal verleugnen. Und er begann zu weinen.

Anklage vor Pilatus.

Mt 27,1.2.11-14; Lk 22,66-71; 23,1-5; Joh 18,28-38.

Kapitel 15

15,1 Und am frühen Morgen faßten die Hohenpriester mit den Ältesten und Schriftgelehrten und dem

ganzen Hohen Rat sogleich einen Beschluß, und sie banden Jesus und führten ihn weg und

überlieferten ihn dem Pilatus. 15,2 Und Pilatus fragte ihn: Bist du der König der Juden? Er aber

antwortete und spricht zu ihm: Du sagst es. 15,3 Und die Hohenpriester klagten ihn vieler Dinge an.

15,4 Pilatus aber fragte ihn wieder und sprach: Antwortest du nichts? Siehe, wie vieles sie gegen dich

vorbringen! 15,5 Jesus aber antwortete gar nichts mehr, so daß Pilatus sich wunderte.

Freilassung für Barabbas - Todesurteil

für Jesus.

Mt 27,15-26; Lk 23,13-25; Joh 18,39.40; 19,1.16.

15,6 Zum Fest aber pflegte er ihnen einen Gefangenen loszugeben, wen sie sich erbaten. 15,7 Es war

aber einer, genannt Barabbas, mit den Aufrührern gefangen, die in dem Aufstand einen Mord

begangen hatten. 15,8 Und die Volksmenge ging hinauf und fing an zu bitten, [daß er tue], wie er

ihnen bisher getan habe. 15,9 Pilatus aber antwortete ihnen und sprach: Wollt ihr, daß ich euch den

König der Juden losgebe? 15,10 Denn er wußte, daß die Hohenpriester ihn aus Neid überliefert hatten.

15,11 Die Hohenpriester aber wiegelten die Volksmenge auf, daß er ihnen lieber den Barabbas

losgebe. 15,12 Pilatus aber antwortete wieder und sprach zu ihnen: Was soll ich denn mit dem tun,

den ihr den König der Juden nennt? 15,13 Sie aber schrien wieder: Kreuzige ihn! 15,14 Pilatus aber

sprach zu ihnen: Was hat er denn Böses getan? Sie aber schrien übermäßig: Kreuzige ihn! 15,15 Da

aber Pilatus der Volksmenge einen Gefallen tun wollte, gab er ihnen den Barabbas los und überlieferte

Jesus, nachdem er ihn hatte geißeln lassen, damit er gekreuzigt werde.

Verspottung durch die Soldaten.

Mt 27,27-31; Joh 19,2-5.

15,16 Die Soldaten aber führten ihn in den Hof hinein, das ist das Prätorium; und sie rufen die ganze

Schar zusammen. 15,17 Und sie legen ihm ein Purpurgewand an und flechten eine Dornenkrone und

setzen sie ihm auf; 15,18 und sie fingen an, ihn zu grüßen: Sei gegrüßt, König der Juden! 15,19 Und

sie schlugen ihn mit einem Rohr auf das Haupt und spien ihn an, und sie beugten die Knie und

huldigten ihm. 15,20 Und als sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm das Purpurgewand aus und

zogen ihm seine Kleider an.

Golgatha.

Mt 27,32-56; Lk 23,26-49; Joh 19,16-30.

Und sie führten ihn hinaus, um ihn zu kreuzigen. 15,21 Und sie zwingen einen Vorübergehenden,

einen gewissen Simon von Kyrene, der vom Feld kam, den Vater Alexanders und Rufus', daß er sein

Kreuz trage.

15,22 Und sie bringen ihn nach der Stätte Golgatha, was übersetzt ist Schädelstätte. 15,23 Und sie

gaben ihm mit Myrrhe vermischten Wein; er aber nahm ihn nicht. 15,24 Und als sie ihn gekreuzigt

hatten, verteilen sie seine Kleider, indem sie das Los über sie warfen, was jeder bekommen sollte.

15,25 Es war aber die dritte Stunde, und sie kreuzigten ihn. 15,26 Und die Aufschrift seiner

Beschuldigung war [oben] angeschrieben: Der König der Juden. 15,27 Und mit ihm kreuzigen sie

zwei Räuber, einen zu seiner Rechten und einen zu seiner Linken. (15,28)

15,29 Und die Vorübergehenden lästerten ihn, schüttelten ihre Köpfe und sagten: Ha! Der du den

Tempel abbrichst und in drei Tagen aufbaust, 15,30 rette dich selbst, und steige herab vom Kreuz!

15,31 Ebenso spotteten auch die Hohenpriester mit den Schriftgelehrten untereinander und sprachen:

Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht retten. 15,32 Der Christus, der König Israels, steige

jetzt herab vom Kreuz, damit wir sehen und glauben! Auch die mit ihm gekreuzigt waren, schmähten

ihn.

15,33 Und in der sechsten Stunde kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde;

15,34 und in der neunten Stunde schrie Jesus mit lauter Stimme: Eloi, Eloi, lema sabachthani? was

verdolmetscht ist: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? 15,35 Und als einige der

Dabeistehenden es hörten, sagten sie: Siehe, er ruft Elia. 15,36 Einer aber lief, füllte einen Schwamm

mit Essig, steckte ihn auf ein Rohr, tränkte ihn und sprach: Halt, laßt uns sehen, ob Elia kommt, ihn

herabzunehmen! 15,37 Jesus aber stieß einen lauten Schrei aus und verschied. 15,38 Und der Vorhang

des Tempels zerriß in zwei [Stücke], von oben bis unten.

15,39 Als aber der Hauptmann, der ihm gegenüber dabeistand, sah, daß er so verschied, sprach er:

Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn!

15,40 Es sahen aber auch Frauen von fern zu, unter ihnen auch Maria Magdalena und Maria, Jakobus

des Kleinen und Joses Mutter, und Salome, 15,41 die, als er in Galiläa war, ihm nachfolgten und ihm

dienten, und viele andere, die mit ihm nach Jerusalem hinaufgekommen waren.

Grablegung.

Mt 27,57-61; Lk 23,50-56; Joh 19,38-42.

15,42 Und als es schon Abend geworden war - es war nämlich Rüsttag, das ist der Vorsabbat -, 15,43

kam Joseph von Arimathäa, ein angesehener Ratsherr, der selbst auch das Reich Gottes erwartete, und

er wagte es und ging zu Pilatus hinein und bat um den Leib Jesu. 15,44 Pilatus aber wunderte sich,

daß er schon gestorben sein sollte; und er rief den Hauptmann herbei und fragte ihn, ob er schon lange

gestorben sei. 15,45 Und als er es von dem Hauptmann erfuhr, schenkte er Joseph den Leib. 15,46

Und der kaufte feines Leinentuch, nahm ihn herab, wickelte ihn in das Leinentuch und legte ihn in

eine Gruft, die in einen Felsen gehauen war, und er wälzte einen Stein an die Tür der Gruft. 15,47

Aber Maria Magdalena und Maria, die [Mutter] des Joses, sahen zu, wohin er gelegt wurde.

Die Frauen am leeren Grab.

Mt 28,1-8; Lk 24,1-12; Joh 20,1-13.

Kapitel 16

16,1 Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die [Mutter] des

Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben.

16,2 Und sie kommen sehr früh am ersten Wochentag zu der Gruft, als die Sonne aufgegangen war.

16,3 Und sie sprachen zueinander: Wer wird uns den Stein von der Tür der Gruft wegwälzen? 16,4

Und als sie aufblickten, sehen sie, daß der Stein zurückgewälzt ist; er war nämlich sehr groß. 16,5

Und als sie in die Gruft eintraten, sahen sie einen Jüngling zur Rechten sitzen, bekleidet mit einem

weißen Gewand, und sie entsetzten sich. 16,6 Er aber spricht zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht

Jesus, den Nazarener, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo

sie ihn hingelegt hatten. 16,7 Aber geht hin, sagt seinen Jüngern und Petrus, daß er euch nach Galiläa

vorausgeht! Dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. 16,8 Und sie gingen hinaus und flohen

von der Gruft. Denn Zittern und Bestürzung hatte sie ergriffen, und sie sagten niemand etwas, denn

sie fürchteten sich.

Erscheinungen des Auferstandenen.

Mt 28,9.10.16.17; Lk 24,13-43; Joh 20,13-29; 21,1-23.

16,9 Als er aber früh am ersten Wochentag auferstanden war, erschien er zuerst der Maria Magdalena,

von der er sieben Dämonen ausgetrieben hatte. 16,10 Die ging hin und verkündete es denen, die mit

ihm gewesen waren und trauerten und weinten. 16,11 Und als jene hörten, daß er lebe und von ihr

gesehen worden sei, glaubten sie nicht.

16,12 Danach aber offenbarte er sich zweien von ihnen in anderer Gestalt unterwegs, als sie aufs Land

gingen. 16,13 Und jene gingen hin und verkündeten es den übrigen; auch jenen glaubten sie nicht.

16,14 Nachher offenbarte er sich den Elfen selbst, als sie zu Tisch lagen, und schalt ihren Unglauben

und ihre Herzenshärtigkeit, daß sie denen, die ihn auferweckt gesehen, nicht geglaubt hatten.

Aussendung der Jünger - Himmelfahrt

Jesu.

Mt 28,18-20; Lk 24,44-53.

16,15 Und er sprach zu ihnen: Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen

Schöpfung. 16,16 Wer gläubig geworden und getauft worden ist, wird errettet werden; wer aber nicht

gläubig geworden ist, wird verdammt werden. 16,17 Diese Zeichen aber werden denen folgen, die

glauben: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden,

16,18 werden Schlangen aufheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nicht

schaden; Schwachen werden sie die Hände auflegen, und sie werden sich wohl befinden.

16,19 Der Herr wurde nun, nachdem er mit ihnen geredet hatte, in den Himmel aufgenommen und

setzte sich zur Rechten Gottes. 16,20 Jene aber gingen aus und predigten überall, während der Herr

mitwirkte und das Wort durch die darauf folgenden Zeichen bestätigte.

Das Evangelium nach Lukas.

Vorwort.

Kapitel 1

1,1 Da es nun schon viele unternommen haben, einen Bericht von den Ereignissen zu verfassen, die

sich unter uns zugetragen haben, 1,2 wie sie uns die überliefert haben, die von Anfang an

Augenzeugen und Diener des Wortes gewesen sind, 1,3 hat es auch mir gut geschienen, der ich allem

von Anfang an genau gefolgt bin, es dir, vortrefflichster Theophilus, der Reihe nach zu schreiben, 1,4

damit du die Zuverlässigkeit der Dinge erkennst, in denen du unterrichtet worden bist.

Ankündigung der Geburt des Johannes.

1,5 Es war in den Tagen des Herodes, des Königs von Judäa, ein Priester mit Namen Zacharias, aus

der Abteilung des Abia; und seine Frau war aus den Töchtern Aarons und ihr Name Elisabeth. 1,6

Beide aber waren gerecht vor Gott und wandelten untadelig in allen Geboten und Satzungen des

Herrn. 1,7 Und sie hatten kein Kind, weil Elisabeth unfruchtbar war; und beide waren in ihren Tagen

weit vorgerückt.

1,8 Es geschah aber, als er in der Ordnung seiner Abteilung den priesterlichen Dienst vor Gott

verrichtete, 1,9 traf ihn, nach der Gewohnheit des Priestertums, das Los, in den Tempel des Herrn zu

gehen, um zu räuchern. 1,10 Und die ganze Menge des Volkes stand betend draußen zur Stunde des

Räucherns. 1,11 Ihm erschien aber ein Engel des Herrn und stand zur Rechten des Räucheraltars. 1,12

Und als Zacharias [ihn] sah, wurde er bestürzt, und Furcht kam über ihn. 1,13 Der Engel aber sprach

zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias! Denn dein Flehen ist erhört: Elisabeth, deine Frau, wird dir

einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Johannes nennen. 1,14 Und er wird dir zur Freude

und Wonne sein, und viele werden sich über seine Geburt freuen. 1,15 Denn er wird groß sein vor

dem Herrn; weder Wein noch starkes Getränk wird er trinken und schon von Mutterleibe an mit

Heiligem Geist erfüllt werden. 1,16 Und viele der Söhne Israels wird er zu dem Herrn, ihrem Gott,

bekehren. 1,17 Und er wird vor ihm hergehen in dem Geist und der Kraft des Elia, um der Väter

Herzen zu bekehren zu den Kindern und Ungehorsame zur Gesinnung von Gerechten, um dem Herrn

ein zugerüstetes Volk zu bereiten. 1,18 Und Zacharias sprach zu dem Engel: Woran soll ich dies

erkennen? Denn ich bin ein alter Mann, und meine Frau ist weit vorgerückt in ihren Tagen. 1,19 Und

der Engel antwortete und sprach zu ihm: Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und ich bin gesandt

worden, zu dir zu reden und dir diese gute Botschaft zu verkündigen. 1,20 Und siehe, du wirst stumm

sein und nicht sprechen können bis zu dem Tag, da dies geschehen wird, dafür daß du meinen Worten

nicht geglaubt hast, die sich zu ihrer Zeit erfüllen werden. 1,21 Und das Volk wartete auf Zacharias,

und sie wunderten sich, daß er so lange im Tempel verweilte. 1,22 Als er aber herauskam, konnte er

nicht zu ihnen reden, und sie erkannten, daß er im Tempel ein Gesicht gesehen hatte. Und er winkte

ihnen zu und blieb stumm. 1,23 Und es geschah, als die Tage seines Dienstes zu Ende waren, ging er

weg nach seinem Haus.

1,24 Nach diesen Tagen aber wurde Elisabeth, seine Frau, schwanger und zog sich fünf Monate

zurück und sagte: 1,25 So hat mir der Herr getan in den Tagen, in denen er [mich] angesehen hat, um

meine Schmach vor den Menschen wegzunehmen.

Ankündigung der Geburt Jesu.

1,26 Im sechsten Monat aber wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt von Galiläa, mit Namen

Nazareth, gesandt, 1,27 zu einer Jungfrau, die einem Mann namens Joseph, aus dem Haus Davids,

verlobt war, und der Name der Jungfrau war Maria. 1,28 Und er kam zu ihr hinein und sprach: Sei

gegrüßt, Begnadigte! Der Herr [ist] mit dir. 1,29 Sie aber wurde bestürzt über das Wort und überlegte,

was für ein Gruß dies sei. 1,30 Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria! Denn du hast

Gnade bei Gott gefunden. 1,31 Und siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und

du sollst ihm seinen Namen Jesus nennen. 1,32 Dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt

werden; und der Herr, Gott, wird ihm den Thron seines Vaters David geben; 1,33 und er wird über das

Haus Jakobs herrschen in Ewigkeit, und seines Königtums wird kein Ende sein. 1,34 Maria aber

sprach zu dem Engel: Wie wird dies zugehen, da ich von keinem Mann weiß? 1,35 Und der Engel

antwortete und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und Kraft des Höchsten wird

dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren werden wird, Sohn Gottes genannt

werden. 1,36 Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, auch sie erwartet einen Sohn in ihrem Alter, und

dies ist der sechste Monat bei ihr, die unfruchtbar genannt war. 1,37 Denn kein Wort, das von Gott

kommt, wird kraftlos sein. 1,38 Maria aber sprach: Siehe, [ich bin] die Magd des Herrn; es geschehe

mir nach deinem Wort. Und der Engel schied von ihr.

Maria bei Elisabeth - Lobpreis der

Maria.

1,39 Maria aber machte sich in diesen Tagen auf und ging mit Eile in das Gebirge, in eine Stadt Judas;

1,40 und sie kam in das Haus des Zacharias und begrüßte die Elisabeth. 1,41 Und es geschah, als

Elisabeth den Gruß der Maria hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib; und Elisabeth wurde mit

Heiligem Geist erfüllt 1,42 und rief mit lauter Stimme und sprach: Gesegnet [bist] du unter den

Frauen, und gesegnet [ist] die Frucht deines Leibes! 1,43 Und woher [geschieht] mir dies, daß die

Mutter meines Herrn zu mir kommt? 1,44 Denn siehe, wie die Stimme deines Grußes in meine Ohren

drang, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. 1,45 Und glückselig, die geglaubt hat, denn es

wird zur Erfüllung kommen, was von dem Herrn zu ihr geredet ist!

V. 46-55: vgl. 1Sam 2,1-10.

1,46 Und Maria sprach:

Meine Seele erhebt den Herrn, 1,47 und mein Geist hat frohlockt in Gott, meinem Heiland.

1,48 Denn er hat hingeblickt auf die Niedrigkeit seiner Magd; denn siehe, von nun an werden mich

glückselig preisen alle Geschlechter.

1,49 Denn Großes hat der Mächtige an mir getan, und heilig ist sein Name.

1,50 Und seine Barmherzigkeit ist von Geschlecht zu Geschlecht über die, welche ihn fürchten.

1,51 Er hat Macht geübt mit seinem Arm; er hat zerstreut, die in der Gesinnung ihres Herzens

hochmütig sind.

1,52 Er hat Mächtige von Thronen hinabgestoßen und Niedrige erhöht.

1,53 Hungrige hat er mit Gütern erfüllt und Reiche leer fortgeschickt.

1,54 Er hat sich Israels, seines Knechtes, angenommen, daß er gedenke der Barmherzigkeit 1,55 - wie

er zu unseren Vätern geredet hat - gegenüber Abraham und seinen Nachkommen in Ewigkeit. -

1,56 Und Maria blieb ungefähr drei Monate bei ihr; und sie kehrte zu ihrem Haus zurück. Geburt des

Johannes - Lobpreis des Zacharias

1,57 Für Elisabeth aber erfüllte sich die Zeit, daß sie gebären sollte, und sie gebar einen Sohn. 1,58

Und ihre Nachbarn und Verwandten hörten, daß der Herr seine Barmherzigkeit an ihr groß gemacht

habe, und sie freuten sich mit ihr. 1,59 Und es geschah am achten Tag, da kamen sie, das Kindlein zu

beschneiden; und sie nannten es nach dem Namen seines Vaters Zacharias. 1,60 Und seine Mutter

antwortete und sprach: Nein, sondern er soll Johannes heißen. 1,61 Und sie sprachen zu ihr: Niemand

ist in deiner Verwandtschaft, der diesen Namen trägt. 1,62 Sie winkten aber seinem Vater zu, wie er

etwa wolle, daß er heißen sollte. 1,63 Und er forderte ein Täfelchen und schrieb darauf: Johannes ist

sein Name. Und sie wunderten sich alle. 1,64 Sogleich aber wurde sein Mund aufgetan und seine

Zunge [gelöst], und er redete und lobte Gott. 1,65 Und Furcht kam über alle, die um sie her wohnten;

und auf dem ganzen Gebirge von Judäa wurden alle diese Dinge besprochen. 1,66 Und alle, die es

hörten, nahmen es zu Herzen und sprachen: Was wird wohl aus diesem Kindlein werden? Denn auch

des Herrn Hand war mit ihm.

1,67 Und Zacharias, sein Vater, wurde mit Heiligem Geist erfüllt und weissagte und sprach:

1,68 Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels, daß er sein Volk angesehen und [ihm] Erlösung

geschafft hat.

1,69 Er hat uns ein Horn des Heils aufgerichtet im Hause Davids, seines Knechtes,

1,70 wie er geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten von Ewigkeit her:

1,71 Rettung von unseren Feinden und von der Hand aller, die uns hassen;

1,72 um Barmherzigkeit zu üben an unseren Vätern und seines heiligen Bundes zu gedenken, 1,73 des

Eides, den er Abraham, unserem Vater, geschworen hat, uns zu geben,

1,74 daß wir, gerettet aus der Hand unserer Feinde, ohne Furcht ihm dienen sollen 1,75 in Heiligkeit

und Gerechtigkeit vor ihm alle unsere Tage.

1,76 Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten genannt werden; denn du wirst vor dem

Angesicht des Herrn hergehen, seine Wege zu bereiten,

1,77 um seinem Volk Erkenntnis des Heils zu geben in Vergebung ihrer Sünden,

1,78 durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, mit der uns der Aufgang aus der Höhe

besucht hat,

1,79 um denen zu leuchten, die in Finsternis und Todesschatten sitzen, und unsere Füße zu richten auf

den Weg des Friedens. -

1,80 Das Kindlein aber wuchs und erstarkte im Geist und war in der Einöde bis zum Tag seines

Auftretens vor Israel.

Die Geburt Jesu.

Mt 1,18-25.

Kapitel 2

2,1 Es geschah aber in jenen Tagen, daß eine Verordnung vom Kaiser Augustus ausging, den ganzen

Erdkreis einzuschreiben. 2,2 Diese Einschreibung geschah als erste, als Cyrenius Statthalter von

Syrien war. 2,3 Und alle gingen hin, um sich einschreiben zu lassen, ein jeder in seine [Vater-] Stadt.

2,4 Es ging aber auch Joseph von Galiläa, aus der Stadt Nazareth, hinauf nach Judäa, in Davids Stadt,

die Bethlehem heißt, weil er aus dem Haus und Geschlecht Davids war, 2,5 um sich einschreiben zu

lassen mit Maria, seiner Verlobten, die schwanger war. 2,6 Und es geschah, als sie dort waren,

wurden ihre Tage erfüllt, daß sie gebären sollte; 2,7 und sie gebar ihren erstgeborenen Sohn und

wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Raum für sie war.

Besuch der Hirten.

2,8 Und es waren Hirten in derselben Gegend, die auf freiem Feld blieben und des Nachts Wache

hielten über ihre Herde. 2,9 Und ein Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Herrlichkeit des Herrn

umleuchtete sie, und sie fürchteten sich mit großer Furcht. 2,10 Und der Engel sprach zu ihnen:

Fürchtet euch nicht! Denn siehe, ich verkündige euch große Freude, die für das ganze Volk sein wird.

2,11 Denn euch ist heute ein Retter geboren, der ist Christus, Herr, in Davids Stadt. 2,12 Und dies sei

euch das Zeichen: Ihr werdet ein Kind finden, in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend. 2,13

Und plötzlich war bei dem Engel eine Menge der himmlischen Heerscharen, die Gott lobten und

sprachen: 2,14 Herrlichkeit Gott in der Höhe, und Friede auf Erden in den Menschen [seines]

Wohlgefallens!

2,15 Und es geschah, als die Engel von ihnen hinweg in den Himmel auffuhren, daß die Hirten

zueinander sagten: Laßt uns doch hingehen nach Bethlehem und diese Sache sehen, die geschehen ist

und die der Herr uns kundgetan hat. 2,16 Und sie kamen eilends und fanden Maria und Joseph und

das Kind in der Krippe liegend.

2,17 Als sie es aber gesehen hatten, machten sie das Wort bekannt, das über dieses Kindlein zu ihnen

geredet worden war. 2,18 Und alle, die es hörten, wunderten sich über das, was ihnen von den Hirten

gesagt wurde. 2,19 Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen. 2,20 Und

die Hirten kehrten zurück, priesen und lobten Gott über alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie

es ihnen gesagt worden war.

Darstellung im Tempel - Lobpreis

Simeons - Die Prophetin Hanna.

2,21 Und als acht Tage vollendet waren, daß man ihn beschneiden sollte, da wurde sein Name Jesus

genannt, der von dem Engel genannt worden war, ehe er im Mutterleib empfangen wurde.

2,22 Und als die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetz Moses vollendet waren, brachten sie ihn nach

Jerusalem hinauf, um ihn dem Herrn darzustellen 2,23 - wie im Gesetz des Herrn geschrieben steht:

`Alle männliche Erstgeburt soll dem Herrn heilig heißen - 2,24 und ein Schlachtopfer zu geben nach

dem, was im Gesetz des Herrn gesagt ist: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben.

2,25 Und siehe, es war in Jerusalem ein Mensch, mit Namen Simeon; und dieser Mensch war gerecht

und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels; und der Heilige Geist war auf ihm. 2,26 Und ihm

war von dem Heiligen Geist eine göttliche Zusage zuteil geworden, daß er den Tod nicht sehen solle,

ehe er den Christus des Herrn gesehen habe. 2,27 Und er kam durch den Geist in den Tempel. Und als

die Eltern das Kindlein Jesus hereinbrachten, um mit ihm nach der Gewohnheit des Gesetzes zu tun,

2,28 da nahm auch er es auf seine Arme und lobte Gott und sprach: 2,29 Nun, Herr, entläßt du deinen

Knecht nach deinem Wort in Frieden; 2,30 denn meine Augen haben dein Heil gesehen, 2,31 das du

bereitet hast im Angesicht aller Nationen: 2,32 ein Licht zur Erleuchtung der Nationen und zur

Herrlichkeit deines Volkes Israel. 2,33 Und sein Vater und seine Mutter wunderten sich über das, was

über ihn geredet wurde. 2,34 Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe,

dieser ist gesetzt zum Fall und Aufstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen

wird 2,35 - aber auch deine eigene Seele wird ein Schwert durchdringen -, damit die Überlegungen

aus vielen Herzen offenbar werden. 2,36 Und es war eine Prophetin Hanna, eine Tochter Phanuels,

aus dem Stamm Asser. Diese war in ihren Tagen weit vorgerückt; sie hatte sieben Jahre mit ihrem

Mann gelebt von ihrer Jungfrauschaft an; 2,37 und sie war eine Witwe von vierundachtzig Jahren, die

wich nicht vom Tempel und diente Nacht und Tag mit Fasten und Flehen. 2,38 Und sie trat zur selben

Stunde herbei, lobte Gott und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.

Rückkehr nach Nazareth - Als

Zwölfjähriger im Tempel.

2,39 Und als sie alles vollendet hatten nach dem Gesetz des Herrn, kehrten sie nach Galiläa zurück in

ihre Stadt Nazareth. 2,40 Das Kindlein aber wuchs und erstarkte, erfüllt mit Weisheit, und Gottes

Gnade war auf ihm.

2,41 Und seine Eltern gingen alljährlich am Passahfest nach Jerusalem. 2,42 Und als er zwölf Jahre alt

war, gingen sie hinauf nach der Gewohnheit des Festes; 2,43 und als sie die Tage vollendet hatten,

blieb bei ihrer Rückkehr der Knabe Jesus in Jerusalem zurück; und seine Eltern wußten es nicht. 2,44

Da sie aber meinten, er sei unter der Reisegesellschaft, kamen sie eine Tagereise weit und suchten ihn

unter den Verwandten und Bekannten; 2,45 und als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem

zurück und suchten ihn. 2,46 Und es geschah, daß sie ihn nach drei Tagen im Tempel fanden, wie er

inmitten der Lehrer saß und ihnen zuhörte und sie befragte. 2,47 Alle aber, die ihn hörten, gerieten

außer sich über sein Verständnis und seine Antworten. 2,48 Und als sie ihn sahen, wurden sie

bestürzt; und seine Mutter sprach zu ihm: Kind, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und

ich haben dich mit Schmerzen gesucht. 2,49 Und er sprach zu ihnen: Was ist es, daß ihr mich gesucht

habt? Wußtet ihr nicht, daß ich in dem sein muß, was meines Vaters ist? 2,50 Und sie verstanden das

Wort nicht, das er zu ihnen redete. 2,51 Und er ging mit ihnen hinab und kam nach Nazareth, und er

war ihnen untertan. Und seine Mutter bewahrte alle diese Worte in ihrem Herzen. 2,52 Und Jesus

nahm zu an Weisheit und Alter und Gunst bei Gott und Menschen.

Johannes der Täufer.

Mt 3,1-12; Mk 1,1-8; (Joh 1,19-28).

Kapitel 3

3,1 Aber im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Statthalter von

Judäa war und Herodes Vierfürst von Galiläa und sein Bruder Philippus Vierfürst von Ituräa und der

Landschaft Trachonitis, und Lysanias Vierfürst von Abilene, 3,2 unter dem Hohenpriestertum von

Hannas und Kaiphas, geschah das Wort Gottes zu Johannes, dem Sohn des Zacharias, in der Wüste.

3,3 Und er kam in die ganze Landschaft am Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung

der Sünden; 3,4 wie geschrieben steht im Buch der Worte Jesajas, des Propheten: `Stimme eines

Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Pfade gerade! 3,5 Jedes Tal wird

ausgefüllt und jeder Berg und Hügel erniedrigt werden, und das Krumme wird zum geraden [Weg]

und die holprigen zu ebenen Wegen werden; 3,6 und alles Fleisch wird das Heil Gottes sehen.

3,7 Er sprach nun zu den Volksmengen, die hinausgingen, um von ihm getauft zu werden: Otternbrut!

Wer hat euch gewiesen, dem kommenden Zorn zu entfliehen? 3,8 Bringt nun der Buße würdige

Früchte; und beginnt nicht, bei euch selbst zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage

euch, daß Gott dem Abraham aus diesen Steinen Kinder zu erwecken vermag. 3,9 Schon ist aber die

Axt an die Wurzel der Bäume gelegt, jeder Baum nun, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen

und ins Feuer geworfen. 3,10 Und die Volksmengen fragten ihn und sprachen: Was sollen wir denn

tun? 3,11 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Wer zwei Unterkleider hat, teile dem mit, der

keines hat; und wer Speise hat, tue ebenso. 3,12 Es kamen aber auch Zöllner, um getauft zu werden;

und sie sprachen zu ihm: Lehrer, was sollen wir tun? 3,13 Er aber sprach zu ihnen: Fordert nicht

mehr, als euch bestimmt ist. 3,14 Es fragten ihn aber auch Kriegsleute und sprachen: Und wir, was

sollen wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemand Gewalt, und erpreßt niemanden, und begnügt

euch mit eurem Sold.

3,15 Als aber das Volk in Erwartung war und alle in ihren Herzen wegen Johannes überlegten, ob er

nicht etwa der Christus sei, 3,16 antwortete Johannes allen und sprach: Ich zwar taufe euch mit

Wasser; es kommt aber ein Stärkerer als ich, und ich bin nicht würdig, [ihm] den Riemen seiner

Sandalen zu lösen; er wird euch mit Heiligem Geist und Feuer taufen. 3,17 Seine Worfschaufel ist in

seiner Hand, und er wird seine Tenne durch und durch reinigen und den Weizen in seine Scheune

sammeln; die Spreu aber wird er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer. 3,18 Indem er nun auch mit

vielem anderen ermahnte, verkündigte er dem Volk gute Botschaft.

Mt 14,3-5; Mk 6,17-20.

3,19 Herodes aber, der Vierfürst, der von ihm zurechtgewiesen wurde wegen der Herodias, der Frau

seines Bruders, und wegen alles Bösen, das Herodes getan hatte, 3,20 fügte allem auch dies hinzu, daß

er Johannes ins Gefängnis einschloß.

Die Taufe Jesu.

Mt 3,13-17; Mk 1,9-11; Joh 1,29-34.

3,21 Es geschah aber, als das ganze Volk getauft wurde und Jesus getauft war und betete, daß der

Himmel aufgetan wurde 3,22 und der Heilige Geist in leiblicher Gestalt, wie eine Taube, auf ihn

herabstieg und eine Stimme aus dem Himmel kam: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich

Wohlgefallen gefunden.

Der Stammbaum Jesu.

1Mo 5; 11,10-26; 1Chr 1,1-4.24-28.34; 2,1-15; Mt 1,1-16.

3,23 Und er selbst, Jesus, war ungefähr dreißig Jahre alt, als er auftrat, und war, wie man meinte, ein

Sohn des Joseph, des Eli, 3,24 des Matthat, des Levi, des Melchi, des Jannai, des Joseph, 3,25 des

Mattathias, des Amos, des Nahum, des Hesli, des Naggai, 3,26 des Maath, des Mattathias, des Schimi,

des Josech, des Joda, 3,27 des Johanan, des Resa, des Serubbabel, des Schealtiel, des Neri, 3,28 des

Melchi, des Addi, des Kosam, des Elmadam, des Er, 3,29 des Jesus, des Elieser, des Jorim, des

Matthat, des Levi, 3,30 des Simeon, des Juda, des Joseph, des Jonam, des Eljakim, 3,31 des Melea,

des Menna, des Mattatha, des Nathan, des David, 3,32 des Jesse, des Obed, des Boas, des Salma, des

Nahesson, 3,33 des Amminadab, des Admin, des Arni, des Hezron, des Perez, des Juda, 3,34 des

Jakob, des Isaak, des Abraham, des Tharah, des Nahor, 3,35 des Sarug, des Ragu, des Phalek, des

Eber, des Salah, 3,36 des Kainam, des Arphachsad, des Sem, des Noah, des Lamech, 3,37 des

Methusala, des Henoch, des Jaret, des Malaleel, des Kainam, 3,38 des Enos, des Seth, des Adam, des

Gottes.

Die Versuchung Jesu.

Mt 4,1-11; Mk 1,12.13.

Kapitel 4

4,1 Jesus aber, voll Heiligen Geistes, kehrte vom Jordan zurück und wurde durch den Geist in der

Wüste vierzig Tage umhergeführt 4,2 und von dem Teufel versucht. Und er aß in jenen Tagen nichts;

und als sie zu Ende waren, hungerte ihn. 4,3 Und der Teufel sprach zu ihm: Wenn du Gottes Sohn

bist, so sprich zu diesem Stein, daß er Brot werde. 4,4 Und Jesus antwortete ihm: Es steht

geschrieben: `Nicht vom Brot allein soll der Mensch leben, sondern von jedem Wort Gottes.

4,5 Und er führte ihn auf einen hohen Berg und zeigte ihm in einem Augenblick alle Reiche des

Erdkreises. 4,6 Und der Teufel sprach zu ihm: Ich will dir alle diese Macht und ihre Herrlichkeit

geben; denn mir ist sie übergeben, und wem immer ich will, gebe ich sie. 4,7 Wenn du nun vor mir

anbeten willst, soll das alles dein sein. 4,8 Und Jesus antwortete ihm und sprach: Es steht geschrieben:

`Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen.

4,9 Und er führte ihn nach Jerusalem und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm:

Wenn du Gottes Sohn bist, so wirf dich von hier hinab; 4,10 denn es steht geschrieben: `Er wird

seinen Engeln über dir befehlen, daß sie dich bewahren; 4,11 und sie werden dich auf den Händen

tragen, damit du nicht etwa deinen Fuß an einen Stein stößt. 4,12 Und Jesus antwortete und sprach zu

ihm: Es ist gesagt: `Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen. 4,13 Und als der Teufel jede

Versuchung vollendet hatte, wich er für eine Zeit von ihm.

Unglaube in Nazareth.

V. 14.15: Mt 4,12-17; Mk 1,14.15; V. 16-30: vgl. Mt 13,54-58; Mk 6,1-6.

4,14 Und Jesus kehrte in der Kraft des Geistes nach Galiläa zurück, und die Kunde von ihm ging aus

durch die ganze Umgegend. 4,15 Und er lehrte in ihren Synagogen, geehrt von allen. 4,16 Und er kam

nach Nazareth, wo er erzogen worden war; und er ging nach seiner Gewohnheit am Sabbattag in die

Synagoge und stand auf, um vorzulesen. 4,17 Und es wurde ihm das Buch des Propheten Jesaja

gereicht; und als er das Buch aufgerollt hatte, fand er die Stelle, wo geschrieben war: 4,18 `Der Geist

des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, Armen gute Botschaft zu verkündigen; er hat mich

gesandt, Gefangenen Befreiung auszurufen und Blinden, daß sie wieder sehen, Zerschlagene in

Freiheit hinzusenden, 4,19 auszurufen ein angenehmes Jahr des Herrn. 4,20 Und als er das Buch

zugerollt hatte, gab er es dem Diener zurück und setzte sich; und aller Augen in der Synagoge waren

auf ihn gerichtet. 4,21 Er fing aber an, zu ihnen zu sagen: Heute ist diese Schrift vor euren Ohren

erfüllt. 4,22 Und alle gaben ihm Zeugnis und wunderten sich über die Worte der Gnade, die aus

seinem Mund hervorgingen; und sie sprachen: Ist dieser nicht der Sohn Josephs? 4,23 Und er sprach

zu ihnen: Ihr werdet jedenfalls dieses Sprichwort zu mir sagen: Arzt, heile dich selbst! Alles, was wir

gehört haben, [daß es] in Kapernaum geschehen [sei], tu auch hier in deiner Vaterstadt! 4,24 Er sprach

aber: Wahrlich, ich sage euch, daß kein Prophet in seiner Vaterstadt angenehm ist. 4,25 In Wahrheit

aber sage ich euch: Viele Witwen waren in den Tagen Elias in Israel, als der Himmel drei Jahre und

sechs Monate verschlossen war, so daß eine große Hungersnot über das ganze Land kam; 4,26 und zu

keiner von ihnen wurde Elia gesandt als nur nach Sarepta in Sidonia zu einer Frau, einer Witwe. 4,27

Und viele Aussätzige waren zur Zeit des Propheten Elisa in Israel, und keiner von ihnen wurde

gereinigt als nur Naaman, der Syrer. 4,28 Und alle in der Synagoge wurden von Wut erfüllt, als sie

dies hörten. 4,29 Und sie standen auf und stießen ihn zur Stadt hinaus und führten ihn bis an den Rand

des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, um ihn so hinabzustürzen. 4,30 Er aber schritt durch ihre

Mitte hindurch und ging weg.

Heilung eines Besessenen.

Mk 1,21-28.

4,31 Und er kam nach Kapernaum hinab, einer Stadt in Galiläa, und lehrte sie an den Sabbaten. 4,32

Und sie erstaunten sehr über seine Lehre, denn sein Wort war mit Vollmacht. 4,33 Und es war in der

Synagoge ein Mensch, der einen Geist eines unreinen Dämons hatte, und er schrie auf mit lauter

Stimme 4,34 und sprach: Ach, was haben wir mit dir zu schaffen, Jesus, Nazarener? Bist du

gekommen, uns zu verderben? Ich kenne dich, wer du bist: der Heilige Gottes. 4,35 Und Jesus

bedrohte ihn und sprach: Verstumme und fahre aus von ihm! Und als der Dämon ihn mitten unter sie

geworfen hatte, fuhr er von ihm aus, ohne ihm Schaden zu tun. 4,36 Und Entsetzen kam über alle, und

sie redeten untereinander und sprachen: Was ist dies für ein Wort? Denn mit Vollmacht und Kraft

gebietet er den unreinen Geistern, und sie fahren aus. 4,37 Und die Kunde von ihm ging aus in jeden

Ort der Umgegend.

Heilung der Schwiegermutter des

Petrus.

Mt 8,14.15; Mk 1,29-31.

4,38 Er machte sich aber auf von der Synagoge und kam in das Haus Simons. Die Schwiegermutter

des Simon aber war von einem starken Fieber befallen, und sie baten ihn für sie. 4,39 Und er beugte

sich über sie, bedrohte das Fieber, und es verließ sie; sie aber stand sogleich auf und diente ihnen.

Heilungen und Predigt.

Mt 4,23-25; 8,16.17; Mk 1,32-39.

4,40 Als aber die Sonne unterging, brachten alle, die an mancherlei Krankheiten Leidende hatten, sie

zu ihm; er aber legte jedem von ihnen die Hände auf und heilte sie. 4,41 Und auch Dämonen fuhren

von vielen aus, indem sie schrien und sprachen: Du bist der Sohn Gottes. Und er bedrohte sie und ließ

sie nicht reden, weil sie wußten, daß er der Christus war.

4,42 Als es aber Tag geworden war, ging er aus und begab sich an einen einsamen Ort; und die

Volksmengen suchten ihn auf und kamen bis zu ihm, und sie hielten ihn auf, daß er nicht von ihnen

ginge. 4,43 Er aber sprach zu ihnen: Ich muß auch den anderen Städten das Evangelium vom Reich

Gottes verkündigen, denn dazu bin ich gesandt worden. Und er predigte in den Synagogen von

Galiläa.

Fischzug des Petrus - Die ersten

Jünger.

Mt 4,18-22; Mk 1,16-20.

Kapitel 5

5,1 Es geschah aber, als die Volksmenge auf ihn andrängte, um das Wort Gottes zu hören, daß er an

dem See Genezareth stand. 5,2 Und er sah zwei Schiffe am See liegen; die Fischer aber waren aus

ihnen ausgestiegen und wuschen ihre Netze. 5,3 Er aber stieg in eins der Schiffe, das Simon gehörte,

und bat ihn, ein wenig vom Land hinauszufahren; und er setzte sich und lehrte die Volksmengen vom

Schiff aus. 5,4 Als er aber aufhörte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus auf die Tiefe, und laßt

eure Netze zu einem Fang hinab! 5,5 Und Simon antwortete und sprach zu ihm: Meister, wir haben

uns die ganze Nacht hindurch bemüht und nichts gefangen, aber auf dein Wort will ich das Netz

hinablassen. 5,6 Und als sie dies getan hatten, umschlossen sie eine große Menge Fische, und ihr Netz

riß. 5,7 Und sie winkten ihren Gefährten in dem anderen Schiff, daß sie kämen und ihnen hülfen; und

sie kamen, und sie füllten beide Schiffe, so daß sie zu sinken drohten. 5,8 Als aber Simon Petrus es

sah, fiel er zu den Knien Jesu nieder und sprach: Geh von mir hinaus, denn ich bin ein sündiger

Mensch, Herr. 5,9 Denn Entsetzen hatte ihn erfaßt und alle, die bei ihm waren, über den Fischfang,

den sie getan hatten; 5,10 ebenso aber auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, die

Gefährten von Simon waren. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du

Menschen fangen. 5,11 Und als sie die Schiffe ans Land gebracht hatten, verließen sie alles und

folgten ihm nach.

Heilung eines Aussätzigen.

Mt 8,1-4; Mk 1,40-45.

5,12 Und es geschah, als er in einer der Städte war, siehe, da war ein Mann voll Aussatz; und als er

Jesus sah, fiel er auf sein Angesicht und bat ihn und sprach: Herr, wenn du willst, kannst du mich

reinigen. 5,13 Und er streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach: Ich will. Sei gereinigt! Und

sogleich wich der Aussatz von ihm. 5,14 Und er gebot ihm, es niemand zu sagen: Sondern geh hin

und zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung, wie Mose geboten hat, ihnen zum

Zeugnis. 5,15 Aber die Rede über ihn verbreitete sich um so mehr; und große Volksmengen

versammelten sich, [ihn] zu hören und von ihren Krankheiten geheilt zu werden. 5,16 Er aber zog sich

zurück und war in einsamen Gegenden und betete.

Heilung eines Gelähmten.

Mt 9,1-8; Mk 2,1-12.

5,17 Und es geschah an einem der Tage, daß er lehrte, und es saßen da Pharisäer und Gesetzeslehrer,

die aus jedem Dorf von Galiläa und Judäa und aus Jerusalem gekommen waren; und des Herrn Kraft

war da, um zu heilen. 5,18 Und siehe, Männer bringen auf einem Bett einen Menschen, der gelähmt

war; und sie suchten ihn hineinzubringen und vor ihn zu legen. 5,19 Und da sie nicht fanden, auf

welchem Weg sie ihn hineinbringen sollten wegen der Volksmenge, stiegen sie auf das Dach und

ließen ihn durch die Ziegel hinab mit dem Bett in die Mitte vor Jesus. 5,20 Und als er ihren Glauben

sah, sprach er: Mensch, deine Sünden sind dir vergeben. 5,21 Und die Schriftgelehrten und die

Pharisäer fingen an zu überlegen und sagten: Wer ist dieser, der [solche] Lästerungen redet? Wer kann

Sünden vergeben außer Gott allein? 5,22 Als aber Jesus ihre Überlegungen erkannte, antwortete und

sprach er zu ihnen: Was überlegt ihr in euren Herzen? 5,23 Was ist leichter zu sagen: Dir sind deine

Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf und geh umher? 5,24 Damit ihr aber wißt, daß der Sohn des

Menschen Vollmacht hat, auf der Erde Sünden zu vergeben - sprach er zu dem Gelähmten: Ich sage

dir, steh auf und nimm dein Bett auf und geh nach Hause! 5,25 Und sogleich stand er vor ihnen auf,

nahm auf, worauf er gelegen hatte, und ging hin in sein Haus und verherrlichte Gott. 5,26 Und

Staunen ergriff alle, und sie verherrlichten Gott und wurden mit Furcht erfüllt und sprachen: Wir

haben heute außerordentliche Dinge gesehen.

Berufung des Levi.

Mt 9,9-13; Mk 2,13-17.

5,27 Und danach ging er hinaus und sah einen Zöllner, mit Namen Levi, am Zollhaus sitzen und

sprach zu ihm: Folge mir nach! 5,28 Und er verließ alles, stand auf und folgte ihm nach. 5,29 Und

Levi machte ihm ein großes Mahl in seinem Haus; und dort war eine große Menge Zöllner und

anderer, die mit ihnen zu Tisch lagen. 5,30 Und die Pharisäer und ihre Schriftgelehrten murrten gegen

seine Jünger und sprachen: Warum eßt und trinkt ihr mit den Zöllnern und Sündern? 5,31 Und Jesus

antwortete und sprach zu ihnen: Nicht die Gesunden brauchen einen Arzt, sondern die Kranken; 5,32

ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Buße.

Die Frage nach dem Fasten.

Mt 9,14-17; Mk 2,18-22.

5,33 Sie aber sprachen zu ihm: Warum fasten die Jünger des Johannes oft und verrichten Gebete,

ebenso auch die der Pharisäer; die deinen aber essen und trinken? 5,34 Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr

könnt doch nicht die Hochzeitsgäste fasten lassen, während der Bräutigam bei ihnen ist? 5,35 Es

werden aber Tage kommen, und dann, wenn der Bräutigam von ihnen weggenommen sein wird, in

jenen Tagen werden sie fasten. 5,36 Er sagte aber auch ein Gleichnis zu ihnen: Niemand schneidet

einen Flicken von einem neuen Kleid und setzt ihn auf ein altes Kleid; sonst wird er sowohl das neue

zerschneiden, wie auch der Flicken von dem neuen zum alten nicht passen wird. 5,37 Und niemand

füllt neuen Wein in alte Schläuche; sonst wird der neue Wein die Schläuche zerreißen, und er selbst

wird verschüttet werden, und die Schläuche werden verderben; 5,38 sondern neuen Wein füllt man in

neue Schläuche. 5,39 Und niemand will, wenn er alten getrunken hat, neuen, denn er spricht: Der alte

ist milde.

Die Sabbatfrage.

Mt 12,1-14; Mk 2,23-3,6.

Kapitel 6

6,1 Und es geschah am Sabbat, daß er durch die Saaten ging und seine Jünger die Ähren abpflückten

und aßen, indem sie sie mit den Händen zerrieben. 6,2 Einige der Pharisäer aber sprachen zu ihnen:

Warum tut ihr, was am Sabbat nicht zu tun erlaubt ist? 6,3 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen:

Habt ihr auch dieses nicht gelesen, was David tat, als ihn und die bei ihm waren hungerte? 6,4 Wie er

in das Haus Gottes ging und die Schaubrote nahm und aß und auch denen gab, die bei ihm waren - die

doch außer den Priestern allein niemand essen darf? 6,5 Und er sprach zu ihnen: Der Sohn des

Menschen ist Herr auch des Sabbats.

6,6 Es geschah aber auch an einem anderen Sabbat, daß er in die Synagoge ging und lehrte; und es

war dort ein Mensch, dessen rechte Hand verdorrt war. 6,7 Die Schriftgelehrten und die Pharisäer aber

lauerten darauf, ob er am Sabbat heilen würde, damit sie eine Beschuldigung gegen ihn fänden. 6,8 Er

aber wußte ihre Überlegungen und sprach zu dem Menschen, der die verdorrte Hand hatte: Steh auf

und stelle dich in die Mitte! Er aber stand auf und stellte sich hin. 6,9 Jesus sprach nun zu ihnen: Ich

will euch fragen, ob es erlaubt ist, am Sabbat Gutes zu tun oder Böses zu tun, Leben zu retten oder zu

verderben. 6,10 Und nachdem er sie alle ringsum angeblickt hatte, sprach er zu ihm: Strecke deine

Hand aus! Und er tat es; und seine Hand wurde wiederhergestellt. 6,11 Sie aber wurden mit

Unverstand erfüllt und besprachen sich untereinander, was sie Jesus tun sollten.

Berufung der zwölf Apostel.

Mt 10,1-4; Mk 3,13-19; (Apg 1,13).

6,12 Und es geschah in diesen Tagen, daß er auf den Berg hinausging, um zu beten; und er verbrachte

die Nacht im Gebet zu Gott. 6,13 Und als es Tag wurde, rief er seine Jünger herbei und erwählte aus

ihnen zwölf, die er auch Apostel nannte: 6,14 Simon, den er auch Petrus nannte, und Andreas, seinen

Bruder, und Jakobus und Johannes und Philippus und Bartholomäus 6,15 und Matthäus und Thomas

und Jakobus, des Alphäus [Sohn], und Simon, genannt Eiferer, 6,16 und Judas, des Jakobus [Bruder],

und Judas Iskariot, der auch [sein] Verräter wurde.

Krankenheilungen.

Mt 12,15-21; Mk 3,7-12.

6,17 Und als er mit ihnen herabgestiegen war, trat er auf einen ebenen Platz, und eine Menge seiner

Jünger und eine große Menge des Volkes von ganz Judäa und Jerusalem und von der Seeküste von

Tyrus und Sidon, die kamen, ihn zu hören und von ihren Krankheiten geheilt zu werden; 6,18 und die

von unreinen Geistern Geplagten wurden geheilt. 6,19 Und die ganze Volksmenge suchte ihn

anzurühren, denn Kraft ging von ihm aus und heilte alle.

Seligpreisungen - Weherufe.

Mt 5,1-12.

6,20 Und er erhob seine Augen zu seinen Jüngern und sprach: Glückselig ihr Armen, denn euer ist das

Reich Gottes. 6,21 Glückselig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet gesättigt werden. Glückselig, die

ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen. 6,22 Glückselig seid ihr, wenn die Menschen euch hassen

werden und wenn sie euch absondern und schmähen und euren Namen als böse verwerfen werden um

des Sohnes des Menschen willen; 6,23 freut euch an jenem Tag und hüpft, denn siehe, euer Lohn ist

groß in dem Himmel; denn ebenso taten ihre Väter den Propheten.

6,24 Aber wehe euch Reichen, denn ihr habt euren Trost dahin. 6,25 Wehe euch, die ihr voll seid,

denn ihr werdet hungern. Wehe euch, die ihr jetzt lacht, denn ihr werdet trauern und weinen. 6,26

Wehe, wenn alle Menschen wohl von euch reden, denn ebenso taten ihre Väter den falschen

Propheten.

Rechtes Vergelten: Feindesliebe.

Mt 5,38-48.

6,27 Aber euch, die ihr hört, sage ich: Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; 6,28 segnet,

die euch fluchen; betet für die, welche euch beleidigen. 6,29 Dem, der dich auf die Backe schlägt,

biete auch die andere dar; und dem, der dir den Mantel nimmt, verweigere auch das Unterkleid nicht.

6,30 Gib jedem, der dich bittet; und von dem, der dir das Deine nimmt, fordere es nicht zurück. 6,31

Und wie ihr wollt, daß euch die Menschen tun sollen, so tut auch ihr ihnen. 6,32 Und wenn ihr liebt,

die euch lieben, was für einen Dank habt ihr? Denn auch die Sünder lieben, die sie lieben. 6,33 Und

wenn ihr denen Gutes tut, die euch Gutes tun, was für einen Dank habt ihr? Denn auch die Sünder tun

dasselbe. 6,34 Und wenn ihr denen leiht, von denen ihr [wieder] zu empfangen hofft, was für einen

Dank habt ihr? Auch die Sünder leihen Sündern, damit sie das gleiche wieder empfangen. 6,35 Doch

liebt eure Feinde, und tut Gutes, und leiht, ohne etwas wieder zu erhoffen, und euer Lohn wird groß

sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.

Warnung vor dem Richten.

Mt 7,1-5.15-20.

6,36 Seid nun barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. 6,37 Und richtet nicht, und ihr werdet

nicht gerichtet werden; verurteilt nicht, und ihr werdet nicht verurteilt werden. Laßt los, und ihr

werdet losgelassen werden. 6,38 Gebt, und es wird euch gegeben werden: ein gutes, gedrücktes und

gerütteltes und überlaufendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn mit demselben Maß, mit

dem ihr meßt, wird euch wieder gemessen werden.

6,39 Er sagte aber auch ein Gleichnis zu ihnen: Kann etwa ein Blinder einen Blinden leiten? Werden

nicht beide in eine Grube fallen? 6,40 Ein Jünger ist nicht über dem Lehrer; jeder aber, der vollendet

ist, wird sein wie sein Lehrer. 6,41 Was aber siehst du den Splitter, der in deines Bruders Auge ist,

den Balken aber, der in deinem eigenen Auge ist, nimmst du nicht wahr? 6,42 Oder wie kannst du zu

deinem Bruder sagen: Bruder, erlaube, ich will den Splitter herausziehen, der in deinem Auge ist,

während du selbst den Balken in deinem Auge nicht siehst? Heuchler, ziehe zuerst den Balken aus

deinem Auge, und dann wirst du klar sehen, um den Splitter herauszuziehen, der in deines Bruders

Auge ist. 6,43 Denn es gibt keinen guten Baum, der faule Frucht bringt, noch einen faulen Baum, der

gute Frucht bringt; 6,44 denn jeder Baum wird an seiner eigenen Frucht erkannt; denn von Dornen

sammelt man nicht Feigen, noch liest man von einem Dornbusch Trauben. 6,45 Der gute Mensch

bringt aus dem guten Schatz seines Herzens das Gute hervor, und der böse bringt aus dem bösen das

Böse hervor; denn aus der Fülle des Herzens redet sein Mund.

Gleichnis vom Haus auf dem Felsen.

Mt 7,21-27.

6,46 Was nennt ihr mich aber: Herr, Herr! und tut nicht, was ich sage? 6,47 Jeder, der zu mir kommt

und meine Worte hört und sie tut - ich will euch zeigen, wem er gleich ist. 6,48 Er ist einem

Menschen gleich, der ein Haus baute, grub und vertiefte und den Grund auf den Felsen legte; als aber

eine Flut kam, stieß der Strom an jenes Haus und konnte es nicht erschüttern, denn es war auf den

Felsen gegründet. 6,49 Der aber gehört und nicht getan hat, ist einem Menschen gleich, der ein Haus

auf die Erde baute ohne Grundmauer; der Strom stieß daran, und sogleich fiel es, und der Sturz jenes

Hauses war groß.

Heilung des Dieners eines Hauptmanns.

Mt 8,5-13; vgl. Joh 4,43-54.

Kapitel 7

7,1 Nachdem er aber alle seine Worte vor den Ohren des Volkes vollendet hatte, ging er hinein nach

Kapernaum. 7,2 Eines Hauptmanns Knecht aber, der ihm wert war, war krank und lag im Sterben. 7,3

Als er aber von Jesus hörte, sandte er Älteste der Juden zu ihm und bat ihn, daß er komme und seinen

Knecht gesund mache. 7,4 Als diese aber zu Jesus hinkamen, baten sie ihn inständig und sprachen: Er

ist würdig, daß du ihm dies gewährst; 7,5 denn er liebt unsere Nation, und er selbst hat uns die

Synagoge erbaut. 7,6 Jesus aber ging mit ihnen. Als er aber schon nicht mehr weit von dem Haus

entfernt war, sandte der Hauptmann Freunde zu ihm und ließ ihm sagen: Herr, bemühe dich nicht,

denn ich bin nicht würdig, daß du unter mein Dach trittst. 7,7 Darum habe ich mich selbst auch nicht

würdig geachtet, zu dir zu kommen; sondern sprich ein Wort, und mein Diener wird gesund werden.

7,8 Denn auch ich bin ein Mensch, der unter Befehlsgewalt steht, und ich habe Soldaten unter mir;

und ich sage zu diesem: Geh hin! und er geht; und zu einem anderen: Komm! und er kommt; und zu

meinem Sklaven: Tu dies! und er tut es. 7,9 Als aber Jesus dies hörte, wunderte er sich über ihn; und

er wandte sich zu der Volksmenge, die ihm folgte, und sprach: Ich sage euch, selbst nicht in Israel

habe ich so großen Glauben gefunden. 7,10 Und als die Abgesandten in das Haus zurückkehrten,

fanden sie den kranken Knecht gesund.

Auferweckung des Jünglings von Nain.

7,11 Und es geschah bald darauf, daß er in eine Stadt ging, genannt Nain, und viele seiner Jünger und

eine große Volksmenge gingen mit ihm. 7,12 Als er sich aber dem Tor der Stadt näherte, siehe, da

wurde ein Toter herausgetragen, der einzige Sohn seiner Mutter, und sie war eine Witwe; und eine

zahlreiche Volksmenge aus der Stadt war mit ihr. 7,13 Und als der Herr sie sah, wurde er innerlich

bewegt über sie und sprach zu ihr: Weine nicht! 7,14 Und er trat hinzu und rührte die Bahre an, die

Träger aber standen still; und er sprach: Jüngling, ich sage dir, steh auf! 7,15 Und der Tote setzte sich

auf und fing an zu reden; und er gab ihn seiner Mutter. 7,16 Alle aber ergriff Furcht; und sie

verherrlichten Gott und sprachen: Ein großer Prophet ist unter uns erweckt worden, und Gott hat sein

Volk besucht. 7,17 Und diese Rede über ihn ging aus in ganz Judäa und in der ganzen Umgegend.

Die Frage des Täufers - Jesu Antwort

und Zeugnis über ihn.

Mt 11,2-19.

7,18 Und dem Johannes berichteten seine Jünger über dies alles. 7,19 Und Johannes rief zwei seiner

Jünger herbei und sandte sie zu Jesus und ließ [ihm] sagen: Bist du der Kommende, oder sollen wir

auf einen anderen warten? 7,20 Als aber die Männer zu ihm gekommen waren, sprachen sie: Johannes

der Täufer hat uns zu dir gesandt und läßt [dir] sagen: Bist du der Kommende, oder sollen wir auf

einen anderen warten? 7,21 In jener Stunde aber heilte er viele von Krankheiten und Plagen und bösen

Geistern, und vielen Blinden schenkte er das Augenlicht. 7,22 Jesus antwortete und sprach zu ihnen:

Geht hin und verkündet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: daß Blinde sehend werden,

Lahme gehen, Aussätzige gereinigt werden, Taube hören, Tote auferweckt werden, Armen gute

Botschaft verkündigt wird; 7,23 und glückselig ist, wer sich nicht an mir ärgern wird.

7,24 Als aber die Boten des Johannes weggegangen waren, fing er an, zu den Volksmengen über

Johannes zu reden: Was seid ihr in die Wüste hinausgegangen zu sehen? Ein Rohr, vom Wind hin und

her bewegt? 7,25 Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Einen Menschen, mit weichen

Kleidern angetan? Siehe, die in herrlicher Kleidung und in Üppigkeit leben, sind an den königlichen

Höfen. 7,26 Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Einen Propheten? Ja, sage ich euch, und

mehr als einen Propheten. 7,27 Dieser ist es, von dem geschrieben steht: `Siehe, ich sende meinen

Boten vor deinem Angesicht her, der deinen Weg vor dir bereiten wird. 7,28 Denn ich sage euch:

Unter den von Frauen Geborenen ist kein größerer Prophet als Johannes der Täufer; aber der Kleinste

in dem Reich Gottes ist größer als er. 7,29 Und das ganze Volk, das zuhörte, und die Zöllner gaben

Gott recht, indem sie sich mit der Taufe des Johannes taufen ließen; 7,30 die Pharisäer aber und die

Gesetzesgelehrten machten den Ratschluß Gottes für sich selbst wirkungslos, indem sie sich nicht von

ihm taufen ließen. 7,31 Wem soll ich nun die Menschen dieses Geschlechts vergleichen? Und wem

sind sie gleich? 7,32 Sie sind Kindern gleich, die auf dem Markt sitzen und einander zurufen und

sagen: Wir haben euch gepfiffen, und ihr habt nicht getanzt; wir haben euch Klagelieder gesungen,

und ihr habt nicht geweint. 7,33 Denn Johannes der Täufer ist gekommen, der weder Brot aß noch

Wein trank, und ihr sagt: Er hat einen Dämon. 7,34 Der Sohn des Menschen ist gekommen, der da ißt

und trinkt, und ihr sagt: Siehe, ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund von Zöllnern und Sündern;

7,35 - und die Weisheit ist gerechtfertigt worden von allen ihren Kindern.

Jesu Salbung durch eine Sünderin.

7,36 Es bat ihn aber einer der Pharisäer, daß er mit ihm essen möchte; und er ging in das Haus des

Pharisäers und legte sich zu Tisch. 7,37 Und siehe, [da war] eine Frau in der Stadt, die eine Sünderin

war; und als sie erfahren hatte, daß er in dem Haus des Pharisäers zu Tisch liege, brachte sie eine

Alabasterflasche mit Salböl, 7,38 trat von hinten an seine Füße heran, weinte und fing an, seine Füße

mit Tränen zu benetzen, und trocknete sie mit den Haaren ihres Hauptes. [Dann] küßte sie seine Füße

und salbte sie mit dem Salböl. 7,39 Als aber der Pharisäer, der ihn geladen hatte, das sah, sprach er bei

sich selbst und sagte: Wenn dieser ein Prophet wäre, so würde er erkennen, wer und was für eine Frau

[das ist], die ihn anrührt; denn sie ist eine Sünderin. 7,40 Und Jesus antwortete und sprach zu ihm:

Simon, ich habe dir etwas zu sagen. Er aber sagt: Lehrer, sprich! - 7,41 Ein Gläubiger hatte zwei

Schuldner; der eine schuldete fünfhundert Denare, der andere aber fünfzig; 7,42 da sie aber nicht

zahlen konnten, schenkte er es beiden. Wer nun von ihnen wird ihn am meisten lieben? 7,43 Simon

aber antwortete und sprach: Ich denke, dem er das meiste geschenkt hat. Er aber sprach zu ihm: Du

hast recht geurteilt. 7,44 Und sich zu der Frau wendend, sprach er zu Simon: Siehst du diese Frau? Ich

bin in dein Haus gekommen, du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben; sie aber hat meine

Füße mit Tränen benetzt und mit ihren Haaren getrocknet. 7,45 Du hast mir keinen Kuß gegeben; sie

aber hat, seitdem ich hereingekommen bin, nicht abgelassen, meine Füße zu küssen. 7,46 Du hast

mein Haupt nicht mit Öl gesalbt; sie aber hat mit Salböl meine Füße gesalbt. 7,47 Deswegen sage ich

dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel geliebt; wem aber wenig vergeben wird, der

liebt wenig. 7,48 Er aber sprach zu ihr: Deine Sünden sind vergeben. 7,49 Und die mit zu Tisch lagen,

fingen an, bei sich selbst zu sagen: Wer ist dieser, der auch Sünden vergibt? 7,50 Er sprach aber zu

der Frau: Dein Glaube hat dich gerettet. Geh hin in Frieden!

Die Jüngerinnen Jesu.

Kapitel 8

8,1 Und es geschah danach, daß er nacheinander Städte und Dörfer durchzog, indem er predigte und

das Evangelium vom Reich Gottes verkündigte; und die Zwölf mit ihm, 8,2 und einige Frauen, die

von bösen Geistern und Krankheiten geheilt worden waren: Maria, genannt Magdalena, von der

sieben Dämonen ausgefahren waren, 8,3 und Johanna, die Frau des Chuza, des Verwalters Herodes},

und Susanna und viele andere, die ihnen mit ihrer Habe dienten.

Gleichnis vom Sämann.

Mt 13,1-23; Mk 4,1-20.

8,4 Als sich aber eine große Volksmenge versammelte und sie aus jeder Stadt zu ihm hinkamen,

sprach er in einem Gleichnis: 8,5 Der Sämann ging aus, seinen Samen zu säen; und indem er säte, fiel

einiges an den Weg, und es wurde zertreten, und die Vögel des Himmels fraßen es auf. 8,6 Und

anderes fiel auf den Felsen; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. 8,7 Und

anderes fiel mitten unter die Dornen; und indem die Dornen mit aufwuchsen, erstickten sie es. 8,8

Und anderes fiel in die gute Erde und ging auf und brachte hundertfache Frucht. Als er dies sagte, rief

er aus: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

8,9 Seine Jünger aber fragten ihn, was dieses Gleichnis bedeute. 8,10 Er aber sprach: Euch ist es

gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu wissen, den übrigen aber in Gleichnissen, damit sie

sehend nicht sehen und hörend nicht verstehen. 8,11 Dies aber ist die Bedeutung des Gleichnisses:

Der Same ist das Wort Gottes. 8,12 Die aber an dem Weg sind die, welche hören; dann kommt der

Teufel und nimmt das Wort von ihren Herzen weg, daß sie nicht glauben und errettet werden. 8,13

Die aber auf dem Felsen sind die, welche, wenn sie hören, das Wort mit Freuden aufnehmen; und

diese haben keine Wurzel; für eine Zeit glauben sie, und in der Zeit der Versuchung fallen sie ab. 8,14

Das aber unter die Dornen fiel, sind die, welche gehört haben und hingehen und durch Sorgen und

Reichtum und Vergnügungen des Lebens erstickt werden und nichts zur Reife bringen. 8,15 Das in

der guten Erde aber sind die, welche in einem redlichen und guten Herzen das Wort, nachdem sie es

gehört haben, bewahren und Frucht bringen mit Ausharren.

Gleichnis von der Lampe.

Mk 4,21-25.

8,16 Niemand aber, der eine Lampe angezündet hat, bedeckt sie mit einem Gefäß oder stellt sie unter

ein Bett, sondern er stellt sie auf ein Lampengestell, damit die Hereinkommenden das Licht sehen.

8,17 Denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werden wird, noch geheim, was nicht

kundwerden und ans Licht kommen soll. 8,18 Seht nun zu, wie ihr hört; denn wer hat, dem wird

gegeben werden, und wer nicht hat, von dem wird selbst, was er zu haben meint, genommen werden.

Die wahren Verwandten Jesu.

Mt 12,46-50; Mk 3,31-35.

8,19 Es kamen aber seine Mutter und seine Brüder zu ihm; und sie konnten wegen der Volksmenge

nicht zu ihm gelangen. 8,20 Und es wurde ihm berichtet: Deine Mutter und deine Brüder stehen

draußen und wollen dich sehen. 8,21 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Meine Mutter und

meine Brüder sind die, welche das Wort Gottes hören und tun.

Stillung des Sturms.

Mt 8,23-27; Mk 4,35-41.

8,22 Und es geschah an einem der Tage, daß er in ein Schiff stieg, er und seine Jünger; und er sprach

zu ihnen: Laßt uns übersetzen an das jenseitige Ufer des Sees. Und sie fuhren ab. 8,23 Während sie

aber fuhren, schlief er ein. Und es fiel ein Sturmwind auf den See, und das Schiff füllte sich [mit

Wasser], und sie waren in Gefahr. 8,24 Sie traten aber hinzu und weckten ihn auf und sprachen:

Meister, Meister, wir kommen um! Er aber stand auf, bedrohte den Wind und das Gewoge des

Wassers; und sie legten sich, und es trat Stille ein. 8,25 Er aber sprach zu ihnen: Wo ist euer Glaube?

Erschrocken aber erstaunten sie und sagten zueinander: Wer ist denn dieser, daß er auch den Winden

und dem Wasser gebietet und sie ihm gehorchen?

Heilung eines besessenen Geraseners.

Mt 8,28-34; Mk 5,1-20.

8,26 Und sie fuhren nach der Landschaft der Gerasener, die Galiläa gegenüber liegt. 8,27 Als er aber

an das Land gestiegen war, kam ihm ein Mann aus der Stadt entgegen, der seit langer Zeit Dämonen

hatte und keine Kleider anzog und nicht im Haus blieb, sondern in den Grabstätten. 8,28 Als er aber

Jesus sah, schrie er auf und fiel vor ihm nieder und sprach mit lauter Stimme: Was habe ich mit dir zu

schaffen, Jesus, Sohn Gottes, des Höchsten? Ich bitte dich, quäle mich nicht. 8,29 Denn er hatte dem

unreinen Geist geboten, von dem Menschen auszufahren. Denn öfters hatte er ihn gepackt; und er war

gebunden worden, verwahrt mit Ketten und Fußfesseln, und er zerbrach die Fesseln und wurde von

dem Dämon in die Wüsteneien getrieben. 8,30 Jesus fragte ihn aber und sprach: Was ist dein Name?

Er aber sprach: Legion. Denn viele Dämonen waren in ihn gefahren. 8,31 Und sie baten ihn, daß er

ihnen nicht gebieten möchte, in den Abgrund zu fahren. 8,32 Es war aber dort eine Herde von vielen

Schweinen, die an dem Berg weideten. Und sie baten ihn, daß er ihnen erlauben möchte, in jene zu

fahren. Und er erlaubte es ihnen. 8,33 Die Dämonen aber fuhren von dem Menschen aus und fuhren in

die Schweine, und die Herde stürzte sich den Abhang hinab in den See und ertrank. 8,34 Als aber die

Hüter sahen, was geschehen war, flohen sie und verkündeten es in der Stadt und auf dem Land. 8,35

Die Leute aber gingen hinaus, um zu sehen, was geschehen war. Und sie kamen zu Jesus und fanden

den Menschen, von dem die Dämonen ausgefahren waren, bekleidet und vernünftig zu den Füßen

Jesu sitzen; und sie fürchteten sich. 8,36 Die es aber gesehen hatten, verkündeten ihnen, wie der

Besessene geheilt worden war. 8,37 Und die ganze Menge aus der Umgegend der Gerasener bat ihn,

von ihnen wegzugehen, denn sie waren von großer Furcht ergriffen. Er aber stieg in das Schiff und

kehrte wieder zurück. 8,38 Der Mann aber, von dem die Dämonen ausgefahren waren, bat ihn, daß er

bei ihm bleiben dürfe. Er aber entließ ihn und sprach: 8,39 Kehre in dein Haus zurück und erzähle,

wieviel Gott an dir getan hat. Und er ging hin und rief aus durch die ganze Stadt, wieviel Jesus an ihm

getan hatte.

Heilung der blutflüssigen Frau -

Auferweckung der Tochter des Jairus.

Mt 9,18-26; Mk 5,21-43.

8,40 Es geschah aber, als Jesus zurückkehrte, nahm ihn das Volk auf, denn alle erwarteten ihn. 8,41

Und siehe, es kam ein Mann mit Namen Jairus - und er war Vorsteher der Synagoge - und fiel Jesus

zu Füßen und bat ihn, in sein Haus zu kommen; 8,42 denn er hatte eine einzige Tochter von etwa

zwölf Jahren, und diese lag im Sterben. Während er aber hinging, drängte ihn die Volksmenge.

8,43 Und eine Frau, die seit zwölf Jahren mit einem Blutfluß behaftet war und, obgleich sie ihren

ganzen Lebensunterhalt an [die] Ärzte verwandt hatte, von niemand geheilt werden konnte, 8,44 kam

von hinten heran und rührte die Quaste seines Kleides an; und sogleich hörte ihr Blutfluß auf. 8,45

Und Jesus sprach: Wer ist es, der mich angerührt hat? Als aber alle es abstritten, sprach Petrus:

Meister, die Volksmengen drängen und drücken dich, und du sagst: Wer ist es, der mich angerührt

hat? 8,46 Jesus aber sprach: Es hat mich jemand angerührt; denn ich habe gespürt, daß Kraft von mir

ausgegangen ist. 8,47 Als die Frau aber sah, daß sie nicht verborgen blieb, kam sie zitternd und fiel

vor ihm nieder und berichtete vor dem ganzen Volk, um welcher Ursache willen sie ihn angerührt

habe und wie sie sogleich geheilt worden sei. 8,48 Er aber sprach zu ihr: Tochter, dein Glaube hat

dich geheilt. Geh hin in Frieden!

8,49 Während er noch redete, kommt einer von dem [Haus des] Synagogenvorstehers und sagt zu

ihm: Deine Tochter ist gestorben, bemühe den Lehrer nicht. 8,50 Als aber Jesus es hörte, antwortete er

ihm: Fürchte dich nicht, glaube nur! Und sie wird gerettet werden. 8,51 Als er aber in das Haus kam,

erlaubte er niemand hineinzugehen, außer Petrus und Johannes und Jakobus und dem Vater des

Kindes und der Mutter. 8,52 Alle aber weinten und beklagten sie. Er aber sprach: Weint nicht, denn

sie ist nicht gestorben, sondern sie schläft. 8,53 Und sie lachten ihn aus, da sie wußten, daß sie

gestorben war. 8,54 Als er aber alle hinausgetrieben hatte, ergriff er sie bei der Hand und rief und

sprach: Kind, steh auf! 8,55 Und ihr Geist kehrte zurück, und sogleich stand sie auf; und er befahl, ihr

zu essen zu geben. 8,56 Und ihre Eltern gerieten außer sich; er aber gebot ihnen, niemand zu sagen,

was geschehen war.

Aussendung der zwölf Apostel.

Mt 10,1.5-15; Mk 6,7-13; vgl. Kap. 10,1-12.

Kapitel 9

9,1 Als er aber die Zwölf zusammengerufen hatte, gab er ihnen Kraft und Vollmacht über alle

Dämonen und zur Heilung von Krankheiten. 9,2 Und er sandte sie, das Reich Gottes zu predigen und

die Kranken gesund zu machen. 9,3 Und er sprach zu ihnen: Nehmt nichts mit auf den Weg: weder

Stab, noch Tasche, noch Brot, noch Geld, noch soll jemand zwei Unterkleider haben. 9,4 Und in

welches Haus ihr eintretet, dort bleibt, und von da geht weiter. 9,5 Und wo immer sie euch nicht

aufnehmen werden - geht fort aus jener Stadt und schüttelt auch den Staub von euren Füßen, zum

Zeugnis gegen sie. 9,6 Sie gingen aber aus und durchzogen die Dörfer nacheinander, indem sie das

Evangelium verkündigten und überall heilten.

Jesus und Herodes.

Mt 14,1.2; Mk 6,14-16.

9,7 Es hörte aber Herodes, der Vierfürst, alles, was geschehen war, und er war in Verlegenheit, weil

von einigen gesagt wurde, daß Johannes aus den Toten auferweckt worden sei; 9,8 von einigen aber,

daß Elia erschienen, von anderen aber, daß einer der alten Propheten auferstanden sei. 9,9 Und

Herodes sprach: Johannes habe ich enthauptet. Wer aber ist dieser, von dem ich solches höre? Und er

suchte ihn zu sehen.

Speisung der Fünftausend.

Mt 14,13-21; Mk 6,30-44; Joh 6,1-14; vgl. Mt 15,32-39; Mk 8,1-9.

9,10 Und als die Apostel zurückkehrten, erzählten sie ihm alles, was sie getan hatten; und er nahm sie

mit und zog sich abseits zurück nach einer Stadt mit Namen Bethsaida. 9,11 Als aber die

Volksmengen es erfuhren, folgten sie ihm; und er nahm sie auf und redete zu ihnen vom Reich Gottes,

und die Heilung brauchten, machte er gesund. 9,12 Der Tag aber begann sich zu neigen, und die

Zwölf traten herbei und sprachen zu ihm: Entlaß die Volksmenge, daß sie in die Dörfer ringsum und

auf die Höfe gehen und Herberge und Speise finden; denn hier sind wir an einem öden Ort. 9,13 Er

aber sprach zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen. Sie aber sprachen: Wir haben nicht mehr als fünf Brote

und zwei Fische, es sei denn, daß wir hingingen und für dieses ganze Volk Speise kauften. 9,14 Denn

es waren etwa fünftausend Mann. Er sprach aber zu seinen Jüngern: Laßt sie sich reihenweise zu je

fünfzig lagern. 9,15 Und sie taten so und ließen alle sich lagern. 9,16 Er nahm aber die fünf Brote und

die zwei Fische, blickte auf zum Himmel und segnete sie; und er brach sie und gab sie den Jüngern,

damit sie der Volksmenge vorlegten. 9,17 Und sie aßen und wurden alle gesättigt; und es wurde

aufgehoben, was ihnen an Brocken übriggeblieben war, zwölf Handkörbe [voll].

Das Bekenntnis des Petrus - Erste

Leidensankündigung - Bedingungen

der Nachfolge.

Mt 16,13-21; Mk 8,27-31.

9,18 Und es geschah, als er für sich allein betete, waren die Jünger bei ihm; und er fragte sie und

sprach: Was sagen die Volksmengen, wer ich bin? 9,19 Sie aber antworteten und sprachen: Johannes

der Täufer; andere aber: Elia; andere aber, daß einer der alten Propheten auferstanden sei. 9,20 Er

sprach aber zu ihnen: Ihr aber, was sagt ihr, wer ich bin? Petrus aber antwortete und sprach: Der

Christus Gottes. 9,21 Er aber redete ihnen ernstlich zu und gebot ihnen, dies niemand zu sagen, 9,22

und sprach: Der Sohn des Menschen muß vieles leiden und verworfen werden von den Ältesten und

Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet und am dritten Tag auferweckt werden.

Mt 16,24-28; Mk 8,34-9,1.

9,23 Er sprach aber zu allen: Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne er sich selbst und nehme

sein Kreuz auf täglich und folge mir nach. 9,24 Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren;

wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es retten. 9,25 Denn was wird es einem

Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewönne, sich selbst aber verlöre oder einbüßte? 9,26

Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt, dessen wird der Sohn des Menschen sich schämen,

wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit und der des Vaters und der heiligen Engel. 9,27 Ich sage

euch aber in Wahrheit: Es sind einige unter denen, die hier stehen, die den Tod nicht schmecken

werden, bis sie das Reich Gottes gesehen haben.

Die Verklärung Jesu.

Mt 17,1-9; Mk 9,2-10; 2Petr 1,16-18.

9,28 Es geschah aber etwa acht Tage nach diesen Worten, daß er Petrus und Johannes und Jakobus

mitnahm und auf den Berg stieg, um zu beten. 9,29 Und als er betete, veränderte sich das Aussehen

seines Angesichts, und sein Gewand wurde weiß, strahlend. 9,30 Und siehe, zwei Männer redeten mit

ihm, es waren Mose und Elia. 9,31 Diese erschienen in Herrlichkeit und besprachen seinen Ausgang,

den er in Jerusalem erfüllen sollte. 9,32 Petrus aber und die mit ihm waren, waren beschwert vom

Schlaf; als sie aber völlig aufgewacht waren, sahen sie seine Herrlichkeit und die zwei Männer, die

bei ihm standen. 9,33 Und es geschah, als sie von ihm schieden, sprach Petrus zu Jesus: Meister, es ist

gut, daß wir hier sind; und laß uns drei Hütten machen, dir eine und Mose eine und Elia eine. Und er

wußte nicht, was er sagte. 9,34 Als er aber dies sagte, kam eine Wolke und überschattete sie. Sie

fürchteten sich aber, als sie in die Wolke hineinkamen; 9,35 und es geschah eine Stimme aus der

Wolke, die sagte: Dieser ist mein geliebter Sohn, ihn hört! 9,36 Und während die Stimme geschah,

war Jesus wieder allein. Und sie schwiegen und verkündeten in jenen Tagen niemand etwas von dem,

was sie gesehen hatten.

Heilung eines Fallsüchtigen.

Mt 17,14-21; Mk 9,14-29.

9,37 Es geschah aber am folgenden Tag, als sie von dem Berg herabgestiegen waren, da kam ihm eine

große Volksmenge entgegen. 9,38 Und siehe, ein Mann aus der Volksmenge rief laut und sprach:

Lehrer, ich bitte dich, blicke hin auf meinen Sohn, denn er ist mein einziger; 9,39 und siehe, ein Geist

ergreift ihn, und plötzlich schreit er, und er zerrt ihn unter Schäumen, und kaum einmal läßt er von

ihm ab, er reibt ihn auf. 9,40 Und ich bat deine Jünger, daß sie ihn austreiben möchten, und sie

konnten es nicht. 9,41 Jesus aber antwortete und sprach: O ungläubiges und verkehrtes Geschlecht,

bis wann soll ich bei euch sein und euch ertragen? Bring deinen Sohn her! 9,42 Aber noch während er

herbeikam, warf ihn der Dämon nieder und zerrte ihn zusammen. Jesus aber bedrohte den unreinen

Geist und heilte den Knaben und gab ihn seinem Vater zurück. 9,43 Sie erstaunten aber alle sehr über

die herrliche Größe Gottes.

Zweite Leidensankündigung.

Mt 17,22.23; Mk 9,30-32.

Als sich aber alle verwunderten über alles, was er tat, sprach er zu seinen Jüngern: 9,44 Nehmt ihr

diese Worte in eure Ohren, nämlich daß der Sohn des Menschen überliefert werden wird in die Hände

der Menschen. 9,45 Sie aber verstanden dieses Wort nicht, und es war vor ihnen verborgen, daß sie es

nicht begriffen; und sie fürchteten sich, ihn über dieses Wort zu fragen.

Maßstäbe für wahre Größe und den

Dienst im Reich Gottes.

Mt 18,1-5; Mk 9,33-37.38-41.

9,46 Es stieg aber unter ihnen eine Überlegung auf, wer wohl der Größte unter ihnen sei. 9,47 Als

Jesus aber die Überlegung ihres Herzens erkannte, nahm er ein Kind und stellte es neben sich 9,48

und sprach zu ihnen: Wer dieses Kind aufnehmen wird in meinem Namen, nimmt mich auf, und wer

mich aufnehmen wird, nimmt den auf, der mich gesandt hat; denn wer der Kleinste ist unter euch

allen, der ist groß.

9,49 Johannes aber antwortete und sprach: Meister, wir sahen jemand Dämonen austreiben in deinem

Namen und wir wehrten ihm, weil er [dir] nicht mit uns nachfolgt. 9,50 Und Jesus sprach zu ihm:

Wehrt nicht! Denn wer nicht gegen euch ist, ist für euch.

Aufbruch nach Jerusalem - Ablehnung

bei Samaritern.

9,51 Es geschah aber, als sich die Tage seiner Aufnahme erfüllten, da richtete er sein Angesicht fest

darauf, nach Jerusalem zu gehen. 9,52 Und er sandte Boten vor seinem Angesicht her; und sie gingen

hin und kamen in ein Dorf der Samariter, um für ihn [Unterkunft] zu bereiten. 9,53 Und sie nahmen

ihn nicht auf, weil sein Angesicht nach Jerusalem hin gerichtet war. 9,54 Als aber seine Jünger

Jakobus und Johannes das sahen, sprachen sie: Herr, willst du, daß wir sagen, daß Feuer vom Himmel

herabfallen und sie verzehren soll, wie auch Elia tat? 9,55 Er wandte sich aber um und schalt sie. 9,56

Und sie gingen nach einem anderen Dorf.

Rechte Nachfolge.

Mt 8,18-22.

9,57 Es geschah aber, als sie auf dem Weg dahinzogen, sprach einer zu ihm: Ich will dir nachfolgen,

wohin du auch gehst, Herr. 9,58 Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Höhlen und die Vögel

des Himmels Nester; aber der Sohn des Menschen hat nicht, wo er sein Haupt hinlege. 9,59 Er sprach

aber zu einem anderen: Folge mir nach! Der aber sprach: Herr, erlaube mir, zuvor hinzugehen und

meinen Vater zu begraben. 9,60 Jesus aber sprach zu ihm: Laß die Toten ihre Toten begraben, du aber

geh hin und verkündige das Reich Gottes. 9,61 Es sprach aber auch ein anderer: Ich will dir

nachfolgen, Herr; zuvor aber erlaube mir, Abschied zu nehmen von denen, die in meinem Hause sind.

9,62 Jesus aber sprach zu ihm: Niemand, der seine Hand an den Pflug gelegt hat und zurückblickt, ist

tauglich für das Reich Gottes.

Aussendung der siebzig Jünger.

vgl. Kap. 9,1-6; Mt 10,5-15; Mk 6,7-13.

Kapitel 10

10,1 Nach diesem aber bestellte der Herr auch siebzig andere und sandte sie zu je zwei vor seinem

Angesicht her in jede Stadt und jeden Ort, wohin er selbst kommen wollte. 10,2 Er sprach aber zu

ihnen: Die Ernte zwar ist groß, der Arbeiter aber sind wenige. Bittet nun den Herrn der Ernte, daß er

Arbeiter aussende in seine Ernte. 10,3 Geht hin! Siehe, ich sende euch wie Lämmer mitten unter

Wölfe. 10,4 Tragt weder Börse noch Tasche noch Sandalen, und grüßt niemand auf dem Weg. 10,5 In

welches Haus ihr aber eintretet, sprecht zuerst: Friede diesem Haus! 10,6 Und wenn dort ein Sohn des

Friedens ist, so wird euer Friede auf ihm ruhen; wenn aber nicht, so wird er zu euch zurückkehren.

10,7 In diesem Haus aber bleibt, und eßt und trinkt, was sie haben; denn der Arbeiter ist seines

Lohnes wert. Geht nicht aus einem Haus in ein anderes. 10,8 Und in welche Stadt ihr kommt, und sie

nehmen euch auf, [da] eßt, was euch vorgesetzt wird, 10,9 und heilt die Kranken darin und sprecht zu

ihnen: Das Reich Gottes ist nahe zu euch gekommen. 10,10 In welche Stadt ihr aber gekommen seid,

und sie nehmen euch nicht auf, [da] geht hinaus auf ihre Straßen und sprecht: 10,11 Auch den Staub,

der uns aus eurer Stadt an den Füßen hängt, schütteln wir gegen euch ab; doch dies wißt, daß das

Reich Gottes nahe gekommen ist. 10,12 Ich sage euch, daß es Sodom an jenem Tag erträglicher

ergehen wird als jener Stadt.

Weherufe über unbußfertige Städte.

Mt 11,20-24.

10,13 Wehe dir, Chorazin! Wehe dir, Bethsaida! Denn wenn in Tyrus und Sidon die Wunderwerke

geschehen wären, die unter euch geschehen sind, längst hätten sie, in Sack und Asche sitzend, Buße

getan. 10,14 Doch Tyrus und Sidon wird es erträglicher ergehen im Gericht als euch. 10,15 Und du,

Kapernaum, die du bis zum Himmel erhöht worden bist, bis zum Hades wirst du hinabgestoßen

werden. 10,16 Wer euch hört, hört mich; und wer euch verwirft, verwirft mich; wer aber mich

verwirft, verwirft den, der mich gesandt hat.

Rückkehr der Siebzig - Lobpreis des

Vaters.

Mt 11,25-27.

10,17 Die Siebzig aber kehrten mit Freuden zurück und sprachen: Herr, auch die Dämonen sind uns

untertan in deinem Namen. 10,18 Er sprach aber zu ihnen: Ich schaute den Satan wie einen Blitz vom

Himmel fallen. 10,19 Siehe, ich gebe euch die Macht, auf Schlangen und Skorpione zu treten, und

über die ganze Kraft des Feindes, und nichts soll euch irgendwie schaden. 10,20 Doch darüber freut

euch nicht, daß euch die Geister untertan sind; freut euch aber, daß eure Namen in den Himmeln

angeschrieben sind. 10,21 In dieser Stunde frohlockte Jesus im Geist und sprach: Ich preise dich,

Vater, Herr des Himmels und der Erde, daß du dies vor Weisen und Verständigen verborgen hast und

hast es Unmündigen geoffenbart. Ja, Vater, denn so war es wohlgefällig vor dir. 10,22 Alles ist mir

übergeben von meinem Vater; und niemand erkennt, wer der Sohn ist, als nur der Vater; und wer der

Vater ist, als nur der Sohn, und wem der Sohn [ihn] offenbaren will. 10,23 Und er wandte sich zu den

Jüngern allein und sprach: Glückselig die Augen, die sehen, was ihr seht! 10,24 Denn ich sage euch,

daß viele Propheten und Könige begehrt haben, zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen,

und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.

Der barmherzige Samariter.

vgl. Mt 22,34-40; Mk 12,28-34.

10,25 Und siehe, ein Gesetzesgelehrter stand auf und versuchte ihn und sprach: Lehrer, was muß ich

getan haben, um ewiges Leben zu erben? 10,26 Er aber sprach zu ihm: Was steht in dem Gesetz

geschrieben? Wie liest du? 10,27 Er aber antwortete und sprach: `Du sollst den Herrn, deinen Gott,

lieben aus deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit

deinem ganzen Verstand und deinen Nächsten wie dich selbst. 10,28 Er sprach aber zu ihm: Du hast

recht geantwortet; tu dies, und du wirst leben. 10,29 Indem er aber sich selbst rechtfertigen wollte,

sprach er zu Jesus: Und wer ist mein Nächster? 10,30 Jesus aber erwiderte und sprach: Ein Mensch

ging von Jerusalem nach Jericho hinab und fiel unter Räuber, die ihn auch auszogen und ihm Schläge

versetzten und weggingen und ihn halbtot liegen ließen. 10,31 Von ungefähr aber ging ein Priester

jenen Weg hinab; und als er ihn sah, ging er an der entgegengesetzten Seite vorüber. 10,32 Ebenso

aber kam auch ein Levit, der an den Ort gelangte und sah [ihn] und ging an der entgegengesetzten

Seite vorüber. 10,33 Aber ein Samariter, der auf der Reise war, kam zu ihm hin; und als er ihn sah,

wurde er innerlich bewegt; 10,34 und er trat hinzu und verband seine Wunden und goß Öl und Wein

darauf; und er setzte ihn auf sein eigenes Tier und führte ihn in eine Herberge und trug Sorge für ihn.

10,35 Und am folgenden Morgen zog er zwei Denare heraus und gab sie dem Wirt und sprach: Trage

Sorge für ihn; und was du noch dazu verwenden wirst, werde ich dir bezahlen, wenn ich

zurückkomme. 10,36 Was meinst du, wer von diesen dreien der Nächste dessen gewesen ist, der unter

die Räuber gefallen war? 10,37 Er aber sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm übte. Jesus aber sprach

zu ihm: Geh hin und handle ebenso!

Martha und Maria.

10,38 Es geschah aber, als sie ihres Weges zogen, daß er in ein Dorf kam; und eine Frau mit Namen

Martha nahm ihn in ihr Haus auf. 10,39 Und diese hatte eine Schwester, genannt Maria, die sich auch

zu den Füßen Jesu niedersetzte und seinem Wort zuhörte. 10,40 Martha aber war sehr beschäftigt mit

vielem Dienen; sie trat aber hinzu und sprach: Herr, kümmert es dich nicht, daß meine Schwester

mich allein gelassen hat zu dienen? Sage ihr doch, daß sie mir helfe! 10,41 Jesus aber antwortete und

sprach zu ihr: Martha, Martha! Du bist besorgt und beunruhigt um viele Dinge; 10,42 eins aber ist

nötig. Maria aber hat das gute Teil erwählt, das nicht von ihr genommen werden wird.

 

Vom Gebet.

V. 1-4: vgl. Mt 6,9-13; V. 5-13: vgl. Mt 7,7-11.

Kapitel 11

11,1 Und es geschah, als er an einem Ort war und betete, da sprach, als er aufhörte, einer seiner

Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte! 11,2 Er sprach aber zu

ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, geheiligt werde dein Name; dein Reich komme; 11,3 unser

nötiges Brot gib uns täglich; 11,4 und vergib uns unsere Sünden, denn auch wir selbst vergeben

jedem, der uns schuldig ist; und führe uns nicht in Versuchung. 11,5 Und er sprach zu ihnen: Wer von

euch wird einen Freund haben und wird um Mitternacht zu ihm gehen und zu ihm sagen: Freund,

leihe mir drei Brote, 11,6 da mein Freund von der Reise bei mir angekommen ist und ich nichts habe,

was ich ihm vorsetzen soll; 11,7 und jener würde von innen antworten und sagen: Mach mir keine

Mühe, die Tür ist schon geschlossen, und meine Kinder sind bei mir im Bett; ich kann nicht aufstehen

und dir geben? 11,8 Ich sage euch, wenn er auch nicht aufstehen und ihm geben wird, weil er sein

Freund ist, so wird er wenigstens um seiner Unverschämtheit willen aufstehen und ihm geben, so viel

er braucht. 11,9 Und ich sage euch: Bittet, und es wird euch gegeben werden; sucht, und ihr werdet

finden; klopft an, und es wird euch aufgetan werden. 11,10 Denn jeder Bittende empfängt, und der

Suchende findet, und dem Anklopfenden wird aufgetan werden. 11,11 Wo ist unter euch ein Vater,

den der Sohn um einen Fisch bitten wird - er wird ihm statt des Fisches doch nicht eine Schlange

geben? 11,12 Oder auch, wenn er um ein Ei bäte - er wird ihm doch nicht einen Skorpion geben?

11,13 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wißt, wieviel mehr wird

der Vater, der vom Himmel [gibt], den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!

Dämonenaustreibung.

Mt 12,22-37; Mk 3,22-30.

11,14 Und er trieb einen Dämon aus, der stumm war. Es geschah aber, als der Dämon ausgefahren

war, redete der Stumme; und die Volksmengen wunderten sich. 11,15 Einige aber von ihnen sagten:

Durch Beelzebul, den Obersten der Dämonen, treibt er die Dämonen aus. 11,16 Andere aber

versuchten ihn und forderten von ihm ein Zeichen aus dem Himmel. 11,17 Da er aber ihre Gedanken

wußte, sprach er zu ihnen: Jedes Reich, das mit sich selbst entzweit ist, wird verwüstet, und Haus

gegen Haus [entzweit], stürzt ein. 11,18 Wenn aber auch der Satan mit sich selbst entzweit ist, wie

wird sein Reich bestehen? Denn ihr sagt, daß ich durch Beelzebul die Dämonen austreibe. 11,19

Wenn aber ich durch Beelzebul die Dämonen austreibe, durch wen treiben eure Söhne sie aus? Darum

werden sie eure Richter sein. 11,20 Wenn ich aber durch den Finger Gottes die Dämonen austreibe, so

ist also das Reich Gottes zu euch gekommen. 11,21 Wenn der Starke bewaffnet seinen Hof bewacht,

so ist seine Habe in Frieden; 11,22 wenn aber ein Stärkerer als er über ihn kommt und ihn besiegt, so

nimmt er seine ganze Waffenrüstung weg, auf die er vertraute, und seine Beute verteilt er. 11,23 Wer

nicht mit mir ist, ist gegen mich; und wer nicht mit mir sammelt, zerstreut.

Von der Rückkehr unreiner Geister.

Mt 12,43-45.

11,24 Wenn der unreine Geist von dem Menschen ausgefahren ist, so durchwandert er dürre Orte und

sucht Ruhe; und da er sie nicht findet, spricht er: Ich will in mein Haus zurückkehren, von wo ich

ausgegangen bin. 11,25 Und wenn er kommt, findet er es gekehrt und geschmückt. 11,26 Dann geht

er hin und nimmt sieben andere Geister mit, schlimmer als er selbst, und sie gehen hinein und wohnen

dort; und das Ende jenes Menschen wird ärger als der Anfang.

Wahre Glückseligkeit.

11,27 Es geschah aber, als er dies sagte, da erhob eine Frau aus der Volksmenge ihre Stimme und

sprach zu ihm: Glückselig der Leib, der dich getragen, und die Brüste, die du gesogen hast! 11,28 Er

aber sprach: Gewiß, doch glückselig, die das Wort Gottes hören und befolgen!

Das Zeichen Jonas.

Mt 12,38-42.

11,29 Als aber die Volksmengen sich herzudrängten, fing er an, zu sagen: Dieses Geschlecht ist ein

böses Geschlecht; es fordert ein Zeichen, und kein Zeichen wird ihm gegeben werden als nur das

Zeichen Jonas. 11,30 Denn wie Jona den Niniviten ein Zeichen war, so wird es auch der Sohn des

Menschen diesem Geschlecht sein. 11,31 Eine Königin des Südens wird auftreten im Gericht mit den

Männern dieses Geschlechts und wird sie verdammen; denn sie kam von den Enden der Erde, um die

Weisheit Salomos zu hören; und siehe, hier ist mehr als Salomo. 11,32 Männer von Ninive werden

aufstehen im Gericht mit diesem Geschlecht und werden es verdammen; denn sie taten Buße auf die

Predigt Jonas hin; und siehe, hier ist mehr als Jona.

Gleichnis vom Auge.

vgl. Mt 5,15; 6,22.23.

11,33 Niemand aber, der eine Leuchte angezündet hat, stellt sie ins Versteck, noch unter den Scheffel,

sondern auf das Lampengestell, damit die Hereinkommenden den Schein sehen. 11,34 Die Leuchte

des Leibes ist dein Auge; wenn dein Auge lauter ist, so ist auch dein ganzer Leib licht; wenn es aber

böse ist, so ist auch dein Leib finster. 11,35 Sieh nun zu, daß das Licht, welches in dir ist, nicht

Finsternis ist. 11,36 Wenn nun dein ganzer Leib licht ist und keinen finsteren Teil hat, so wird er ganz

licht sein, wie wenn die Leuchte mit ihrem Strahl dich beleuchtete.

Weherufe gegen die Pharisäer und

Schriftgelehrten.

vgl. Mt 23,4-7.23-36.

11,37 Als er aber redete, bat ihn ein Pharisäer, daß er bei ihm zu Mittag essen möchte; er ging aber

hinein und legte sich zu Tisch. 11,38 Als aber der Pharisäer es sah, wunderte er sich, daß er sich nicht

erst vor dem Essen gewaschen hatte. 11,39 Der Herr aber sprach zu ihm: Nun, ihr Pharisäer, ihr

reinigt das Äußere des Bechers und der Schüssel, euer Inneres aber ist voller Raub und Bosheit. 11,40

Toren! Hat nicht der, welcher das Äußere gemacht hat, auch das Innere gemacht? 11,41 Gebt jedoch

als Almosen, was darin ist, und siehe, alles ist euch rein. 11,42 Aber wehe euch Pharisäern! Denn ihr

verzehntet die Minze und die Raute und alles Kraut und übergeht das Gericht und die Liebe Gottes;

diese Dinge hättet ihr tun und jene nicht lassen sollen. 11,43 Wehe euch Pharisäern! Denn ihr liebt

den ersten Sitz in den Synagogen und die Begrüßungen auf den Märkten. 11,44 Wehe euch! Denn ihr

seid wie die Grüfte, die verborgen sind, und die Menschen, die darüber hingehen, wissen es nicht.

11,45 Aber einer der Gesetzesgelehrten antwortete und spricht zu ihm: Lehrer, indem du dies sagst,

schmähst du auch uns. 11,46 Er aber sprach: Auch euch Gesetzesgelehrten wehe! Denn ihr belastet

die Menschen mit schwer zu tragenden Lasten, und selbst rührt ihr die Last nicht mit einem eurer

Finger an. 11,47 Wehe euch! Denn ihr baut die Grabmäler der Propheten, eure Väter aber haben sie

getötet. 11,48 So gebt ihr Zeugnis und stimmt den Werken eurer Väter bei; denn sie haben sie getötet,

ihr aber baut ihre Grabmäler. 11,49 Darum hat auch die Weisheit Gottes gesagt: Ich werde Propheten

und Apostel zu ihnen senden, und einige von ihnen werden sie töten und vertreiben, 11,50 damit das

Blut aller Propheten, das von Grundlegung der Welt an vergossen worden ist, von diesem Geschlecht

gefordert werde: 11,51 von dem Blut Abels an bis zu dem Blut des Zacharias, der zwischen dem Altar

und dem Haus umkam; ja, sage ich euch, es wird von diesem Geschlecht gefordert werden. 11,52

Wehe euch Gesetzesgelehrten! Denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen; ihr selbst

seid nicht hineingegangen, und die hineingehen wollten, habt ihr gehindert. 11,53 Als er aber dies zu

ihnen sagte, fingen die Schriftgelehrten und die Pharisäer an, hart auf ihn einzudringen und ihn über

vieles auszufragen; 11,54 und sie lauerten auf ihn, etwas aus seinem Mund zu erjagen.

Warnung vor Heuchelei - Ermutigung zu

furchtlosem Bekenntnis - Warnung vor

Lästerung des Geistes.

vgl. Mt 10,26-33.

Kapitel 12

12,1 Als sich unterdessen viele Tausende der Volksmenge versammelt hatten, so daß sie einander

traten, fing er an, zuerst zu seinen Jüngern zu sagen: Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, das

heißt vor der Heuchelei. 12,2 Es ist aber nichts verdeckt, was nicht aufgedeckt, und verborgen, was

nicht erkannt werden wird; 12,3 deswegen wird alles, was ihr in der Finsternis gesprochen haben

werdet, im Licht gehört werden, und was ihr ins Ohr gesprochen haben werdet in den Kammern, wird

auf den Dächern ausgerufen werden.

12,4 Ich sage aber euch, meinen Freunden: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und nach

diesem nichts weiter zu tun vermögen. 12,5 Ich will euch aber zeigen, wen ihr fürchten sollt: Fürchtet

den, der nach dem Töten Macht hat, in die Hölle zu werfen; ja, sage ich euch, diesen fürchtet. 12,6

Werden nicht fünf Sperlinge für zwei Pfennig verkauft? Und nicht einer von ihnen ist vor Gott

vergessen. 12,7 Aber selbst die Haare eures Hauptes sind alle gezählt. So fürchtet euch nun nicht; ihr

seid mehr als viele Sperlinge. 12,8 Ich sage euch aber: Jeder, der mich vor den Menschen bekennen

wird, den wird auch der Sohn des Menschen vor den Engeln Gottes bekennen; 12,9 wer mich aber vor

den Menschen verleugnet haben wird, der wird vor den Engeln Gottes verleugnet werden.

12,10 Und jeder, der ein Wort sagen wird gegen den Sohn des Menschen, dem wird vergeben werden;

dem aber, der gegen den Heiligen Geist lästert, wird nicht vergeben werden. 12,11 Wenn sie euch

aber vor die Synagogen und die Obrigkeiten und die Machthaber führen, so sorgt nicht, wie oder

womit ihr euch verantworten oder was ihr sagen sollt; 12,12 denn der Heilige Geist wird euch in jener

Stunde lehren, was ihr sagen sollt.

Gleichnis vom reichen Toren.

12,13 Einer aus der Volksmenge aber sprach zu ihm: Lehrer, sage meinem Bruder, daß er das Erbe

mit mir teile. 12,14 Er aber sprach zu ihm: Mensch, wer hat mich zu einem Richter oder [Erb]teiler

über euch gesetzt? 12,15 Er sprach aber zu ihnen: Seht zu und hütet euch vor aller Habsucht, denn

auch wenn jemand Überfluß hat, besteht sein Leben nicht durch seine Habe. 12,16 Er sagte aber ein

Gleichnis zu ihnen und sprach: Das Land eines reichen Menschen trug viel ein. 12,17 Und er

überlegte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Denn ich habe nicht, wohin ich meine Früchte

einsammeln soll. 12,18 Und er sprach: Dies will ich tun: ich will meine Scheunen niederreißen und

größere bauen und will dahin all mein Korn und meine Güter einsammeln; 12,19 und ich will zu

meiner Seele sagen: Seele, du hast viele Güter daliegen auf viele Jahre. Ruhe aus, iß, trink, sei

fröhlich! 12,20 Gott aber sprach zu ihm: Du Tor! In dieser Nacht wird man deine Seele von dir

fordern. Was du aber bereitet hast, für wen wird es sein? 12,21 So ist, der für sich Schätze sammelt

und nicht reich ist im Blick auf Gott.

Warnung vor Sorgen.

vgl. Mt 6,19-21.25-34.

12,22 Er sprach aber zu seinen Jüngern: Deshalb sage ich euch: Seid nicht besorgt für das Leben, was

ihr essen, noch für den Leib, was ihr anziehen sollt. 12,23 Das Leben ist mehr als die Nahrung und der

Leib mehr als die Kleidung. 12,24 Betrachtet die Raben, die nicht säen noch ernten, die weder

Vorratskammer noch Scheune haben, und Gott ernährt sie. Wieviel seid ihr mehr als die Vögel! 12,25

Wer aber unter euch kann mit Sorgen seiner Lebenslänge eine Elle zusetzen? 12,26 Wenn ihr nun

auch das geringste nicht könnt, warum seid ihr um das übrige besorgt? 12,27 Betrachtet die Lilien,

wie sie wachsen; sie mühen sich nicht und spinnen auch nicht. Ich sage euch aber, selbst Salomo in all

seiner Herrlichkeit war nicht bekleidet wie eine von ihnen. 12,28 Wenn aber Gott das Gras, das heute

auf dem Feld steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wieviel mehr euch,

Kleingläubige! 12,29 Und ihr, trachtet nicht [danach], was ihr essen oder was ihr trinken sollt, und

seid nicht in Unruhe; 12,30 denn nach diesem allen trachten die Nationen der Welt; euer Vater aber

weiß, daß ihr dies benötigt. 12,31 Trachtet jedoch nach seinem Reich, und dies wird euch hinzugefügt

werden. 12,32 Fürchte dich nicht, du kleine Herde, denn es hat eurem Vater wohlgefallen, euch das

Reich zu geben. 12,33 Verkauft eure Habe und gebt Almosen; macht euch Beutel, die nicht veralten,

einen unvergänglichen Schatz in den Himmeln, wo kein Dieb sich naht und keine Motte zerstört.

12,34 Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.

Ermahnung zur Wachsamkeit und Treue

- Gleichnis vom treuen und untreuen

Knecht.

vgl. Mt 24,42-51.

12,35 Es seien eure Lenden umgürtet und die Lampen brennend; 12,36 und ihr, seid Menschen gleich,

die auf ihren Herrn warten, wann er aufbrechen mag von der Hochzeit, damit, wenn er kommt und

anklopft, sie ihm sogleich aufmachen. 12,37 Glückselig jene Knechte, die der Herr, wenn er kommt,

wachend finden wird! Wahrlich, ich sage euch: Er wird sich umgürten und sie sich zu Tisch legen

lassen und wird hinzutreten und sie bedienen. 12,38 Und wenn er in der zweiten Wache kommt und in

der dritten Wache kommt und findet sie so - glückselig sind jene! 12,39 Dies aber erkennt: Wenn der

Hausherr gewußt hätte, zu welcher Stunde der Dieb kommen würde, so hätte er gewacht und nicht

erlaubt, daß sein Haus durchgraben würde. 12,40 Auch ihr, seid bereit! Denn der Sohn des Menschen

kommt in der Stunde, da ihr es nicht meint.

12,41 Petrus aber sprach zu ihm: Herr, sagst du dieses Gleichnis zu uns oder auch zu allen? 12,42 Der

Herr aber sprach: Wer ist nun der treue und kluge Verwalter, den der Herr über sein Gesinde setzen

wird, um [ihm] die zugemessene Speise zu geben zur rechten Zeit? 12,43 Glückselig jener Knecht,

den sein Herr, wenn er kommt, bei solchem Tun finden wird! 12,44 In Wahrheit sage ich euch, daß er

ihn über seine ganze Habe setzen wird. 12,45 Wenn aber jener Knecht in seinem Herzen sagt: Mein

Herr läßt sich Zeit mit dem Kommen, und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen und zu essen

und zu trinken und sich zu berauschen, 12,46 so wird der Herr jenes Knechtes kommen an einem Tag,

an dem er es nicht erwartet, und in einer Stunde, die er nicht weiß, und wird ihn entzweischneiden und

ihm sein Teil setzen mit den Ungläubigen. 12,47 Jener Knecht aber, der den Willen seines Herrn

wußte und sich nicht bereitet, noch nach seinem Willen getan hat, wird mit vielen [Schlägen]

geschlagen werden; 12,48 wer ihn aber nicht wußte, aber getan hat, was der Schläge wert ist, wird mit

wenigen geschlagen werden. Jedem aber, dem viel gegeben ist - viel wird von ihm verlangt werden;

und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man desto mehr fordern.

Entzweiung um Jesu willen.

vgl. Mt 10,34-36.

12,49 Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen, und wie wünschte ich, es wäre schon

angezündet! 12,50 Ich habe aber eine Taufe, womit ich getauft werden muß, und wie bin ich bedrängt,

bis sie vollbracht ist! 12,51 Denkt ihr, daß ich gekommen sei, Frieden auf der Erde zu geben? Nein,

sage ich euch, sondern vielmehr Entzweiung. 12,52 Denn es werden von nun an fünf in einem Haus

entzweit sein; drei werden mit zweien und zwei mit dreien entzweit sein: 12,53 Vater mit Sohn und

Sohn mit Vater, Mutter mit Tochter und Tochter mit der Mutter, Schwiegermutter mit ihrer

Schwiegertochter und Schwiegertochter mit der Schwiegermutter.

Zeichen der Zeit - Ermahnung zur

Versöhnung und Buße - Gleichnis vom

Feigenbaum.

Mt 16,1-3.

12,54 Er sprach aber auch zu den Volksmengen: Wenn ihr eine Wolke von Westen aufsteigen seht, so

sagt ihr sogleich: Ein Regenguß kommt. Und es geschieht so. 12,55 Und wenn [ihr] den Südwind

wehen [seht], so sagt ihr: Es wird Hitze geben. Und es geschieht. 12,56 Heuchler! Das Aussehen der

Erde und des Himmels wißt ihr zu beurteilen. Wie aber kommt es, daß ihr diese Zeit nicht beurteilt?

V. 57-59: Mt 5,25.26.

12,57 Warum richtet ihr aber auch von euch selbst aus nicht, was recht ist? 12,58 Denn wenn du mit

deinem Gegner vor die Obrigkeit gehst, so gib dir auf dem Weg Mühe, von ihm loszukommen, damit

er dich nicht etwa zu dem Richter hinschleppe; und der Richter wird dich dem Gerichtsdiener

überliefern und der Gerichtsdiener dich ins Gefängnis werfen. 12,59 Ich sage dir: Du wirst nicht von

dort herauskommen, bis du auch den letzten Heller bezahlt hast.

Kapitel 13

13,1 Zu dieser Zeit waren aber einige zugegen, die ihm von den Galiläern berichteten, deren Blut

Pilatus mit ihren Schlachtopfern vermischt hatte. 13,2 Und er antwortete und sprach zu ihnen: Meint

ihr, daß diese Galiläer vor allen Galiläern Sünder waren, weil sie dies erlitten haben? 13,3 Nein, sage

ich euch, sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle ebenso umkommen. 13,4 Oder jene

achtzehn, auf die der Turm in Siloah fiel und sie tötete: meint ihr, daß sie vor allen Menschen, die in

Jerusalem wohnen, Schuldner waren? 13,5 Nein, sage ich euch, sondern wenn ihr nicht Buße tut,

werdet ihr alle ebenso umkommen.

13,6 Er sagte aber dieses Gleichnis: Es hatte jemand einen Feigenbaum, der in seinem Weinberg

gepflanzt war; und er kam und suchte Frucht an ihm und fand keine. 13,7 Er sprach aber zu dem

Weingärtner: Siehe, drei Jahre komme ich und suche Frucht an diesem Feigenbaum und finde keine.

Hau ihn ab! Wozu macht er auch das Land unbrauchbar? 13,8 Er aber antwortet und sagt zu ihm:

Herr, laß ihn noch dieses Jahr, bis ich um ihn graben und Dünger legen werde; 13,9 und wenn er etwa

Frucht bringen wird, [gut], wenn aber nicht, so magst du ihn künftig abhauen.

Heilung einer Frau am Sabbat.

13,10 Er lehrte aber am Sabbat in einer der Synagogen. 13,11 Und siehe, da war eine Frau, die

achtzehn Jahre einen Geist der Schwäche hatte; und sie war zusammengekrümmt und gänzlich

unfähig, sich aufzurichten. 13,12 Als aber Jesus sie sah, rief er ihr zu und sprach zu ihr: Frau, du bist

gelöst von deiner Schwäche! 13,13 Und er legte ihr die Hände auf, und sofort wurde sie gerade und

verherrlichte Gott. 13,14 Der Synagogenvorsteher aber, unwillig, daß Jesus am Sabbat heilte, begann

und sprach zu der Volksmenge: Sechs Tage sind es, an denen man arbeiten soll; an diesen nun kommt

und laßt euch heilen und nicht am Tag des Sabbats. 13,15 Der Herr nun antwortete ihm und sprach:

Heuchler! Bindet nicht jeder von euch am Sabbat seinen Ochsen oder Esel von der Krippe los und

führt ihn hin und tränkt ihn? 13,16 Diese aber, die eine Tochter Abrahams ist, die der Satan gebunden

hat, siehe, achtzehn Jahre lang, sollte sie nicht von dieser Fessel gelöst werden am Tag des Sabbats?

13,17 Und als er dies sagte, wurden alle seine Widersacher beschämt; und die ganze Volksmenge

freute sich über all die herrlichen Dinge, die durch ihn geschahen.

Gleichnisse vom Senfkorn und

Sauerteig.

Mt 13,31-33; Mk 4,30-34.

13,18 Er sprach aber: Wem ist das Reich Gottes gleich, und wem soll ich es vergleichen? 13,19 Es

gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und in seinen Garten warf; und es wuchs und wurde zu

einem großen Baum, und die Vögel des Himmels nisteten in seinen Zweigen.

13,20 Und wieder sprach er: Wem soll ich das Reich Gottes vergleichen? 13,21 Es gleicht einem

Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Maß Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert war.

 

Die enge Pforte - Erste und Letzte.

13,22 Und lehrend durchzog er nacheinander Städte und Dörfer und reiste nach Jerusalem. 13,23 Es

sprach aber jemand zu ihm: Herr, sind es wenige, die errettet werden? Er aber sprach zu ihnen: 13,24

Ringt danach, durch die enge Pforte einzugehen; denn viele, sage ich euch, werden einzugehen suchen

und werden es nicht vermögen. 13,25 Sobald der Hausherr aufgestanden ist und die Tür verschlossen

hat und ihr anfangen werdet, draußen zu stehen und an der Tür zu klopfen und zu sagen: Herr, tu uns

auf! wird er antworten und zu euch sagen: Ich kenne euch nicht [und weiß nicht], woher ihr seid.

13,26 Dann werdet ihr anfangen, zu sagen: Wir haben vor dir gegessen und getrunken, und auf

unseren Straßen hast du gelehrt. 13,27 Und er wird sagen: Ich sage euch, ich kenne euch nicht [und

weiß nicht], woher ihr seid. Weicht von mir, alle ihr Übeltäter! 13,28 Da wird das Weinen und das

Zähneknirschen sein, wenn ihr Abraham und Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes

sehen werdet, euch aber draußen hinausgeworfen. 13,29 Und sie werden kommen von Osten und

Westen und von Norden und Süden und zu Tisch liegen im Reich Gottes. 13,30 Und siehe, es sind

Letzte, die Erste sein werden, und es sind Erste, die Letzte sein werden.

Klage über Jerusalem.

vgl. Mt 23,37-39.

13,31 In derselben Stunde kamen einige Pharisäer herbei und sagten zu ihm: Geh hinaus und zieh fort,

denn Herodes will dich töten. 13,32 Und er sprach zu ihnen: Geht hin und sagt diesem Fuchs: Siehe,

ich treibe Dämonen aus und vollbringe Heilungen heute und morgen, und am dritten [Tag] werde ich

vollendet. 13,33 Doch ich muß heute und morgen und am folgenden [Tag] wandern; denn es geht

nicht an, daß ein Prophet außerhalb Jerusalems umkomme. 13,34 Jerusalem, Jerusalem, das da tötet

die Propheten und steinigt, die zu ihm gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln

wollen wie eine Henne ihre Brut unter die Flügel, und ihr habt nicht gewollt! 13,35 Siehe, euer Haus

wird euch überlassen. Ich sage euch aber: Ihr werdet mich nicht sehen, bis es geschieht, daß ihr

sprecht: `Gepriesen [sei], der da kommt im Namen des Herrn!

Heilung eines Wassersüchtigen am

Sabbat.

Kapitel 14

14,1 Und es geschah, als er am Sabbat in das Haus eines der Obersten der Pharisäer kam, um zu

essen, daß sie auf ihn lauerten. 14,2 Und siehe, ein wassersüchtiger Mensch war vor ihm. 14,3 Und

Jesus begann und sprach zu den Gesetzesgelehrten und Pharisäern und sagte: Ist es erlaubt, am Sabbat

zu heilen? 14,4 Sie aber schwiegen. Und er faßte ihn an und heilte ihn und entließ ihn. 14,5 Und er

sprach zu ihnen: Wer unter euch, dessen Sohn oder Ochse in einen Brunnen fällt, zieht ihn nicht

sogleich heraus am Tag des Sabbats? 14,6 Und sie konnten ihm darauf nicht antworten.

Warnung vor Ehrsucht.

14,7 Er sprach aber zu den Eingeladenen ein Gleichnis, als er bemerkte, wie sie die ersten Plätze

wählten, und sagte zu ihnen: 14,8 Wenn du von jemandem zur Hochzeit geladen wirst, so lege dich

nicht auf den ersten Platz, damit nicht etwa ein Geehrterer als du von ihm geladen sei 14,9 und der,

welcher dich und ihn geladen hat, komme und zu dir spreche: Mach diesem Platz! Und dann wirst du

anfangen, mit Schande den letzten Platz einzunehmen. 14,10 Sondern wenn du geladen bist, so geh

hin und lege dich auf den letzten Platz, damit, wenn der, welcher dich geladen hat, kommt, er zu dir

spreche: Freund, rücke höher hinauf. Dann wirst du Ehre haben vor allen, die mit dir zu Tisch liegen;

14,11 Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, wird

erhöht werden.

14,12 Er sprach aber auch zu dem, der ihn geladen hatte: Wenn du ein Mittags- oder ein Abendmahl

machst, so lade nicht deine Freunde, noch deine Brüder, noch deine Verwandten, noch reiche

Nachbarn, damit nicht etwa auch sie dich wiederladen und dir Vergeltung zuteil werde. 14,13 Sondern

wenn du ein Mahl machst, so lade Arme, Krüppel, Lahme, Blinde, 14,14 und glückselig wirst du sein,

weil sie nichts haben, um dir zu vergelten; denn es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung

der Gerechten.

Gleichnis vom großen Abendmahl.

vgl. Mt 22,2-10.

14,15 Als aber einer von denen, die mit zu Tisch lagen, dies hörte, sprach er zu ihm: Glückselig, wer

essen wird im Reich Gottes! 14,16 Er aber sprach zu ihm: Ein Mensch machte ein großes Abendmahl

und lud viele. 14,17 Und er sandte seinen Knecht zur Stunde des Abendmahls, um den Geladenen zu

sagen: Kommt, denn schon ist alles bereit. 14,18 Und sie fingen alle ohne Ausnahme an, sich zu

entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muß notwendig ausgehen

und ihn besehen; ich bitte dich, halte mich für entschuldigt. 14,19 Und ein anderer sprach: Ich habe

fünf Joch Ochsen gekauft, und ich gehe hin, sie zu erproben; ich bitte dich, halte mich für

entschuldigt. 14,20 Und ein anderer sprach: Ich habe eine Frau geheiratet, und darum kann ich nicht

kommen. 14,21 Und der Knecht kam herbei und berichtete dies seinem Herrn. Da wurde der Hausherr

zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh eilends hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und

bringe die Armen und Krüppel und Lahmen und Blinden hier herein. 14,22 Und der Knecht sprach:

Herr, es ist geschehen, wie du befohlen hast, und es ist noch Raum. 14,23 Und der Herr sprach zu dem

Knecht: Geh hinaus auf die Wege und Zäune und nötige [sie] hereinzukommen, daß mein Haus voll

werde; 14,24 denn ich sage euch, daß nicht einer jener Männer, die geladen waren, mein Abendmahl

schmecken wird.

Bedingungen der Nachfolge.

14,25 Es ging aber eine große Volksmenge mit ihm; und er wandte sich um und sprach zu ihnen:

14,26 Wenn jemand zu mir kommt und haßt nicht seinen Vater und seine Mutter und seine Frau und

seine Kinder und seine Brüder und Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht

mein Jünger sein; 14,27 und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachkommt, kann nicht mein Jünger

sein. 14,28 Denn wer unter euch, der einen Turm bauen will, setzt sich nicht zuvor hin und berechnet

die Kosten, ob er [das Nötige] zur Ausführung habe? 14,29 Damit nicht etwa, wenn er den Grund

gelegt hat und nicht vollenden kann, alle, die es sehen, anfangen, ihn zu verspotten, 14,30 und sagen:

Dieser Mensch hat angefangen zu bauen und konnte nicht vollenden. 14,31 Oder welcher König, der

auszieht, um sich mit einem anderen König in Krieg einzulassen, setzt sich nicht zuvor hin und

ratschlagt, ob er imstande sei, dem mit zehntausend entgegenzutreten, der gegen ihn mit

zwanzigtausend anrückt? 14,32 Wenn aber nicht, so sendet er, während er noch fern ist, eine

Gesandtschaft und bittet um die Friedensbedingungen. 14,33 So kann nun keiner von euch, der nicht

allem entsagt, was er hat, mein Jünger sein. 14,34 Das Salz ist gut; wenn aber auch das Salz kraftlos

geworden ist, womit soll es gewürzt werden? 14,35 Es ist weder für das Land noch für den Dünger

tauglich; man wirft es hinaus. Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Gleichnisse vom verlorenen Schaf und

von der verlorenen Drachme.

V. 1-7: vgl. Mt 18,11-13.

Kapitel 15

15,1 Es nahten aber zu ihm alle Zöllner und Sünder, ihn zu hören; 15,2 und die Pharisäer und die

Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt Sünder auf und ißt mit ihnen. 15,3 Er sprach

aber zu ihnen dieses Gleichnis und sagte: 15,4 Welcher Mensch unter euch, der hundert Schafe hat

und eins von ihnen verloren hat, läßt nicht die neunundneunzig in der Wüste und geht dem verlorenen

nach, bis er es findet? 15,5 Und wenn er es gefunden hat, so legt er es mit Freuden auf seine

Schultern; 15,6 und wenn er nach Hause kommt, ruft er die Freunde und die Nachbarn zusammen und

spricht zu ihnen: Freut euch mit mir, denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. 15,7 Ich

sage euch: So wird Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, [mehr] als über

neunundneunzig Gerechte, die die Buße nicht nötig haben.

15,8 Oder welche Frau, die zehn Drachmen hat, zündet nicht, wenn sie eine Drachme verliert, eine

Lampe an und kehrt das Haus und sucht sorgfältig, bis sie sie findet? 15,9 Und wenn sie sie gefunden

hat, ruft sie die Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und spricht: Freut euch mit mir, denn ich

habe die Drachme gefunden, die ich verloren hatte. 15,10 So, sage ich euch, ist Freude vor den Engeln

Gottes über einen Sünder, der Buße tut.

Gleichnis vom verlorenen Sohn.

15,11 Er sprach aber: Ein Mensch hatte zwei Söhne; 15,12 und der jüngere von ihnen sprach zu dem

Vater: Vater, gib mir den Teil des Vermögens, der mir zufällt. Und er teilte ihnen die Habe. 15,13

Und nach nicht vielen Tagen brachte der jüngere Sohn alles zusammen und reiste weg in ein fernes

Land, und dort vergeudete er sein Vermögen, indem er verschwenderisch lebte. 15,14 Als er aber alles

verzehrt hatte, kam eine gewaltige Hungersnot über jenes Land, und er selbst fing an, Mangel zu

leiden. 15,15 Und er ging hin und hängte sich an einen der Bürger jenes Landes, der schickte ihn auf

seine Äcker, Schweine zu hüten. 15,16 Und er begehrte seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die

die Schweine fraßen; und niemand gab ihm. 15,17 Als er aber in sich ging, sprach er: Wie viele

Tagelöhner meines Vaters haben Überfluß an Brot, ich aber komme hier um vor Hunger. 15,18 Ich

will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und will zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt

gegen den Himmel und vor dir, 15,19 ich bin nicht mehr würdig, dein Sohn zu heißen, mach mich wie

einen deiner Tagelöhner. 15,20 Und er machte sich auf und ging zu seinem Vater. Als er aber noch

fern war, sah ihn sein Vater und wurde innerlich bewegt und lief hin und fiel ihm um seinen Hals und

küßte ihn zärtlich. 15,21 Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel

und vor dir, ich bin nicht mehr würdig, dein Sohn zu heißen. 15,22 Der Vater aber sprach zu seinen

Sklaven: Bringt das beste Kleid her und zieht es ihm an und tut einen Ring an seine Hand und

Sandalen an seine Füße; 15,23 und bringt das gemästete Kalb her und schlachtet es, und laßt uns essen

und fröhlich sein! 15,24 Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden, war

verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein.

15,25 Sein älterer Sohn aber war auf dem Feld; und als er kam und sich dem Haus näherte, hörte er

Musik und Reigen. 15,26 Und er rief einen der Sklaven herbei und erkundigte sich, was das wäre.

15,27 Der aber sprach zu ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das gemästete Kalb

geschlachtet, weil er ihn gesund wiedererhalten hat. 15,28 Er aber wurde zornig und wollte nicht

hineingehen. Sein Vater aber ging hinaus und redete ihm zu. 15,29 Er aber antwortete und sprach zu

dem Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir, und niemals habe ich ein Gebot von dir übertreten; und

mir hast du niemals ein Böckchen gegeben, daß ich mit meinen Freunden fröhlich wäre; 15,30 da aber

dieser dein Sohn gekommen ist, der deine Habe mit Huren durchgebracht hat, hast du ihm das

gemästete Kalb geschlachtet. 15,31 Er aber sprach zu ihm: Kind, du bist allezeit bei mir, und alles,

was mein ist, ist dein. 15,32 Es geziemte sich aber, fröhlich zu sein und sich zu freuen; denn dieser

dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden und verloren und ist gefunden worden.

Gleichnis vom ungerechten Verwalter.

Kapitel 16

16,1 Er sprach aber auch zu den Jüngern: Es war ein reicher Mann, der einen Verwalter hatte; und

dieser wurde bei ihm angeklagt, als verschwende er seine Habe. 16,2 Und er rief ihn und sprach zu

ihm: Was ist es, das ich von dir höre? Lege die Rechnung von deiner Verwaltung ab, denn du wirst

nicht mehr Verwalter sein können. 16,3 Der Verwalter aber sprach bei sich selbst: Was soll ich tun?

Denn mein Herr nimmt mir die Verwaltung ab. Graben kann ich nicht, zu betteln schäme ich mich.

16,4 Ich weiß, was ich tun werde, damit sie mich, wenn ich der Verwaltung enthoben bin, in ihre

Häuser aufnehmen. 16,5 Und er rief jeden einzelnen der Schuldner seines Herrn herbei und sprach zu

dem ersten: Wieviel bist du meinem Herrn schuldig? 16,6 Der aber sprach: Hundert Bat Öl. Und er

sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldbrief und setze dich schnell hin und schreibe fünfzig. 16,7

Danach sprach er zu einem anderen: Du aber, wieviel bist du schuldig? Der aber sprach: Hundert Kor

Weizen. Und er spricht zu ihm: Nimm deinen Schuldbrief und schreibe achtzig. 16,8 Und der Herr

lobte den ungerechten Verwalter, weil er klug gehandelt hatte; denn die Söhne dieser Welt sind klüger

als die Söhne des Lichts gegen ihr eigenes Geschlecht. 16,9 Und ich sage euch: Macht euch Freunde

mit dem ungerechten Mammon, damit, wenn er zu Ende geht, man euch aufnehme in die ewigen

Zelte. 16,10 Wer im Geringsten treu ist, ist auch in vielem treu, und wer im Geringsten ungerecht ist,

ist auch in vielem ungerecht. 16,11 Wenn ihr nun mit dem ungerechten Mammon nicht treu gewesen

seid, wer wird euch das Wahrhaftige anvertrauen? 16,12 Und wenn ihr mit dem Fremden nicht treu

gewesen seid, wer wird euch das Eure geben? 16,13 Kein Haussklave kann zwei Herren dienen; denn

entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird dem einen anhängen und den

anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

Gesetz und Evangelium.

16,14 Dies alles hörten aber auch die Pharisäer, die geldliebend waren, und sie verhöhnten ihn. 16,15

Und er sprach zu ihnen: Ihr seid es, die sich selbst rechtfertigen vor den Menschen, Gott aber kennt

eure Herzen; denn was unter den Menschen hoch ist, ist ein Greuel vor Gott. 16,16 Das Gesetz und

die Propheten [gehen] bis auf Johannes; von da an wird das Evangelium des Reiches Gottes

verkündigt, und jeder dringt mit Gewalt hinein. 16,17 Es ist aber leichter, daß der Himmel und die

Erde vergehen, als daß ein Strichlein des Gesetzes wegfalle. 16,18 Jeder, der seine Frau entläßt und

eine andere heiratet, begeht Ehebruch; und jeder, der die von einem Mann Entlassene heiratet, begeht

Ehebruch.

Der reiche Mann und der arme Lazarus.

16,19 Es war aber ein reicher Mann, und er kleidete sich in Purpur und feine Leinwand und lebte alle

Tage fröhlich und in Prunk. 16,20 Ein Armer aber, mit Namen Lazarus, lag an dessen Tor, voller

Geschwüre, 16,21 und er begehrte, sich mit den Abfällen vom Tisch des Reichen zu sättigen; aber

auch die Hunde kamen und leckten seine Geschwüre. 16,22 Es geschah aber, daß der Arme starb und

von den Engeln in Abrahams Schoß getragen wurde. Es starb aber auch der Reiche und wurde

begraben. 16,23 Und als er im Hades seine Augen aufschlug und in Qualen war, sieht er Abraham von

fern und Lazarus in seinem Schoß. 16,24 Und er rief und sprach: Vater Abraham, erbarme dich

meiner und sende Lazarus, daß er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und meine Zunge

kühle; denn ich leide Pein in dieser Flamme. 16,25 Abraham aber sprach: Kind, gedenke, daß du dein

Gutes völlig empfangen hast in deinem Leben und Lazarus ebenso das Böse; jetzt aber wird er hier

getröstet, du aber leidest Pein. 16,26 Und zu diesem allen ist zwischen uns und euch eine große Kluft

festgelegt, damit die, welche von hier zu euch hinübergehen wollen, es nicht können, noch die, welche

von dort zu uns herüberkommen wollen. 16,27 Er sprach aber: Ich bitte dich nun, Vater, daß du ihn in

das Haus meines Vaters sendest, 16,28 denn ich habe fünf Brüder, daß er ihnen ernstlich Zeugnis

gebe, damit sie nicht auch an diesen Ort der Qual kommen. 16,29 Abraham aber spricht zu ihm: Sie

haben Mose und die Propheten; mögen sie die hören. 16,30 Er aber sprach: Nein, Vater Abraham,

sondern wenn jemand von den Toten zu ihnen geht, so werden sie Buße tun. 16,31 Er sprach aber zu

ihm: Wenn sie Mose und die Propheten nicht hören, so werden sie auch nicht überzeugt werden, wenn

jemand aus den Toten aufersteht.

Warnung vor Verführung zur Sünde -

Ermahnungen vom Vergeben, Glauben

und Dienen.

Kapitel 17

17,1 Er sprach aber zu seinen Jüngern: Es ist unmöglich, daß nicht Verführungen kommen. Wehe aber

dem, durch den sie kommen! 17,2 Es wäre ihm nützlicher, wenn ein Mühlstein um seinen Hals gelegt

und er ins Meer geworfen würde, als daß er einem dieser Kleinen Anlaß zur Sünde gäbe!

17,3 Habt acht auf euch selbst: Wenn dein Bruder sündigt, so weise ihn zurecht, und wenn er es

bereut, so vergib ihm. 17,4 Und wenn er siebenmal am Tag an dir sündigt und siebenmal zu dir

umkehrt und spricht: Ich bereue es, so sollst du ihm vergeben.

17,5 Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Mehre uns den Glauben! 17,6 Der Herr aber sprach:

Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so würdet ihr zu diesem Maulbeerfeigenbaum sagen:

Entwurzele dich und pflanze dich ins Meer! Und er würde euch gehorchen.

17,7 Wer aber von euch, der einen Sklaven hat, der pflügt oder hütet, wird zu ihm, wenn er vom Feld

hereinkommt, sagen: Komm und leg dich sogleich zu Tisch? 17,8 Wird er nicht vielmehr zu ihm

sagen: Richte zu, was ich zu Abend essen soll, und gürte dich und diene mir, bis ich gegessen und

getrunken habe; und danach sollst du essen und trinken? 17,9 Dankt er etwa dem Sklaven, daß er das

Befohlene getan hat? Ich meine nicht. 17,10 So sprecht auch ihr, wenn ihr alles getan habt, was euch

befohlen ist: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.

Heilung von zehn Aussätzigen.

17,11 Und es geschah, als er nach Jerusalem reiste, daß er mitten durch Samaria und Galiläa ging.

17,12 Und als er in ein Dorf einzog, begegneten ihm zehn aussätzige Männer, die von fern standen.

17,13 Und sie erhoben ihre Stimme und sprachen: Jesus, Meister, erbarme dich unser! 17,14 Und als

er [sie] sah, sprach er zu ihnen: Geht hin und zeigt euch den Priestern! Und es geschah, während sie

hingingen, wurden sie gereinigt. 17,15 Einer aber von ihnen kehrte zurück, als er sah, daß er geheilt

war, und verherrlichte Gott mit lauter Stimme; 17,16 und er fiel aufs Angesicht zu seinen Füßen und

dankte ihm; und das war ein Samariter. 17,17 Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht die Zehn

gereinigt worden? Wo sind die Neun? 17,18 Haben sich sonst keine gefunden, die zurückkehrten, um

Gott Ehre zu geben, außer diesem Fremdling? 17,19 Und er sprach zu ihm: Steh auf und geh hin!

Dein Glaube hat dich gerettet.

Das Reich Gottes und der Tag des

Menschensohnes.

V. 22-36: vgl. Mt 24,17.18.23-28.37-41.

17,20 Und als er von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes? antwortete er

ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht so, daß man es beobachten könnte; 17,21 noch wird

man sagen: Siehe hier! Oder: Siehe dort! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch. 17,22 Er

sprach aber zu den Jüngern: Es werden Tage kommen, da ihr begehren werdet, einen der Tage des

Sohnes des Menschen zu sehen, und ihr werdet [ihn] nicht sehen. 17,23 Und man wird zu euch sagen:

Siehe hier! oder: Siehe dort! Geht nicht hin, folgt auch nicht. 17,24 Denn wie der Blitz blitzend

leuchtet von einem [Ende] unter dem Himmel bis zum anderen [Ende] unter dem Himmel, so wird der

Sohn des Menschen sein an seinem Tag. 17,25 Vorher aber muß er vieles leiden und verworfen

werden von diesem Geschlecht. 17,26 Und wie es in den Tagen Noahs geschah, so wird es auch sein

in den Tagen des Sohnes des Menschen: 17,27 sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie wurden

verheiratet bis zu dem Tag, da Noah in die Arche ging und die Flut kam und alle umbrachte. 17,28

Ebenso auch, wie es geschah in den Tagen Lots: sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie

pflanzten, sie bauten; 17,29 an dem Tag aber, da Lot von Sodom ausging, regnete es Feuer und

Schwefel vom Himmel und brachte alle um. 17,30 Ebenso wird es an dem Tag sein, da der Sohn des

Menschen geoffenbart wird. 17,31 An jenem Tag - wer auf dem Dach sein wird und sein Gerät im

Haus hat, der steige nicht hinab, um es zu holen; und wer auf dem Feld ist, wende sich ebensowenig

zurück. 17,32 Gedenkt an Lots Frau! 17,33 Wer sein Leben zu retten sucht, wird es verlieren; und wer

es verliert, wird es erhalten. 17,34 Ich sage euch: In jener Nacht werden zwei auf einem Bett sein;

einer wird genommen und der andere gelassen werden. 17,35 Zwei werden zusammen mahlen, die

eine wird genommen, die andere gelassen werden. 17,36 Und sie antworten und sagen zu ihm: Wo,

Herr? Er aber sprach zu ihnen: Wo der Leichnam ist, da sammeln sich auch die Adler.

Gleichnis vom ungerechten Richter.

Kapitel 18

18,1 Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis dafür, daß sie allezeit beten und nicht ermatten sollten,

18,2 und sprach: Es war ein Richter in einer Stadt, der Gott nicht fürchtete und vor keinem Menschen

sich scheute. 18,3 Es war aber eine Witwe in jener Stadt; und sie kam zu ihm und sprach: Schaffe mir

Recht gegenüber meinem Widersacher. 18,4 Und eine Zeitlang wollte er nicht; danach aber sprach er

bei sich selbst: Wenn ich auch Gott nicht fürchte und vor keinem Menschen mich scheue, 18,5 so will

ich doch, weil diese Witwe mir Mühe macht, ihr Recht verschaffen, daß sie nicht am Ende komme

und mir ins Gesicht fahre. 18,6 Der Herr aber sprach: Hört, was der ungerechte Richter sagt. 18,7 Gott

aber, sollte er das Recht seiner Auserwählten nicht ausführen, die Tag und Nacht zu ihm schreien, und

sollte er es bei ihnen lange hinziehen? 18,8 Ich sage euch, daß er ihr Recht ohne Verzug ausführen

wird. Doch wird wohl der Sohn des Menschen, wenn er kommt, den Glauben finden auf der Erde?

Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner.

18,9 Er sprach aber auch zu einigen, die auf sich selbst vertrauten, daß sie gerecht seien, und die

übrigen für nichts achteten, dieses Gleichnis: 18,10 Zwei Menschen gingen hinauf in den Tempel, um

zu beten, der eine ein Pharisäer und der andere ein Zöllner. 18,11 Der Pharisäer stand und betete bei

sich selbst so: O Gott, ich danke dir, daß ich nicht bin wie die übrigen der Menschen: Räuber,

Ungerechte, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. 18,12 Ich faste zweimal in der Woche, ich

verzehnte alles, was ich erwerbe. 18,13 Und der Zöllner stand von fern und wollte sogar die Augen

nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: O Gott, sei mir, dem Sünder,

gnädig! 18,14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus im Gegensatz zu jenem;

denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; wer aber sich selbst erniedrigt, wird erhöht

werden.

Jesus und die Kinder.

Mt 19,13-15; Mk 10,13-16.

18,15 Sie brachten aber auch die [kleinen] Kinder zu ihm, daß er sie anrühre. Als aber die Jünger es

sahen, fuhren sie sie an. 18,16 Jesus aber rief sie herbei und sprach: Laßt die Kinder zu mir kommen

und wehrt ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes. 18,17 Wahrlich, ich sage euch: Wer das

Reich Gottes nicht aufnehmen wird wie ein Kind, wird nicht hineinkommen.

Frage eines Reichen nach dem ewigen

Leben.

Mt 19,16-30; Mk 10,17-31.

18,18 Und es fragte ihn ein Oberster und sprach: Guter Lehrer, was muß ich getan haben, um ewiges

Leben zu erben? 18,19 Jesus aber sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut, als nur

einer, Gott. 18,20 Die Gebote weißt du: `Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst

nicht stehlen; du sollst nicht falsches Zeugnis geben; ehre deinen Vater und deine Mutter. 18,21 Er

aber sprach: Dies alles habe ich befolgt von meiner Jugend an. 18,22 Als aber Jesus dies hörte, sprach

er zu ihm: Eins fehlt dir noch: verkaufe alles, was du hast, und verteile es an die Armen, und du wirst

einen Schatz in den Himmeln haben, und komm, folge mir nach! 18,23 Als er aber dies hörte, wurde

er sehr betrübt, denn er war sehr reich. 18,24 Als aber Jesus sah, daß er sehr betrübt wurde, sprach er:

Wie schwer werden die, welche Güter haben, in das Reich Gottes kommen! 18,25 Denn es ist leichter,

daß ein Kamel durch ein Nadelöhr eingeht, als daß ein Reicher in das Reich Gottes kommt. 18,26 Es

sprachen aber, die es hörten: Und wer kann [dann] errettet werden? 18,27 Er aber sprach: Was bei

Menschen unmöglich ist, ist möglich bei Gott. 18,28 Petrus aber sprach: Siehe, wir haben alles

verlassen und sind dir nachgefolgt. 18,29 Er aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Es ist

niemand, der Haus oder Eltern oder Brüder oder Frau oder Kinder verlassen hat um des Reiches

Gottes willen, 18,30 der nicht Vielfältiges empfangen wird in dieser Zeit und in dem kommenden

Zeitalter ewiges Leben.

Dritte Leidensankündigung.

Mt 20,17-19; Mk 10,32-34.

18,31 Er nahm aber die Zwölf zu sich und sprach zu ihnen: Siehe, wir gehen hinauf nach Jerusalem,

und es wird alles vollendet werden, was durch die Propheten auf den Sohn des Menschen hin

geschrieben ist; 18,32 denn er wird den Nationen überliefert werden und wird verspottet und

geschmäht und angespien werden; 18,33 und wenn sie ihn gegeißelt haben, werden sie ihn töten, und

am dritten Tag wird er auferstehen. 18,34 Und sie verstanden nichts von diesen Dingen, und dieses

Wort war vor ihnen verborgen, und sie begriffen das Gesagte nicht.

Heilung eines Blinden.

Mt 20,29-34; Mk 10,46-52; vgl. Mt 9,27-31; Mk 8,22-26.

18,35 Es geschah aber, als er Jericho nahte, saß ein Blinder bettelnd am Weg. 18,36 Und als er eine

Volksmenge vorbeiziehen hörte, erkundigte er sich, was das sei. 18,37 Sie verkündeten ihm aber, daß

Jesus, der Nazoräer, vorübergehe. 18,38 Und er rief und sprach: Jesus, Sohn Davids, erbarme dich

meiner! 18,39 Und die Vorangehenden bedrohten ihn, daß er schweigen sollte; er aber schrie um so

mehr: Sohn Davids, erbarme dich meiner! 18,40 Jesus aber blieb stehen und befahl, daß man ihn zu

ihm führe. Als er sich aber näherte, fragte er ihn: 18,41 Was willst du, daß ich dir tun soll? Er aber

sprach: Herr, daß ich sehend werde! 18,42 Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend! Dein Glaube hat

dich geheilt. 18,43 Und sofort wurde er sehend, folgte ihm nach und verherrlichte Gott. Und das

ganze Volk, das es sah, gab Gott Lob.

Zachäus, der Oberzöllner.

Kapitel 19

19,1 Und er ging hinein und zog durch Jericho. 19,2 Und siehe, [da war] ein Mann mit Namen

Zachäus, und der war ein Oberzöllner und war reich. 19,3 Und er suchte Jesus zu sehen, wer er sei;

und er konnte es nicht vor der Volksmenge, denn er war klein von Gestalt. 19,4 Und er lief voraus und

stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, damit er ihn sehe; denn er sollte dort durchkommen. 19,5 Und

als er an den Ort kam, sah Jesus auf und erblickte ihn und sprach zu ihm: Zachäus, steige eilends

herab, denn heute muß ich in deinem Haus bleiben. 19,6 Und er stieg eilends herab und nahm ihn auf

mit Freuden. 19,7 Und als sie es sahen, murrten alle und sagten: Er ist eingekehrt, um bei einem

sündigen Mann zu herbergen. 19,8 Zachäus aber stand und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die

Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen, und wenn ich von jemand etwas durch falsche Anklage

genommen habe, so erstatte ich es vierfach. 19,9 Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Haus

Heil widerfahren, weil auch er ein Sohn Abrahams ist; 19,10 denn der Sohn des Menschen ist

gekommen, zu suchen und zu erretten, was verloren ist.

Gleichnis von den anvertrauten

Pfunden.

vgl. Mt 25,14-30.

19,11 Während sie aber dies hörten, fügte er noch ein Gleichnis hinzu, weil er nahe bei Jerusalem

war, und sie meinten, daß das Reich Gottes sogleich erscheinen sollte. 19,12 Er sprach nun: Ein

hochgeborener Mann zog in ein fernes Land, um ein Reich für sich zu empfangen und

wiederzukommen. 19,13 Er berief aber zehn seiner Knechte und gab ihnen zehn Pfunde und sprach zu

ihnen: Handelt [damit], bis ich [wieder-]komme. 19,14 Seine Bürger aber haßten ihn und schickten

eine Gesandtschaft hinter ihm her und ließen sagen: Wir wollen nicht, daß dieser über uns König sei.

19,15 Und es geschah, als er zurückkam, nachdem er das Reich empfangen hatte, da sagte er, man

solle diese Knechte, denen er das Geld gegeben hatte, zu ihm rufen, damit er erführe, was ein jeder

erhandelt habe. 19,16 Der erste aber kam herbei und sagte: Herr, dein Pfund hat zehn Pfunde

hinzugewonnen. 19,17 Und er sprach zu ihm: Recht so, du guter Knecht! Weil du im Geringsten treu

warst, sollst du Vollmacht über zehn Städte haben. 19,18 Und der zweite kam und sagte: Herr, dein

Pfund hat fünf Pfunde eingetragen. 19,19 Er sprach aber auch zu diesem: Und du, sei über fünf Städte.

19,20 Und ein anderer kam und sagte: Herr, siehe, [hier ist] dein Pfund, das ich in einem Schweißtuch

verwahrt hielt; 19,21 denn ich fürchtete dich, weil du ein strenger Mann bist: du nimmst, was du nicht

hingelegt, und du erntest, was du nicht gesät hast. 19,22 Er spricht zu ihm: Aus deinem Mund werde

ich dich richten, du böser Knecht! Du wußtest, daß ich ein strenger Mann bin, der ich nehme, was ich

nicht hingelegt, und ernte, was ich nicht gesät habe? 19,23 Und warum hast du mein Geld nicht in

eine Bank gegeben, und wenn ich kam, hätte ich es mit Zinsen eingefordert? 19,24 Und er sprach zu

den Dabeistehenden: Nehmt das Pfund von ihm und gebt es dem, der die zehn Pfunde hat. 19,25 Und

sie sprachen zu ihm: Herr, er hat [ja schon] zehn Pfunde! 19,26 Ich sage euch: Jedem, der da hat, wird

gegeben werden; von dem aber, der nicht hat, von dem wird selbst, was er hat, weggenommen

werden. 19,27 Doch jene meine Feinde, die nicht wollten, daß ich über sie König würde, bringt her

und erschlagt sie vor mir.

Einzug in Jerusalem - Ankündigung der

Zerstörung Jerusalems.

V. 28-40: Mt 21,1-11; Mk 11,1-10; Joh 12,12-19.

19,28 Und als er dies gesagt hatte, zog er voran und ging hinauf nach Jerusalem. 19,29 Und es

geschah, als er Bethphage und Bethanien nahte, gegen den Berg hin, der Ölberg genannt wird, sandte

er zwei seiner Jünger 19,30 und sprach: Geht hin in das Dorf gegenüber, und wenn ihr hineinkommt,

werdet ihr ein Fohlen darin angebunden finden, auf dem kein Mensch je gesessen hat; bindet es los

und führt es [her]. 19,31 Und wenn jemand euch fragt: Warum bindet ihr es los? sprecht so zu ihm:

Der Herr braucht es. 19,32 Und die Abgesandten gingen hin und fanden es, wie er ihnen gesagt hatte.

19,33 Als sie aber das Fohlen losbanden, sprachen dessen Herren zu ihnen: Warum bindet ihr das

Fohlen los? 19,34 Sie aber sprachen: Der Herr braucht es. 19,35 Und sie führten es zu Jesus; und sie

warfen ihre Kleider auf das Fohlen und setzten Jesus darauf. 19,36 Während er aber hinzog, breiteten

sie ihre Kleider aus auf den Weg. 19,37 Und als er sich schon dem Abhang des Ölbergs nahte, fing die

ganze Menge der Jünger an, mit lauter Stimme freudig Gott zu loben über alle die Wunderwerke, die

sie gesehen hatten, 19,38 und sie sagten: `Gepriesen [sei] der König, der da kommt im Namen des

Herrn! Friede im Himmel und Herrlichkeit in der Höhe! 19,39 Und einige der Pharisäer aus der

Volksmenge sprachen zu ihm: Lehrer, weise deine Jünger zurecht. 19,40 Und er antwortete und

sprach zu ihnen: Ich sage euch, wenn diese schweigen, so werden die Steine schreien.

19,41 Und als er sich näherte und die Stadt sah, weinte er über sie, 19,42 und sprach: Wenn auch du

an diesem Tag erkannt hättest, was zu deinem Frieden dient! Jetzt aber ist es vor deinen Augen

verborgen. 19,43 Denn Tage werden über dich kommen, da werden deine Feinde einen Wall um dich

aufschütten und dich umzingeln und dich von allen Seiten einengen; 19,44 und sie werden dich und

deine Kinder in dir zu Boden werfen und werden in dir nicht einen Stein auf dem anderen lassen,

dafür daß du die Zeit deiner Heimsuchung nicht erkannt hast.

Tempelreinigung - Die Frage nach der

Vollmacht Jesu.

Mt 21,12-16; Mk 11,15-18; vgl. Joh 2,13-17.

19,45 Und als er in den Tempel eingetreten war, fing er an, die Verkäufer auszutreiben, 19,46 und

sprach zu ihnen: Es steht geschrieben: `Mein Haus ist ein Bethaus; ihr aber habt es zu einer

`Räuberhöhle gemacht.

19,47 Und er lehrte täglich im Tempel; die Hohenpriester aber und die Schriftgelehrten und die Ersten

des Volkes suchten ihn umzubringen. 19,48 Und sie fanden nicht, was sie tun sollten, denn das ganze

Volk hing ihm an und hörte auf ihn.

Mt 21,23-27; Mk 11,27-33.

Kapitel 20

20,1 Und es geschah an einem der Tage, als er das Volk im Tempel lehrte und das Evangelium

verkündigte, da traten die Hohenpriester und die Schriftgelehrten mit den Ältesten herbei 20,2 und

sprachen zu ihm und sagten: Sage uns, in welcher Vollmacht tust du diese Dinge? Oder wer ist es, der

dir diese Vollmacht gegeben hat? 20,3 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Auch ich will euch ein

Wort fragen; und sagt mir: 20,4 War die Taufe des Johannes vom Himmel oder von Menschen? 20,5

Sie aber überlegten miteinander und sprachen: Wenn wir sagen: vom Himmel, so wird er sagen:

Warum habt ihr ihm nicht geglaubt? 20,6 Wenn wir aber sagen: von Menschen, so wird das ganze

Volk uns steinigen, denn es ist überzeugt, daß Johannes ein Prophet ist. 20,7 Und sie antworteten, sie

wüßten nicht, woher. 20,8 Und Jesus sprach zu ihnen: So sage auch ich euch nicht, in welcher

Vollmacht ich dies tue.

Gleichnis von den Weingärtnern.

Mt 21,33-46; Mk 12,1-12.

20,9 Er fing aber an, zu dem Volk dieses Gleichnis zu sagen: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg

und verpachtete ihn an Weingärtner und reiste für lange Zeit außer Landes. 20,10 Und zur bestimmten

Zeit sandte er einen Knecht zu den Weingärtnern, damit sie ihm von der Frucht des Weinbergs gäben;

die Weingärtner aber schlugen ihn und schickten ihn leer fort. 20,11 Und er fuhr fort und sandte einen

anderen Knecht; sie aber schlugen auch den und behandelten ihn verächtlich und schickten ihn leer

fort. 20,12 Und er fuhr fort und sandte einen dritten; sie aber verwundeten auch diesen und warfen ihn

hinaus. 20,13 Der Herr des Weinbergs aber sprach: Was soll ich tun? Ich will meinen geliebten Sohn

senden; vielleicht, wenn sie diesen sehen, werden sie sich scheuen. 20,14 Als aber die Weingärtner

ihn sahen, überlegten sie miteinander und sagten: Dieser ist der Erbe; laßt uns ihn töten, daß das Erbe

unser werde. 20,15 Und als sie ihn aus dem Weinberg hinausgeworfen hatten, töteten sie ihn. Was

wird nun der Herr des Weinbergs ihnen tun? 20,16 Er wird kommen und diese Weingärtner

umbringen und den Weinberg anderen geben. Als sie aber [das] hörten, sprachen sie: Das sei fern!

20,17 Er aber sah sie an und sprach: Was ist denn das, was geschrieben steht: `Der Stein, den die

Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden? 20,18 Jeder, der auf jenen Stein fällt, wird

zerschmettert werden; auf wen er aber fallen wird, den wird er zermalmen. 20,19 Und die

Hohenpriester und die Schriftgelehrten suchten zu dieser Stunde die Hände an ihn zu legen - und sie

fürchteten das Volk -; denn sie erkannten, daß er dieses Gleichnis auf sie hin gesagt hatte.

Die Frage nach der Steuer.

Mt 22,15-22; Mk 12,13-17.

20,20 Und sie beobachteten [ihn] und sandten Auflauerer aus, die sich stellten, als ob sie fromm

wären, um ihn in der Rede zu fangen, damit sie ihn der Obrigkeit und der Macht des Statthalters

überliefern könnten. 20,21 Und sie fragten ihn und sagten: Lehrer, wir wissen, daß du recht redest und

lehrst und die Person nicht ansiehst, sondern den Weg Gottes in Wahrheit lehrst. 20,22 Ist es uns

erlaubt, dem Kaiser Steuer zu geben oder nicht? 20,23 Aber er nahm ihre Arglist wahr und sprach zu

ihnen: Was versucht ihr mich? 20,24 Zeigt mir einen Denar! Wessen Bild und Aufschrift hat er? Sie

aber antworteten und sprachen: Des Kaisers. 20,25 Er aber sprach zu ihnen: Gebt daher dem Kaiser,

was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. 20,26 Und sie konnten ihn in [seinem] Wort vor dem

Volk nicht fangen; und sie verwunderten sich über seine Antwort und schwiegen.

Die Frage nach der Auferstehung.

Mt 22,23-33; Mk 12,18-27.

20,27 Es kamen aber einige der Sadduzäer herbei, die einwenden, es gebe keine Auferstehung, und

fragten ihn 20,28 und sagten: Lehrer, Mose hat uns geschrieben: Wenn jemandes Bruder stirbt, der

eine Frau hat und ist kinderlos, daß sein Bruder die Frau nehme und seinem Bruder

Nachkommenschaft erwecke. 20,29 Es waren nun sieben Brüder. Und der erste nahm eine Frau und

starb kinderlos; 20,30 und der zweite 20,31 und der dritte nahm sie; ebenso aber auch die sieben, sie

hinterließen keine Kinder und starben. 20,32 Zuletzt aber starb auch die Frau. 20,33 In der

Auferstehung nun, wessen Frau von ihnen wird sie sein? Denn die sieben hatten sie zur Frau. 20,34

Und Jesus sprach zu ihnen: Die Söhne dieser Welt heiraten und werden verheiratet; 20,35 die aber

würdig geachtet werden, jener Welt teilhaftig zu sein und der Auferstehung aus den Toten, heiraten

nicht, noch werden sie verheiratet; 20,36 denn sie können auch nicht mehr sterben, denn sie sind

Engeln gleich und sind Söhne Gottes, da sie Söhne der Auferstehung sind. 20,37 Daß aber die Toten

auferstehen, hat auch Mose beim Dornbusch angedeutet, wenn er den Herrn `den Gott Abrahams und

den Gott Isaaks und den Gott Jakobs nennt. 20,38 Er ist aber nicht Gott der Toten, sondern der

Lebenden; denn für ihn leben alle. 20,39 Einige der Schriftgelehrten aber antworteten und sprachen:

Lehrer, du hast gut gesprochen. 20,40 Denn sie wagten nicht mehr, ihn über irgend etwas zu befragen.

Die Frage nach dem Christus.

Mt 22,41-46; Mk 12,35-37.

20,41 Er aber sprach zu ihnen: Wie sagen sie, daß der Christus Davids Sohn sei, 20,42 und David

selbst sagt im Buch der Psalmen: `Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten,

20,43 bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße lege? 20,44 David also nennt ihn Herr. Und wie

ist er sein Sohn?

Warnung vor den Schriftgelehrten.

Mt 23,1-7; Mk 12,38-40.

20,45 Während aber das ganze Volk zuhörte, sprach er zu seinen Jüngern: 20,46 Hütet euch vor den

Schriftgelehrten, die in langen Gewändern einhergehen wollen und die Begrüßungen auf den Märkten

lieben und die ersten Sitze in den Synagogen und die ersten Plätze bei den Gastmählern; 20,47 die die

Häuser der Witwen verschlingen und zum Schein lange Gebete halten. Diese werden ein schwereres

Gericht empfangen.

Die Gabe der armen Witwe.

Mk 12,41-44.

Kapitel 21

21,1 Er blickte aber auf und sah die Reichen ihre Gaben in den Schatzkasten legen. 21,2 Er sah aber

auch eine arme Witwe zwei Scherflein dort einlegen. 21,3 Und er sprach: In Wahrheit sage ich euch,

daß diese arme Witwe mehr eingelegt hat als alle. 21,4 Denn alle diese haben von ihrem Überfluß

eingelegt zu den Gaben; diese aber hat aus ihrem Mangel heraus den ganzen Lebensunterhalt, den sie

hatte, eingelegt.

Endzeitrede: Tempelzerstörung und

Drangsale der Endzeit - Ankunft des

Menschensohnes

Mt 24,1-30; Mk 13,1-26.

21,5 Und als einige von dem Tempel sagten, daß er mit schönen Steinen und Weihgeschenken

geschmückt sei, sprach er: 21,6 Diese Dinge, die ihr seht: Tage werden kommen, in denen nicht ein

Stein auf dem anderen gelassen wird, der nicht abgebrochen werden wird. 21,7 Sie fragten ihn aber

und sagten: Lehrer, wann wird denn dies sein, und was ist das Zeichen, wann dies geschehen soll?

21,8 Er aber sprach: Seht zu, daß ihr nicht verführt werdet! Denn viele werden unter meinem Namen

kommen und sagen: Ich bin}s, und die Zeit ist nahe gekommen! Geht ihnen nicht nach! 21,9 Wenn ihr

aber von Kriegen und Empörungen hören werdet, so erschreckt nicht; denn dies muß zuvor

geschehen, aber das Ende ist nicht sogleich da. 21,10 Dann sprach er zu ihnen: Es wird sich Nation

gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich; 21,11 und es werden große Erdbeben sein

an verschiedenen Orten und Hungersnöte und Seuchen; auch Schrecknisse und große Zeichen vom

Himmel wird es geben. 21,12 Vor diesem allem aber werden sie ihre Hände an euch legen und euch

verfolgen, indem sie euch an die Synagogen und Gefängnisse überliefern, um euch vor Könige und

Statthalter zu führen um meines Namens willen. 21,13 Es wird euch aber zu einem Zeugnis

ausschlagen. 21,14 Setzt es nun fest in euren Herzen, nicht vorher darauf zu sinnen, wie ihr euch

verantworten sollt, 21,15 denn ich werde euch Mund und Weisheit geben, der alle eure Widersacher

nicht werden widersprechen oder widerstehen können. 21,16 Ihr werdet aber sogar von Eltern und

Brüdern und Verwandten und Freunden überliefert werden, und sie werden einige von euch töten;

21,17 und ihr werdet von allen gehaßt werden um meines Namens willen. 21,18 Und nicht ein Haar

von eurem Haupt wird verloren gehen. 21,19 Gewinnt eure Seelen durch euer Ausharren. 21,20 Wenn

ihr aber Jerusalem von Heerscharen umzingelt seht, dann erkennt, daß seine Verwüstung nahe

gekommen ist. 21,21 Dann sollen die in Judäa auf die Berge fliehen und die in seiner Mitte sind,

daraus entweichen, und die auf dem Land sind, nicht dort hineingehen. 21,22 Denn dies sind Tage der

Rache, daß alles erfüllt werde, was geschrieben steht. 21,23 Wehe aber den Schwangeren und den

Stillenden in jenen Tagen! Denn große Not wird über dem Land sein und Zorn über diesem Volk.

21,24 Und sie werden fallen durch die Schärfe des Schwertes und gefangen weggeführt werden unter

alle Nationen; und Jerusalem wird zertreten werden von den Nationen, bis die Zeiten der Nationen

erfüllt sein werden. 21,25 Und es werden Zeichen sein an Sonne und Mond und Sternen und auf der

Erde Bedrängnis der Nationen in Ratlosigkeit bei brausendem Meer und Wasserwogen, 21,26

während die Menschen verschmachten vor Furcht und Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis

kommen, denn die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. 21,27 Und dann werden sie den

Sohn des Menschen kommen sehen in einer Wolke mit Macht und großer Herrlichkeit. 21,28 Wenn

aber diese Dinge anfangen zu geschehen, so blickt auf und hebt eure Häupter empor, weil eure

Erlösung naht.

Endzeitrede: Ermahnung zur

Wachsamkeit.

V. 29-33: Mt 24,32-35; Mk 13,28-31.

21,29 Und er sprach ein Gleichnis zu ihnen: Seht den Feigenbaum und alle Bäume; 21,30 wenn sie

schon ausschlagen, so erkennt ihr von selbst, da ihr es seht, daß der Sommer schon nahe ist. 21,31 So

erkennt auch ihr, wenn ihr dies geschehen seht, daß das Reich Gottes nahe ist. 21,32 Wahrlich, ich

sage euch, daß dieses Geschlecht nicht vergehen wird, bis alles geschehen ist. 21,33 Der Himmel und

die Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen. 21,34 Hütet euch aber, daß eure

Herzen nicht etwa beschwert werden durch Völlerei und Trunkenheit und Lebenssorgen und jener

Tag plötzlich über euch hereinbricht; 21,35 denn wie ein Fallstrick wird er kommen über alle, die auf

dem ganzen Erdboden ansässig sind. 21,36 Wacht nun und betet zu aller Zeit, daß ihr würdig geachtet

werdet, diesem allem, was geschehen soll, zu entfliehen und vor dem Sohn des Menschen zu stehen.

Anschlag der Hohenpriester und Verrat

des Judas.

21,37 Er lehrte aber des Tages in dem Tempel, und des Nachts ging er hinaus und übernachtete auf

dem Berg, der Ölberg genannt wird. 21,38 Und das ganze Volk kam frühmorgens im Tempel zu ihm,

ihn zu hören.

Mt 26,1-5.14-16; Mk 14,1.2.10.11.

Kapitel 22

22,1 Es nahte aber das Fest der ungesäuerten Brote, das Passah genannt wird. 22,2 Und die

Hohenpriester und die Schriftgelehrten suchten, wie sie ihn umbringen könnten, denn sie fürchteten

das Volk. 22,3 Aber Satan fuhr in Judas mit Beinamen Iskariot, der aus der Zahl der Zwölf war. 22,4

Und er ging hin und besprach sich mit den Hohenpriestern und Hauptleuten, wie er ihn an sie

überliefere. 22,5 Und sie waren erfreut und kamen überein, ihm Geld zu geben. 22,6 Und er versprach

es und suchte eine Gelegenheit, um ihn ohne Volksauflauf an sie zu überliefern.

 

lassen sich Wohltäter nennen. 22,26 Ihr aber nicht so! Sondern der Größte unter euch sei wie der

Jüngste und der Leiter wie der Dienende. 22,27 Denn wer ist größer, der zu Tisch Liegende oder der

Dienende? Nicht der zu Tisch Liegende? Ich aber bin in eurer Mitte wie der Dienende. 22,28 Ihr aber

seid es, die mit mir ausgeharrt haben in meinen Versuchungen; 22,29 und ich verordne euch, wie

mein Vater mir verordnet hat, ein Reich, 22,30 daß ihr eßt und trinkt an meinem Tisch in meinem

Reich und auf Thronen sitzt, die zwölf Stämme Israels zu richten.

V. 31-34: Mt 26,31-35; Mk 14,27-31; Joh 13,36-38.

22,31 Der Herr aber sprach: Simon, Simon! Siehe, der Satan hat euer begehrt, euch zu sichten wie den

Weizen. 22,32 Ich aber habe für dich gebetet, daß dein Glaube nicht aufhöre; und wenn du einst

zurückgekehrt bist, so stärke deine Brüder. 22,33 Er aber sprach zu ihm: Herr, mit dir bin ich bereit,

auch ins Gefängnis und in den Tod zu gehen. 22,34 Er aber sprach: Ich sage dir, Petrus, der Hahn

wird heute nicht krähen, ehe du dreimal geleugnet hast, daß du mich kennst. 22,35 Und er sprach zu

ihnen: Als ich euch ohne Börse und Tasche und Sandalen sandte, mangelte euch wohl etwas? Sie aber

sagten: Nichts. 22,36 Er sprach nun zu ihnen: Aber jetzt, wer eine Börse hat, der nehme sie und

ebenso eine Tasche, und wer nicht hat, verkaufe sein Kleid und kaufe ein Schwert; 22,37 denn ich

sage euch, daß noch dieses, was geschrieben steht, an mir erfüllt werden muß: `Und er ist unter die

Gesetzlosen gerechnet worden; denn auch das, was mich betrifft, hat eine Vollendung. 22,38 Sie aber

sprachen: Herr, siehe, hier sind zwei Schwerter. Er aber sprach zu ihnen: Es ist genug.

Gethsemane.

Mt 26,30.36-46; Mk 14,26.32-42.

22,39 Und er ging hinaus und begab sich der Gewohnheit nach zum Ölberg; es folgten ihm aber auch

die Jünger. 22,40 Als er aber an den Ort gekommen war, sprach er zu ihnen: Betet, daß ihr nicht in

Versuchung kommt! 22,41 Und er zog sich ungefähr einen Steinwurf weit von ihnen zurück und

kniete nieder, betete 22,42 und sprach: Vater, wenn du diesen Kelch von mir wegnehmen willst - doch

nicht mein Wille, sondern der deine geschehe! 22,43 Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel,

der ihn stärkte. 22,44 Und als er in ringendem Kampf war, betete er heftiger. Es wurde aber sein

Schweiß wie große Blutstropfen, die auf die Erde herabfielen. 22,45 Und er stand auf vom Gebet, kam

zu den Jüngern und fand sie eingeschlafen vor Traurigkeit. 22,46 Und er sprach zu ihnen: Was schlaft

ihr? Steht auf und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt!

Gefangennahme.

Mt 26,47-56; Mk 14,43-50; Joh 18,2-12.

22,47 Während er noch redete, siehe, [da kam] eine Volksmenge, und der, welcher Judas hieß, einer

von den Zwölfen, ging vor ihnen her und nahte Jesus, um ihn zu küssen. 22,48 Jesus aber sprach zu

ihm: Judas, überlieferst du den Sohn des Menschen mit einem Kuß? 22,49 Als aber die, welche um

ihn waren, sahen, was es werden würde, sprachen sie: Herr, sollen wir mit dem Schwert

dreinschlagen? 22,50 Und einer von ihnen schlug den Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm das

rechte Ohr ab. 22,51 Jesus aber antwortete und sprach: Laßt es so weit! Und er rührte sein Ohr an und

heilte ihn. 22,52 Jesus aber sprach zu den Hohenpriestern und Hauptleuten des Tempels und Ältesten,

die gegen ihn gekommen waren: Seid ihr ausgezogen wie gegen einen Räuber, mit Schwertern und

Stöcken? 22,53 Als ich täglich bei euch im Tempel war, habt ihr die Hände nicht gegen mich

ausgestreckt; aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis.

Verleugnung durch Petrus.

Mt 26,57.58.69-75; Mk 14,53.54.66-72; Joh 18,13-18.25-27.

22,54 Sie ergriffen ihn aber und führten ihn hin und brachten ihn in das Haus des Hohenpriesters.

Petrus aber folgte von fern. 22,55 Als sie aber mitten im Hof ein Feuer angezündet und sich

zusammengesetzt hatten, setzte sich Petrus in ihre Mitte. 22,56 Es sah ihn aber eine Magd bei dem

Feuer sitzen und blickte ihn scharf an und sprach: Auch dieser war mit ihm. 22,57 Er aber leugnete

und sagte: Frau, ich kenne ihn nicht. 22,58 Und kurz danach sah ihn ein anderer und sprach: Auch du

bist [einer] von ihnen. Petrus aber sprach: Mensch, ich bin}s nicht. 22,59 Und nach Verlauf von etwa

einer Stunde behauptete ein anderer und sagte: In Wahrheit, auch dieser war mit ihm, denn er ist auch

ein Galiläer. 22,60 Petrus aber sprach: Mensch, ich weiß nicht, was du sagst. Und sogleich, während

er noch redete, krähte der Hahn. 22,61 Und der Herr wandte sich um und blickte Petrus an; und Petrus

gedachte an das Wort des Herrn, wie er zu ihm sagte: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal

verleugnen. 22,62 Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich.

Vor dem Hohen Rat.

Mt 26,59-68; 27,1; Mk 14,55-65; 15,1; Joh 18,19-24.

22,63 Und die Männer, die ihn festhielten, verspotteten und schlugen ihn. 22,64 Und als sie ihn

verhüllt hatten, fragten sie ihn und sprachen: Weissage, wer ist es, der dich schlug? 22,65 Und vieles

andere sagten sie lästernd gegen ihn.

22,66 Und als es Tag wurde, versammelte sich die Ältestenschaft des Volkes, Hohepriester wie

Schriftgelehrte, und führten ihn hin in ihren Hohen Rat 22,67 und sagten: Wenn du der Christus bist,

so sage es uns. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich es euch sage, so würdet ihr nicht glauben; 22,68

wenn ich aber fragen würde, so würdet ihr mir nicht antworten. 22,69 Von nun an aber wird der Sohn

des Menschen sitzen zur Rechten der Macht Gottes. 22,70 Sie sprachen aber alle: Du bist also der

Sohn Gottes? Er aber sprach zu ihnen: Ihr sagt, daß ich es bin. 22,71 Sie aber sprachen: Was brauchen

wir noch Zeugnis? Denn wir selbst haben es aus seinem Mund gehört.

Anklage vor Pilatus und Herodes.

V. 1-5: Mt 27,2.11-14; Mk 15,1-5; Joh 18,28-38.

Kapitel 23

23,1 Und die ganze Menge derselben stand auf, und sie führten ihn zu Pilatus. 23,2 Sie fingen aber an,

ihn zu verklagen, und sagten: Diesen haben wir befunden als einen, der unsere Nation verführt und

wehrt, dem Kaiser Steuer zu geben, indem er sagt, daß er selbst Christus, ein König, sei. 23,3 Pilatus

aber fragte ihn und sprach: Bist du der König der Juden? Er aber antwortete ihm und sprach: Du sagst

es. 23,4 Pilatus aber sprach zu den Hohenpriestern und den Volksmengen: Ich finde keine Schuld an

diesem Menschen. 23,5 Sie aber bestanden darauf und sagten: Er wiegelt das Volk auf und lehrt durch

ganz Judäa hin, angefangen von Galiläa bis hierher.

23,6 Als aber Pilatus von Galiläa hörte, fragte er, ob der Mensch ein Galiläer sei. 23,7 Und als er

erfahren hatte, daß er aus dem Machtbereich des Herodes sei, sandte er ihn zu Herodes, der auch

selbst in jenen Tagen in Jerusalem war. 23,8 Als aber Herodes Jesus sah, freute er sich sehr; denn er

wünschte schon seit langer Zeit, ihn zu sehen, weil er vieles über ihn gehört hatte, und er hoffte,

irgend ein Zeichen durch ihn geschehen zu sehen. 23,9 Er befragte ihn aber mit vielen Worten; er

jedoch antwortete ihm nichts. 23,10 Die Hohenpriester und die Schriftgelehrten standen nun auf und

verklagten ihn heftig. 23,11 Als aber Herodes mit seinen Kriegsleuten ihn geringschätzend behandelt

und verspottet hatte, warf er ihm ein glänzendes Gewand um und sandte ihn zu Pilatus zurück. 23,12

Pilatus und Herodes aber wurden an diesem Tag Freunde miteinander; denn vorher waren sie

gegeneinander in Feindschaft.

Freilassung für Barabbas - Todesurteil

für Jesus.

Mt 27,15-26; Mk 15,6-15; Joh 18,39.40; 19,1.16.

23,13 Als aber Pilatus die Hohenpriester und die Obersten und das Volk zusammengerufen hatte,

23,14 sprach er zu ihnen: Ihr habt diesen Menschen zu mir gebracht, als mache er das Volk abwendig;

und siehe, ich habe ihn vor euch verhört und habe an diesem Menschen keine Schuld gefunden, worin

ihr ihn anklagt; 23,15 aber auch Herodes nicht, denn ich habe euch zu ihm gesandt, und siehe, nichts

Todeswürdiges ist von ihm getan. 23,16 Ich will ihn nun züchtigen und losgeben. (23,17) 23,18 Die

ganze Menge schrie aber zugleich und sagte: Weg mit diesem, gib uns aber den Barabbas los! 23,19

Der war wegen eines Aufruhrs, der in der Stadt geschehen war, und wegen eines Mordes ins

Gefängnis geworfen. 23,20 Pilatus rief ihnen nun wieder zu, weil er Jesus losgeben wollte. 23,21 Sie

aber schrien dagegen und sagten: Kreuzige, kreuzige ihn! 23,22 Er aber sprach zum dritten Mal zu

ihnen: Was hat dieser denn Böses getan? Ich habe keine Ursache des Todes an ihm gefunden; ich will

ihn nun züchtigen und losgeben. 23,23 Sie aber setzten ihm zu mit lautem Geschrei und forderten, daß

er gekreuzigt werde. Und ihr Geschrei nahm überhand. 23,24 Pilatus aber entschied, daß ihre

Forderung erfüllt werde. 23,25 Er gab aber den los, der eines Aufruhrs und Mordes wegen ins

Gefängnis geworfen war, den sie forderten; Jesus aber übergab er ihrem Willen.

Der Weg zum Kreuz.

Mt 27,31.32; Mk 15,20-22; Joh 19,16.17.

23,26 Und als sie ihn wegführten, ergriffen sie einen gewissen Simon von Kyrene, der vom Feld kam,

und legten das Kreuz auf ihn, damit er es Jesus nachtrug. 23,27 Es folgte ihm aber eine große Menge

Volks und Frauen, die wehklagten und ihn bejammerten. 23,28 Jesus wandte sich aber zu ihnen und

sprach: Töchter Jerusalems, weint nicht über mich, sondern weint über euch selbst und über eure

Kinder! 23,29 Denn siehe, Tage kommen, an denen man sagen wird: Glückselig die Unfruchtbaren

und die Leiber, die nicht geboren, und die Brüste, die nicht gestillt haben! 23,30 Dann werden sie

anfangen, zu den Bergen zu sagen: Fallt auf uns! und zu den Hügeln: Bedeckt uns! 23,31 Denn wenn

man dies tut an dem grünen Holz, was wird an dem dürren geschehen? 23,32 Es wurden aber auch

zwei andere hingeführt, Übeltäter, um mit ihm hingerichtet zu werden.

Golgatha: Kreuzigung.

V. 33-36: Mt 27,33-44; Mk 15,23-32; Joh 19,18-24.

23,33 Und als sie an den Ort kamen, der Schädel[stätte] genannt wird, kreuzigten sie dort ihn und die

Übeltäter, den einen zur Rechten, den anderen zur Linken. 23,34 Jesus aber sprach: Vater, vergib

ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! Sie aber verteilten seine Kleider und warfen das Los

[darüber]. 23,35 Und das Volk stand und sah zu; es höhnten aber auch die Obersten und sagten:

Andere hat er gerettet. Er rette sich selbst, wenn dieser der Christus ist, der Auserwählte Gottes! 23,36

Aber auch die Soldaten verspotteten ihn, indem sie hinzutraten, ihm Essig brachten 23,37 und sagten:

Wenn du der König der Juden bist, so rette dich selbst! 23,38 Es war aber auch eine Aufschrift über

ihm in griechischen und lateinischen und hebräischen Buchstaben: Dieser ist der König der Juden.

23,39 Einer der gehenkten Übeltäter aber lästerte ihn: Bist du nicht der Christus? Rette dich selbst und

uns! 23,40 Der andere aber antwortete und strafte ihn und sprach: Auch du fürchtest Gott nicht, da du

in demselben Gericht bist? 23,41 Und wir zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsere Taten

wert sind; dieser aber hat nichts Ungeziemendes getan. 23,42 Und er sprach: Jesus, gedenke meiner,

wenn du in dein Reich kommst! 23,43 Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst

du mit mir im Paradies sein.

Golgatha: Tod.

Mt 27,45-56; Mk 15,33-41; Joh 19,28-30.

23,44 Es war aber um die sechste Stunde; und es kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur

neunten Stunde, 23,45 wobei die Sonne sich verfinsterte; der Vorhang des Tempels aber riß mitten

entzwei. 23,46 Und Jesus rief mit lauter Stimme und sprach: Vater, in deine Hände übergebe ich

meinen Geist! Und als er dies gesagt hatte, verschied er.

23,47 Als aber der Hauptmann sah, was geschah, verherrlichte er Gott und sagte: Wirklich, dieser

Mensch war gerecht. 23,48 Und die ganzen Volksmengen, die zu diesem Schauspiel

zusammengekommen waren, schlugen sich, als sie sahen, was geschehen war, an die Brust und

kehrten zurück. 23,49 Aber alle seine Bekannten standen von fern, auch die Frauen, die ihm von

Galiläa nachgefolgt waren, und sahen dies.

Grablegung.

Mt 27,57-61; Mk 15,42-47; Joh 19,38-42.

23,50 Und siehe, ein Mann mit Namen Joseph, der ein Ratsherr war, ein guter und gerechter Mann

23,51 - dieser hatte nicht eingewilligt in ihren Rat und in ihre Tat - von Arimathia, einer Stadt der

Juden, der das Reich Gottes erwartete; 23,52 dieser ging hin zu Pilatus und bat um den Leib Jesu.

23,53 Und als er ihn abgenommen hatte, wickelte er ihn in feines Leinentuch und legte ihn in eine in

Felsen gehauene Gruft, worin noch nie jemand gelegen hatte. 23,54 Und es war Rüsttag, und der

Sabbat brach an. 23,55 Es folgten aber die Frauen nach, die mit ihm aus Galiläa gekommen waren,

und besahen die Gruft, und wie sein Leib hineingelegt wurde. 23,56 Als sie aber zurückgekehrt

waren, bereiteten sie wohlriechende Öle und Salben; und den Sabbat über ruhten sie nach dem Gebot.

Die Frauen am leeren Grab -

Verkündigung der Auferstehung.

Mt 28,1-10; Mk 16,1-11; Joh 20,1-18.

Kapitel 24

24,1 An dem ersten Wochentag aber, ganz in der Frühe, kamen sie zu der Gruft und brachten die

wohlriechenden Öle, die sie bereitet hatten. 24,2 Sie fanden aber den Stein von der Gruft weggewälzt;

24,3 und als sie hineingingen, fanden sie den Leib des Herrn Jesus nicht. 24,4 Und es geschah, als sie

darüber in Verlegenheit waren, siehe, da standen zwei Männer in strahlenden Kleidern bei ihnen. 24,5

Als sie aber von Furcht erfüllt wurden und das Angesicht zur Erde neigten, sprachen diese zu ihnen:

Was sucht ihr den Lebendigen unter den Toten? 24,6 Er ist nicht hier, sondern ist auferstanden.

Gedenkt daran, wie er zu euch geredet hat, als er noch in Galiläa war, 24,7 indem er sagte: Der Sohn

des Menschen muß in die Hände sündiger Menschen überliefert und gekreuzigt werden und am dritten

Tag auferstehen. 24,8 Und sie gedachten an seine Worte; 24,9 und sie kehrten von der Gruft zurück

und verkündeten dies alles den Elfen und den übrigen allen. 24,10 Es waren aber die Maria

Magdalena und Johanna und Maria, des Jakobus [Mutter], und die übrigen mit ihnen, die dies zu den

Aposteln sagten. 24,11 Und ihre Reden schienen ihnen wie leeres Gerede, und sie glaubten ihnen

nicht. 24,12 Petrus aber stand auf und lief zur Gruft; und als er sich hineinbeugt, sieht er nur die

leinenen Tücher liegen. Und er ging nach Hause und wunderte sich über das, was geschehen war.

Erscheinung des Auferstandenen auf

dem Weg nach Emmaus.

Mk 16,12.13.

24,13 Und siehe, zwei von ihnen gingen an diesem Tag nach einem Dorf mit Namen Emmaus,

sechzig Stadien von Jerusalem entfernt. 24,14 Und sie unterhielten sich miteinander über dies alles,

was sich zugetragen hatte. 24,15 Und es geschah, während sie sich unterhielten und miteinander

überlegten, daß Jesus selbst nahte und mit ihnen ging; 24,16 aber ihre Augen wurden gehalten, so daß

sie ihn nicht erkannten. 24,17 Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Reden, die ihr im Gehen

miteinander wechselt? Und sie blieben niedergeschlagen stehen. 24,18 Einer aber, mit Namen

Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du der einzige, der in Jerusalem weilt und nicht weiß,

was dort geschehen ist in diesen Tagen? 24,19 Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen

zu ihm: Das von Jesus, dem Nazarener, der ein Prophet war, mächtig im Werk und Wort vor Gott und

dem ganzen Volk; 24,20 und wie ihn die Hohenpriester und unsere Obersten überlieferten, daß er zum

Tod verurteilt würde, und ihn kreuzigten. 24,21 Wir aber hofften, daß er der sei, der Israel erlösen

solle. Doch auch bei alledem ist es heute der dritte Tag, seitdem dies geschehen ist. 24,22 Aber auch

einige Frauen von uns haben uns aus der Fassung gebracht, die am frühen Morgen bei der Gruft

gewesen sind 24,23 und, als sie seinen Leib nicht fanden, kamen und sagten, daß sie auch eine

Erscheinung von Engeln gesehen hätten, die sagen, daß er lebe. 24,24 Und einige von denen, die mit

uns sind, gingen zu der Gruft und fanden es so, wie auch die Frauen gesagt hatten; ihn aber sahen sie

nicht. 24,25 Und er sprach zu ihnen: O ihr Unverständigen und trägen Herzens, zu glauben an alles,

was die Propheten geredet haben! 24,26 Mußte nicht der Christus dies leiden und in seine Herrlichkeit

eingehen? 24,27 Und von Mose und von allen Propheten anfangend, erklärte er ihnen in allen

Schriften das, was ihn betraf. 24,28 Und sie nahten dem Dorf, wohin sie gingen; und er stellte sich, als

wolle er weitergehen. 24,29 Und sie nötigten ihn und sagten: Bleibe bei uns, denn es ist gegen Abend,

und der Tag hat sich schon geneigt. Und er ging hinein, um bei ihnen zu bleiben. 24,30 Und es

geschah, als er mit ihnen zu Tisch lag, nahm er das Brot und segnete es; und als er es gebrochen hatte,

reichte er es ihnen. 24,31 Ihre Augen aber wurden aufgetan, und sie erkannten ihn; und er wurde vor

ihnen unsichtbar. 24,32 Und sie sprachen zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, wie er auf dem

Weg zu uns redete und wie er uns die Schriften öffnete? 24,33 Und sie standen zur gleichen Stunde

auf und kehrten nach Jerusalem zurück. Und sie fanden die Elf, und die mit ihnen waren, versammelt,

24,34 die sagten: Der Herr ist wirklich auferweckt worden und dem Simon erschienen. 24,35 Und sie

erzählten, was auf dem Weg [geschehen war] und wie er von ihnen erkannt worden war am Brechen

des Brotes.

Erscheinung des Auferstandenen vor

den Jüngern.

Mk 16,14.15; Joh 20,19-23.

24,36 Während sie aber dies redeten, stand er selbst in ihrer Mitte und sprach zu ihnen: Friede euch!

24,37 Sie aber erschraken und wurden von Furcht erfüllt und meinten, sie sähen einen Geist. 24,38

Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr bestürzt, und warum steigen Gedanken auf in euren Herzen?

24,39 Seht meine Hände und meine Füße, daß ich es selbst bin; betastet mich und seht, denn ein Geist

hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr seht, daß ich habe. 24,40 Und als er dies gesagt hatte, zeigte er

ihnen die Hände und die Füße. 24,41 Als sie aber noch nicht glaubten vor Freude und sich wunderten,

sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen? 24,42 Sie aber reichten ihm ein Stück gebratenen

Fisch; 24,43 und er nahm und aß vor ihnen. 24,44 Er sprach aber zu ihnen: Dies sind meine Worte,

die ich zu euch redete, als ich noch bei euch war, daß alles erfüllt werden muß, was über mich

geschrieben steht in dem Gesetz Moses und den Propheten und Psalmen. 24,45 Dann öffnete er ihnen

das Verständnis, damit sie die Schriften verständen, 24,46 und sprach zu ihnen: So steht geschrieben,

und so mußte der Christus leiden und am dritten Tag auferstehen aus den Toten 24,47 und in seinem

Namen Buße und Vergebung der Sünden gepredigt werden allen Nationen, anfangend von Jerusalem.

24,48 Ihr aber seid Zeugen hiervon; 24,49 und siehe, ich sende die Verheißung meines Vaters auf

euch. Ihr aber, bleibt in der Stadt, bis ihr angetan werdet mit Kraft aus der Höhe.

Himmelfahrt.

Mk 16,19; Apg 1,9-12.

24,50 Er führte sie aber hinaus bis nach Bethanien und hob seine Hände auf und segnete sie. 24,51

Und es geschah, während er sie segnete, schied er von ihnen und wurde hinaufgetragen in den

Himmel. 24,52 Und sie warfen sich vor ihm nieder und kehrten nach Jerusalem zurück mit großer

Freude; 24,53 und sie waren allezeit im Tempel und priesen Gott.

Das Evangelium nach Johannes.

Das ewige Wort.

Kapitel 1

1,1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. 1,2 Dieses war im

Anfang bei Gott. 1,3 Alles wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eines, das

geworden ist.

1,4 In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. 1,5 Und das Licht scheint in der

Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfaßt.

Die Fleischwerdung des Wortes.

1,6 Da war ein Mensch, von Gott gesandt, sein Name Johannes. 1,7 Dieser kam zum Zeugnis, daß er

zeugte von dem Licht, damit alle durch ihn glaubten. 1,8 Er war nicht das Licht, sondern [er kam,]

daß er zeugte von dem Licht. 1,9 Das war das wahrhaftige Licht, das, in die Welt kommend, jeden

Menschen erleuchtet. 1,10 Er war in der Welt, und die Welt wurde durch ihn, und die Welt kannte ihn

nicht. 1,11 Er kam in das Seine, und die Seinen nahmen ihn nicht an; 1,12 so viele ihn aber

aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben;

1,13 die nicht aus Geblüt, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes,

sondern aus Gott geboren sind.

1,14 Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut,

eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. - 1,15 Johannes

zeugt von ihm und rief und sprach: Dieser war es, von dem ich sagte: Der nach mir kommt, ist vor

mir, denn er war eher als ich. - 1,16 Denn aus seiner Füllehaben wir alle empfangen, und [zwar]

Gnade um Gnade. 1,17 Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist

durch Jesus Christus geworden. 1,18 Niemand hat Gott jemals gesehen; der eingeborene Sohn, der in

des Vaters Schoß ist, der hat [ihn] kundgemacht.

Des Täufers Zeugnis über sich.

vgl. Mt 3,1-12; Mk 1,1-8; Lk 3,1-18.

1,19 Und dies ist das Zeugnis des Johannes, als die Juden aus Jerusalem Priester und Leviten sandten,

damit sie ihn fragen sollten: Wer bist du? 1,20 Und er bekannte und leugnete nicht, und er bekannte:

Ich bin nicht der Christus. 1,21 Und sie fragten ihn: Was denn? Bist du Elia? Und er sagt: Ich bin}s

nicht. Bist du der Prophet? Und er antwortete: Nein. 1,22 Sie sprachen nun zu ihm: Wer bist du?

Damit wir Antwort geben denen, die uns gesandt haben. Was sagst du von dir selbst? 1,23 Er sprach:

Ich bin die `Stimme eines Rufenden in der Wüste: Macht gerade den Weg des Herrn, wie Jesaja, der

Prophet, gesagt hat. 1,24 Und sie waren abgesandt von den Pharisäern. 1,25 Und sie fragten ihn und

sprachen zu ihm: Was taufst du denn, wenn du nicht der Christus bist, noch Elia, noch der Prophet?

1,26 Johannes antwortete ihnen und sprach: Ich taufe mit Wasser; mitten unter euch steht, den ihr

nicht kennt, 1,27 der nach mir kommt, und ich bin nicht würdig, ihm den Riemen seiner Sandale zu

lösen. 1,28 Dies geschah zu Bethanien, jenseits des Jordan, wo Johannes taufte.

Des Täufers Zeugnis über Jesus.

vgl. Mt 3,13-17; Mk 1,9-11; Lk 3,21.22.

1,29 Am folgenden Tag sieht er Jesus zu sich kommen und spricht: Siehe, das Lamm Gottes, das die

Sünde der Welt wegnimmt. 1,30 Dieser ist es, von dem ich sagte: Nach mir kommt ein Mann, der vor

mir ist, denn er war eher als ich. 1,31 Und ich kannte ihn nicht; aber damit er Israel offenbar werde,

deswegen bin ich gekommen, mit Wasser zu taufen. 1,32 Und Johannes bezeugte und sprach: Ich

schaute den Geist wie eine Taube aus dem Himmel herabfahren, und er blieb auf ihm. 1,33 Und ich

kannte ihn nicht; aber der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, der sprach zu mir: Auf welchen du

sehen wirst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, dieser ist es, der mit Heiligem Geist tauft.

1,34 Und ich habe gesehen und habe bezeugt, daß dieser der Sohn Gottes ist.

Die ersten Jünger.

1,35 Am folgenden Tag stand Johannes wieder da und zwei von seinen Jüngern; 1,36 und hinblickend

auf Jesus, der umherging, spricht er: Siehe, das Lamm Gottes! 1,37 Und es hörten ihn die zwei Jünger

reden und folgten Jesus nach. 1,38 Jesus aber wandte sich um und sah sie nachfolgen und spricht zu

ihnen: Was sucht ihr? Sie aber sagten zu ihm: Rabbi - was übersetzt heißt: Lehrer -, wo hältst du dich

auf? 1,39 Er spricht zu ihnen: Kommt, und ihr werdet sehen! Sie kamen nun und sahen, wo er sich

aufhielt, und blieben jenen Tag bei ihm. Es war um die zehnte Stunde. 1,40 Andreas, der Bruder des

Simon Petrus, war einer von den zweien, die es von Johannes gehört hatten und ihm nachgefolgt

waren. 1,41 Dieser findet zuerst seinen eigenen Bruder Simon und spricht zu ihm: Wir haben den

Messias gefunden - was übersetzt ist: Christus. 1,42 Und er führte ihn zu Jesus. Jesus blickte ihn an

und sprach: Du bist Simon, der Sohn des Johannes; du wirst Kephas heißen - was übersetzt wird:

Stein.

1,43 Am folgenden Tag wollte er nach Galiläa aufbrechen, und er findet Philippus; und Jesus spricht

zu ihm: Folge mir nach! 1,44 Philippus aber war von Bethsaida, aus der Stadt des Andreas und Petrus.

1,45 Philippus findet den Nathanael und spricht zu ihm: Wir haben den gefunden, von dem Mose in

dem Gesetz geschrieben und die Propheten, Jesus, den Sohn des Joseph, von Nazareth. 1,46 Und

Nathanael sprach zu ihm: Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen? Philippus spricht zu ihm: Komm

und sieh! 1,47 Jesus sah den Nathanael zu sich kommen und spricht von ihm: Siehe, wahrhaftig ein

Israelit, in dem kein Trug ist. 1,48 Nathanael spricht zu ihm: Woher kennst du mich? Jesus antwortete

und sprach zu ihm: Ehe Philippus dich rief, als du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich. 1,49

Nathanael antwortete und sprach: Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König Israels. 1,50 Jesus

antwortete und sprach zu ihm: Weil ich dir sagte: Ich sah dich unter dem Feigenbaum, glaubst du? Du

wirst Größeres als dies sehen. 1,51 Und er spricht zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr

werdet den Himmel geöffnet sehen und die Engel Gottes auf- und niedersteigen auf den Sohn des

Menschen.

Hochzeit zu Kana.

Kapitel 2

2,1 Und am dritten Tag war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa; und die Mutter Jesu war dort. 2,2 Es

war aber auch Jesus mit seinen Jüngern zu der Hochzeit geladen. 2,3 Und als es an Wein mangelte,

spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein. 2,4 Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir

zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. 2,5 Seine Mutter spricht zu den Dienern:

Was er euch sagen mag, tut. 2,6 Es waren aber sechs steinerne Wasserkrüge dort aufgestellt, nach der

Reinigungssitte der Juden, wovon jeder zwei oder drei Maß faßte. 2,7 Jesus spricht zu ihnen: Füllt die

Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis oben an. 2,8 Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun

und bringt es dem Speisemeister! Und sie brachten es. 2,9 Als aber der Speisemeister das Wasser

gekostet hatte, das Wein geworden war - und er wußte nicht, woher er war, die Diener aber, die das

Wasser geschöpft hatten, wußten es -, ruft der Speisemeister den Bräutigam 2,10 und spricht zu ihm:

Jeder Mensch setzt zuerst den guten Wein vor, und wenn sie betrunken geworden sind, dann den

geringeren; du hast den guten Wein bis jetzt aufbewahrt. 2,11 Diesen Anfang der Zeichen machte

Jesus zu Kana in Galiläa und offenbarte seine Herrlichkeit; und seine Jünger glaubten an ihn.

2,12 Danach ging er hinab nach Kapernaum, er und seine Mutter und seine Brüder und seine Jünger;

und dort blieben sie nicht viele Tage.

Tempelreinigung.

vgl. Mt 21,12-17; Mk 11,15-19; Lk 19,45-48.

2,13 Und das Passah der Juden war nahe, und Jesus ging hinauf nach Jerusalem. 2,14 Und er fand im

Tempel die Ochsen- und Schaf- und Taubenverkäufer und die Wechsler sitzen. 2,15 Und er machte

eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus, auch die Schafe und die Ochsen; und

die Münzen der Wechsler schüttete er aus, und die Tische warf er um; 2,16 und zu den

Taubenverkäufern sprach er: Nehmt dies weg von hier, macht nicht das Haus meines Vaters zu einem

Kaufhaus! 2,17 Seine Jünger gedachten daran, daß geschrieben steht: `Der Eifer um dein Haus

verzehrt mich. 2,18 Die Juden nun antworteten und sprachen zu ihm: Was für ein Zeichen [der

Vollmacht] zeigst du uns, daß du dies tust? 2,19 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Brecht diesen

Tempel ab, und in drei Tagen werde ich ihn aufrichten. 2,20 Da sprachen die Juden: Sechsundvierzig

Jahre ist an diesem Tempel gebaut worden, und du willst ihn in drei Tagen aufrichten? 2,21 Er aber

sprach von dem Tempel seines Leibes. 2,22 Als er nun aus den Toten auferweckt war, gedachten

seine Jünger daran, daß er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus

gesprochen hatte.

2,23 Als er aber zu Jerusalem war, am Passah, auf dem Fest, glaubten viele an seinen Namen, als sie

seine Zeichen sahen, die er tat. 2,24 Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an, weil er alle kannte

2,25 und nicht nötig hatte, daß jemand Zeugnis gebe von dem Menschen; denn er selbst wußte, was in

dem Menschen war.

Gespräch mit Nikodemus.

Kapitel 3

3,1 Es war aber ein Mensch aus den Pharisäern mit Namen Nikodemus, ein Oberster der Juden. 3,2

Dieser kam zu ihm bei Nacht und sprach zu ihm: Rabbi, wir wissen, daß du ein Lehrer bist, von Gott

gekommen, denn niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm. 3,3 Jesus

antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem

geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen. 3,4 Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein

Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er etwa zum zweiten Mal in den Leib seiner Mutter

eingehen und geboren werden? 3,5 Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand

nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes eingehen. 3,6 Was aus

dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, ist Geist. 3,7 Wundere dich

nicht, daß ich dir sagte: Ihr müßt von neuem geboren werden. 3,8 Der Wind weht, wo er will, und du

hörst sein Sausen, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht; so ist jeder, der aus dem

Geist geboren ist. 3,9 Nikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie kann dies geschehen? 3,10 Jesus

antwortete und sprach zu ihm: Du bist der Lehrer Israels und weißt das nicht? 3,11 Wahrlich,

wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben, und unser

Zeugnis nehmt ihr nicht an. 3,12 Wenn ich euch das Irdische gesagt habe, und ihr glaubt nicht, wie

werdet ihr glauben, wenn ich euch das Himmlische sage? 3,13 Und niemand ist hinaufgestiegen in

den Himmel als nur, der aus dem Himmel herabgestiegen ist, der Sohn des Menschen. 3,14 Und wie

Mose in der Wüste die Schlange erhöhte, so muß der Sohn des Menschen erhöht werden, 3,15 damit

jeder, der an ihn glaubt, ewiges Leben habe. 3,16 Denn so hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen

eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben

habe. 3,17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, daß er die Welt richte, sondern daß

die Welt durch ihn errettet werde. 3,18 Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt,

ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. 3,19

Dies aber ist das Gericht, daß das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen haben die

Finsternis mehr geliebt als das Licht, denn ihre Werke waren böse. 3,20 Denn jeder, der Arges tut,

haßt das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht bloßgestellt werden; 3,21 wer

aber die Wahrheit tut, kommt zu dem Licht, damit seine Werke offenbar werden, daß sie in Gott

gewirkt sind.

Weiteres Zeugnis des Täufers über

Jesus.

3,22 Danach kamen Jesus und seine Jünger in das Land Judäa, und dort verweilte er mit ihnen und

taufte. 3,23 Aber auch Johannes taufte zu Änon, nahe bei Salim, weil dort viel Wasser war; und sie

kamen hin und wurden getauft. 3,24 Denn Johannes war noch nicht ins Gefängnis geworfen. 3,25 Es

entstand nun eine Streitfrage von seiten der Jünger des Johannes mit einem Juden über die Reinigung.

3,26 Und sie kamen zu Johannes und sprachen zu ihm: Rabbi, der jenseits des Jordan bei dir war, dem

du Zeugnis gegeben hast, siehe, der tauft, und alle kommen zu ihm. 3,27 Johannes antwortete und

sprach: Ein Mensch kann nichts empfangen, es sei ihm denn aus dem Himmel gegeben. 3,28 Ihr selbst

gebt mir Zeugnis, daß ich sagte: Ich bin nicht der Christus, sondern ich bin vor ihm hergesandt. 3,29

Der die Braut hat, ist der Bräutigam; der Freund des Bräutigams aber, der dasteht und ihn hört, ist

hoch erfreut über die Stimme des Bräutigams; diese meine Freude nun ist erfüllt. 3,30 Er muß

wachsen, ich aber abnehmen. 3,31 Der von oben kommt, ist über allen; der von der Erde ist, ist von

der Erde und redet von der Erde her. Der vom Himmel kommt, ist über allen; 3,32 was er gesehen und

gehört hat, das bezeugt er; und sein Zeugnis nimmt niemand an. 3,33 Wer sein Zeugnis angenommen

hat, der hat besiegelt, daß Gott wahrhaftig ist. 3,34 Denn der, den Gott gesandt hat, redet die Worte

Gottes; denn Gott gibt den Geist nicht nach Maß. 3,35 Der Vater liebt den Sohn und hat alles in seine

Hand gegeben. 3,36 Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht,

wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.

Gespräch mit der Samariterin.

Kapitel 4

4,1 Als nun der Herr erkannte, daß die Pharisäer gehört hatten, daß Jesus mehr Jünger mache und

taufe als Johannes 4,2 - obgleich Jesus selbst nicht taufte, sondern seine Jünger -, 4,3 verließ er Judäa

und zog wieder nach Galiläa. 4,4 Er mußte aber durch Samaria ziehen. 4,5 Er kommt nun in eine Stadt

Samarias, genannt Sychar, nahe bei dem Feld, das Jakob seinem Sohn Joseph gab. 4,6 Es war aber

dort eine Quelle Jakobs. Jesus nun, ermüdet von der Reise, setzte sich ohne weiteres an die Quelle

nieder. Es war um die sechste Stunde. 4,7 Da kommt eine Frau aus Samaria, Wasser zu schöpfen.

Jesus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken! 4,8 - Denn seine Jünger waren weggegangen in die Stadt, um

Speise zu kaufen. - 4,9 Die samaritische Frau spricht nun zu ihm: Wie bittest du, der du ein Jude bist,

von mir zu trinken, die ich eine samaritische Frau bin? - Denn die Juden verkehren nicht mit den

Samaritern. - 4,10 Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wenn du die Gabe Gottes kennen würdest und

wer es ist, der zu dir spricht: Gib mir zu trinken, so hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges

Wasser gegeben. 4,11 Sie spricht zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief.

Woher hast du denn das lebendige Wasser? 4,12 Du bist doch nicht größer als unser Vater Jakob, der

uns den Brunnen gab, und er selbst trank daraus und seine Söhne und sein Vieh? 4,13 Jesus

antwortete und sprach zu ihr: Jeden, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder dürsten; 4,14 wer aber

von dem Wasser trinken wird, das ich ihm geben werde, den wird nicht dürsten in Ewigkeit; sondern

das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm eine Quelle Wassers werden, das ins ewige Leben

quillt. 4,15 Die Frau spricht zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit mich nicht dürste und ich

nicht hierher komme, um zu schöpfen. 4,16 Jesus spricht zu ihr: Geh hin, rufe deinen Mann und

komm hierher! 4,17 Die Frau antwortete und sprach: Ich habe keinen Mann. Jesus spricht zu ihr: Du

hast recht gesagt: Ich habe keinen Mann; 4,18 denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt

hast, ist nicht dein Mann; hierin hast du wahr geredet. 4,19 Die Frau spricht zu ihm: Herr, ich sehe,

daß du ein Prophet bist. 4,20 Unsere Väter haben auf diesem Berg angebetet, und ihr sagt, daß in

Jerusalem der Ort sei, wo man anbeten müsse. 4,21 Jesus spricht zu ihr: Frau, glaube mir, es kommt

die Stunde, da ihr weder auf diesem Berg, noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. 4,22 Ihr betet

an, was ihr nicht kennt; wir beten an, was wir kennen, denn das Heil ist aus den Juden. 4,23 Es kommt

aber die Stunde und ist jetzt, da die wahren Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden;

denn auch der Vater sucht solche als seine Anbeter. 4,24 Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen

in Geist und Wahrheit anbeten. 4,25 Die Frau spricht zu ihm: Ich weiß, daß der Messias kommt, der

Christus genannt wird; wenn jener kommt, wird er uns alles verkündigen. 4,26 Jesus spricht zu ihr:

Ich bin}s, der mit dir redet.

Folgen des Gesprächs mit der

Samariterin:.

4,27 Glaube der Samariter - Vom Erntefeld Gottes

Und darüber kamen seine Jünger und wunderten sich, daß er mit einer Frau redete. Dennoch sagte

niemand: Was suchst du? oder: Was redest du mit ihr? 4,28 Die Frau nun ließ ihren Wasserkrug

stehen und ging weg in die Stadt und sagt zu den Leuten: 4,29 Kommt, seht einen Menschen, der mir

alles gesagt hat, was ich getan habe; dieser ist doch nicht etwa der Christus? 4,30 Sie gingen zu der

Stadt hinaus und kamen zu ihm.

4,31 In der Zwischenzeit baten ihn die Jünger und sprachen: Rabbi, iß! 4,32 Er aber sprach zu ihnen:

Ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennt. 4,33 Da sprachen die Jünger zueinander: Hat ihm

wohl jemand zu essen gebracht? 4,34 Jesus spricht zu ihnen: Meine Speise ist, daß ich den Willen

dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollbringe. 4,35 Sagt ihr nicht: Es sind noch vier

Monate, und die Ernte kommt? Siehe, ich sage euch: Hebt eure Augen auf und schaut die Felder an,

denn sie sind schon weiß zur Ernte. 4,36 Der da erntet, empfängt Lohn und sammelt Frucht zum

ewigen Leben, damit beide, der da sät und der da erntet, sich zugleich freuen. 4,37 Denn hierin ist der

Spruch wahr: Ein anderer ist es, der da sät, und ein anderer, der da erntet. 4,38 Ich habe euch gesandt

zu ernten, woran ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet, und ihr seid in ihre Arbeit

eingetreten.

4,39 Aus jener Stadt aber glaubten viele von den Samaritern an ihn um des Wortes der Frau willen,

die bezeugte: Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe. 4,40 Als nun die Samariter zu ihm kamen,

baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und er blieb dort zwei Tage. 4,41 Und noch viel mehr [Leute]

glaubten um seines Wortes willen; 4,42 und sie sagten zu der Frau: Wir glauben nicht mehr um deines

Redens willen, denn wir selbst haben gehört und wissen, daß dieser wahrhaftig der Heiland der Welt

ist.

Heilung des Sohnes eines königlichen

Beamten.

vgl. Mt 8,5-13; Lk 7,1-10.

4,43 Nach den zwei Tagen aber zog er von dort weg nach Galiläa; 4,44 denn Jesus selbst bezeugte,

daß ein Prophet im eigenen Vaterland kein Ansehen hat. 4,45 Als er nun nach Galiläa kam, nahmen

die Galiläer ihn auf, da sie alles gesehen, was er in Jerusalem auf dem Fest getan hatte; denn auch sie

kamen zu dem Fest.

4,46 Er kam nun wieder nach Kana in Galiläa, wo er das Wasser zu Wein gemacht hatte. Und es war

in Kapernaum ein königlicher [Beamter], dessen Sohn krank war. 4,47 Als dieser gehört hatte, daß

Jesus aus Judäa nach Galiläa gekommen sei, ging er zu ihm hin und bat, daß er herabkomme und

seinen Sohn heile; denn er lag im Sterben. 4,48 Jesus sprach nun zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und

Wunder seht, so werdet ihr nicht glauben. 4,49 Der königliche Beamte spricht zu ihm: Herr, komm

herab, ehe mein Kind stirbt! 4,50 Jesus spricht zu ihm: Geh hin, dein Sohn lebt. Der Mann glaubte

dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin. 4,51 Aber schon während er hinabging, kamen ihm

seine Knechte entgegen und berichteten, daß sein Knabe lebe. 4,52 Er erforschte nun von ihnen die

Stunde, in der es besser mit ihm geworden sei; und sie sagten zu ihm: Gestern zur siebten Stunde

verließ ihn das Fieber. 4,53 Da erkannte der Vater, daß es in jener Stunde war, in der Jesus zu ihm

sagte: Dein Sohn lebt. Und er glaubte, er und sein ganzes Haus. 4,54 Dies tat Jesus wieder als zweites

Zeichen, als er aus Judäa nach Galiläa gekommen war.

Heilung eines Kranken am Teich

Bethesda.

Kapitel 5

5,1 Danach war ein Fest der Juden, und Jesus ging hinauf nach Jerusalem. 5,2 Es ist aber in Jerusalem

bei dem Schaftor ein Teich, der auf hebräisch Bethesda genannt wird, der fünf Säulenhallen hat. 5,3 In

diesen lag eine Menge Kranker, Blinder, Lahmer, Dürrer, die auf die Bewegung des Wassers

warteten. 5,4